Gegenwärtig verfolgt der Englischunterricht in der Grundschule vielschichtige Aufgaben und Ziele. Prinzipien zur Unterrichtsgestaltung bieten eine Verknüpfung zwischen Theorie und Praxis und haben Leitliniencharakter erhalten. Für den Englischunterricht ist an der Grundschule, an der ich unterrichte, ein Lehrwerk (Playway) eingeführt, das ein strukturiertes und systematisches Arbeiten vorsieht. Jedoch ist dies nicht durchgängig auf aktuelle Anforderungen des frühen Fremdsprachenlernens zugeschnitten.
Gerade der Forderung nach Methodenvielfalt sowie nach ganzheitlichem, multisensorischem und episodischem Lernen kann nicht hinreichend nachge-gangen werden. Dies macht den ergänzenden Einsatz alternativer Methoden sinnvoll. Das Storytelling bietet in diesem Zusammenhang eine optimale Möglichkeit. Von Geschichten (stories) geht eine große Faszination für Kinder aus. Da sie in einer reizüberfluteten Gesellschaft leben, ist es für viele etwas Besonderes, eine Geschichte zu hören. Dadurch kann man sich ihrer Aufmerksamkeit und Konzentration sicher sein.
Geschichten bieten Angebote, sich mit gesellschaftlichen Phänomenen auseinanderzusetzen oder sich mit der Leitfigur zu identifizieren und so in das Geschehen „einzutauchen“. Die Motivation, die von Geschichten ausgeht, ist eine gute Voraussetzung, sie für das Lernen im Englischunterricht einzusetzen. Neben der Erweiterung des aktiven Wortschatzes bieten Geschichten den Lernern die Möglichkeit, sich in einen fremdsprachlichen Kontext einzuhören und sich Bedeutungen aus diesem Gesamtzusammenhang zu erschließen.
Die Schulung des Hörverstehens steht dabei im Vordergrund, allerdings lässt sich der Lernertrag im Rahmen verschiedener handlungsorientierter, methodisch vielfältiger und mehrere Sinne ansprechender Tätigkeiten intensivieren. In diesem Zusammenhang betrachte ich das Theaterspielen im Sinne einer handlungsorientierten Folgeaktivität als eine Möglichkeit der Intensivierung des Gelernten. Es kommt außerdem dem kindlichen Bedürfnis nach Spiel entgegen. Ich sehe das vorliegende unterrichtliche Vorhaben als Alternativentwurf zu einem am Schulbuch orientierten Unterricht an. Beide Vorgehen erfordern eine Orientierung an Aufgaben, Zielen und Prinzipien des frühen Fremdsprachenlernens.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretische Grundlagen
2.1 Aufgaben, Ziele und Prinzipien des Englischunterrichts in der Grundschule
2.2. Storytelling
2.2.1 Didaktische Begründungen und Ziele des Storytelling
2.2.2 Kriterien zur Auswahl von Geschichten
2.2.2.1 Adaption von Geschichten
2.2.3 Das dreitschrittige Vorgehen beim Storytelling
2.2.3.1 Pre-story-activities
2.2.3.2 While-story-activities
2.2.3.3 Post-story-activities
2.2.4 Die Rolle der Lehrkraft beim Storytelling
2.3 Theaterspielen
2.3.1 Begriffsklärung „Theaterspiel“ und „Theaterstück“
2.3.2 Didaktische Legitimierung des Theaterspielens
2.3.3 Richtlinien für das Umsetzen eines storybooks zum Theatertück
3. Planungsgrundlagen und Planungsentscheidungen
3.1 Zur Lerngruppe und zur Lernausgangslage
3.2 Themenrelevante Sachverhalte der Unterrichtseinheit
3.2.1 Inhalt und Aufbau des Buches
3.2.2 Zur Buchillustration
3.2.3 Zur Textgestaltung und zur Adaption des Textes
3.2.3.1 Auswahl des Sprachmaterials
3.3 Ziel-/Inhaltsentscheidungen der Unterrichtseinheit
3.3.1 Themenwahl und themenbezogene Zielsetzung
3.3.1.1 Ziele der Einheit
3.3.2 Methodische Entscheidungen der Unterrichtseinheit
4. Darstellung der Unterrichtseinheit
4.1 Kurzüberblick über den Verlauf
4.2 Darstellung und Auswertung einer Unterrichtsstunde und zweier Unterrichts-sequenzen
