Regelmäßige Bewegung und körperliche Aktivität - im englischsprachigen Raum als physical activity (PA) bezeichnet – leisten einen wesentlichen Beitrag zur Aufrechterhaltung und Verbesserung der Gesundheit, des Wohlbefindens und tragen somit zu einer Erhöhung der Lebensqualität bei. Im Umkehrschluss kann ein körperlich inaktiver Lebensstil Ursache für eine Vielzahl von gesundheitlichen Beschwerden sein, dies gilt vor allem für chronisch-degenerative Krankheiten wie beispielsweise Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes (Rütten et al, 2005).
Um nun hinsichtlich des Bewegungsmangels Hochrisikogruppen zu identifizieren wurden bereits eine Vielzahl an Erhebungsinstrumenten entwickelt, die meisten davon in Form von Fragebögen aufgrund ihrer hohen Durchführungsökonomie. Allein 32 Fragebögen zur Anwendung bei Erwachsenen lassen sich in Bös Handbuch für motorische Tests finden (2001). Zwei weitere häufig eingesetzte und in mehrere Sprachen übersetzte Messinstrumente sind der IPAQ (International Physical Activity Questionnaire) des Karolinska Institut in Schweden, sowie der GPAQ (Global Physical Activity Questionnaire) der WHO.
Im Rahmen einer Projektarbeit war es nun Aufgabe, sich dem Konstrukt der körperlichen Aktivität von umgekehrter Seite zu nähern um somit ein Messinstrument zu konstruieren, welches Bewegungsmangel bzw. körperliche Inaktivität in Populationen misst. Dargestellt werden Items, Reliabilitätsanalyse, sowie Interpretation und Diskussion der Ergebnisse.
Inhaltsverzeichnis
1 Hintergrund der Untersuchung
2 Durchführung der Untersuchung
3 Ergebnisse der Analyse
3.1 Retestreliabilität (RELRetest)
3.2 Interne Konsistenz
4 Interpretation der Ergebnisse
5 Diskussion
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Das primäre Ziel dieser Arbeit ist die methodische Überprüfung der Reliabilität eines selbst erstellten Fragebogens zur Erfassung körperlicher Inaktivität in einer Population. Die zentrale Forschungsfrage untersucht dabei sowohl die zeitliche Stabilität (Retestreliabilität) der einzelnen Items und des Gesamtsummenscores als auch die interne Konsistenz des Messinstruments zur Sicherstellung seiner wissenschaftlichen Genauigkeit.
- Entwicklung und Konzeption eines 24-Item-Fragebogens zur Erfassung körperlicher Inaktivität.
- Analyse der zeitlichen Stabilität durch ein Test-Retest-Verfahren mit einem Intervall von sieben Tagen.
- Untersuchung der internen Konsistenz mittels Cronbach’s Alpha und explorativer Faktorenanalyse.
- Kritische Reflexion der Skalierungsformen und der Item-Validität in Bezug auf das Konstrukt der Inaktivität.
- Ableitung von Optimierungspotenzialen für zukünftige Erhebungsinstrumente.
Auszug aus dem Buch
Durchführung der Untersuchung
Zunächst wurden innerhalb von Kleingruppenarbeiten mittels Brainstorming verschiedenste mögliche Indikatoren gesammelt, von welchen vermutet wurde, dass sie das Konstrukt der körperlichen Inaktivität abbilden könnten. Das vorläufige Ergebnis waren 22 Dimensionen aus den Bereichen „Art der Fortbewegung“, „Freizeitverhalten“, „Ernährung“, „soziales und wohnliches Umfeld“, „Risikofaktoren wie Rauchen, Alkohol, Krankheiten oder Einnahme von Medikamenten“ „berufliche Tätigkeit“ sowie Items zu Anthropometrie und Soziodemographie. Im selben Schritt wurde über mögliche Skalierungsformen der Dimensionen diskutiert, also z.B. über die Erfassung der Antworten durch Art, Umfang, Häufigkeit, Dauer, etc. bzw. qualitative vs. quantitative Erhebung. Im weiteren Verlauf war es nun unsere Aufgabe in einschlägigen Datenbanken und Literatur nach bereits existierenden standardisierten Fragebögen zu recherchieren, in welchen eventuell die durch uns festgelegten Dimensionen bereits gemessen wurden um hierdurch möglicherweise Hinweise zu Skalierung, Testgüte und sonstige Erfahrungen zu finden.
