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Transkulturelle Partnerschaften und Familien auf Samoa. Zwischen Zugehörigkeit und Abgrenzung

Title: Transkulturelle Partnerschaften und Familien auf Samoa. Zwischen Zugehörigkeit und Abgrenzung

Master's Thesis , 2020 , 60 Pages , Grade: 1,15

Autor:in: Christina Minich (Author)

History - Australia, Oceania
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Transkulturelle Partnerschaften bzw. Ehen und die aus solchen Verbindungen hervorgegangenen Kinder stellten die Kolonialverwaltung vor eine besondere Herausforderung, denn eine eindeutige Zuordnung zu den damals verbreiteten Kategorien „Eingeborene/r“ und „Nichteingeborene/r“ sowie „Schwarz“ und „Weiß“ war nicht möglich.

Bedeutsamkeit erlangten transkulturelle Ehen nicht nur in den Schutzgebieten Deutsch-Südwestafrikas und auf Samoa, wobei die meisten solcher Verbindungen auf Samoa geschlossen wurden. Im Gegensatz zu der toleranten Gesellschaft auf Samoa empfanden besonders die Konservativen im deutschen Reichstag solche Verbindungen als bedrohlich, was sich in der Debatte um das „Mischehenverbot“ (1912) niederschlug. In der Forschung wurden meistens die theoretischen Argumente in den Zeitungsartikeln und Akten rund um die „Mischehendebatte“ ausgewertet.

Aus diesem Grund werden in der vorliegenden Masterarbeit zusätzlich weitere Quellensorten herangezogen, wie zum Beispiel Reiseberichte von auf Samoa lebenden oder zeitweise weilenden Schreibern, die insbesondere das Zusammenleben in den transkulturellen Partnerschaften, Ehen und Familien in den Blick nehmen. Die bislang nicht berücksichtigten Fotografien der Samoaner-Deutschen zeigen zudem, dass sich der Diskurs auch visuell vollzog.

Mithilfe dieser Quellen wird die folgende Fragestellung beantwortet: Wie wurden transkulturelle Partnerschaften, Ehen und Familien auf Samoa von deutschsprachigen Publizisten im Deutschen Kaiserreich und in der Kolonie im Übergang vom 19. zum 20. Jahrhundert dargestellt?

Die These lautet hierbei, dass die deutschsprachigen Publizisten in ihren Darstellungen angebliche Rassendifferenzen durch kulturelle und soziale Differenzierungen ergänzten, aushebelten oder verstärkten. Verknüpft mit ihren weltanschaulichen Positionen trugen sie auf diese Weise dazu bei, vielfältige soziale Zugehörigkeiten und Abgrenzungen zu begründen und Samoa bot auch die Projektionsfläche, eigene gesellschaftliche Ideale zu formulieren.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretischer und methodischer Rahmen

2.1 Forschungsstand

2.2 Theoretischer Bezugsrahmen

2.3 Die Quellenlage

2.4 Der Sprachgebrauch in der Arbeit

3. Der historische Kontext: Die „Mischehendebatte“

4. Die literarische und fotografische Darstellung der transkulturellen Beziehungen und Familien

4.1 Biologistische Differenzkriterien

4.2 Kulturelle Differenzkriterien

4.2.1 Kleidung

4.2.2 Sprache & Bildung

4.2.3 Freizeitgestaltung

4.3 Soziale Differenzkriterien

4.3.1 Klasse

4.3.2 Geschlecht

4.4 Zusammenfassung

5. Resümee und Ausblick

Zielsetzung & Themen

Die Masterarbeit untersucht, wie deutschsprachige Publizisten im Deutschen Kaiserreich und in der Kolonie Samoa transkulturelle Partnerschaften, Ehen und Familien auf Samoa an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert darstellten. Dabei wird analysiert, wie durch die Verknüpfung von biologisierenden, kulturellen und sozialen Differenzkriterien Vorstellungen von Zugehörigkeit oder Abgrenzung konstruiert wurden, um koloniale Ordnungsansprüche zu legitimieren.

  • Analyse des historischen Kontextes der sogenannten „Mischehendebatte“
  • Untersuchung der Konstruktion von Identität durch Differenzmarker (Rasse, Klasse, Geschlecht)
  • Rolle der Fotografie als Medium kolonialer Wissensproduktion
  • Einfluss des Staates und rechtlicher Rahmenbedingungen auf die Wahrnehmung transkultureller Ehen

Auszug aus dem Buch

4.1 Biologistische Differenzkriterien

In den Quellen wurden äußere Differenzkriterien, wie Hautfarbe, Körperbau, Gesicht, und innere Differenzkriterien, wie zum Beispiel Blut und Gene, hinzugezogen, um Zugehörigkeit oder Abgrenzung auszudrücken. Diese einzelnen Merkmale wurden kombiniert betrachtet, um die physische Attraktivität (Gesicht, Körperbau usw.) sowie die physische und psychische Konstitution (bestimmt durch die Gene und das Blut) zu beurteilen.

