Politikverdrossenheit – kaum ein anderer Begriff hat die öffentliche, politische und politikwissenschaftliche Diskussion der letzten Jahre derart geprägt. Dabei steht das Konstrukt nach Arzheimer (2002) meist stellvertretend als Ursache, Folge und Überbegriff einer ganzen Reihe von politischen Problemen und Entwicklungen; für Mitgliederverluste der etablierten Parteien, für schwindendes Vertrauen in staatliche und gesellschaftliche Institutionen und ist nicht zuletzt auch ein Synonym für sinkende Wahlbeteiligungen. Vor diesem Hintergrund werden "junge Onliner" und ihre Erwartungen näher betrachtet.
Die Forschungsfrage lautet: Welche Erwartungen haben jugendliche Onliner an die digitalen Kommunikationsstrategien von Politikern und Parteien im Vorfeld der kommenden Bundestagswahl?
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung: Politikverdrossenheit und Erwartungen gegenüber dem Social Web
2 Der Forschungsprozess: Das Internet als Aktionsraum politischer Online-Kommunikation
2.1 Potenziale politischer Online-Kommunikation
2.2 Strategien politischer Akteure im Social Web
2.3 Formen der individuellen politischen Kommunikation und deren Integration in die Nutzungspraktiken im Social Web
2.4 Partizipationsforschung und Einflüsse auf die Erwartungshaltung der Nutzer
3 Der Forschungsprozess: Dimensionale Analyse der Begriffe aus der Forschungsfrage
3.1 Notwendigkeit einer Analyse
3.2 Dimensionale Analyse versus Dimensionsanalyse
3.3 Aufgliederung der relevanten Begriffe
3.3.1 Erwartungen
3.3.2 (Digitale) Kommunikationsstrategien
3.3.3 Politiker und Parteien
3.3.4 Junge Onliner
3.4 Zwischenfazit
4 Der Forschungsprozess: Zusammenfassung der theoretischen Annahmen und Herleitung der Hypothesen
4.1 Zusammenfassung und Implikationen
4.2 Hypothesenherleitung
5 Der Forschungsprozess: Untersuchungsanlage
5.1 Erhebungsdesign
5.2 Erhebungsmethode
5.3 Grundgesamtheit und Auswahlverfahren
5.4 Feldphase
6 Der Forschungsprozess: Umsetzung
6.1 Vorgehen
6.2 Operationalisierungen und Fragebogenentwicklung
6.3 Ergebnisse des Pre-Tests
6.4 Erste Vorüberlegungen zur Auswertung
6.5 Kritische Diskussion
7 Der Forschungsprozess: Ergebnisse
7.1 Stichprobenbeschreibung
7.2 Beurteilung der Gütekriterien Objektivität, Reliabilität und Validität
7.3 Hypothesenauswertung
8 Kritische Reflexion und Ausblick
9 Literatur- und Quellenverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, welche Erwartungen junge Onliner an die digitalen Kommunikationsstrategien von Politikern und Parteien im Vorfeld der Bundestagswahl haben, um politische Akteure bei der Entwicklung zielgruppengerechter Strategien zu unterstützen und der Politikverdrossenheit entgegenzuwirken.
- Analyse der Potenziale und Strategien politischer Online-Kommunikation
- Einflussfaktoren der individuellen Mediennutzung und Partizipation
- Dimensionale Analyse politikrelevanter Begriffe
- Herleitung von Hypothesen zur Interaktion im Social Web
- Methodische Konzeption einer quantitativen Online-Befragung
Auszug aus dem Buch
2.1 Potenziale politischer Online-Kommunikation
Hoccer (2002) benennt für das Funktionieren einer modernen Demokratie drei kommunikative Aufgaben politischer Akteure – die Informationsfunktion, die Interaktionsfunktion und die Partizipationsfunktion. Die Erfüllung dieser Kernfunktionen wurde im Zuge der Online-Kommunikation um den damit verbundenen kommunikativen Handlungsspielraum der politischen Akteure erweitert. Demgemäß bietet das Netz (vgl. folgend Emmer & Bräuer, 2010, S. 325):
- die Möglichkeit der Bereitstellung umfangreicher Informationsangebote, die stärker auf die spezifischen Zielgruppen und ihr Kommunikationsverhalten, ihre Interessen und ihre Persönlichkeit zugeschnitten sind,
- die Aussicht auf eine intensivere Interaktion zwischen politischen Akteuren und Wählern, mit Hilfe des Potenzials für eine direkte Kommunikation, die die Dominanz massenmedialer Instrumente relativiert,
- die Chance auf eine stärkere Integration der Individualkommunikation von Bürgern (Mobilisierung) und den damit einhergehenden Wirkungsvorteil gegenüber massenmedialen Überzeugungsversuchen (bspw. durch Methoden des viralen Marketings und die Einbindung von User Generated Content),
- sowie die Entstehung einer fruchtbaren Diskussionskultur, die auf einer schnellen Antwort – bzw. Gegenkommunikation aufbaut, wenn der jeweilige Gegenüber oder politische Gegner Argumente oder Thesen besetzt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Politikverdrossenheit und Erwartungen gegenüber dem Social Web: Einführung in das Problem der Politikverdrossenheit und die Begründung des Forschungsinteresses bezüglich junger Onliner als Zielgruppe.
