Zu untersuchen war das Thema „Sicherheit und Unsicherheit in der Großstadt“, wobei es darauf ankam, immer wieder Bezüge zu dem 1982 unter der Regie von Ridley Scott entstandenen Film „Blade Runner“ herzustellen. Der Film selbst stellt eine fiktionale Weiterzeichnung gegenwärtiger Entwicklungstendenzen in amerikanischen Großstädten dar. Es stand uns verschiedene Literatur zur Verfügung, die das Thema aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet. Mein Teil des Referats behandelte das Buch „Ökologie der Angst. Los Angeles und das Leben mit der Katastrophe“ von dem amerikanischen Stadtsoziologen und Zukunftsforscher Mike Davis.
Mike Davis „Ökologie der Angst“ zeichnet ein Schreckbild von der Großstadt Los Angeles in Gegenwart und Zukunft. Obwohl sein Buch teilweise übertreibt und seiner schlagzeilenträchtigen Aufmachung wegen plakativ wirken kann, liefert es doch eine klare Analyse bestimmter Entwicklungen in Großstädten, festgemacht am Beispiel von Los Angeles, deren Auswirkungen er ausschließlich negativ bewertet. In der vorliegenden Ausarbeitung zu diesem Referat habe ich mich in erster Linie mit dem Buch von Mike Davis beschäftigt. Zu Beginn werde ich kurz den Inhalt des im Seminar gezeigten Films „Blade Runner“ wiedergeben, um in der Folge Verbindungen zu den Thesen von Davis aufzeigen zu können. Zwar nimmt er erst im siebten und letzten Kapitel des Buches („Jenseits von Blade Runner“, ab S.403) explizit bezug auf den Film, doch spricht er zuvor auch andere Aspekte an, die das Ziehen von Parallelen zu jenem durchaus erlauben.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Der Film „Blade Runner“
3 Die „Ökologie der Angst“
3.1 „Los Angeles und das Leben mit der Katastrophe“
3.2 Die Umweltkatastrophen
3.2.1 Flutkatastrophen
3.2.2 Die Erdbebengefahr
3.2.3 Die Brand- und Tornadogefahr
3.2.4 Die Zerstörung der Landschaft
3.2.5 Die Ursachen für das Ausmaß der Katastrophen
4 Jenseits von „Blade Runner“
4.1 Die sozialen Konflikte in Los Angeles
4.2 Los Angeles in Literatur und Film
4.3 Sicherheit und Unsicherheit in Los Angeles
5 Schlußbemerkungen
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht das Thema Sicherheit und Unsicherheit in der Großstadt anhand des Films „Blade Runner“ von Ridley Scott und der soziologischen Analyse „Ökologie der Angst“ von Mike Davis, um die fiktionale Dystopie mit realen urbanen Entwicklungstendenzen zu verknüpfen.
- Soziologische Analyse der Großstadt Los Angeles als Schauplatz von Bedrohungsszenarien.
- Die Rolle von Umweltkatastrophen und menschlichem Handeln im urbanen Raum.
- Der Einfluss sozialer Segregation und ethnischer Konflikte auf das Sicherheitsgefühl.
- Privatisierung von öffentlichem Raum und die Entwicklung neuer Sicherheitsstrategien.
- Vergleichende Betrachtung von Science-Fiction-Motiven und realen soziologischen Gegebenheiten.
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Flutkatastrophen
Immer wieder wird die Stadt Los Angeles bzw. ihr Ballungsraum von teilweise verheerenden Überschwemmungen heimgesucht.
Da Los Angeles von einer Gebirgskette umgeben ist, die sich nur zum Meer hin öffnet, können anziehende Unwetterfronten zu extrem heftigen Regenfällen führen, die durchaus heftiger ausfallen können als ein Monsunregen. Dabei kam es bereits zu Todesopfern, Häuser wurden von den Fluten fortgespült und der Strom fiel weiträumig aus.
Ökologische Prozesse in Südkalifornien laufen häufig nach dem Prinzip der „Nichtlinearität“ ab, das bedeutet, viele Entwicklungen und Ereignisse mit eventuell gefährlichen Folgen sind kaum oder überhaupt nicht vorherzuberechnen. Es handelt sich um „ein höchst kompliziertes System von Rückkoppelungen, das starke Impulse klimatischer oder tektonischer Energie (...) in umweltverändernde Arbeit umsetzt.“ So können beispielsweise Perioden der Trockenheit Waldbrände positiv beeinflussen. Als Folge wird der Boden wasserundurchlässig, was wiederum die Gefahr von Überschwemmungen erhöht. Aufziehende Unwetter führen dann außerdem zu Erdrutschen und Schlammlawinen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Arbeit führt in das Seminarthema ein und erläutert den Bezug zwischen dem Film „Blade Runner“ und soziologischen Theorien über urbane Unsicherheit.
2 Der Film „Blade Runner“: Dieses Kapitel gibt eine Inhaltsbeschreibung des Films und analysiert seine düstere Vision einer zukünftigen, von Tyrell-Konzern dominierten Großstadt.
