Vielschichtiger Art waren die Beweggründe für die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht während der Reformen des preußischen Staatswesens. Einen nicht zu vernachlässigenden Einfluss hatte unter anderem der Nationalismus auf die Väter dieser Neu- und Umgestaltungen.
Wie sich dieses nationalistische Gedankengut des beginnenden 19. Jahrhunderts auf die preußische Heeresreform ausgewirkt hat, soll im Folgenden dargelegt werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hauptteil
2.1 Der Begriff: Nationalismus
2.2 Preußen vor 1806
2.3 Die preußische Heeresreform
2.3.1 Wandel des soldatischen Berufsverständnisses
2.3.2 Bestrebungen zur Verankerung im Nationalbewusstsein
2.4 Wirkung der Heeresreform
3. Ausblick
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss des frühen Nationalismus auf die preußische Heeresreform zu Beginn des 19. Jahrhunderts und setzt diesen Prozess in Bezug zur zeitgenössischen Debatte über die allgemeine Wehrpflicht in der Bundesrepublik Deutschland.
- Historische Analyse der preußischen Heeresreform nach 1806
- Bedeutung des Nationalismus als treibende Kraft für militärische Reformen
- Wandel des soldatischen Selbstverständnisses und des Offizierstyps
- Verbindung zwischen militärischer Organisationsform und nationalem Bewusstsein
- Diskussion über die gesellschaftliche Verankerung der Bundeswehr
Auszug aus dem Buch
2.3.2 Bestrebungen zur Verankerung im Nationalbewusstsein
Der wichtigste Punkt der Heeresreform war freilich, dass Scharnhorst Schritte einleiten ließ, welche die Armee im erwachsenden deutschen Nationalbewusstsein der Zeit fest verankerten. Mit dem Paragraph 1 des Organisationsentwurfs für die Reservearmee wird seine Auffassung von der Rolle des Bürgers im zukünftigen preußischen Staat publiziert. Es heißt dort: „Alle Bewohner des Staates sind geborene Verteidiger desselben“6. Damit wurde die Abkehr vom alten Kantonsystem hin zur allgemeinen Wehrpflicht vollzogen. Jeder hatte die Verpflichtung dem Staat im Kriege zu dienen. Ob dieser Dienst zu Friedenszeiten drei Jahre im stehenden Heer oder in den nur teilaktiven Einheiten der Reservearmee abgeleistet werden musste, wurde nach den Besitzverhältnissen entschieden, da für die Einberufung zur Reservearmee Ausrüstung und Bewaffnung vom Soldaten selbst zu stellen waren.
Meinecke schreibt, dass „man weitere […] Steigerungen der Streitkraft erreich[te]“ indem man „nicht nur die Leiber, sondern auch die Gesinnungen der Landeskinder in Anspruch n[ahm].“8 Damit dies geschehen konnte, war es nötig dem einfachen Soldaten deutlich zu machen, dass der bisher in Preußen gering geschätzte Soldatenstand dem normalen Bürger ebenso Anspruch auf Würde und Ehre verliehen würde, wie dies für Offiziere unlängst galt. Da jedoch der dem Offizierskorps innewohnende traditionelle Ehrbegriff nicht einfach auf das Bürgertum übertragbar war, musste etwas Neues geschaffen werden. Als gemeinsame Basis eines neuen Ehrverständnisses kreierte Scharnhorst über den abstrakten Begriff der Nation eine geistige und emotionale Klammer, der die nationale Ehre eines jeden Bürgers innewohnen sollte. Dieser auf die nationale Ehrauffassung begründete Ehrbegriff sollte so weit gehen, dass ein jeder Bürger zur Verteidigung dieser Grundeinstellung bereit sein würde.
Um eine solche Grundeinstellung zu erlangen, war es nötig dem wehrpflichtigen Staatsbürger auch Ideale zu schaffen, für die er aufgrund seiner persönlichen Überzeugung selbst mit seinem Leben einzutreten bereit war. Als Vorbild diente den Reformern hierbei das Gedankengut der Aufklärung, insbesondere die Pflichtethik Kants, und der französische Staat. In Frankreich hatten bereits alle Bürger die gleichen Rechte und Pflichten vor dem Gesetz. So sollte nun auch in Preußen die persönliche Motivation für die eigene Sache zu kämpfen, gepaart mit dem Stolz auf die eigene Nation dem neugeschaffenen „Volksheer“ die Kraft verleihen im bevorstehenden Freiheitskampf nicht nur tapfer sondern auch opferbereit für die Idee der nationalen Freiheit und Einigkeit einzustehen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die aktuelle Debatte um die Wehrpflicht in der Bundesrepublik und stellt den historischen Bezug zur preußischen Heeresreform als identitätsstiftende Institution her.