4.2.1 Ausführliche Darstellung und Auswertung der 8. Unterrichtsstunde: Spielen einzelner Szenen der Geschichte nach Hörverstehen
4.2.1.1 Themenbezogene Zielsetzung
4.2.1.2 Lernausgangslage
4.2.1.3 Themenrelevante Sachverhalte der Unterrichtsstunde
4.2.1.4 Ziel-/ Inhaltsentscheidungen
4.2.1.4.1 Themenwahl und themenbezogene Zielsetzung
4.2.1.4.2 Analyse der zentralen Aufgabenstellung
4.2.1.5 Methodische Entscheidungen
4.2.1.6 Unterrichtsplan
4.2.1.7 Reflexion
4.2.2 Ausführliche Darstellung und Auswertung einer Unterrichtssequenz der 10. Unterrichtsstunde: Vorlesen des Textes und inhaltlich passende szenische Darstellung ohne Bühnenbild
4.2.2.1 Themenbezogene Zielsetzung
4.2.2.2 Lernausgangslage
4.2.2.3 Themenrelevante Sachverhalte der Unterrichtssequenz
4.2.2.4 Ziel-/Inhaltsentscheidungen
4.2.2.4.1 Themenwahl und themenbezogene Zielsetzung
4.2.2.4.2 Analyse der zentralen Aufgabenstellung
4.2.2.5 Methodische Entscheidungen
4.2.2.6 Unterrichtsplan
4.2.2.7 Reflexion
4.2.3 Ausführliche Darstellung und Auswertung der Theateraufführung
4.2.3.1 Themenbezogene Zielsetzung
4.2.3.2 Lernausgangslage
4.2.3.3 Themenrelevante Sachverhalte
4.2.3.4 Analyse der zentralen Aufgabenstellung
4.2.3.5 Reflexion
5. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Lernförderlichkeit grundschulspezifischer Prinzipien des Englischunterrichts bei der Umsetzung eines englischsprachigen Kinderbuches vom Storytelling zum Theaterstück. Dabei steht insbesondere die Förderung der Sprechbereitschaft zurückhaltender Schüler durch den Einsatz handlungsorientierter Methoden und Requisiten im Fokus der Forschungsfrage.
- Methodische Vielfalt und Storytelling im Englischunterricht der Grundschule
- Theaterspielen als handlungsorientierte Folgeaktivität
- Förderung der Sprechbereitschaft und Selbstsicherheit
- Umsetzung von Kinderbüchern in szenische Theaterstücke
- Fächerübergreifendes Arbeiten und projektorientiertes Lernen
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Didaktische Begründungen und Ziele des Storytelling
Für den Einsatz englischer Kinderbücher im Fremdsprachenunterricht der Grundschule werden in der Literatur viele Begründungen genannt, die im Folgenden dargestellt werden. Pädagogische Begründungen werde ich aufgrund der Tatsache, dass sich die vorliegende Arbeit sich mit dem Englischunterricht beschäftigt, nicht in meine Ausführungen einbeziehen.
• Mit fremdsprachlichen Büchern wird ein Teil der Kultur des Zielsprachenlandes in den Klassenraum getragen (vgl. Zaade, 2003, S.14), was einen Beitrag zur interkulturellen Begegnung (cultural awareness) leistet.
• „Beim Einstieg in das Fremdsprachenlernen ist es zunächst wichtig, sich in die fremde Lautwelt einzuhören und das Ohr an die andere Sprache zu gewöhnen. Am besten funktioniert das Einhören nicht über isolierte Laute oder Wörter, sondern in einfachen, zusammenhängenden Texten. (…) Kinder verstehen aus dem Kontext heraus leichter als aus isolierten Sätzen (…)“ (Klippel, 2003, S. 6). Das Hörverstehen ist die wichtigste Fähigkeit beim Erlernen einer Fremdsprache. Stephen D. KRASHEN, ein Vertreter der „Natural Approach Theory“ erläutert, dass das fließende Sprechen in einer Zweitsprache nicht direkt und eigenständig erlernt werden kann. Die Kompetenz, mühelos in einer Fremdsprache zu reden, entsteht erst, nachdem ein Lerner eine entsprechende Kompetenz durch das Hören erworben hat. KRASHEN kommt weiter zu dem Ergebnis, dass Lernen, das vorwiegend auf Hörverstehen basiert (wie es beim Lernen durch Storytelling der Fall ist), bedeutend schneller als konventionelles Lernen vor sich geht.
