Im Folgenden beschäftigt sich diese Exegese, verfasst im Rahmen des Proseminars zur neutestamentlichen Exegese, mit der Wundererzählung "Die Stillung des Sturms" in Markus 4,35-41. Das Vertrauen in und der Glaube an Jesus, ebenso wie die von Gott zugesprochene außerordentliche Macht, sind die zentralen Themen der Wundergeschichte "Die Stillung des Sturms."
Zum ersten Mal ist mir diese Perikope im Religionsunterricht der Grundschule als Wunder-, parallel aber auch als Glaubensgeschichte begegnet. Des Weiteren fungiert die Sturmstillung als Mut-mach-Geschichte, besonders für Kinder, die lernen müssen, mit Not und Angst umzugehen. Not, Leid und Klage dürfen immer geäußert werden, auch gegenüber Jesus, denn dieser musste – deutlich in der Sturmstillung zu erkennen – selbst Rückschläge im Leben erfahren und war dementsprechend gezwungen, sich mit mancherlei schwierigen und problematischen Situationen auseinandersetzen. Als Kind empfand ich die Geschichte zuerst als beängstigend und aussichtslos, da ein heftiger Sturm ausbricht, aufgrund dessen sich das Schiff von Jesus und seinen Jüngern immer mehr mit Wasser füllt. Dadurch, dass Jesus schläft, scheinen sie dem Unwetter ausgeliefert zu sein. Als dieser allerdings von den Jüngern geweckt wird, ist mir bewusst geworden, dass Jesus die brenzlige Angelegenheit stemmen und alle retten wird. Aufgrund der offen gebliebenen Frage der Jünger – nach der gewaltigen und mächtigen Person – am Ende der Perikope, könnte die Sturmstillung von großem Interesse sein. Immer wieder sind es Thematiken wie Jesus Autorität und Ansehen, Respekt, Wertschätzung gegenüber Jesus, die in Bibeltexten aufzufinden sind.
Zur damaligen Zeit, im Grundschulalter, war mein Interesse für Bibelgeschichten bereits sehr ausgeprägt, allerdings war meine Aufnahme von Texten eine ganz andere als heute. Meine Kompetenz, Texte zu verstehen und auch sogar zu hinterfragen, entwickelte sich vermutlich erst mit dem Besuch der weiterführenden Schule. Gleichzeitig bedeutet das auch, dass ich alles glaubte, was in der Bibel geschrieben war. Für mich entsprachen alle dort festgehaltenen Geschichten der Wahrheit. Nun weiß ich aber, dass das Hinterfragen von Bibeltexten von Belang ist.
Die hier vorliegende Perikope wird im Folgenden inhaltlich, wie auch sprachlich genau analysiert – mit der Intention, die Absicht des Verfassers Markus bei der Anfertigung seines Evangeliums zu verdeutlichen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Übersetzung
3 Textkritik
4 Sprachlich-sachliche Analyse
4.1 Sozialgeschichtliche und historische Fragen/Realien
4.2 Abgrenzung der Perikope und Textlinguistische Fragestellungen
5 Aussageabsicht des Autors (synchron)
5.1 Formkritik
5.2 Textpragmatische Analyse
6 Kontextuelle Analyse/ das innovative Potential (diachron)
6.1 Traditionsgeschichte und Religionsgeschichtlicher Vergleich
6.2 Synoptischer Vergleich
7 Der Text als Teil eines theologischen Gesamtkonzepts (synchron)
7.1 Kompositionskritische Analyse
7.2 Redaktionskritik
8 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, die Wundererzählung der „Stillung des Sturms“ (Mk 4,35-41) exegetisch zu analysieren, um die Intention des Evangelisten Markus sowie die Bedeutung Jesu im Kontext markinischer Theologie zu verdeutlichen und aufzuzeigen, wie das Wunder als Ausdruck göttlicher Vollmacht verstanden werden kann.
- Textkritische Untersuchung der verschiedenen handschriftlichen Lesarten von Mk 4,35-41.
- Sozialgeschichtliche und textlinguistische Einordnung der Perikope.
- Analyse der narrativen Struktur und der Aussageabsicht des Autors.
- Diachrone Kontextualisierung durch Vergleich mit biblischen und außerbiblischen Seesturm-Motiven.
- Synoptischer Vergleich zwischen Markus, Matthäus und Lukas.
