Amantina o la historia de un desamor (von José Manuel Freidel)


Hausarbeit (Hauptseminar), 2002
16 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Der Autor und sein Lebenswerk

2. Amantina o la historia de un desamor – der Plot

3. Die Struktur

4. Die Figuren
4.1 Amantina
4.2 Großmutter
4.3 Susano
4.4 Don Cosme
4.5 Die Bettler

5. Die Sprache

6. Schlusswort

Literaturverzeichnis

Einleitung

Im Rahmen des Seminars Theater in Kolumbien und Ecuador behandelt diese Arbeit das Theaterstück Amantina o la historia de un desamor des paisas[1] José Manuel Freidel. Das 1. Kapitel befasst sich mit dem Autor und seinem Lebenswerk, beschreibt dessen Theater und vergleicht es mit dem Theater seiner Zeitgenossen. Im 2. Kapitel wird die Handlung des Stücks Amantina o la historia de un desamor nacherzählt. Im 3. Kapitel soll die Struktur des Kapitels erläutert und interpretiert werden. Im 4. Kapitel werden die Hauptfiguren beschrieben, auf ihre Eigenschaften und ihre Funktion im Stück hin untersucht. Das 5. Kapitel befasst sich mit der Sprache Freidels Stücke im Allgemeinen und mit der Sprache in Amantina o la historia de un desamor im Besonderen. Die Arbeit schließt, indem sie auf die inhaltliche Aktualität des Stücks hinweist, die soziale Situation der Vierziger und Fünfziger Jahre des XX. Jahrhunderts mit der des Jahres 2002 vergleicht und über die Zukunft des Landes spekuliert.

1. Der Autor und sein Lebenswerk

1951 wird José Manuel Freidel[2] Correa in Santa Barbara, einer Stadt in der kolumbianischen Provinz Antioquia, geboren und wächst bei seiner Großmutter auf, bei der er bis zu ihrem Tod im Jahr1985 lebt. Am 28.11.1990 wird Freidel auf offener Straße erschossen. Täter und Motiv sind bis heute nicht bekannt (vgl. Las Burguesas de la Calle Menor). Im Alter von 15 schreibt er bereits sein erstes Theaterstück und mit 24 gründet er die Corporación de Teatro y Títeres La Fanfarría (vgl. Pörtl 2), die sich später in La Ex-Fanfarría verwandelt und unter diesem Namen bis heute existiert. Obwohl er sein Jurastudium abschließt und als Rechtsanwalt arbeitet, gehört sein Leben dem Theater. Er ist ein vielseitiger Künstler, der sich nicht nur auf das Schreiben von Stücken beschränkt, sondern sich zusätzlich als Schauspieler, Musiker, Choreograph, Beleuchtungsfachmann und Bühnentechniker betätigt (vgl. José Manuel Freidel Correa). Er erwirbt sein künstlerisches Wissen nicht etwa an einer Schule, Universität oder Akademie, vielmehr entspringt Freidels Theater seiner Intuition, seiner persönlichen Einstellung zu seinem Land, dessen blutiger Geschichte und dem daraus resultierenden Leben mancher Bürger.

Freidels erste, in den Siebziger Jahren aufgeführten Stücke haben mit dem politischen Theater jener Zeit wenig gemeinsam, denn Struktur, Sprache, Figuren, Situation und Bühnenbild sind rundum originell. Die gesamte geschaffene Atmosphäre seines experimentellen Theaters ist dem Publikum neu (Tejada 18 und Viviescas 24). Víctor Viviescas jedoch nennt Freidels Theater in einem Punkt typisch für dessen Zeit: im "compromiso con la trascendencia[3] " (Viviescas 22). In diesem Sinne beklage das Theater soziale Ungerechtigkeit und strebe die Änderung dieses Zustandes an. Des weiteren setzten sich die Stücke über das Individuum hinweg, das zur Marionette der Geschichte würde und seine subjektive Individualität verliere (vgl. Viviescas 22). Was Freidels Stücke von anderen Stücken unterscheide sei, dass er das Individuum, im Gegensatz zu seinen Zeitgenossen, in den Vordergrund stelle, wie im Fall Amantinas, während die kolumbianische Geschichte nur als Kontext diene (Viviescas 38). Amantina ist eine Marionette der Geschichte, dennoch liegt der Fokus auf Amantinas subjektiven Problemen, wie der Titel historia de un desamor bereits andeutet. Freidel zwingt der Figur Amantina seine eigene Weltanschauung auf, macht sie zu einer verzweifelten Nihilistin (vgl. Viviescas 28-29). Was sein Theater außerdem von dem seiner Zeitgenossen abhebe, seien in erster Linie die Mythologisierung seiner Geschichten und die Art, in der er seine Figuren zeichnet. Dies sei Folge einer neuartigen Betrachtung des Schreibens, das vom bloßen Werkzeug zum Ziel per se avansiert (Viviescas 24-25). Dadurch würde die bloße Darstellung der Welt zu einer gänzlich neuen, eigenen Welt, zu einem "universo propiamente freideliano" (Viviescas 29).

