Die Gesundheit ist unter den pädagogischen Perspektiven traditionell, aber auch aktuell, eine der Wichtigsten. Zahlreiche theoretische Ansätze, Modelle, Diskussionen und Ausführungen beschäftigen sich mit diesem Thema. Wenn man die Frage nach der Legitimation des Sportunterrichts stellt, erscheint die Perspektive der Gesundheit als Antwort immer noch am griffigsten und am einfachsten nachvollziehbar.
Viele Studien belegen, dass sich die gesundheitliche Lage von Kindern und Jugendlichen in den letzten Jahren immer weiter verschlechtert hat (vgl. Opper et al. 2008, S. 118 f.). Dabei wirken sich nicht nur vorhandene, körperliche Defizite, wie Bewegungsmangel, motorische Beeinträchtigungen oder Übergewicht negativ aus, sondern vor allem auch ein bei vielen Jugendlichen nur sehr schwach ausgeprägtes Gesundheitsbewusstsein. Unter diesem Gesichtspunkt scheint eine Gesundheitserziehung, die sich in der Vergangenheit häufig nur auf die präventive Funktion sportlicher Aktivität im Sportunterricht stützte, als nicht mehr effektiv und zeitgemäß.
„Die Schule wird als wichtiger Einstiegsort für Gesundheitsförderung und Gesundheitserziehung angesehen, der modernen Schule wird als eine Institution, die Kinder und Jugendliche viele Jahre durchlaufen müssen, eine zentrale Verantwortung zugemessen.“ (Recla 2004, S. 10)
Doch wie ist nun die Aufgabe einer Gesundheitserziehung im Schulsport zu verstehen und welche konkreten Möglichkeiten bietet sie?
Dieser Fragestellung möchte ich mich im Folgenden zunächst auf theoretischer Basis nähern. Nach kurzen Begriffsbestimmungen gehe ich auf die schulischen Rahmenbedingungen ein, gebe einen Überblick über verschiedene Modelle zur Gesundheit und zur aktuellen Gesundheitserziehung. Im Anschluss betrachte ich die praktische Umsetzung dieser Thematik im Sportunterricht näher. Hier sollen Wege zur Auswahl geeigneter Unterrichtsthemen und Aspekte zur sachgerechten Vermittlung vorgestellt werden. Im letzten Teil werde ich die gewonnen Ergebnisse in den Schlussbemerkungen noch einmal zusammenfassend darstellen.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. THEORETISCHE VORÜBERLEGUNGEN
2.1. BEGRIFFSBESTIMMUNGEN
2.2. SPEZIFISCHE RAHMENBEDINGUNGEN IN DER SCHULE
2.2.1. Voraussetzungen der Schüler
2.2.2. Institutionelle und organisatorische Bedingungen
2.2.3. Mehrperspektivität des Sportunterrichts
2.2.4. Ansprüche der Gesellschaft
2.3. MODELLE ZUR GESUNDHEIT UND KRANKHEIT
2.3.1. Das Salutogenese-Modell
2.3.2. Das Diätetik – Modell
2.4. MODELLE DER GESUNDHEITSERZIEHUNG
2.4.1. Objektivierende Positionen
2.4.2. Subjektivierende Positionen
3. PRAKTISCHE UMSETZUNG
3.1. THEMENAUSWAHL
3.2. VERMITTLUNG
4. SCHLUSSBEMERKUNGEN
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die pädagogische Perspektive der Gesundheit im schulischen Sportunterricht und analysiert, wie Sportlehrer durch theoretische Fundierung und praxisnahe Gestaltungsmethoden einen Beitrag zur Gesundheitserziehung von Kindern und Jugendlichen leisten können.
- Theoretische Grundlagen und Modelle zu Gesundheit und Krankheit im Schulkontext
- Spezifische Rahmenbedingungen und Herausforderungen des Sportunterrichts
- Gegenüberstellung objektivierender und subjektivierender Ansätze der Gesundheitserziehung
- Methodische Prinzipien zur Themenauswahl und Vermittlung gesundheitsorientierter Inhalte
- Förderung eines selbstbestimmten Gesundheitsbewusstseins bei Schülern
Auszug aus dem Buch
2.4.1. Objektivierende Positionen
Wie in Punkt 2.4 schon erwähnt, befassen sich Konzepte und Modelle dieser Sichtweise vorwiegend mit Training und Prävention. Die meisten Ansätze favorisieren folglich präventives Training im Schulsport, das zu gleichen Teilen gesundheitsförderlich wirken, wie auch die sportliche Leistungsfähigkeit erhalten und steigern soll. „Gemeinsam ist allen, dass sie sich auf den physischen Bereich, insbesondere auf die Verbesserung konditioneller Fähigkeiten […] konzentrieren“ (Balz 1995, S. 48). Sportliches Training soll so objektiv und direkt auf die Gesundheit einwirken. Die Schüler erfahren Trainingsmöglichkeiten und Handlungsweisen, die vor vielen Krankheiten (insbesondere Herz- und Kreislauferkrankungen) schützen können und sollen.
