Reliabilitätsanalyse eines Fragebogens zu körperlicher Inaktivität


Projektarbeit, 2008

13 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Hintergrund der Untersuchung

2 Durchführung der Untersuchung

3 Ergebnisse der Analyse
3.1 Retestreliabilität (RELRetest)
3.2 Interne Konsistenz

4 Interpretation der Ergebnisse

5 Diskussion

6 Literatur

1 Hintergrund der Untersuchung

Regelmäßige Bewegung und körperliche Aktivität - im englischsprachigen Raum als physical activity (PA) bezeichnet – leisten einen wesentlichen Beitrag zur Aufrechterhaltung und Verbesserung der Gesundheit, des Wohlbefindens und tragen somit zu einer Erhöhung der Lebensqualität bei. Im Umkehrschluss kann ein körperlich inaktiver Lebensstil Ursache für eine Vielzahl von gesundheitlichen Beschwerden sein, dies gilt vor allem für chronisch-degenerative Krankheiten wie beispielsweise Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes (Rütten et al, 2005). Ein weiteres damit in Zusammenhang stehendes und vor allem in den westlichen Industrieländern zunehmendes Problem ist die wachsende Anzahl übergewichtiger bzw. adipöser Erwachsener und vermehrt auch fettleibiger Kinder und Jugendliche. Hochkalorische Nahrung und Nahrungsüberfluss verbunden mit Bewegungsmangel und monotonen, mechanisierten Bewegungsabläufen sind hier als Hauptursache anzusehen (Benecke, 2005).

Jene Entwicklungen in jüngster Vergangenheit, gepaart mit stetig steigenden Erkenntnissen der Public Health Forschung unterstreichen die Notwendigkeit eines lebenslangen körperlich aktiven Lebensstils. Noch deutlicher wird dies unter Berücksichtigung des demographischen Wandels mit einer wachsenden Anzahl Älterer und Hochbetagter, da sowohl die physische als auch die psychische Gesundheit wesentliche Voraussetzungen für die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben und hoher Lebensqualität sind.

Der Begriff der körperlichen Aktivität ist sehr weitgreifend und lässt sich zum Sportbegriff abgrenzen. Bouchard & Shepard definieren körperliche Aktivität wie folgt: „Physical activity comprises any body movement produced by the skeletal muscles that results in a substantial increase over the resting energy expenditure“ (Bös, 2001, S. 396). Eingeschlossen sind also z.B. auch Wege zu Schule oder Arbeit, Hausarbeiten, Freizeitaktivitäten, berufliche Belastung ebenso wie Sport.

Um nun hinsichtlich des Bewegungsmangels Hochrisikogruppen zu identifizieren wurden bereits eine Vielzahl an Erhebungsinstrumenten entwickelt, die meisten davon in Form von Fragebögen aufgrund ihrer hohen Durchführungsökonomie. Allein 32 Fragebögen zur Anwendung bei Erwachsenen lassen sich in Bös (2001) Handbuch für motorische Tests finden. Zwei weitere häufig eingesetzte und in mehrere Sprachen übersetzte Messinstrumente sind der IPAQ (International Physical Activity Questionnaire) des Karolinska Institut in Schweden, sowie der GPAQ (Global Physical Activity Questionnaire) der WHO.

Im Seminar für „Angewandte Methodenlehre“ des Wintersemesters 07/08 war es nun im Rahmen einer Projektarbeit die Aufgabe, sich dem Konstrukt der körperlichen Aktivität von umgekehrter Seite zu nähern um somit einen Fragebogen zu verfassen der Bewegungsmangel bzw. Inaktivität in Populationen misst. Nach einer einleitenden Beschreibung der Vorgehensweise zur Erstellung des Erhebungsinstruments (Punkt 2) soll im Folgenden im Sinne der klassischen Testtheorie auf die Prüfung der Reliabilität des Messinstruments eingegangen werden. Dargestellt werden Ergebnisse der Reliabilitätsprüfung, deren Interpretation und Diskussion (Punkt 3, 4 und 5).

2 Durchführung der Untersuchung

Zunächst wurden innerhalb von Kleingruppenarbeiten mittels Brainstorming verschiedenste mögliche Indikatoren gesammelt, von welchen vermutet wurde, dass sie das Konstrukt der körperlichen Inaktivität abbilden könnten. Das vorläufige Ergebnis waren 22 Dimensionen aus den Bereichen „Art der Fortbewegung“, „Freizeitverhalten“, „Ernährung“, „soziales und wohnliches Umfeld“, „Risikofaktoren wie Rauchen, Alkohol, Krankheiten oder Einnahme von Medikamenten“ „berufliche Tätigkeit“ sowie Items zu Anthropometrie und Soziodemographie. Im selben Schritt wurde über mögliche Skalierungsformen der Dimensionen diskutiert, also z.B. über die Erfassung der Antworten durch Art, Umfang, Häufigkeit, Dauer, etc. bzw. qualitative vs. quantitative Erhebung. Im weiteren Verlauf war es nun unsere Aufgabe in einschlägigen Datenbanken und Literatur nach bereits existierenden standardisierten Fragebögen zu recherchieren, in welchen eventuell die durch uns festgelegten Dimensionen bereits gemessen wurden um hierdurch möglicherweise Hinweise zu Skalierung, Testgüte und sonstige Erfahrungen zu finden.

Im Anschluss wurden die Items sowie die dazugehörige Variablenskalierung festgelegt und der Fragbogen erstellt. Das Ergebnis ist ein eindimensionaler Questionnaire, bestehend aus 24 Items zur Messung des Konstruktes der körperlichen Inaktivität.

