Das von der Archäologie seit der Schenkung der Aba (Codex Lorsch Nr.12) durchgängig angenommene Patrozinium St. Nazarius für die Pfarrkirche Ober-Roden steht auf schwachen Füßen. Es gibt Argumente, die andere Deutungen wahrscheinlich machen.
Inhaltsverzeichnis
1. Die wechselvolle Geschichte des Patroziniums der St. Nazarius-Kirche in Oberroden / Rödermark
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Entwicklung und den Ursprung des Patroziniums der St. Nazarius-Kirche in Oberroden. Ziel ist es, die wissenschaftlich diskutierte These eines durchgängigen Nazarius-Patroziniums kritisch zu hinterfragen und anhand archäologischer Funde, Urkunden und historischer Kontextanalysen alternative Widmungen, insbesondere das St. Stefan-Patrozinium, zu prüfen.
- Historische Analyse des Patroziniumswechsels im Kloster Rotaha/Oberroden.
- Kritische Würdigung der Reliquienverehrung und des Kloster-Einflusses durch Lorsch.
- Auswertung zeitgenössischer Urkunden zum Pfründentausch und zur Kirchenorganisation.
- Archäologische Einordnung der Bauphasen und Altarwidmungen.
- Vergleich der lokalen Überlieferung mit überregionalen kirchengeschichtlichen Entwicklungen.
Auszug aus dem Buch
Die wechselvolle Geschichte des Patroziniums der St. Nazarius-Kirche in Oberroden / Rödermark
Nur wenige Kirchen haben das Patrozinium eines heute unmodernen Heiligen in die Gegenwart gerettet. Modern war der Heilige etwa in der Zeit zwischen 700 -1200. Und dass die Kirche heute noch dieses Patrozinium besitzt, führt Prof. Dr. Schallmayer [1] darauf zurück, dass die Mönche des Klosters Lorsch, denen die Äbtissin Aba am 25.2.786 [2] das Kloster Rotaha schenkte, ihren neuen Besitz mit dem Patrozinium des Hl. Nazarius versahen, um ihre Rechtsansprüche zu dokumentieren. Nazarius war der Heilige des Klosters Lorsch, der auf Bitte des Chrodegang von Metz durch Papst Paul I am 11.6.765 dem Kloster übergeben wurde.
Für das ununterbrochene Patrozinium, das Prof. Dr. Schallmayer annimmt, gibt es keinen Beweis. Die bruchstückhaften Überlieferungen lassen doch eher Lücken erahnen.
In dem Büchlein „100 Jahre St. Nazarius“ [3] findet sich der Hinweis, dass beim Abbruch des Hauptaltars der Vorgängerkirche am 23.10.1894 ein kleiner Zylinder gefunden wurde, der „gut verschlossen, aber ohne äußeres Siegel war. Dieser Reliquienbehälter wurde heraus genommen und sollte später dem bischöflichen Amt übergeben werden.“
Zusammenfassung der Kapitel
Die wechselvolle Geschichte des Patroziniums der St. Nazarius-Kirche in Oberroden / Rödermark: Dieses Kapitel analysiert die historischen Belege und Zweifel an der Kontinuität des Nazarius-Patroziniums in Oberroden und untersucht anhand archäologischer und urkundlicher Befunde alternative Hypothesen zur ursprünglichen Widmung der Kirche.
Schlüsselwörter
St. Nazarius, Oberroden, Patrozinium, Kloster Lorsch, Reliquien, Kirchengeschichte, St. Stefan, St. Gingolf, Mittelalter, Archäologie, Pfründentausch, Rotaha, Rödermark, Eigenkirche, Urkundenanalyse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der historischen Herleitung und der kritischen Hinterfragung des Patroziniums der Kirche in Oberroden, das heute dem Hl. Nazarius geweiht ist.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Schwerpunkte sind die mittelalterliche Kirchenorganisation, die Einflussnahme des Klosters Lorsch auf lokale Kirchenstrukturen sowie die Analyse archäologischer Grabungsbefunde und historischer Urkunden.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die wissenschaftliche Annahme eines ununterbrochenen Nazarius-Patroziniums zu prüfen und durch Indizien für andere Heiligenpatrozinien, etwa St. Stefan, zu ergänzen oder infrage zu stellen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es werden methodisch eine vergleichende Quellenanalyse, die Auswertung von Dissertationen und Fachliteratur sowie die Interpretation archäologischer Ausgrabungsberichte angewandt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil behandelt die kirchengeschichtlichen Zäsuren, wie den 30-jährigen Krieg, die Rolle des Klosters Lorsch als Eigenkirchenherr und die Bedeutung spezifischer Reliquienfunde.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Patroziniumsgeschichte, Kloster Lorsch, Nazarius-Reliquien und mittelalterliche Pfründengestaltung charakterisiert.
Warum wird die These des durchgehenden Nazarius-Patroziniums angezweifelt?
Die Zweifel speisen sich aus der Lückenhaftigkeit der Überlieferung, dem Fehlen von Nazarius-Reliquien in den Archivverzeichnissen und Hinweisen auf eine St. Stefan-Widmung in einer Urkunde von 1472.
Welche Rolle spielte das Kloster Lorsch für Oberroden?
Das Kloster Lorsch fungierte als Eigenkirchenherr, der durch Schenkungen und die Entsendung von Priestern massiven Einfluss auf die kirchliche Versorgung und die institutionelle Ausrichtung in Oberroden ausübte.
- Quote paper
- Dipl.Ing. (TU) Karl Pohl (Author), 2009, Die wechselvolle Geschichte des Patroziniums der St. Nazarius-Kirche in Oberroden / Rödermark, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/133589