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Die Diskussion um die Herabsetzung der Strafmündigkeitsgrenze auf 12 Jahre in Deutschland

Title: Die Diskussion um die Herabsetzung der Strafmündigkeitsgrenze auf 12 Jahre in Deutschland

Bachelor Thesis , 2020 , 66 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Melissa Harman (Author)

Law - Penology
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Im Rahmen dieser Bachelorarbeit soll untersucht werden, ob eine Herabsetzung der Strafmündigkeitsgrenze auf 12 Jahre eine sinnvolle Maßnahme ist, um gegen Kinderdelinquenz vorzugehen. Hierbei wird zunächst auf die Geschichte des Jugendstrafrechts eingegangen, bei der die Reformbewegung von großer Bedeutung ist. Des Weiteren wird die Entwicklung der Kinderdelinquenz von 1980 bis heute anhand der polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) behandelt und Ursachen sowie Folgen werden analysiert. Zudem sollen der Umgang mit den bestehenden Kontrollsystemen bezüglich delinquenter Kinder angesprochen und präventive Maßnahmen näher erläutert werden. Der letzte Abschnitt besteht aus einer Diskussion.

Das Ziel dieser Arbeit ist eine möglichst umfassende Auseinandersetzung mit der Thematik Kinderdelinquenz, um auf diese Weise zu klären, ob eine Änderung der geltenden Strafmündigkeitsgrenze einen vertretbaren Problemlösungsansatz verkörpert. Hierbei werden die verschiedenen Meinungen zur Herabsetzung der Strafmündigkeitsgrenze vermittelt, indem die unterschiedlichen Standpunkte mit ihren wesentlichen Argumenten aufgezeigt werden. Angesichts dessen ist der Überlegung nachzugehen, welche Motive für die wiederholten Veränderungen der bestehenden Altersgrenzen bestimmend waren und inwiefern diese Gründe heute noch Geltung besitzen. Zu diesem Zweck dient ein historischer Rückblick.

Kinder bis zum vollendeten 14. Lebensjahr sind in Deutschland gem. §19 StGB für ihre Straftaten nicht verantwortlich. Dennoch wird in der polizeilichen Kriminalstatistik eine Rubrik mit dem Titel Kinderkriminalität geführt und in Politik und Medien von steigender Kinderkriminalität gesprochen. Wenn Kinder sich abweichend verhalten und gegen das geltende Strafrecht verstoßen, spricht man daher gewöhnlich nicht von Kriminalität, sondern verwendet den Begriff der „Kinderdelinquenz“. Tatsächlich zeigt ein oberflächlicher Blick auf die polizeiliche Kriminalstatistik der 90er-Jahre einen Anstieg der Kriminalitätszahlen, insbesondere in Bezug auf die jüngeren Altersgruppen. Die statistischen Größen werden durch die Medien allerdings dramatisiert, indem von spektakulären Gewaltverbrechen berichtet wird und diese in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses gerückt werden. In der Bevölkerung kann hierdurch leicht der Eindruck entstehen, Sexual- und Tötungsdelikte seien bei kindlichen Tätern, im Unterschied zu früher, an der Tagesordnung.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