Zur Analyse des Instruments und zur Beantwortung von verschiedenen Fragestellungen hinsichtlich der körperlichen Aktivität von Personen wurde der Fragebogen nun erstmalig ausgeteilt (n=68). Nach 7 Tagen wurden die teilnehmenden Probanden aufgefordert den Selben Fragebogen nochmals auszufüllen um so über das Test-Retest-Verfahren Aussagen zur zeitlichen Stabilität der einzelnen Items treffen zu können und somit auf die Genauigkeit des Messinstrumentes bzw. dessen Retestreliabilität (RELRetest) zu schließen (Bortz & Döring, 2006; vgl hierzu auch Schnell, Hill, Esser, 1993; Wittenberg, 1998). Das Intervall von 7 Tagen wurde gewählt, um eventuelle Verzerrungen durch Erinnerungseffekte gering zu halten.

In weiteren Verlauf der vorliegenden Arbeit wurde der Fokus auf die Reliabilitätsprüfung des durch uns erstellten Fragebogens zur Messung der körperlichen Inaktivität gelegt. Dabei wurde zum einen, die bereits oben angesprochene Retestreliabilität untersucht. Die Retestreliabilität ist dabei definiert als die Korrelation zweier Messwertreihen t1 und t2 (Bortz & Döring, 2006). Zum anderen soll ebenfalls im Hinblick auf die Relibilität des Instruments die interne Konsistenz der Items untersucht werden. Hierfür wurde als gängiges Verfahren der Alphakoeffizient nach Cronbach herangezogen. Obwohl der Fragebogen eindimensional konstruiert wurde, also alle Items zur Erfassung eines einzigen Konstruktes (körperliche Inaktivität) dienen, wurde mit Hilfe einer explorativen Faktorenanalyse versucht eventuell vorhandene latente Dimensionen zu identifizieren. Das Ergebnis war jedoch uneinheitlich und somit schlecht interpretierbar, wonach auf die Bildung von Subskalen verzichtet wurde (vgl. Kapitel 3.2). Ergänzend zu erwähnen ist, dass die Voraussetzungen für die Durchführung einer Faktorenanalyse nicht erfüllt sind, da einige der Variablen kein metrisches Messniveau aufweisen, teilweise ordinal und nominal (siehe Item 13: Hobbies) skaliert sind. Auch die Gesamtfallanzahl für eine Dimensionsreduktion per Faktorenanalyse sollte im Idealfall bei n ≥ 100 liegen (vgl. Vorlesung Statistik II, SS07).

Zur Auswertung der Retestreliabilität wurde folgendes Vorgehen gewählt: Zunächst wurden die Variablen einzeln einer Korrelationsprüfung unterzogen. Metrisch skalierte Variablen wurden dabei mittels Kolmogoroff-Smirnov-Test auf Normalverteilung geprüft. Bei Vorliegen von Normalverteilung wurde eine Produkt-Moment-Korrelation nach Pearsons r vorgenommen. Bei nicht normalverteilten metrischen Variablen bzw. allen ordinalskalierten Variablen wurde eine Rangkorrelation nach Spearmann durchgeführt. Dichotome Variablen wurden nach Cramer´s V (auf X2-Wert basierend) verarbeitet (Wittenberg, 1998). Im Anschluss daran wurde ein Summenscore aller Items zu t1 sowie zu t2 gebildet um diese ebenfalls auf eine Korrelation hin zu prüfen. Alle verwendeten Korrelationskoeffizienten nehmen Werte zwischen -1 und 1 an, so dass es zu keinen Interpretationsschwierigkeiten kam. Von der Untersuchung auf Retestreliabiliät ausgeschlossen, wurden die Items „Hobbies“, sowie „Alter“, „Gewicht“ und „Körpergröße“.

Für die Auswertung der internen Konsistenz bzw. der Homogenität des Fragebogens, mussten zunächst einige Variablen umkodiert werden (Item 5, 6, 8, 12, 16, 19) um eine einheitliche Richtung zu gewährleisten, d.h. in diesem Fall stehen hohe Antwortwerte tendenziell für Inaktivität und niedrige Antwortwerte tendenziell für Aktivität. Von der Analyse ausgeschlossen wurde Item 17 (Häufigkeit der Benutzung von Nahverkehrsmitteln) da dies nicht eindeutig in Richtung mehr oder weniger Aktivität bzw. Inaktivität zu interpretieren ist. Außerdem wurde Item 20 nicht berücksichtigt, da auch hier nicht eindeutig ist, ob ein Zusammenhang zwischen der Anzahl der im Haushalt lebenden Personen und des Aktivitätsniveaus besteht. Ebenfalls wurde das Item der „Körpergröße“ von vornherein ausgeschlossen.

Die Auswertung wurde mittels SPSS Version 13.0 durchgeführt. Im Folgenden sollen die Ergebnisse der Analyse dargestellt werden.

[...]

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Reliabilitätsanalyse eines Fragebogens zu körperlicher Inaktivität
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg  (Institut für Sportwissenschaft und Sport)
Note
1,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
13
Katalognummer
V133768
ISBN (eBook)
9783640406210
ISBN (Buch)
9783640406272
Dateigröße
451 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
klassische Testtheorie, Reliabilitätsanalyse, Retestreliabilität, Faktorenanalyse, körperliche Inaktivität, körperliche Aktivität, Bewegungsmangel, Fragebogen, Messinstrument, Questionnaire
Arbeit zitieren
Rudolf Zamora (Autor), 2008, Reliabilitätsanalyse eines Fragebogens zu körperlicher Inaktivität, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/133768

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