"Wenn Sie in Zukunft in Europa investieren: Deutschland ist der beste Standort."
Vorsitzender des Asien-Pazifik-Ausschusses J. HAMBRECHT (2006)
Aussagen wie die zitierte finden sich seit geraumer Zeit in wirtschaftswissenschaftlichen Fachpublikationen und im Wirtschaftsteil der Tagespresse.[...]Indes präsentieren jüngste Studien das Bild eines „Standorts D“, der an Attraktivität verliert (vgl. z.B. ...), wofür zumindest die zahlreichen Werksschließungen ausländischer Niederlassungen in Deutschland eine deutliche Sprache sprechen.[...]Im Zuge einer fortschreitenden globalen Wirtschaftsverflechtung, des technologischen Wandels und der wachsenden oder neu entstehenden Märkte nimmt der Wettbewerbsdruck kontinuierlich zu und setzt damit die Standortfrage immer wieder auf die unternehmenspolitische Agenda. Den Status eines Topstandorts für beispielsweise Forschung und Entwicklung, Logistikzentren und Rechnungswesen hat Deutschland bereits erlangt (vgl. ...). Als Produktionsstandort bleibt sein Ruf bei der Betrachtung der aktuellen Berichterstattung kontrovers. Jedoch bedürfen dabei die meist nur auf wenigen speziellen Faktoren basierenden Pauschalurteile der Lobredner auf den Standort Deutschland einerseits und der Apologeten des wirtschaftlichen Abstiegs andererseits einer kritischen Bewertung. Das Image eines Landes kann nicht monokausal charakterisiert werden. [...] die Wettbewerbsfähigkeit des Produktionsstandorts Deutschland kann nur in Abhängigkeit der individuell verfolgten Strategie der Unternehmen bestimmt werden. In der vorliegenden Arbeit sollen diese Faktoren ermittelt werden und soll ihr Einfluss auf die Standortentscheidung geprüft werden. Dabei werden für die Analyse Auswertungen von Studien und Statistiken mit fallspezifischen Betrachtungen kombiniert.
1.2 Aufbau der Arbeit
Die vorliegende Arbeit stellt die gegensätzlichen Aussagen bezüglich des Wirtschaftsstandorts Deutschland vor, analysiert anhand eines differenzierten Profils die Stärken und Schwächen und leitet im letzten Abschnitt Erfolgspotenziale für eine Produktion in Deutschland ab.
Für das Untersuchungsziel, das Stärken-Schwächen-Portfolio des Produktionsstandorts Deutschland im internationalen Vergleich zu erstellen, bildet eine länderübergreifende Analyse der für die jeweilige Internationalisierungsstrategie als relevant ermittelten Standortfaktoren den Kernpunkt vorliegender Untersuchung.[...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Problemstellung und Ziel der Arbeit
1.2 Aufbau der Arbeit
2. Theoretische Fundierung und begriffliche Grundlagen
2.1 Begriff und Ziele der ausländischen Direktinvestition
2.1.1 Definition des Begriffs ausländische Direktinvestition
2.1.2 Ziele ausländischer Direktinvestitionen
2.2 Internationales Produktionsmanagement als Ursache für weltweite Standortkonkurrenz
2.2.1 Definition des Begriffs internationales Produktionsmanagement
2.2.2 Make-or-Buy-Entscheidungen im Produktionsbereich
2.2.2.1 Überblick und strategische Bedeutung
2.2.2.2 Entscheidungskriterien für Make or Buy
2.2.2.2.1 Kompetenz-Portfolio-Analyse – qualitative Bewertung
2.2.2.2.2 Kostenorientierte Analyse – quantitative Bewertung
2.2.3 Strategische Rolle internationaler Produktionsstätten
2.2.3.1 Rollentypisierung und Gestaltungsoptionen internationaler Produktionsstätten
2.2.3.2 Weitere Triebkräfte der Internationalisierung von Unternehmen
2.3 Relevante Standortfaktoren für eine industrielle Fertigung
3. Produktionsstandort Deutschland im internationalen Vergleich
3.1 Bedeutung der Industrie in Deutschland
3.2 International vergleichende Studien zu Wirtschaftsstandorten und ihre Bewertung
3.3 Analyse potenziell relevanter Standortfaktoren für die industrielle Fertigung
3.3.1 Kritische Standortfaktoren für Kostenreduktion
3.3.1.1 Arbeitskosten und Produktivität
3.3.1.2 Arbeitszeit
3.3.1.3 Verfügbarkeit der Arbeitskräfte
