Das Ziel dieser empirisch angelegten Masterarbeit ist es, Erkenntnisse über gängige Lernmethoden der praktischen Gesundheits- und Krankenpflegeausbildung zu gewinnen. Da diese Thematik aufgrund ihrer Aktualität als auch als Empfehlung einer repräsentativen Vorarbeit für die Konzeption des praktischen Curriculums sowie für weitere Überlegungen der Gestaltungsmöglichkeiten der praktischen Ausbildung dienen könnte, kann diese Arbeit ein explorativer Charakter zuschrieben werden. Ich möchte subjektive Sichtweisen und Erfahrungswerte an der praktischen Ausbildung beteiligter Personen kennenlernen und verstehen, daher möchte ich qualitativ vorgehen und Einzelbefragungen in Form von Interviews durchführen.
Im Zusammenhang mit diesem Gesamtziel stehen dabei folgende Erkenntnisziele und Fragestellungen des empirischen Anteils im Vordergrund dieser Masterarbeit: Wie verläuft die Kooperation zwischen der Gesundheits- und Krankenpflegeschule und den Pflegestationen? Wie werden die Lernmethoden der praktischen Ausbildung gestaltet? Führen diese Lernmethoden der praktischen Ausbildung zu einem Kompetenzerwerb der Lernenden? Besteht ein Bedarf neuer Lernmethoden, um Kompetenzen weiter zu fördern?
Im Zusammenhang mit der Gesamtarbeit stehen für mich folgende Fragestellungen und Ziele im Vordergrund: Wie werden Lernmethoden der praktischen Ausbildung in der Literatur beschrieben und wie spiegeln sich diese Erkenntnisse in meinem Untersuchungsfeld wieder? Welche Kompetenzen lassen sich durch die Lernmethoden der praktischen Ausbildung fördert, die zum Erwerb der beruflichen Handlungskompetenz führen? Welche Empfehlungen können aus der Analyse der Literatur und meinen empirischen Erkenntnissen der Gesundheits- und Krankenpflegeschule für die Entwicklung eines praktischen Curriculums abgeleitet werden?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Einleitende Worte
1.2 Anlass und Motivation der Themenwahl
1.3 Erkenntnisinteresse und Fragestellung
1.4 Vorgehensweise und Aufbau der Arbeit
2. Theoretischer Rahmen
2.1 Definitionen
2.2 Gesetzliche Vorgaben
2.2.1 Einordnung der Gesundheits- und Krankenpflegeausbildung in das Ausbildungssystem
2.2.2 Gesetzliche Rahmenbedingungen
2.2.3 Anforderungen an die Gesundheits- und Krankenpflegeschule
2.3 Kompetenzorientiertes Lernen und Lehren
2.4 Die Bedeutung des Lernens in der Pflegepraxis
2.5 Methoden der praktischen Ausbildung
2.5.1 Die Praxisanleitung
2.5.2 Die Praxisbegleitung
2.5.3 Lernaufgaben
2.6 Resümee
3. Empirisches Vorgehen
3.1 Beschreibung und Begründung der Methodenwahl
3.1.1 Das qualitative Vorgehen
3.1.2 Das Auswertungsverfahren
3.2 Die Datenerhebung
3.2.1 Das theoretische Sampling
3.2.2 Zugang zum Feld
3.2.3 Interview mit Kolleginnen
3.2.4 Darstellung des Samplings
3.2.5 Memos und Postskriptum
3.2.6 Die Transkription
3.3 Die Datenauswertung
4. Ergebnisdarstellung und -interpretation
4.1 Darstellung der Ergebnisse
4.2 Interpretation und Beantwortung der Forschungsfrage
5. Schlussbetrachtung
5.1 Methodische Reflexion
5.2 Fazit
5.3 Ausblick und Empfehlungen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Masterarbeit untersucht, inwiefern angewendete Lernmethoden der praktischen Gesundheits- und Krankenpflegeausbildung am Klinikum Karlsbad-Langensteinbach das Lernen in der Pflegepraxis unterstützen. Ziel ist es, durch eine qualitative empirische Untersuchung die Gestaltung und Wirksamkeit dieser Methoden zu beleuchten, um fundierte Erkenntnisse für die Konzipierung eines zukünftigen praktischen Curriculums zu gewinnen und eine Theorie oder ein theoretisches Fragment im Sinne der Grounded Theory zu bilden.