Ein Konglomerat von äußeren und inneren Differenzkriterien stellte die Begründung für die sogenannte Sonderstellung dar, die der samoanischen Bevölkerung hauptsächlich durch Befürworter der Transkulturalität zugesprochen wurde und sich auch nach dem Ersten Weltkrieg im Bilderband von Erich Scheuermann finden lässt: „Der Samoaner nimmt unter den Eingeborenenvölkern eine Sonderstellung ein. Man kann ihn unmöglich als „Wilden“ bezeichnen und etwa auf die gleiche Ebene mit zentralafrikanischen Negern, Papuas oder Melanesiern stellen. Sein bedeutender Intellekt und menschlicher Hochstand geben ihm durchaus das Recht auf eine Sonderbeurteilung.“

Diese Sonderstellung beruhte zum einen auf dem angeblich gemeinsamen indogermanischen Ursprung, der als wissenschaftlich belegt galt. Zum anderen wurde die exponierte Stellung der Samoaner auch mit der physischen Schönheit, die sich auch an äußeren Differenzkriterien bemaß, begründet. Scheuermann führte in diesem Punkt aus: „Ihrer schönen Hautfarbe, ihres harmonischen Körperbaus, wie ihrer ganzen ansprechenden Erscheinung wegen gelten die Samoaner mit Recht als die schönsten unter den Eingeborenen-Völkern der Erde“. Dessen ungeachtet schränkte Scheuermann, wie andere Autoren auch, diese proklamierte Schönheit durch detaillierte und akribische Beschreibung jedes einzelnen Körperteils ein.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in die Problematik transkultureller Ehen im kolonialen Samoa und die Darlegung der Forschungsfragen.

2. Theoretischer und methodischer Rahmen: Vorstellung der postkolonialen Perspektive und der verwendeten Quellenbasis für die Untersuchung.

3. Der historische Kontext: Die „Mischehendebatte“: Beleuchtung der politischen und rechtlichen Diskurse rund um interkulturelle Ehen sowie der Rolle des Gouverneurs Solf.

4. Die literarische und fotografische Darstellung der transkulturellen Beziehungen und Familien: Zentrale Analyse der verschiedenen Differenzkriterien und deren Verschränkung in der zeitgenössischen Publizistik.

5. Resümee und Ausblick: Zusammenfassende Beantwortung der Forschungsfrage und Reflexion über die Bedeutung der Ergebnisse für die Kolonialgeschichte.

Schlüsselwörter

Transkulturalität, Kolonialismus, Samoa, Mischehendebatte, Intersektionalität, Rassismus, Geschlechternormen, Wissensproduktion, Identitätskonstruktion, koloniale Ordnung, Südsee-Mythos, Biologismus, soziale Differenzierung, Deutsche Kolonialgeschichte, Diskursanalyse

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Es geht um die Untersuchung deutschsprachiger diskursiver Darstellungen von transkulturellen Partnerschaften und Familien auf Samoa im Übergang vom 19. zum 20. Jahrhundert.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Themenfelder umfassen die koloniale „Mischehendebatte“, die Rolle der Frau in der Kolonie, die Kategorie „Rasse“ im kolonialen Kontext sowie die visuelle und schriftliche Repräsentation von Samoanern.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Arbeit fragt danach, wie transkulturelle Beziehungen damals dargestellt wurden und welche Differenzkriterien genutzt wurden, um Zugehörigkeit oder Abgrenzung zu konstruieren.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Strukturell arbeitet die Autorin mittels Diskursanalyse und nutzt einen intersektionalen Ansatz, um das Zusammenwirken der Kategorien Rasse, Klasse und Geschlecht zu erforschen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert detailliert biologische, kulturelle und soziale Differenzkriterien, wie sie in Reiseberichten, Zeitungen und Fotografien zur Stützung kolonialer Ideologien eingesetzt wurden.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zentrale Begriffe sind unter anderem Transkulturalität, Kolonialismus, Samoa, Mischehendebatte und Intersektionalität.

Welche Rolle spielt die Fotografie in dieser Untersuchung?

Fotografien werden nicht als neutrale Abbildungen, sondern als aktive Quellen zur Konstruktion kolonialer Wissenshierarchien und zur ästhetischen Einordnung der Samoaner betrachtet.

Warum wurde gerade der Kontext Samoa gewählt?

Samoa bietet ein spezielles Beispiel für das Spannungsfeld zwischen kolonialen Machtansprüchen und dem tatsächlichen Alltag transkultureller Partnerschaften, die dort entgegen der kolonialen Ideologie häufiger vorkamen.

Welche Bedeutung hat das „Mischehenverbot“ für die Untersuchung?

Es dient als Ausgangspunkt für die Analyse, wie der Staat versuchte, koloniale Diskurse in rechtliche Ordnungen zu übersetzen und damit die gesellschaftliche Stellung der Akteure zu beeinflussen.

Gibt es einen Unterschied in der Bewertung der Geschlechter?

Ja, die Analyse zeigt, dass samoanische Frauen und Männer von Publizisten oft unterschiedlich nach sozialen und geschlechtsspezifischen Kriterien bewertet wurden, wobei deutsche Frauen eine Sonderrolle als „Kulturträgerinnen“ einnahmen.

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Details

Title
Transkulturelle Partnerschaften und Familien auf Samoa. Zwischen Zugehörigkeit und Abgrenzung
College
Bielefeld University
Grade
1,15
Author
Christina Minich (Author)
Publication Year
2020
Pages
60
Catalog Number
V1341582
ISBN (PDF)
9783346869258
ISBN (Book)
9783346869265
Language
German
Tags
transkulturelle partnerschaften familien samoa zwischen zugehörigkeit abgrenzung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Christina Minich (Author), 2020, Transkulturelle Partnerschaften und Familien auf Samoa. Zwischen Zugehörigkeit und Abgrenzung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1341582
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