2. Hauptteil: Der Hauptteil analysiert die Ausgangslage Preußens vor 1806, den Begriff des Nationalismus im 19. Jahrhundert sowie die konkreten Schritte der Heeresreformer zur Umgestaltung der Armee.
2.1 Der Begriff: Nationalismus: Dieses Unterkapitel definiert den zeitgenössischen Begriff des Nationalismus zu Beginn des 19. Jahrhunderts als progressives Forderungsmodell des Bürgertums.
2.2 Preußen vor 1806: Hier werden die strukturellen und militärischen Mängel des preußischen Staates beschrieben, die letztlich zur militärischen Niederlage gegen Napoleon führten.
2.3 Die preußische Heeresreform: Dieses Kapitel erläutert die Einsetzung der Reorganisationskommission und die zentralen Fragestellungen zur Wiedererstarkung Preußens.
2.3.1 Wandel des soldatischen Berufsverständnisses: Hier wird die Abschaffung von Adelsprivilegien und die Einführung von Leistungskriterien für das Offizierskorps thematisiert.
2.3.2 Bestrebungen zur Verankerung im Nationalbewusstsein: Dieses Kapitel legt dar, wie durch den Begriff der „Nation“ und die allgemeine Wehrpflicht eine neue emotionale Bindung zwischen Bürger und Staat geschaffen wurde.
2.4 Wirkung der Heeresreform: Es wird die historische Wirksamkeit des Konzepts in den Freiheitskriegen sowie die langfristige Bedeutung der Reform für das preußische Militärwesen aufgezeigt.
3. Ausblick: Der Ausblick verknüpft die historischen Erkenntnisse mit der modernen Forderung nach einer Reform des Wehr- und Zivildienstes in der Bundesrepublik.
Schlüsselwörter
Preußen, Heeresreform, Nationalismus, Wehrpflicht, Militär, Befreiungskriege, Scharnhorst, Bürgertum, Volksheer, Offizierskorps, Reformen, Nationalehre, Staatsbürger, Bundeswehr, Patriotismus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die historische Transformation der preußischen Armee durch die Heeresreformen im frühen 19. Jahrhundert und zieht Parallelen zur Debatte über die allgemeine Wehrpflicht in der modernen Bundesrepublik.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Entwicklung des Nationalismus, der Reorganisation des Militärwesens, der Veränderung des soldatischen Selbstverständnisses und der Rolle des Bürgers im Staat.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, aufzuzeigen, wie nationalistisches Gedankengut zur Verankerung der Wehrpflicht als gesellschaftliches Ideal beitrug und warum dieses historische Modell für die heutige Debatte von Bedeutung ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf Fachliteratur des 19. und 20. Jahrhunderts sowie zeitgenössischen Diskursen basiert, um die Beweggründe der preußischen Reformer zu rekonstruieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die preußische Lage vor 1806, den Begriff des Nationalismus, die spezifischen Maßnahmen zur Modernisierung des Militärs sowie die langfristigen Auswirkungen dieser Reformen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Preußen, Heeresreform, Nationalismus, Wehrpflicht, Staatsbürger und Volksheer.
Warum spielt der Begriff der „Nation“ eine so zentrale Rolle für die Reformen?
Die Reformer nutzten den Begriff der Nation als emotionale Klammer, um den einfachen Soldaten zu motivieren und eine neue Form von Ehre zu stiften, die nicht mehr nur an den Geburtsadel gebunden war.
Welche Bedeutung hat das Zitat von Meinecke für die Schlussfolgerung des Autors?
Das Zitat betont, dass das Heer von einem „bloßen Instrument“ zu einem „lebendigen Quell“ wurde; dies nutzt der Autor als Argument für die Wehrpflicht als Mittel zur Sicherung der gesellschaftlichen Verankerung der Bundeswehr.
- Citation du texte
- Anton Schatz (Auteur), 2008, Die preußische Heeresreform, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/133618