- Analyse gängiger Lernmethoden (Praxisanleitung, Praxisbegleitung, Lernaufgaben)
- Untersuchung des Theorie-Praxis-Transfers in der Pflegeausbildung
- Reflexion des Kompetenzerwerbs durch Ausbildungsmethoden
- Identifikation von förderlichen und hinderlichen Bedingungen für das Lernen in der Praxis
- Entwicklung von Empfehlungen zur Strukturierung der praktischen Berufsausbildung
Auszug aus dem Buch
Die Bedeutung des Lernens in der Pflegepraxis
Historisch gesehen ist der Arbeitsplatz immer als typischer Lernort betrachtet worden. Das mittelalterliche Handwerk gilt als klassisches Beispiel für das Lernen am Arbeitsplatz. Er war Lern- und Arbeitsort zugleich. Mit Beginn der Industrialisierung wurden die Arbeitsanforderungen immer komplexer, so dass im Laufe der Zeit nicht mehr alle Lerninhalte nach dem Prinzip „Vormachen- Nachmachen- Lernen“ vermittelt werden konnten. Der Arbeitsplatz in seiner Funktion als Lernort verlor an Bedeutung. Dies traf in ähnlicher Weise auch auf die Krankenpflege zu. Sie galt historisch als Frauenberuf und aus „Liebestätigkeit zu Menschen“. Demut, Gehorsam und Disziplin der Frauen standen im Vordergrund. Die Ausbildung zur Krankenschwester war eher eine Anlerntätigkeit, denn eine Ausbildung war aufgrund der Auffassung „Frauen können pflegen“ nicht unbedingt erforderlich. Erst seit ca. 30 bis 40 Jahren wird dem Lernen am Arbeitsplatz wieder mehr Bedeutung beigemessen. Lernen findet nach heutiger Auffassung wieder an beiden Lernorten statt. Es wurde erkannt, dass der Lernort Praxis ein großes Lernpotential bietet, denn die Schule kann nicht alles lehren und aufgreifen, was die Lernenden für die Entwicklung ihrer beruflichen Handlungsfähigkeit benötigen. Dies verhält sich deshalb so, weil der Lernort Praxis andere Regeln, Funktionen und Aufgaben im Lernprozess der Lernenden einnimmt als der Lernort Schule. Der Lernort Praxis ist wichtig für die Ausbildung der Lernenden, denn nur dort kann Lernen in Anwendungssituationen und Sozialisation in die Arbeitswelt stattfinden.
In der Pflegepraxis können die Lernenden Erfahrungen sammeln und durch das Lernen in der Theorie und das Anwenden in authentischen Pflegesituationen in der Pflegepraxis einen Kompetenzzuwachs (siehe Kapitel 2.3) erwerben. Die Chancen des Lernortes Pflegepraxis liegen darin, dass die Lernenden berufliche Kompetenzen im Denken, Fühlen und Handeln in authentischen Pflegesituationen entwickeln können. Viele der Pflegekräfte im Krankenhaus sehen den Lernort Pflegepraxis aufgrund des hohen Arbeitsaufkommens und der zusehend reduzierten personellen Besetzung als Ort an, indem auf jeden Fall gelernt werden kann. Den Vorrang hat jedoch die zu erledigende Arbeit, die schnellstmöglich verrichtet werden muss. Insofern werden oftmals die Lernenden zunehmend als „Arbeitskräfte“ und nicht als Lernende dieses Berufes gesehen. „Learning by doing“ ist durchaus ein richtiger Ansatz, aber nur unter der Bedingung, dass das Pflegehandeln zeitnah reflektiert wird. Am besten und am nachdrücklichsten kann nur im wirklichen Leben gelernt werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz der handlungsorientierten Gesundheits- und Krankenpflegeausbildung ein, motiviert das Thema durch die demographische Entwicklung und nennt die Forschungsfrage sowie das Vorgehen der Arbeit.