A. EINLEITUNG

B. DEFINITIONEN

I. KINDER

II. KRIMINALITÄT-DELINQUENZ

C. GESCHICHTE DES JUGENDSTRAFRECHTS

I. ENTWICKLUNG BIS 1871

II. DAS RSTGB 1871

III. JUGENDSTRAFRECHTLICHE REFORMBEWEGUNG

1. Ausgangspunkt der Reformbewegung

2. Entwicklung bis zur Jahrhundertwende

3. JGG 1923

IV. DAS RJGG 1943

V. DAS JGG 1953

VI. DAS 1. JGGÄNDG UND WEITERE REFORMBESTREBUNGEN

D. ENTWICKLUNG DER KINDERDELINQUENZ

I. DARSTELLUNG DER KINDERDELINQUENZ IN DER POLIZEILICHEN KRIMINALSTATISTIK

II. ALLGEMEINE ENTWICKLUNG

III. PROBLEM DER DUNKELFELDUNTERSUCHUNG

E. URSACHEN DER KINDERDELINQUENZ

I. EINFLUSS DER FAMILIE

II. EINFLUSS DER SCHULE

III. EINFLUSS DER MEDIEN

F. FOLGEN DER DELINQUENZ FÜR KINDER

I. STRAFRECHTLICHE FOLGEN

II. ZIVILRECHTLICHE FOLGEN

G. UMGANG MIT DELINQUENTEN KINDERN

I. UMGANG MIT KINDERDELINQUENZ DURCH POLIZEI UND STAATSANWALTSCHAFT

II. UMGANG MIT KINDERDELINQUENZ DURCH JUGENDÄMTER

III. UMGANG DER JUGENDHILFE MIT KINDERDELINQUENZ

1. Hilfen zur Erziehung

2. Maßnahmen der Hilfe zur Erziehung

a) Ambulante Hilfe

b) Hilfe außerhalb der Familie

H. PRÄVENTIONSMAẞNAHMEN

I. DISKUSSION UM DIE HERABSETZUNG DER STRAFMÜNDIGKEITSGRENZE AUF 12 JAHRE IN DEUTSCHLAND

I. AUSGANGSLAGE

II. PARAMETER DER FESTSTELLUNG DER ALTERSGRENZE IN RECHTSHISTORISCHER BETRACHTUNG

III. DIE DISKUSSION

1. Intention einer Senkung des Strafmündigkeitsalters

2. Lösungsansatz

J. FAZIT

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das aktuelle gesellschaftliche und politische Spannungsfeld um die mögliche Herabsetzung der Strafmündigkeitsgrenze in Deutschland von 14 auf 12 Jahre. Ziel ist es, unter Einbeziehung historischer Entwicklungen und aktueller Kriminalstatistiken zu evaluieren, ob eine solche gesetzliche Änderung eine sinnvolle und vertretbare Maßnahme zur Prävention von Kinderdelinquenz darstellt oder ob pädagogische Hilfestellungen effektivere Lösungsansätze bieten.

  • Historische Entwicklung des Jugendstrafrechts
  • Analyse der Kinderdelinquenz anhand der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS)
  • Einflussfaktoren wie Familie, Schule und Medien
  • Stellungnahme zu strafrechtlichen versus pädagogischen Interventionsmöglichkeiten
  • Diskussion über Pro- und Contra-Argumente einer Strafmündigkeit ab 12 Jahren

Auszug aus dem Buch

A. Einleitung

Kriminelles Verhalten junger Menschen zieht, seit Beginn der 90er-Jahre, zunehmend gesellschaftliche Aufmerksamkeit auf sich. Aufgrund der anwachsenden Zahlen der polizeilichen Kriminalstatistiken wird insbesondere die Zunahme von Straftaten strafunmündiger Kinder diskutiert.

Immer häufiger berichten Medien von einem Anstieg der Kinderkriminalität. So sehen wir des Öfteren Schlagzeilen wie: „Immer mehr Straftäter“, „Gehören kriminelle Kinder in den Knast?“, „Jugendkriminalität steigt“ und Ähnliches.

Eine aktuelle Schlagzeile lautet: „Gruppenvergewaltigung in Mühlheim – Herabsetzung der Strafmündigkeitsgrenze auf 12 Jahre.“ Medien, Presse und Social Media berichten von einer Gruppenvergewaltigung in Mühlheim und sorgen für bundesweites Aufsehen. Es wurde berichtet, dass drei 14-Jährige und zwei 12-Jährige eine Frau in ein Gebüsch zogen und sie dort vergewaltigten. Darauffolgend wurde ein 14-jähriger Täter verhaftet, da bei diesem eine Wiederholungsgefahr bestand. Die beiden 12-jährigen Täter konnten aufgrund ihres Alters nicht strafrechtlich zur Rechenschaft gezogen werden.

Politik und Medien vermittelten den Eindruck, dass ein Problem existiere, das dringenden Handlungsbedarf begründe. Auch sorgte dieser Fall in Mühlheim an der Ruhr erneut für emotionale Diskussionen. Aufgrund dieser Berichterstattung nimmt die Öffentlichkeit Nachrichten über einen drastischen Anstieg der Kinder- und Jugendkriminalität, mithin der Verbreitung von Jugendgewalt, wahr. Als Lösung des derart wahrgenommenen „Problems der Kinderdelinquenz“ wird unter anderem eine Herabsetzung der geltenden Strafmündigkeitsgrenze angeregt und eine damit verbundene Möglichkeit eröffnet, bei Kindern schon vor Erreichen des 14. Lebensjahres zu strafrechtlichen Sanktionsmitteln zu greifen.

Zusammenfassung der Kapitel

A. EINLEITUNG: Einführung in die Problematik des kriminellen Verhaltens bei Kindern und die daraus resultierenden medialen sowie politischen Diskussionen bezüglich einer Gesetzesänderung.