3 Die „Ökologie der Angst“: Hier wird das gleichnamige Buch von Mike Davis besprochen, das die verschiedenen ökologischen Bedrohungen für Los Angeles in den Fokus rückt.
3.1 „Los Angeles und das Leben mit der Katastrophe“: Das Kapitel verknüpft das permanente Gefühl der Bedrohung durch Katastrophen mit einem steigenden Sicherheitsbedürfnis in der Gesellschaft.
3.2 Die Umweltkatastrophen: Ein Überblick über verschiedene ökologische Gefahren, von Fluten über Erdbeben bis hin zu Brandrisiken in Los Angeles.
3.2.1 Flutkatastrophen: Untersuchung der verheerenden Auswirkungen von Überschwemmungen in Südkalifornien und deren Nichtlinearität.
3.2.2 Die Erdbebengefahr: Fokus auf die tektonische Gefährdung und die Profitinteressen, die notwendige Sicherheitsbaumaßnahmen an Gebäuden behinderten.
3.2.3 Die Brand- und Tornadogefahr: Analyse der Brandrisiken in Vororten und der oft geleugneten Bedrohung durch Stürme in der Region.
3.2.4 Die Zerstörung der Landschaft: Erörterung der unreglementierten privaten Bebauung und des damit einhergehenden Verlusts an öffentlicher Lebensqualität.
3.2.5 Die Ursachen für das Ausmaß der Katastrophen: Zusammenfassung der gesellschaftlichen Fehlleistungen und der ignoranten Haltung gegenüber natürlichen Gegebenheiten.
4 Jenseits von „Blade Runner“: Dieses Kapitel überträgt die Erkenntnisse auf die realen sozialen Verhältnisse in Los Angeles und die Rolle von Literatur und Film.
4.1 Die sozialen Konflikte in Los Angeles: Betrachtung der sozialen Spaltung und der Bildung einer „Urban Underclass“ in einer segregierten Stadt.
4.2 Los Angeles in Literatur und Film: Auswertung der häufigen Darstellung von Los Angeles als Schauplatz der Zerstörung in fiktionalen Werken.
4.3 Sicherheit und Unsicherheit in Los Angeles: Analyse der räumlichen Apartheid, der Gated Communities und der Rolle der Angst bei der Gestaltung des urbanen Raums.
5 Schlußbemerkungen: Zusammenfassende Reflexion über den Bezug des Films zur Realität und kritische Würdigung der Thesen von Mike Davis.
Schlüsselwörter
Los Angeles, Blade Runner, Ökologie der Angst, Urbanisierung, Sicherheitsbedürfnis, Umweltkatastrophen, soziale Segregation, Gated Communities, Stadtsoziologie, Privatisierung, dystopische Zukunft, räumliche Apartheid, Risiko, Katastrophenschutz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Verhältnis von Sicherheit und Unsicherheit in der Großstadt am Beispiel von Los Angeles, wobei der Film „Blade Runner“ als fiktionale Folie für reale soziologische Befunde dient.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind ökologische Risiken, soziale Segregation, die Privatisierung des öffentlichen Raums sowie die Auswirkungen von Angst auf die städtische Gestaltung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, Verbindungen zwischen den Schreckensszenarien im Film „Blade Runner“ und der von Mike Davis beschriebenen „Ökologie der Angst“ in der realen Stadtentwicklung aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine vergleichende Literatur- und Filmanalyse auf soziologischer Basis unter Einbeziehung stadtgeografischer und umweltwissenschaftlicher Aspekte.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert spezifische Umweltkatastrophen (Fluten, Erdbeben, Brände) sowie die sozialen Konflikte und die räumliche Trennung in Los Angeles.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Urbanisierung, soziale Segregation, Gated Communities, Katastrophenschutz und die dystopische Wahrnehmung der Zukunft.
Inwiefern beeinflussen soziale Ängste die Stadtplanung in Los Angeles?
Ängste vor sozialen Unruhen und Kriminalität führen zu einer massiven räumlichen Segregation, beispielsweise durch den Bau von „Gated Communities“ oder die Errichtung von Festungsarchitektur wie „Bunker Hill“.
Warum wird Los Angeles im Film so oft zerstört dargestellt?
Laut Mike Davis spiegelt diese häufige fiktionale Zerstörung rassistische Ängste der weißen Bevölkerung und eine damit verbundene „lustvolle“ Projektion des Untergangs auf eine multikulturelle Stadt wider.
Wie bewertet der Autor die Thesen von Mike Davis?
Der Autor lobt die Verbindung von Ökologie und Soziologie, kritisiert aber eine einseitige Sichtweise bei der Bewertung von Sicherheitsstrategien und eine gewisse Tendenz zur Übertreibung in den düsteren Prognosen.
- Citation du texte
- Diplom Sozialwissenschaftler Tammo Grabbert (Auteur), 2003, Sicherheit und Unsicherheit in der Großstadt , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/133824