2. Theoretischer Rahmen: Das Kapitel definiert zentrale Begriffe, erläutert die gesetzlichen Rahmenbedingungen und die Bedeutung der Kompetenzorientierung sowie der Lernmethoden (Praxisanleitung, Praxisbegleitung, Lernaufgaben).
3. Empirisches Vorgehen: Hier werden die qualitative Forschungsmethode, das Experteninterview und das Auswertungsverfahren nach der Grounded Theory detailliert beschrieben und begründet.
4. Ergebnisdarstellung und -interpretation: Das Kapitel präsentiert die gewonnenen Kodes und Kategorien aus den Interviews und stellt eine Interpretation hinsichtlich der Forschungsfrage auf Basis der identifizierten Schlüsselkategorien dar.
5. Schlussbetrachtung: Dieses Kapitel reflektiert die methodische Vorgehensweise kritisch, zieht ein Fazit aus den Ergebnissen und formuliert Empfehlungen sowie zukünftige Ausblicke für die Pflegepädagogik.
Schlüsselwörter
Gesundheits- und Krankenpflegeausbildung, Praxisanleitung, Praxisbegleitung, Lernaufgaben, Theorie-Praxis-Transfer, Kompetenzorientierung, Grounded Theory, Reflexion, Pflegepraxis, berufliche Handlungskompetenz, qualitative Forschung, Experteninterview, Lernort Praxis, Curriculumentwicklung, Pflegepädagogik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Masterarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Effektivität und Gestaltung von Methoden der praktischen Ausbildung in der Gesundheits- und Krankenpflege sowie deren Beitrag zum Lernerfolg in der Praxis.
Welches sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Felder umfassen die Praxisanleitung, die Praxisbegleitung durch Lehrkräfte und den Einsatz von Lernaufgaben als Instrumente zur Theorie-Praxis-Verknüpfung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet: „Inwiefern unterstützen angewendete Methoden der praktischen Gesundheits- und Krankenpflegeausbildung am Klinikum Karlsbad-Langensteinbach das Lernen in der Pflegepraxis?“
Welche wissenschaftliche Methode wurde für die empirische Untersuchung verwendet?
Es wurde ein qualitativer Forschungsansatz gewählt, der auf Experteninterviews mit Lehrkräften und Praxisanleitenden basiert und nach den Prinzipien der Grounded Theory ausgewertet wurde.
Was wird schwerpunktmäßig im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt den theoretischen Hintergrund der Pflegeausbildung, das empirische Forschungsvorgehen sowie die systematische Auswertung und Interpretation der geführten Interviews.
Welche Schlagworte charakterisieren diese Arbeit?
Typische Begriffe sind Praxisanleitung, Lernaufgaben, Reflexion, Pflegepraxis, Theorie-Praxis-Transfer und Kompetenzorientierung.
Welche Bedeutung hat die Reflexion in der Untersuchung?
Reflexion wurde als zentrale Kernkategorie identifiziert, die als wesentliche Bedingung für nachhaltiges und professionelles Pflegehandeln in der Praxis fungiert.
Welchen Stellenwert nimmt das 80/20-Modell ein?
Dieses im Ausblick vorgestellte Modell schlägt vor, dass Lehrkräfte zu 20% in der Praxis und Praxisanleitende zu 20% in der Schule tätig werden, um den Theorie-Praxis-Transfer zu optimieren.
- Citation du texte
- Christine Thiel (Auteur), 2010, Methoden der praktischen Gesundheits- und Krankenpflegeausbildung. Eine empirische Untersuchung am Klinikum Karlsbad-Langensteinbach, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1337679