2 Der Forschungsprozess: Das Internet als Aktionsraum politischer Online-Kommunikation: Theoretische Fundierung des Internets als politischer Raum sowie Vorstellung verschiedener Kommunikationsstrategien von Akteuren.
3 Der Forschungsprozess: Dimensionale Analyse der Begriffe aus der Forschungsfrage: Aufschlüsselung zentraler Begriffe wie "Erwartung", "Kommunikationsstrategie" und "junger Onliner" zur Vorbereitung der Hypothesenbildung.
4 Der Forschungsprozess: Zusammenfassung der theoretischen Annahmen und Herleitung der Hypothesen: Synthese der theoretischen Erkenntnisse zur Formulierung konkreter wissenschaftlicher Hypothesen.
5 Der Forschungsprozess: Untersuchungsanlage: Erläuterung der Studiendesign-Entscheidungen, wie der Wahl der quantitativen Online-Befragung und der Rekrutierungsstrategie.
6 Der Forschungsprozess: Umsetzung: Detaillierte Darstellung der Operationalisierung der Hypothesen sowie der Fragebogenentwicklung und Ergebnisse von Pre-Tests.
7 Der Forschungsprozess: Ergebnisse: Auswertung der erhobenen Daten, Beschreibung der Stichprobe und Überprüfung der aufgestellten Hypothesen.
8 Kritische Reflexion und Ausblick: Diskussion der methodischen Einschränkungen der Studie sowie Ausblick auf zukünftige Forschungsbedarfe.
9 Literatur- und Quellenverzeichnis: Auflistung aller verwendeten Quellen und Internetressourcen für die methodische und theoretische Arbeit.
Schlüsselwörter
Politikverdrossenheit, Social Web, Online-Kommunikation, junge Onliner, Bundestagswahl, Partizipation, Mediennutzung, Kommunikationsstrategien, Politikinteresse, Online-Befragung, User Generated Content, Responsivität, politische Involviertheit, Medienkompetenz, Politikmarketing.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Erwartungen junger Menschen an die Art und Weise, wie Politiker und Parteien digitale Kommunikationskanäle im Internet nutzen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf politischer Online-Kommunikation, dem Nutzungsverhalten junger Onliner sowie der strategischen Interaktion im Social Web.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet: "Welche Erwartungen haben jugendliche Onliner an die digitalen Kommunikationsstrategien von Politikern und Parteien im Vorfeld der kommenden Bundestagswahl?"
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine quantitative, standardisierte Online-Befragung als Querschnittsuntersuchung durchgeführt, ergänzt durch eine theoretische dimensionale Analyse.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Herleitung der Begriffe, die methodische Erhebungsplanung, die praktische Umsetzung der Fragebogenentwicklung sowie die statistische Analyse der Ergebnisse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Politikverdrossenheit, digitale Kommunikationsstrategien, Partizipation, politische Involviertheit und Mediennutzung.
Warum wurde die Zielgruppe der "jungen Onliner" gewählt?
Da junge Wähler sich zunehmend von etablierten Parteien distanzieren, ist ihr Nutzungsverhalten für zukünftige politische Kommunikationsstrategien von hoher prognostischer Relevanz.
Wie wurde die Validität der Ergebnisse sichergestellt?
Durch die Verwendung erprobter Skalen aus vergleichbaren Studien (z.B. Shell-Jugendstudie, JIM-Studie) und eine detaillierte Reflexion der methodischen Vorgehensweise.
Welche Rolle spielt die Selbstwirksamkeit für die jungen Wähler?
Die Studie identifiziert Selbstwirksamkeit als zentrales Motiv: Junge Menschen wünschen sich schnelle, glaubwürdige Rückmeldungen und Interaktionsmöglichkeiten, um sich weniger machtlos in politischen Entscheidungsprozessen zu fühlen.
- Citar trabajo
- Anonym (Autor), 2011, Welche Erwartungen haben jugendliche Onliner an die digitalen Kommunikationsstrategien von Politikern und Parteien in der Bundestagswahl?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1335952