Die positiven Effekte der objektivierenden Ansätze auf die Gesundheit sind allerdings nicht unumstritten. Recla (2004, S. 104) fasst diese Diskussion zusammen:
„Kritisiert an diesen Konzepten wird, dass die überwiegend biologisch-medizinischen Gesundheitsvorstellungen nur einseitig auf das Körperliche bezogen sind und die enge Sichtweise nur einen Teilbereich von den Möglichkeiten gesundheitsfördernder Maßnahmen in der schulischen Bewegungserziehung erfasst.“
Ein Beispiel für die Umsetzung dieses Ansatzes der trainingsorientierten Gesundheitsförderung ist die von der AOK unterstützte Aktion „Die fitte Schulklasse“. Das sehr stark wettkampforientierte Programm war ebenfalls sehr umstritten und wurde bald durch die eher spielerisch motivierte „neue fitte Schulklasse“ abgelöst. (Balz 1998, S. 335 f.)
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Die Einleitung beleuchtet die Relevanz der Gesundheitserziehung im Schulsport angesichts der verschlechterten gesundheitlichen Lage bei Jugendlichen und führt in die zentrale Fragestellung der Arbeit ein.
2. THEORETISCHE VORÜBERLEGUNGEN: Dieser Abschnitt erörtert die notwendigen theoretischen Grundlagen, Rahmenbedingungen, verschiedene Gesundheitsmodelle und die Strömungen der Gesundheitserziehung.
3. PRAKTISCHE UMSETZUNG: Das Kapitel diskutiert Strategien zur Auswahl gesundheitsorientierter Unterrichtsthemen und stellt methodische Gestaltungsprinzipien für den Sportunterricht vor.
4. SCHLUSSBEMERKUNGEN: Die Schlussbemerkungen fassen die Bedeutung der pädagogischen Perspektive Gesundheit zusammen und plädieren für eine Kompetenzvermittlung, die Schüler zu lebenslangem gesundheitsbewusstem Handeln animiert.
Schlüsselwörter
Gesundheitserziehung, Schulsport, Prävention, Salutogenese, Diätetik, Gesundheitsförderung, Bewegungsverhalten, Sportdidaktik, Selbstbestimmung, Mehrperspektivität, Kompetenzvermittlung, körperliche Fitness, gesundheitsbewusstes Handeln.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit thematisiert die Rolle der Gesundheit als pädagogische Leitperspektive im Sportunterricht und untersucht, wie diese theoretisch und praktisch im schulischen Kontext umgesetzt werden kann.
Welche sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen schulische Rahmenbedingungen, verschiedene wissenschaftliche Modelle zur Entstehung von Gesundheit sowie didaktische Ansätze für den Sportunterricht.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, Möglichkeiten aufzuzeigen, wie Sportlehrer durch gezielte Auswahl von Inhalten und Vermittlungsmethoden das Gesundheitsbewusstsein der Schüler nachhaltig stärken können.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und der Auseinandersetzung mit existierenden theoretischen Modellen und Fallstudien verschiedener Autoren zur Sportpädagogik.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung (Salutogenese- und Diätetik-Modell), die Analyse verschiedener Erziehungsansätze sowie die praktische Umsetzung durch didaktische Gestaltungsprinzipien.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe sind Gesundheitserziehung, Schulsport, Prävention, Kompetenzvermittlung und die Mehrperspektivität des Sportunterrichts.
Was unterscheidet objektivierende von subjektivierenden Positionen?
Objektivierende Positionen fokussieren sich primär auf Prävention und physische Trainingsaspekte, während subjektivierende Positionen die individuelle Befindlichkeit, Wissensvermittlung und den Erwerb von Handlungskompetenzen in den Mittelpunkt stellen.
Welche Rolle spielen die Lehrkräfte bei der Gesundheitserziehung?
Der Sportlehrer fungiert als Vorbild und Gestalter des Lernmilieus; er muss zudem eine gezielte stufenspezifische Vermittlung gewährleisten und den Schülern helfen, eine dauerhafte Bindung zum gesundheitsförderlichen Sporttreiben aufzubauen.
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- Frank Herzer (Author), 2009, Die Pädagogische Perspektive Gesundheit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/133928