3.3.1.4 Energiekosten
3.3.1.5 Transportkosten
3.3.1.6 Steuerlast
3.3.1.7 Infrastruktur
3.3.2 Kritische Standortfaktoren für die Markterschließung
3.3.2.1 Politische Stabilität
3.3.2.2 Größe der Absatzmärkte
3.3.2.3 Wettbewerbssituation im Zielmarkt
3.3.3 Kritische Standortfaktoren für die Technologieerschließung
3.3.3.1 Qualifikation der Arbeitskräfte
3.3.3.2 Bildungsstand – insbesondere Sprachenkompetenz
3.3.3.3 Technologischer Stand
3.3.4 Cluster als Standortfaktor
3.4 Bundesländerranking
3.5 Stärken-Schwächen-Analyse des Produktionsstandorts Deutschland
3.5.1 Schwächen
3.5.2 Stärken
3.6 Ausländische Direktinvestitionen in Deutschland als Qualitätsindikator
4. Produktionsaktivitäten ausländischer Unternehmen in Deutschland
4.1 Problemfelder bei der Analyse deskriptiver Statistiken
4.2 Exemplarisches Sample ausländischer Unternehmen
4.3 Investitionsformen ausländischer Investoren
4.4 Bestimmungsgründe ausländischer Produktionsaktivitäten in Deutschland
4.4.1 Markterschließung
4.4.2 Following Customer
4.4.3 Technologieerschließung als Prämisse kapitalintensiver Fertigung
4.4.4 Kosten- und erfolgsorientierte Beweggründe als negatives Beispiel
5. Zusammenfassung der Untersuchungsergebnisse
6. Schlussbetrachtung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Attraktivität des Produktionsstandorts Deutschland für ausländische Investoren vor dem Hintergrund zunehmender globaler Wettbewerbsintensität. Das primäre Ziel besteht darin, ein differenziertes Stärken-Schwächen-Portfolio für Deutschland im internationalen Vergleich zu erstellen, um auf dieser Grundlage Erfolgsfaktoren für Produktionsaktivitäten abzuleiten und die Bestimmungsgründe für ausländische Investitionsentscheidungen kritisch zu hinterfragen.
- Analyse relevanter Standortfaktoren für die industrielle Fertigung.
- Untersuchung der Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland im internationalen Vergleich.
- Erstellung eines Stärken-Schwächen-Portfolios basierend auf empirischen Daten.
- Identifikation der Beweggründe ausländischer Investoren anhand von Fallstudien und Unternehmenssamples.
- Diskussion der Bedeutung von Standortfaktoren für verschiedene Internationalisierungsstrategien.
Auszug aus dem Buch
1.1 Problemstellung und Ziel der Arbeit
Wenn Sie in Zukunft in Europa investieren: Deutschland ist der beste Standort. Vorsitzender des Asien-Pazifik-Ausschusses J. HAMBRECHT (2006)
Aussagen wie die zitierte finden sich seit geraumer Zeit in wirtschaftswissenschaftlichen Fachpublikationen und im Wirtschaftsteil der Tagespresse. Der VDI-Präsident Prof. Dr. BRAUN sprach am 22.04.2008 von einer „Renaissance des Produktionsstandorts Deutschland“ und damit einer wiederkehrenden Positionierung unter den Global Playern aufgrund der erfolgreichen Konzentration auf Kernkompetenzen (BRAUN 2008). Indes präsentieren jüngste Studien das Bild eines „Standorts D“, der an Attraktivität verliert (vgl. z.B. HESS 2009; ENGLISCH 2008, 12; AMCHAM 2008b, 22), wofür zumindest die zahlreichen Werksschließungen ausländischer Niederlassungen in Deutschland eine deutliche Sprache sprechen.
Neben dem japanischen Elektronikkonzern Toshiba im Jahr 2007 (vgl. www.handelsblatt.com/technologie/ 2007a) haben gegenwärtig der finnische Handyhersteller Nokia (vgl. www.spiegel.de/wirtschaft/ 2008), das japanische Elektronikunternehmen Canon (vgl. www.handelsblatt.com/unternehmen/ 2008) und der französische Automobilzulieferer Valeo (vgl. www.br-online.de/studio-franken/ 2008) ihre Produktion aus Kostengründen am Standort Deutschland eingestellt und nach Asien oder Osteuropa verlagert. Im Zuge einer fortschreitenden globalen Wirtschaftsverflechtung, des technologischen Wandels und der wachsenden oder neu entstehenden Märkte nimmt der Wettbewerbsdruck kontinuierlich zu und setzt damit die Standortfrage immer wieder auf die unternehmenspolitische Agenda.
