Die verschiedenen Begrifflichkeiten stellen eine Herausforderung für die Analyse dar: "Kunst provoziert Wissenschaft, und die Entgrenzung der Kunst stelle die Grenzen wissenschaftlicher Disziplinen in Frage."
Diese Gegenüberstellungen und Gegensätze bieten einen Einblick in die Komplexität und Diversität der performativen Künste. Performance-Theater? Zeitgenössisches Theater? Postmodernes Theater? Aufführung? Theatralität? Performance-Kunst? Performative Aufführung? Performativität oder Performanz? Es gibt diverse Abgrenzungen und Gegensätze zwischen den verschiedenen Bereichen und Begrifflichkeiten. Viele dieser Phänomene und Begriffe sind miteinander verwandt, sie zeichnen sich durch verschiedene Gemeinsamkeiten und Unterschiede aus, können jedoch nicht gegeneinander ausgespielt werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Performativität, Performanz und Performance
3. Performative Künste
3.1. Performance-Kunst
3.2. Theater
3.2.1. Postdramatisches Theater
3.2.2. Theatralität und Performativität
4. Vergleich: Theater und Performance-Kunst
4.1. Unterschiede
4.2. Schnittstellen
5. Fazit
6. Exkurs: Performativität, Text- und Literaturwissenschaften
6.1. Text und Performativität
6.2. Theatertexte von GERTRUDE STEIN
6.3. Performative Künste und literarische Texte
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende wissenschaftliche Arbeit untersucht die komplexen Schnittstellen und Differenzen zwischen den Kunstformen Theater und Performance-Kunst. Ziel ist es, die häufig synonym verwendeten Begriffe wie Performativität, Performance und Performanz theoretisch einzuordnen und zu klären, wie Zuschauer heute zwischen diesen beiden performativen Disziplinen unterscheiden können.
- Theoretische Grundlagen von Performativität, Performanz und Performance
- Entwicklung und Merkmale der performativen Künste sowie des postdramatischen Theaters
- Gegenüberstellung von Theater und Performance-Kunst hinsichtlich Raum, Zeit und Körperlichkeit
- Die Rolle literarischer Texte in den performativen Künsten am Beispiel von Gertrude Stein
Auszug aus dem Buch
4.1. Unterschiede
„Im Theater werden Rollen gespielt, in der Performance stellen Menschen sich selbst dar. Anders gesagt: im Theater führen die einen aus, was die anderen konzipiert haben – in der Performance sind die konzipierende und die ausführende Person dieselbe. Theater kann wiederholt werden – Performance hat Einmaligkeitscharakter; Theater spielt sich im fiktiven Raum ab – Performance bezieht sich auf den wirklich vorhandenen Raum; Theater kann die Zeit manipulieren, in der Performance gibt es nur Realzeit.“ (Jappe 1993: 53).
Die Theaterkritikerin DAGMER WALSER thematisiert eine deutliche Unterscheidung der Grundqualitäten von Theater und der „klassischen Performance“ (Walser 2004: 41). Die Performance-Kunst bezieht sich auf die Qualität des sich vollziehenden Handelns und hebt den ephemeren sowie autonomen künstlerischen Akt hervor. Es findet ein handlungsbetontes und prozesshaftes Agieren statt – das authentische Handeln und spezifische Praktiken stehen somit der Inszenierung des Theaters gegenüber. Die inszenierte Theaterwelt trifft hierbei auf die Alltagswelt der Zuschauer*innen. Der Aspekt des Erkennens spielt in den theatralen Künsten eine wichtige Rolle und wird in der Performance-Kunst durch den Aspekt des Erfahrens ersetzt. Beide Aspekte vermischen sich jedoch und können in die jeweils andere Kunstform übergehen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Komplexität und Diversität der performativen Künste und stellt die zentrale Forschungsfrage nach den Unterscheidungsmerkmalen von Theater und Performance-Kunst.
2. Performativität, Performanz und Performance: Dieses Kapitel liefert eine theoretische Fundierung, indem verschiedene Disziplinen und Sichtweisen auf die Begriffe Performativität, Performanz und Performance gegenübergestellt werden.
3. Performative Künste: Hier wird der historische Kontext der performativen Wende erläutert und die spezifische Entwicklung von Performance-Kunst und Theater detailliert betrachtet.
4. Vergleich: Theater und Performance-Kunst: Dieser Abschnitt dient der direkten Gegenüberstellung der beiden Kunstformen, wobei Unterschiede (z.B. Raum, Zeit) und gemeinsame Schnittstellen herausgearbeitet werden.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Analyse zusammen und konstatiert, dass eine abschließende Abgrenzung aufgrund der Hybridität beider Kunstformen oft von der individuellen Wahrnehmung abhängt.
6. Exkurs: Performativität, Text- und Literaturwissenschaften: Dieser Exkurs untersucht die Verbindung zwischen Textmaterial und Performanz unter Einbeziehung der Theatertexte von Gertrude Stein.
Schlüsselwörter
Performativität, Performance-Kunst, Theater, Postdramatisches Theater, Aufführung, Theatralität, Performanz, Interdisziplinarität, Körperlichkeit, Gertrude Stein, Ästhetik, Kunstform, Transdisziplinarität, Ereignishaftigkeit, Hybridität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Abgrenzung und den Gemeinsamkeiten zwischen Theater und Performance-Kunst und hinterfragt, wie diese Kunstformen theoretisch und praktisch voneinander unterschieden werden können.
Welches ist das zentrale Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Schnittstellen und Unterschiede der beiden Kunstformen zu analysieren und ein Verständnis für die komplexen Begriffe der Performativitätsforschung zu schaffen.
Welche Themenfelder stehen im Mittelpunkt?
Zentrale Themen sind die theoretische Bestimmung von Performance und Performativität, das postdramatische Theater, die Rolle der Körperlichkeit sowie der Umgang mit literarischen Texten in performativen Kontexten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine literaturgestützte Analyse, bei der fachwissenschaftliche Diskurse der Theater-, Literatur- und Kulturwissenschaft in eine vergleichende Untersuchung überführt werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Begriffsbestimmung, eine Untersuchung der performativen Künste, einen direkten Vergleich von Theater und Performance sowie einen Exkurs zur literaturwissenschaftlichen Dimension.
Welche Rolle spielt der Begriff "Performativität" in dieser Analyse?
Performativität fungiert als das alles verbindende Element, das beide Kunstformen zwar eint, aber durch unterschiedliche Vollzugsformen spezifiziert wird.
Warum wird Gertrude Stein als Beispiel angeführt?
Ihre Texte dienen dazu zu verdeutlichen, wie Literatur den konventionellen Rahmen des Theaters brechen und eine neue performative Qualität einnehmen kann.
Ist eine eindeutige Trennung zwischen Theater und Performance im Fazit möglich?
Das Fazit kommt zu dem Schluss, dass eine eindeutige Trennung oft nicht möglich ist, da die Einordnung stark von der subjektiven Wahrnehmung der Zuschauer und den jeweiligen Kontexten abhängt.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2019, Theater und Performance. Untersuchung von Schnittstellen zweier Kunstformen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1335587