Die Atmosphäre der Stücke gleicht also eher einem Universum als einer Atmosphäre und diese Atmosphäre ist vom Esperpento geprägt: Die Handlung wird "von oben" gesehen. Das Esperpento ermöglicht somit Distanz zum Plot, der Autor steht über Figuren und Geschehnissen. Die Figuren sind manchmal nicht einmal mehr richtige Figuren, sondern eher Marionetten und dennoch kann der Autor eine Figur zu einem – eben sehr menschlichen- Helden machen. Schreckliches wird Groteskem gegenübergestellt, die Realität verzerrt. Der Diskurs verformt die Realität, verwischt ihre Grenzen und aus Diskursen entstehen neue, abermals die Realität verformende Diskurse (vgl. Yon Millán).

Freidel lässt verschiedene Jargons und Genres zusammenfließen, die Geschichten sind von dem, was der Autor denkt und oft auch mit eigenen Augen sieht, inspiriert (vgl. José Manuel Freidel). Die Figuren in seinen Stücken sind entwurzelte Menschen, deren Leben äußerer Umstände wegen von Hoffnunglosigkeit gezeichnet ist (vgl. Pardo/Ariza 52). Oft haben seine Hauptfiguren den Verstand verloren und aus dieser Perspektive entfaltet sich die Handlung (vgl. Tejada 12). Realität, Erscheinungen und Vorstellungen wechseln einander ab, eine klare Trennungslinie gibt es nicht. Die Leben seiner Hauptfiguren enden dann meist mit einem frühen, gewaltsamen Tod oder aber gehen in ihrer Hoffnungslosigkeit, von schrecklichen Erfahrungen für immer zerstört, vor sich hindümpelnd weiter, wie in Amantinas Fall. Schmerz, Angst, Einsamkeit und Tod prägen das Geschehen und dennoch entbehren seine Stücke nicht der Zärtlichkeit, der Nostalgie und des Humors; doch das Lachen bleibt einem im Halse stecken. Das kurze, bittere Auflachen, das unter den trüben Alltag der Hilflosen, Entwurzelten, Einsamen und Verlorenen gemischt wird, wirkt wie ein kurzer Lichtblick, der den Betrachter zum Nachdenken anregen soll (vgl. Tejada 16-17).

Freidel schuf insgesamt 39 Theaterstücke und der Höhepunkt seines kreativen Schaffens war noch nicht erreicht, als er im Alter von 39 Jahren im Umfeld der leichtfertig angewandten Gewalt, die er beschrieb, starb. Zu seinen herausragendsten Werken gehören Amantina o la historia de un desamor, Las medallas del General, Las Arpías, El romance del bacán y la maleva, Hamlet en este país de ratas retóricas, Los infortunios de la bella Otero y otras desdichas und Las Burguesas de la Calle Menor (vgl. Melo) . Seine poetische, bildhafte Sprache, die Konsequenz, mit der er seine Figuren und Konflikte malte, sein tiefes Verständnis der Themen als auch die Wahl der Themen an sich sind die Faktoren, die seine Werke 22 Jahre nach seinem Tod nicht nur wertvoll erscheinen lassen, sondern José Manuel Freidel zur Liga der bedeutendsten Dramatiker Kolumbiens erheben (vgl. Reyes 16).

2. Amantina o la historia de un desamor - Der Plot

José Manuel Freidels Stück Amantina o la historia de un desamor, das als sein Erstes 1976 uraufgeführt wurde, spielt in einer ländlichen Gegend im Kolumbien der Vierziger (vgl. Amantina o la historia de un desamor) oder Fünfziger Jahre (vgl. Tejada 17) des XX. Jahrhunderts, eine Zeit, die in die Geschichte als La Violencia einging.

[...]


[1] Paisas sind die Bewohner der Provinz Antioquia

[2] In der einschlägigen Literatur findet man außer "Freidel" auch "Freydel" (vgl. Reyes) oder "Freydell" (vgl. Melo)

[3] Überweltlichkeit, die Welt, die außerhalb der Grenzen der menschlichen Erfahrung und außerhalb des menschlichen Bewußtseins liegt (DUDEN-Lexikon)

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Amantina o la historia de un desamor (von José Manuel Freidel)
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Fachbereich Angewandte Sprach- und Kulturwissenschaften)
Veranstaltung
Hauptseminar: Theater in Kolumbien und Ecuador
Note
1,3
Autor
Jahr
2002
Seiten
16
Katalognummer
V13360
ISBN (eBook)
9783638190350
Dateigröße
503 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Theater in Kolumbien, José Manuel Freidel, Lateinamerikanisches Theater, Kolumbien, La Violencia, Guerrilla, Landflucht, Gewalt
Arbeit zitieren
Elisa Bürkle (Autor), 2002, Amantina o la historia de un desamor (von José Manuel Freidel), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/13360

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