Geschichten bieten eine gute Möglichkeit das Hörverstehen der Schüler zu trainieren. Beim Storytelling können Kinder lernen, sich in einen Ganztext einzuhören, sich auf eine längere Passage zu konzentrieren und sie aufzunehmen. Dabei wird auch die Fähigkeit, Wörter aus dem Gesamtzusammenhang zu entschlüsseln, gefördert (vgl. Kreis, 2001, S. 27). Schüler lernen beim Storytelling ebenso, die Fremdsprache in einem Sinnzusammenhang zu erfassen, selbst wenn sie noch nicht jede Einzelheit verstehen können (vgl. Klippel, 2000, S. 159).
• Der Einsatz von Geschichten im Englischunterricht der Grundschule fördert die Aufmerksamkeit und Konzentration der Schüler, denn sie wollen sich mit dem Geschehen identifizieren können sowie den Handlungsablauf verfolgen bzw. verstehen und zwar selbst dann, wenn sie Einzelheiten nicht sofort erfassen. Sehr bald merken die Lernenden dann, dass genaues Zuhören auch verstehen lernen heißt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung begründet die Relevanz des Storytelling und Theaterspielens im Englischunterricht und formuliert die Leitfragen zur Förderung der Sprechbereitschaft.
2. Theoretische Grundlagen: Dieses Kapitel erläutert die Prinzipien des Englischunterrichts in der Grundschule sowie die methodischen Ansätze des Storytelling und Theaterspielens.
3. Planungsgrundlagen und Planungsentscheidungen: Hier werden die spezifische Lerngruppe, der Inhalt des gewählten Kinderbuches und die methodischen Entscheidungen für die Unterrichtseinheit dargelegt.
4. Darstellung der Unterrichtseinheit: Dieser Abschnitt umfasst den Kurzverlauf der Unterrichtsreihe sowie die detaillierte Auswertung ausgewählter Unterrichtsstunden, Sequenzen und der finalen Theateraufführung.
5. Schlussbetrachtung: Die Schlussbetrachtung reflektiert den gesamten Planungsprozess, beantwortet die Forschungsfragen und bewertet den Erfolg der Unterrichtseinheit hinsichtlich der gesetzten Ziele.
Schlüsselwörter
Englischunterricht, Grundschule, Storytelling, Theaterspielen, Sprechbereitschaft, Handlungsorientierung, Hörverstehen, Methodenvielfalt, Kindertheater, Szenisches Spiel, Sprachkompetenz, Fremdsprachenlernen, Lerngruppe, Unterrichtseinheit, Motivation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Hausarbeit?
Die Arbeit befasst sich mit einem Unterrichtsvorhaben in einer 3. Grundschulklasse, bei dem ein englisches Kinderbuch zunächst durch Storytelling erschlossen und anschließend in ein Theaterstück umgesetzt wird.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die didaktischen Prinzipien des frühen Fremdsprachenlernens, die methodische Gestaltung von Storytelling-Stunden sowie die Entwicklung und Aufführung eines Theaterstücks.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Hauptziel ist es zu untersuchen, wie grundschulspezifische Prinzipien lernförderlich eingesetzt werden können, um die Sprechbereitschaft und Sprachkompetenz der Schüler zu erhöhen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um ein handlungsorientiertes Unterrichtsvorhaben, das theoriegeleitet geplant, in der Praxis durchgeführt und anhand von Reflexionen und Auswertungen kritisch analysiert wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung, die Planungsgrundlagen (Lerngruppe, Buchauswahl) sowie die detaillierte Darstellung und Auswertung einzelner Unterrichtssequenzen und der Theateraufführung.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Storytelling, Theaterspielen, Handlungsorientierung, Sprechbereitschaft, Methodenvielfalt und das Prinzip der funktionalen Fehlertoleranz.
Welche Rolle spielen Requisiten bei diesem Vorhaben?
Requisiten, Masken und Kostüme dienen als Identifikationsmittel für die Schüler und sollen die Sprechfreude sowie das Verständnis des Gelesenen durch handlungsorientiertes Spiel fördern.
Wie wurde mit Schülern umgegangen, die Schwierigkeiten beim Sprechen hatten?
Die Lehrkraft setzte auf positive Verstärkung, kleinschrittiges Vorgehen und die Integration in die Gruppe, um Hemmungen abzubauen und die Sprechbereitschaft schrittweise zu steigern.
Was waren die Hauptergebnisse der Theateraufführung?
Die Schüler zeigten durch den Prozess der Proben mehr Sicherheit im Auftreten und eine lebendige Rollengestaltung, was die Wirksamkeit der gewählten Methode bestätigt.
- Arbeit zitieren
- Isabell Kallis (Autor:in), 2007, Vom Storytelling zum Theaterstück. Die Umsetzung des Kinderbuches „The smartest giant in town“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/133744