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Auf der Suche nach dem rätselhaften 'Wesen der Weiblichkeit'

Über den psychoanalytischen Weiblichkeits-Diskurs bei Sigmund Freud und dessen Rezeption

Title: Auf der Suche nach dem rätselhaften 'Wesen der Weiblichkeit'

Term Paper , 2009 , 24 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Christian Finger (Author)

Psychology - General
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Summary Excerpt Details

Das sogenannte Fin de Siècle gehört zu den großen soziokulturellen Umbruchszeiten, in der bisher bestehende und neue Konzepte vom Menschen in bisher beispielloser Härte aufeinandertreffen. Zu diesen neuen Konzepten gehört insbesondere auch Freuds Vorstellung, dass das Ich nicht mehr „Herr im Hause“ sei, eine der großen narzisstischen Kränkungen der Moderne, durch die das Subjekt nach der kopernikanischen Wende und Darwins Evolutionstheorie „endgültig aus seiner ehemaligen Mittelpunktstellung im Universum in die Marginalität gerückt wurde.“ So verhilft etwa die von Freud bewusst im Jahre 1900 veröffentlichte Traumdeutung dem Unbewussten zu einer im europäischen Denken nie da gewesenen Aufwertung. Zugleich setzt spätestens seit der Zeit um 1900 eine – u. a. durch den Film ausgelöste – Feminisierung des Unbewussten ein, da dieses Unbewusste etwa in der Freudschen Psychoanalyse als etwas „sakrales“ gilt, das als geheimnisvoll, verrucht und heilig zugleich konnotiert und deshalb eng mit der weiblichen Geschlechtlichkeit oder vielmehr mit dem, was als weiblich gilt, verwandt ist. Damit ist es nicht als etwas „Entdecktes“, sondern vielmehr als Anderes, und das heißt als ein von Freud Konstruiertes anzusehen...

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

EINFÜHRUNG

I. MYTHOS UND GESCHLECHT: DER PSYCHOANALYTISCHE WEIBLICHKEITS-DISKURS UM 1900

IM ZEICHEN DER SPHINX: ÜBER DIE VERSCHRÄNKUNG VON MYTHOS UND WEIBLICHKEIT

EINE SPHINX GIBT RÄTSEL AUF: DIE GEHEIMNISVOLLE SÄNGERIN SOAP & SKIN IM INTERVIEW MIT DEM KULTUR-SPIEGEL

II. DER DUNKLE KONTINENT: FREUD ALS „ENTDECKER“ DES UNBEWUSSTEN UND SEINE SUCHE NACH DEM RÄTSELHAFTEN „WESEN DES WEIBES“

FREUDS VORLESUNG ÜBER DIE WEIBLICHKEIT

III. DAS UNBEHAGEN DER GESCHLECHTERFORSCHUNG: KRITIK AN DER WEIBLICHKEITSKONSTRUKTION FREUDS

JUDITH BUTLERS KRITISCHE ANMERKUNGEN ZUM ERWERB DER GESCHLECHTISIDENTITÄT BEI FREUD

AUSBLICK

CODA: DIE BEDROHTE SPEZIES MANN: DIE AKTUELLE WELTWIRTSCHAFTSKRISE ALS „KRISE DER MÄNNLICHKEIT“?

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht den psychoanalytischen Diskurs über Weiblichkeit bei Sigmund Freud sowie dessen kulturwissenschaftliche Rezeption und Kritik. Das primäre Ziel besteht darin, aufzuzeigen, wie Freud Weiblichkeit als ein durch Mythen und essentialistische Annahmen konstruiertes „Anderes“ entwirft und wie diese Konstruktion von der Gender-Forschung, insbesondere durch Judith Butler, dekonstruiert wird.

  • Die Verknüpfung von psychoanalytischen Theorien mit mythologischen Narrativen am Beispiel der Sphinx.
  • Die Analyse von Freuds Vorlesung über die Weiblichkeit und das Konzept des „dunklen Kontinents“.
  • Die Auseinandersetzung mit der Kritik der Gender-Forschung an der essentialistischen Geschlechterdifferenz.
  • Die Untersuchung des Erwerbs von Geschlechtsidentität und des Ödipus-Komplexes in Butlers Rezeption.
  • Die kritische Reflexion zeitgenössischer Männlichkeitsbilder im Kontext der Wirtschaftskrise.