Auszug aus dem Buch
4.1 Sozialgeschichtliche und historische Fragen/Realien
Die Sturmstillung berichtet von einem Ort, der sich am Ufer des Sees Genezareth in Kapernaum befindet. Es folgt ein Ortwechsel auf den besagten See. Kapernaum ist als Fischerdorf in Galiläa im Norden Israels bekannt. Orte werden oft mit einer bestimmten Funktion in Verbindung gebracht. So gilt Jerusalem beispielsweise als Ort der Feindschaft gegen Jesus und der des Martyriums. Galiläa hingegen ist sein Wirkungsort in göttlicher Bestimmung. Der See Genezareth erweist sich hierbei als der zentrale Punkt der Handlung und somit auch Jesus Wirken. Vorausgesetzt wird das Vorwissen der antiken Rezipienten*innen, die davon überzeugt waren, dass ihre Umgebung nicht unbeseelt war, sondern stattdessen assoziierten sie Wind und Wasser mit dämonischen Kräften. Jesus repräsentiert hier die Macht Gottes, indem er durch einige Machtworte in der Lage ist, die Dämonen zu bändigen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung stellt das Thema der Wundererzählung „Die Stillung des Sturms“ (Mk 4,35-41) vor und erläutert die persönliche Motivation der Exegese im Rahmen eines Proseminars.
2 Übersetzung: Das Kapitel bietet die durchgeführte deutsche Übersetzung der relevanten Bibelstelle Mk 4,35-41.
3 Textkritik: Hier werden unterschiedliche handschriftliche Varianten des Urtextes analysiert, insbesondere im Hinblick auf ihre Qualität und Zuverlässigkeit im textkritischen Apparat.
4 Sprachlich-sachliche Analyse: Dieser Abschnitt untersucht den historischen Hintergrund sowie die sprachliche Struktur und Abgrenzung der Perikope innerhalb des Evangeliums.
5 Aussageabsicht des Autors (synchron): Das Kapitel beleuchtet durch formkritische und textpragmatische Ansätze, welches Ziel der Autor Markus mit der Erzählung verfolgt.
6 Kontextuelle Analyse/ das innovative Potential (diachron): Hier erfolgt eine Einordnung der Erzählung in die Traditionsgeschichte, ergänzt durch einen Vergleich mit anderen biblischen und außerbiblischen Berichten sowie den synoptischen Evangelien.
7 Der Text als Teil eines theologischen Gesamtkonzepts (synchron): Dieses Kapitel analysiert die Funktion der Perikope im größeren Zusammenhang des Markusevangeliums und deren Bedeutung für das Verständnis der Person Jesu.
8 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Exegese zusammen und hebt die Bedeutung des Textes für das Verständnis der Macht Jesu und der Jünger-Lehre hervor.
Schlüsselwörter
Markusevangelium, Mk 4,35-41, Sturmstillung, Exegese, Jesus, Wundergeschichte, Textkritik, Gottes Macht, Jünger, Glaube, Redaktionskritik, Synoptischer Vergleich, Epiphanie, christologische Deutung, Wundererzählung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?
Die Arbeit befasst sich mit einer exegetischen Untersuchung der neutestamentlichen Perikope der „Stillung des Sturms“ nach Markus 4,35-41.
Was sind die thematischen Schwerpunkte der Untersuchung?
Die zentralen Felder umfassen die Textkritik, die historische und sozialgeschichtliche Einordnung, die erzähltechnischen Merkmale sowie die Einbettung in das gesamte theologische Konzept des Markusevangeliums.
Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, die Absicht des Autors Markus herauszuarbeiten und zu untersuchen, wie durch das Wunder der Sturmstillung die göttliche Macht Jesu und seine Identität als Retter veranschaulicht werden.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Es werden klassische exegetische Methoden verwendet, darunter textkritische Analysen, Form- und Redaktionskritik, diachrone Traditionsgeschichtsforschung sowie synoptische Vergleiche.
Was wird im Hauptteil der Untersuchung behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte sprachlich-sachliche Analyse, eine synchrone Untersuchung der Aussageabsicht des Autors, einen diachronen Vergleich mit anderen Texttraditionen sowie eine Analyse der kompositionskritischen Struktur.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Wichtige Schlüsselwörter sind unter anderem Exegese, Markusevangelium, Sturmstillung, göttliche Vollmacht, synoptischer Vergleich und christologische Identität.
Wie unterscheidet sich die markinische Darstellung des Sturms von der bei Matthäus oder Lukas?
Die Arbeit arbeitet heraus, dass Markus detaillierter von „Leuten“ spricht und durch spezifische Imperative die direkte Autorität Jesu über die Naturgewalten stärker betont als die anderen Evangelisten.
Warum ist die Identität Jesu in Mk 4,41 von so zentraler Bedeutung für die Interpretation?
Die Frage der Jünger („Wer ist dieser?“) ist der entscheidende Wendepunkt, der den Leser dazu animiert, Jesus nicht nur als Lehrer, sondern als Träger göttlicher Vollmacht zu erkennen und seine eigene Glaubenshaltung zu hinterfragen.
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- Anonym (Autor), 2022, Exegese von Mk 4,35-41 "Die Stillung des Sturms", Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1340562