Im Anschluss wurden die Items sowie die dazugehörige Variablenskalierung festgelegt und der Fragbogen erstellt. Das Ergebnis ist ein eindimensionaler Questionnaire, bestehend aus 24 Items zur Messung des Konstruktes der körperlichen Inaktivität.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Hintergrund der Untersuchung: Dieses Kapitel erläutert die gesundheitliche Relevanz von körperlicher Aktivität und identifiziert die Notwendigkeit valider Messinstrumente zur Erfassung von Bewegungsmangel in der Bevölkerung.
2 Durchführung der Untersuchung: Hier wird der Entstehungsprozess des 24-Item-Fragebogens beschrieben, von der ersten Ideensammlung durch Brainstorming bis hin zur empirischen Datenerhebung mittels Test-Retest-Verfahren.
3 Ergebnisse der Analyse: In diesem Teil werden die statistischen Ergebnisse der Reliabilitätsprüfung, insbesondere die Retestreliabilität der Einzelitems sowie die interne Konsistenz des Instruments, dargestellt.
4 Interpretation der Ergebnisse: Dieses Kapitel diskutiert die statistischen Kennwerte, bewertet die Stabilität der erhobenen Daten und interpretiert die Güte des Fragebogens im Hinblick auf das gemessene Konstrukt.
5 Diskussion: Abschließend werden methodische Schwachstellen, wie die uneinheitliche Skalierung und die Eignung einzelner Items, kritisch hinterfragt und Verbesserungsvorschläge für zukünftige Forschungsarbeiten formuliert.
Schlüsselwörter
Reliabilitätsanalyse, körperliche Inaktivität, Fragebogenentwicklung, Test-Retest-Verfahren, interne Konsistenz, Cronbach’s Alpha, explorative Faktorenanalyse, Bewegungsverhalten, Validität, Messgenauigkeit, Sportwissenschaft, Gesundheitssurvey, Skalierungsformen, Testgüte, Standardisierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der methodischen Qualitätssicherung eines selbst entwickelten Fragebogens, der zur Messung des körperlichen Inaktivitätsgrads in Populationen eingesetzt werden soll.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf der Testtheorie, der Entwicklung von Fragebogen-Items, der Durchführung von Reliabilitätsprüfungen und der statistischen Analyse von Korrelationen und Konsistenzmaßen.
Welches Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?
Das primäre Ziel ist es, zu ermitteln, ob der entwickelte Fragebogen in der Lage ist, körperliche Inaktivität präzise und zeitlich stabil zu erfassen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es werden klassische testtheoretische Methoden wie die Retestreliabilität, die Korrelationsanalyse (nach Pearson und Spearman), Cramer’s V für dichotome Daten sowie Cronbach’s Alpha zur Prüfung der internen Konsistenz angewandt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil dokumentiert detailliert den Entwurf des Instruments, das Vorgehen bei der Befragung (n=68) und die anschließende statistische Auswertung der Daten mittels SPSS.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Reliabilität, Inaktivität, Test-Retest-Verfahren, Faktorenanalyse und die kritische Auseinandersetzung mit der Homogenität von Fragebogenelementen.
Warum wurde ein Test-Intervall von sieben Tagen gewählt?
Das siebentägige Intervall wurde gewählt, um einerseits die zeitliche Stabilität der Antworten zu überprüfen, andererseits aber Verzerrungseffekte, wie das bloße Auswendiglernen der Antworten bei zu kurzem Intervall, zu minimieren.
Warum konnte keine sinnvolle Faktorenstruktur identifiziert werden?
Die explorative Faktorenanalyse ergab keine interpretierbaren Subskalen, da die Items teils sehr heterogen waren und die methodischen Voraussetzungen für eine Faktorenanalyse (z. B. Messniveau der Variablen und Fallzahl) nicht ideal erfüllt waren.
Welches Fazit zieht der Autor zur Brauchbarkeit des Fragebogens?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass das Instrument in seiner aktuellen Form nicht ausreicht, um das Konstrukt der körperlichen Inaktivität einheitlich abzubilden, und daher eine umfassende Optimierung erforderlich ist.
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- Rudolf Zamora (Author), 2008, Reliabilitätsanalyse eines Fragebogens zu körperlicher Inaktivität, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/133768