Auszug aus dem Buch

Im Zeichen der Sphinx: Über die Verschränkung von Mythos und Weiblichkeit

Wenn man den Blick auf das Verhältnis von Psychoanalyse und Weiblichkeit richtet, so wird augenscheinlich, dass Freud häufig auf die Ödipus-Sphinx-Konstellation verweist, die auch als Sujet in der Malerei um die Jahrhundertwende an Bedeutung gewinnt. Insbesondere der Interpretation des bekannten Bildes Ödipus und die Sphinx (1808) von Jean-Auguste-Dominique Ingres ist dabei große Aufmerksamkeit zuteil geworden, das auch als Reproduktion in Freuds Arbeitszimmer hing. Auf diese Ödipus-Sphinx-Konfiguration wurde um 1900 häufig zurückgegriffen, um in ihr das Geschlechterverhältnis zu inszenieren: Ingres hatte in diesem Bild den Rückgriff auf die mythische Konstellation für die Moderne in eine „klassische Form“ gebracht, so dass bei ihm die „Konfrontation zwischen Ödipus und der Sphinx nicht als mörderische[r] Geschlechterkampf gefasst, sondern als eine eher intime Szene dargestellt [wird]“.

Die in der Malerei sich ereignende Modifikation hin zu einer Sexualisierung der Szene im Verlauf des 19. Jahrhunderts thematisiert nun nicht mehr so stark den Rätselaspekt, sondern den Menschen als Geschlechtswesen. Das betont aber die ambivalente Verteilung der Geschlechterpositionen, die schon bei Ingres anzutreffen ist: Während der athletisch dargestellte Ödipus einerseits ganz Körper zu sein scheint, zugleich jedoch nachdenklich und damit alles andere als ein triumphaler Sieger wirkt, verbleibt die ins Dunkle gehüllte Sphinx im Rätselhaften, während zugleich ihre Brust als offenbares Geheimnis provozierend entblößt dargestellt ist. Dies zeigt, dass die Ödipus-Sphinx-Darstellungen ebenso wie der psychoanalytische Diskurs Teil „jenes Kampfes der Geschlechter [sind], der um 1900 in Literatur, Kunst und Wissenschaft allgegenwärtig war.“

Zusammenfassung der Kapitel

EINFÜHRUNG: Diese Einleitung führt in die soziokulturelle Umbruchszeit um 1900 ein und skizziert die psychoanalytische Aufwertung des Unbewussten sowie dessen enge, oftmals mythologisierte Verknüpfung mit dem weiblichen Geschlecht.

I. MYTHOS UND GESCHLECHT: DER PSYCHOANALYTISCHE WEIBLICHKEITS-DISKURS UM 1900: Das Kapitel analysiert den geschichtlichen Hintergrund und die männlich geprägte Abwehrhaltung gegenüber emanzipatorischen Frauenbewegungen, die zu einer mythischen Neudefinition von „Weiblichkeit“ führte.

IM ZEICHEN DER SPHINX: ÜBER DIE VERSCHRÄNKUNG VON MYTHOS UND WEIBLICHKEIT: Hier wird die Rolle der Sphinx-Figur als Chiffre für die psychoanalytische und literarische Rätselhaftigkeit des Weiblichen untersucht.

EINE SPHINX GIBT RÄTSEL AUF: DIE GEHEIMNISVOLLE SÄNGERIN SOAP & SKIN IM INTERVIEW MIT DEM KULTUR-SPIEGEL: Dieses Kapitel transferiert die historische Sphinx-Metaphorik auf moderne mediale Inszenierungen von Weiblichkeit im 21. Jahrhundert.

II. DER DUNKLE KONTINENT: FREUD ALS „ENTDECKER“ DES UNBEWUSSTEN UND SEINE SUCHE NACH DEM RÄTSELHAFTEN „WESEN DES WEIBES“: Es wird dargelegt, wie Freud die Psychoanalyse als „Kulturarbeit“ etablierte und dabei versuchte, das Weibliche als „dunklen Kontinent“ zu erschließen.

FREUDS VORLESUNG ÜBER DIE WEIBLICHKEIT: Eine kritische Betrachtung von Freuds Vorlesung aus dem Jahr 1932, in der er Weiblichkeit maßgeblich über das Fehlen männlicher Attribute definiert.

III. DAS UNBEHAGEN DER GESCHLECHTERFORSCHUNG: KRITIK AN DER WEIBLICHKEITSKONSTRUKTION FREUDS: Dieses Kapitel widmet sich der feministischen Kritik, die den Essentialismus der Freudschen Theorien als veraltete Konstruktion entlarvt.

