Ziel der vorliegenden Seminararbeit ist es zu untersuchen, welches Mutterbild mit und durch Mutter Courage gezeigt wird und wie das Verhalten von Mutter Courage gewertet wird. Mutter Courage wird im Stück als Figur dargestellt, die vielschichtig und paradox zugleich zu sein scheint. Es existieren divergierende Interpretationsmöglichkeiten zur Persönlichkeit der Figur Mutter Courage, die ein Spannungspotential in der Forschung verursachen. Die Gegensätzlichkeit jener Deutungen resultiert im Wesentlichen aus dem Widerspruch, dass Mutter Courage Mutter und gleichzeitig Geschäftsfrau und Unternehmerin zu sein scheint.
Aufgrund der, in der Forschung, herrschenden Dissonanz der Thematik, behaupte ich eine Ambivalenz und Widersprüchlichkeit der Figur der Mutter Courage in ihrer Mutterrolle, die in so einer Deutlichkeit existieren, dass ein klares und eindeutiges Bild der Mutterrolle unmöglich zu zeichnen ist.
Die Thematik der „Mutter“ in Brechts Werk ist umfangreich und in vielen Stücken zu finden. Um eine eindeutige Untersuchung des Mutterbildes in Brechts Werk zu erreichen, beschränke ich mich im Folgenden auf ein Werk Brechts: Mutter Courage und ihre Kinder. Dieses Stück weist eine besonders vielschichtige Mutterrolle auf, die eine differenzierte Analyse der Mutterrolle in Mutter Courage und ihre Kinder rechtfertigt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Handlung
3. Mutter und Mütterlichkeit
4. Mutter Courage und ihre Kinder
4.1 Ambivalenz im Stück
4.2 Ambivalenz in der Inszenierung
4.3 Mutter Courage als/zwischen Mutter und Geschäftsfrau
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Mutterbild in Bertolt Brechts Stück "Mutter Courage und ihre Kinder". Dabei wird analysiert, wie die Ambivalenz zwischen der Rolle als sorgende Mutter und der Rolle als erfolgsorientierte Geschäftsfrau im Dramentext sowie in einer filmischen Inszenierung dargestellt und bewertet wird.
- Ambivalenz und Widersprüchlichkeit der Figur Mutter Courage
- Definition des Begriffs Mütterlichkeit im Kontext des Werks
- Gegenüberstellung von mütterlichem Schutz und geschäftlichem Profitstreben
- Rezeptionsanalyse von Mutter Courage als Mutter und Geschäftsfrau
Auszug aus dem Buch
4.1 Ambivalenz im Stück
Gleich zu Beginn des Stückes, in der ersten Szene, spielt sich eine beispielhafte Situation für jene behauptete Ambivalenz ab. Mutter Courage und ihre Kinder treffen auf ihrem Weg mit dem Planwagen auf einen Feldwebel und einen Soldaten. Der Feldwebel, zunächst etwas verwundert von dem Anblick der Familie, spricht Mutter Courage auf ihre Söhne, Eilif und Schweizerkas, an – er könne sie gut als Soldaten für den Krieg gebrauchen.
„DER FELDWEBEL Ich brauch was andres. Ich seh, die Burschen sind wie die Birken gewachsen, runde Brustkästen, stämmige Haxen: warum drückt sich das vom Heeresdienst, möchte ich wissen? MUTTER COURAGE schnell: Nicht zu machen, Feldwebel. Meine Kinder sind nicht für das Kriegshandwerk.“
Der Feldwebel verspricht Mutter Courage einen sich lohnenden Gewinn im Austausch für die zwei Söhne, doch Mutter Courage lehnt entschieden ab: ,,Nicht zu machen, Feldwebel. Meine Kinder sind nicht für das Kriegshandwerk.“ Jene Entschlossenheit veranschaulicht sie mit der gewaltbereiten Geste des Messerziehens, als Zeichen ihrer Verteidigungskraft und Kampfbereitschaft. Dabei unterstreicht sie ihre Haltung mit den Worten: ,,[...] Ich stech‘ euch nieder, Lumpen,“ Eine Courage und Bereitschaft zur Aufopferung für ihre Kinder werden hierbei deutlich sowie ein mütterliches Bemühen um den Schutz und die Sicherheit ihrer Kinder vor dem Militär und somit dem Krieg.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung steckt den thematischen Rahmen ab, definiert das Ziel der Seminararbeit und führt in die Problematik einer als ambivalent wahrgenommenen Mutterrolle bei Brecht ein.
2. Handlung: Dieses Kapitel gibt einen Abriss über die erzählte Geschichte des Stücks im Kontext des Dreißigjährigen Krieges und stellt die Hauptfigur Anna Fierling vor.
3. Mutter und Mütterlichkeit: Es erfolgt eine theoretische Herleitung der Begriffe Mutter und Mütterlichkeit, um diese als Basis für die darauffolgende Analyse der Figur Mutter Courage zu nutzen.
4. Mutter Courage und ihre Kinder: Der Hauptteil gliedert sich in drei Unterabschnitte, die detailliert die Ambivalenzen im Dramentext, deren filmische Umsetzung sowie das Spannungsfeld zwischen mütterlicher Fürsorge und unternehmerischem Handeln beleuchten.
5. Fazit: Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung der Ergebnisse und bekräftigt die These, dass die Figur aufgrund ihrer gegensätzlichen Handlungsweisen nicht eindeutig auf eine Rolle reduzierbar ist.
Schlüsselwörter
Mutter Courage, Bertolt Brecht, Mütterlichkeit, Ambivalenz, Mutterbild, Krieg, Geschäftsfrau, Brecht-Handbuch, Drama, Inszenierung, Helene Weigel, Literaturwissenschaft, Theatergeschichte, Mutterrolle, Widersprüchlichkeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Mutterbild in Bertolt Brechts "Mutter Courage und ihre Kinder" und analysiert die dabei entstehenden Ambivalenzen zwischen Fürsorge und Profitinteresse.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Definition von Mütterlichkeit, die Analyse der Figur Mutter Courage im Dramentext sowie deren Interpretation in der filmischen Inszenierung des Berliner Ensembles.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es zu untersuchen, welches Mutterbild durch die Figur gezeichnet wird und inwieweit ihr scheinbar widersprüchliches Verhalten als Mutter bewertet werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse des Dramentextes mit einer rezeptionsästhetischen Betrachtung der filmischen Inszenierung kombiniert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert spezifische Schlüsselszenen des Stücks auf ihre Darstellung von Mutter Courage als Mutter und Geschäftsfrau sowohl textbasiert als auch anhand von Filmmaterial.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Ambivalenz, Mütterlichkeit, Theaterwissenschaft, Rollenbild und das Spannungsfeld von Geschäft und Mutterschaft.
Wie wird der "stumme Schrei" von Helene Weigel bewertet?
Der stumme Schrei wird in der Arbeit als Ausdruck psychischer Ausnahmezustände und als hochgradig emotionale, authentische Handlungsweise gedeutet, die dem Dramentext eine zusätzliche Ebene verleiht.
Warum wird die Rolle der Geschäftsfrau in der Forschung oft überbetont?
Die Arbeit diskutiert, dass durch die beständige wirtschaftliche Fokussierung auf den Handel und den Planwagen eine Reduktion der Figur auf reine Profitgier stattfindet, die die mütterlichen Aspekte oft ignoriert.
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- Anonym (Author), 2022, Das Mutterbild in Brechts Werk. Eine Untersuchung am Beispiel von "Mutter Courage und ihre Kinder", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1340516