B. DEFINITIONEN: Begriffsbestimmung von Kindern, Kinderdelinquenz und Kriminalität im Kontext der Arbeit.

C. GESCHICHTE DES JUGENDSTRAFRECHTS: Überblick über die historische Entwicklung der Altersgrenzen und strafrechtlichen Ansätze von der Zeit vor 1871 bis zur Reformbewegung 1923.

D. ENTWICKLUNG DER KINDERDELINQUENZ: Analyse der Fallzahlen anhand der Polizeilichen Kriminalstatistik und Einordnung der Aussagekraft durch die Dunkelfeldforschung.

E. URSACHEN DER KINDERDELINQUENZ: Untersuchung potenzieller Risikofaktoren wie familiäre Strukturen, das schulische Umfeld und der Medienkonsum.

F. FOLGEN DER DELINQUENZ FÜR KINDER: Darstellung der strafrechtlichen und zivilrechtlichen Konsequenzen bei straffällig gewordenen Kindern.

G. UMGANG MIT DELINQUENTEN KINDERN: Erörterung der Interventionsmöglichkeiten durch Polizei, Staatsanwaltschaft und die Rolle der Jugendhilfe (Hilfen zur Erziehung).

H. PRÄVENTIONSMAẞNAHMEN: Differenzierung zwischen primärer, sekundärer und tertiärer Prävention zur Vermeidung zukünftigen kriminellen Verhaltens.

I. DISKUSSION UM DIE HERABSETZUNG DER STRAFMÜNDIGKEITSGRENZE AUF 12 JAHRE IN DEUTSCHLAND: Kritische Auseinandersetzung mit den Pro- und Contra-Argumenten sowie Erörterung von Lösungsansätzen jenseits einer Strafrechtsverschärfung.

J. FAZIT: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse und abschließende Empfehlung zur Beibehaltung der bestehenden Altersregelung.

Schlüsselwörter

Kinderdelinquenz, Strafmündigkeitsgrenze, Jugendstrafrecht, Prävention, Polizeiliche Kriminalstatistik, Erziehungshilfen, Delinquenz, Jugendamt, Straftaten, Sanktionen, Altersgrenzen, Sozialpädagogik, Kriminalitätsprävention, Jugendkriminalität, Familienrecht.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der gesellschaftlichen und politischen Debatte über eine mögliche Herabsetzung des Strafmündigkeitsalters in Deutschland von 14 auf 12 Jahre.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Zentrale Themen sind die historische Entwicklung des Jugendstrafrechts, die Analyse von Kriminalitätsstatistiken (PKS) sowie die Auswirkungen soziologischer Präventionsansätze.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es zu klären, ob eine Änderung der Strafmündigkeitsgrenze eine sinnvolle Problemlösung darstellt oder ob erzieherische Maßnahmen vorzuziehen sind.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Es wird eine rechtswissenschaftliche und sozialpädagogische Betrachtung unter Einbeziehung empirischer Daten (Statistiken) und historischer Quellen vollzogen.

Was bildet den Schwerpunkt des Hauptteils?

Der Hauptteil analysiert die Ursachen von Kinderdelinquenz, die Rolle der Jugendhilfe und die Argumente für und gegen eine Verschärfung des Strafrechts für Kinder unter 14 Jahren.

Durch welche Schlüsselbegriffe ist die Arbeit charakterisiert?

Die Arbeit lässt sich maßgeblich durch die Begriffe Kinderdelinquenz, Strafmündigkeit, Jugendhilferecht und Prävention beschreiben.

Warum wird die PKS kritisch bewertet?

Die PKS bildet nur das Hellfeld ab; zudem erfassen die Daten nicht immer die tatsächliche Schwere der Delikte oder die familiäre Situation des Täters.

Welche Rolle spielen Jugendämter bei Delinquenz?

Jugendämter sind primär auf das Kindeswohl fokussiert und sollen bei festgestelltem Erziehungsdefizit mit unterstützenden Maßnahmen (Hilfen zur Erziehung) reagieren.

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Details

Title
Die Diskussion um die Herabsetzung der Strafmündigkeitsgrenze auf 12 Jahre in Deutschland
College
Berlin School of Economics and Law
Grade
2,0
Author
Melissa Harman (Author)
Publication Year
2020
Pages
66
Catalog Number
V1339293
ISBN (PDF)
9783346851956
ISBN (Book)
9783346851963
Language
German
Tags
Strafrecht Rechtswissenschaften Strafmündigkeit Kinder Kinderdelinquenz Straftaten Strafmündigkeitsgrenze Jugendstrafrecht polizeiliche Kriminalstatistik
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Melissa Harman (Author), 2020, Die Diskussion um die Herabsetzung der Strafmündigkeitsgrenze auf 12 Jahre in Deutschland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1339293
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