Den Status eines Topstandorts für beispielsweise Forschung und Entwicklung, Logistikzentren und Rechnungswesen hat Deutschland bereits erlangt (vgl. ENGLISCH 2008, 14-16; AMCHAM 2008b, 14 und 22). Als Produktionsstandort bleibt sein Ruf bei der Betrachtung der aktuellen Berichterstattung kontrovers. Jedoch bedürfen dabei die meist nur auf wenigen speziellen Faktoren basierenden Pauschalurteile der Lobredner auf den Standort Deutschland einerseits und der Apologeten des wirtschaftlichen Abstiegs andererseits einer kritischen Bewertung. Das Image eines Landes kann nicht monokausal charakterisiert werden. In den meisten Untersuchungen werden die potenziellen Standortfaktoren aber nicht in genügender Breite berücksichtigt. Inwieweit die Einzelerkenntnisse der Studien verallgemeinert werden können, bleibt daher fraglich, denn die Wettbewerbsfähigkeit des Produktionsstandorts Deutschland kann nur in Abhängigkeit der individuell verfolgten Strategie der Unternehmen bestimmt werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die aktuelle Debatte um den Produktionsstandort Deutschland ein und definiert die Zielsetzung der Arbeit, die sich kritisch mit der Attraktivität des Standorts für ausländische Investoren auseinandersetzt.
2. Theoretische Fundierung und begriffliche Grundlagen: In diesem Kapitel werden grundlegende Begriffe wie ausländische Direktinvestition und internationales Produktionsmanagement definiert und in einen theoretischen Kontext gesetzt.
3. Produktionsstandort Deutschland im internationalen Vergleich: Das Kapitel bietet eine umfassende Analyse der deutschen Industriestruktur und vergleicht den Standort Deutschland anhand verschiedener Faktoren mit anderen Volkswirtschaften.
4. Produktionsaktivitäten ausländischer Unternehmen in Deutschland: Hier werden die Beweggründe ausländischer Unternehmen für Investitionen in Deutschland analysiert, untermauert durch ein Beispiel-Sample ausländischer Industriebetriebe.
5. Zusammenfassung der Untersuchungsergebnisse: Dieses Kapitel synthetisiert die vorangegangenen Analysen und liefert eine abschließende Bewertung der Faktoren, die für ausländische Investitionsentscheidungen ausschlaggebend sind.
6. Schlussbetrachtung und Ausblick: Die Schlussbetrachtung fasst die Kernergebnisse zusammen und reflektiert über die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands als Produktionsstandort.
Schlüsselwörter
Produktionsstandort Deutschland, Auslandsinvestitionen, FDI, Standortfaktoren, Industrielle Fertigung, Globalisierung, Wettbewerbsfähigkeit, Make-or-Buy, Markterschließung, Technologieerschließung, Cluster, Humankapital, Standortstrategie, Automobilindustrie, Kosteneffizienz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Diplomarbeit untersucht die Attraktivität des Produktionsstandorts Deutschland aus der Perspektive ausländischer Investoren vor dem Hintergrund eines intensiven globalen Standortwettbewerbs.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind internationale Direktinvestitionen, Standortfaktoren, internationales Produktionsmanagement, Make-or-Buy-Strategien und die Analyse von Wettbewerbsvorteilen von Volkswirtschaften.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Erstellung eines Stärken-Schwächen-Portfolios für den Produktionsstandort Deutschland und die Ableitung von Erfolgspotenzialen für die Produktion in Deutschland im internationalen Vergleich.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine Kombination aus Literaturanalyse, der Auswertung bestehender international vergleichender Studien und Statistiken sowie einer fallstudienbasierten Analyse eines Unternehmens-Samples verwendet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit der theoretischen Fundierung der Standortentscheidungen, der Analyse von Standortfaktoren (Kosten, Markt, Technologie, Cluster) und der Untersuchung von Ansiedlungsgründen ausländischer Unternehmen in Deutschland.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Produktionsstandort, Direktinvestition, Standortfaktoren, Wettbewerbsfähigkeit, Cluster, Globalisierung und Kernkompetenzen.
Welche Rolle spielt die Automobilbranche bei den ausländischen Investitionen?
Die Automobilindustrie stellt eine der bedeutendsten Branchen dar, wobei viele ausländische Zulieferer ihren Standorten in Deutschland folgen („Following Customer“-Strategie), um von starken lokalen Automobil-Clustern und der hohen technischen Expertise zu profitieren.
Wie beeinflusst das Thema "Technologieerschließung" die Investitionsentscheidung?
Technologieorientierte Investitionen gewinnen an Bedeutung. Unternehmen suchen zunehmend den Zugang zu High-Tech-Standorten und innovativen Clustern in Deutschland, um ihre Kernkompetenzen bei kapitalintensiver Fertigung zu sichern, wobei das Humankapital eine zentrale Ressource bildet.
- Citar trabajo
- Olga Lackmann (Autor), 2009, Produktionsaktivitäten ausländischer Unternehmen in Deutschland, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/133678