JUDITH BUTLERS KRITISCHE ANMERKUNGEN ZUM ERWERB DER GESCHLECHTISIDENTITÄT BEI FREUD: Eine tiefgehende Analyse von Judith Butlers Dekonstruktion, die den Erwerb von Geschlecht als durch gesellschaftliche Machtstrukturen erzwungene Identität versteht.

AUSBLICK: Der Ausblick zeigt Wege für eine psychoanalytische Praxis auf, die sich von den alten Identitätszwängen löst und einen neuen Dialog zwischen den Geschlechtern ermöglicht.

CODA: DIE BEDROHTE SPEZIES MANN: DIE AKTUELLE WELTWIRTSCHAFTSKRISE ALS „KRISE DER MÄNNLICHKEIT“?: Eine abschließende Reflexion über die heutige Krise der Männlichkeit im Lichte veränderter gesellschaftlicher und ökonomischer Anforderungen.

Schlüsselwörter

Psychoanalyse, Sigmund Freud, Weiblichkeit, Geschlechterforschung, Sphinx, Ödipus-Komplex, Identität, Judith Butler, Essentialismus, Konstruktivismus, Unbewusstes, Männlichkeit, Geschlechterdifferenz, Kulturwissenschaft.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der psychoanalytischen Konstruktion von Weiblichkeit bei Sigmund Freud und untersucht, wie diese theoretischen Konzepte historisch eingebettet, kritisiert und dekonstruiert wurden.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Im Zentrum stehen der psychoanalytische Geschlechterdiskurs um 1900, die Verbindung von Mythologie und Psychoanalyse sowie die moderne Gender-Kritik an klassischen Identitätsmodellen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, die Freudsche Darstellung des Weiblichen als „Rätsel“ oder „dunklen Kontinent“ offenzulegen und aufzuzeigen, wie diese Sichtweise durch die feministische Forschung und Theoretikerinnen wie Judith Butler kritisch hinterfragt wurde.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?

Die Arbeit nutzt kulturwissenschaftliche Analysemethoden, insbesondere die Dekonstruktion, um sowohl literarische und mythologische Bilder als auch psychoanalytische Grundlagentexte zu untersuchen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Sphinx-Mythologie, die kritische Analyse von Freuds Vorlesungen zur Weiblichkeit und die theoretische Auseinandersetzung mit Judith Butlers Kritik an der Geschlechtsidentität.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Zentrale Begriffe sind Psychoanalyse, Geschlechterdifferenz, Essentialismus, Identitätskonstruktion, Ödipus-Komplex und die Dekonstruktion des Weiblichen.

Welche Bedeutung hat die Sphinx-Figur in Freuds Werk?

Die Sphinx dient Freud als zentrale Metapher für die Rätselhaftigkeit des Weiblichen, wobei die Konfrontation zwischen ihr und Ödipus ein Spannungsfeld zwischen Wissen, Trieb und Geschlechterkampf eröffnet.

Wie bewertet Judith Butler Freuds Konzept der Geschlechtsidentität?

Butler kritisiert Freud dafür, dass er Identität als biologisch vorgegeben oder natürlich betrachtet, und argumentiert stattdessen, dass Geschlecht ein durch soziale Zwänge und machtvolle Diskurse produziertes Konstrukt („gender fables“) ist.

Warum wird die Wirtschaftskrise am Ende der Arbeit thematisiert?

Die Coda verknüpft die theoretischen Überlegungen zur Männlichkeitskonstruktion mit der aktuellen gesellschaftlichen „Krise der Männlichkeit“, um zu verdeutlichen, dass traditionelle Männlichkeitsbilder im Kontext moderner ökonomischer Anforderungen an ihre Grenzen stoßen.

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Details

Title
Auf der Suche nach dem rätselhaften 'Wesen der Weiblichkeit'
Subtitle
Über den psychoanalytischen Weiblichkeits-Diskurs bei Sigmund Freud und dessen Rezeption
College
Humboldt-University of Berlin  (Kulturwissenschaft und Neuere Deutsche Literaturwissenschaft)
Course
Das Unbewusste
Grade
1,3
Author
Christian Finger (Author)
Publication Year
2009
Pages
24
Catalog Number
V133882
ISBN (eBook)
9783640408924
ISBN (Book)
9783640409419
Language
German
Tags
Weiblichkeit Wesen Myzhos Geschlecht Sphinx Butler Freud Diskurs Psychoanalyse Männlichkeit Weltwirtschaftskrise Unbewusste Traumdeutung Geschlechtlichkeit
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Christian Finger (Author), 2009, Auf der Suche nach dem rätselhaften 'Wesen der Weiblichkeit', Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/133882
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