Der Comic „Die Suche“ zum Thema Judenverfolgung und Holocaust löste zahlreiche Debatten aus, in deren Zentrum die Frage stand, ob dieses sensible und heikle Thema in Form eines Comics dargestellt werden dürfe.
„Die Suche“ entstand 2006 in den Niederlanden. Der Comic ist eine Produktion des Anne Frank Hauses und des Jüdischen Historischen Museums Amsterdam. An der Konzeption wirkten neben den Autoren Eric Heuvel, Lies Schippers und Ruud van der Rol Institutionen wie zum Beispiel das Imperial War Museum, das polnische Museum Auschwitz-Birkenau und das Memorial de la Shoah in Frankreich mit. Der Comic wurde für die Schule konzipiert, insbesondere für die Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 9 der Schulformen, Haupt- und Realschulen sowie Gymnasien.
„Die Suche“ ist eine fiktive Familiengeschichte. Die Jüdin Esther Hecht erzählt ihrem Enkel Daniel von der Verfolgung ihrer Familie während des Nationalsozialismus. Die jüdische Familie Hecht emigriert nach den Novemberpogromen von Karlsruhe nach Amsterdam. Aufgrund der beginnenden Deportationen in Amsterdam plant die Familie ihre Flucht. Das Ehepaar Hecht wird jedoch von der Gestapo verhaftet. Esther kann untertauchen und erfährt im Nachhinein von dem in Auschwitz Überlebenden Bob, dass ihre Eltern nicht mehr leben. Ihr Enkel Daniel kann Bob über das Internet ausfindig machen. Bei einem Besuch kann er ausführlich darüber berichten, was Esthers Eltern zugestoßen ist.
Die vorliegende Hausarbeit widmet sich der Frage, inwiefern der Comic „die Suche“ für den Geschichtsunterricht geeignet ist. Zunächst werden die Gestaltung und die pädagogischen Ziele des Comics und des Begleitmaterials untersucht. Daran anschließend werden der Lernertrag und die Grenzen des Comics in den Blick genommen. In einem Resümee werden die Argumente für und gegen den Einsatz dieses Comics zusammengefasst und die Qualität abschließend beurteilt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Einsatz des Comics im Unterricht
2.1 Die Gestaltung und die pädagogischen Ziele des Comics und Begleitmaterials
2.2 Argumente gegen den Einsatz des Comics im Unterricht
2.3 Argumente für den Einsatz des Comics im Unterricht
3. Resümee
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit widmet sich der Untersuchung, ob der Comic „Die Suche“ als Medium für den Geschichtsunterricht geeignet ist, um komplexe Themen wie den Holocaust und die Zeit des Nationalsozialismus zu vermitteln.
- Analyse der pädagogischen Ziele und Gestaltung des Comics
- Kritische Reflexion potenzieller didaktischer Schwierigkeiten
- Untersuchung des methodischen Mehrwerts des Mediums
- Erarbeitung der Eignung für verschiedene Lerner-Typen
- Reflexion der ethischen Grenzen bei der Darstellung von Gewalt
Auszug aus dem Buch
2.2 Argumente gegen den Einsatz des Comics im Unterricht
In den fünfziger und sechziger Jahren wurde der Comic in Deutschland abgelehnt, da man einen Nachahmungseffekt hinsichtlich der Kriminalität und Gewalt fürchtete. Des Weiteren hatte man Bedenken, dass sich die Onomatopöien negativ auf das Artikulationsvermögen auswirken könnten und die Jugendlichen nicht mehr zum Buch greifen würden. Seit achtziger Jahren spricht man dem Comic didaktischen Nutzen zu, dennoch gibt es Vorbehalte, die nach wie vor bestehen.
Die größte Kontroverse löst „Die Suche“ hinsichtlich der Frage aus, ob der Comic den Holocaust nicht trivialisierend darstelle. Die indirekte Darstellung der Gewalt könnte verharmlosend wirken. Die Schülerinnen und Schüler, die nicht mit dem Thema Holocaust vertraut sind, könnten einen falschen Eindruck gewinnen. In diesem Zusammenhang ist auch der Kritikpunkt zu sehen, dass die Darstellung zu kindlich, zu naiv und zu pastellfarben wirkt.
Des Weiteren können Comics nur bedingt historisches Wissen vermitteln, das in den Richtlinien und einheitlichen Prüfungsanforderungen gefordert wird. Sie dürfen daher nicht die Schulbücher ersetzen, sondern können als Komplement betrachtet werden. Der Comic „Die Suche“ fördert unter anderem durch die Charaktere den empathischen Zugang zum Thema Holocaust, der nicht klausurrelevant ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung stellt das Medium Comic als gewagtes Format zur Vermittlung des Holocaust vor und definiert die Forschungsfrage bezüglich seiner unterrichtlichen Eignung.
2. Einsatz des Comics im Unterricht: Dieses Kapitel prüft die Gestaltung des Begleitmaterials, diskutiert kritische Vorbehalte hinsichtlich Trivialisierung und belegt gleichzeitig das didaktische Potenzial zur Förderung des Geschichtsbewusstseins.
3. Resümee: Das Fazit fasst zusammen, dass „Die Suche“ trotz gewisser pädagogischer Hürden und der Notwendigkeit einer fachgerechten Einführung eine wertvolle Ergänzung für den Geschichtsunterricht darstellt.
Schlüsselwörter
Die Suche, Holocaust, Geschichtsunterricht, Comic, Nationalsozialismus, mediale Vielfalt, Zeitzeugenschaft, Pädagogik, Erinnerungskultur, Didaktik, Antisemitismus, Judenverfolgung, Historisches Lernen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Potenzial und die Grenzen des Comics „Die Suche“ als Lehrmittel zur Vermittlung der Zeit des Nationalsozialismus und der Judenverfolgung im Geschichtsunterricht.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die pädagogische Eignung von Comic-Grafiken, die Darstellung von Gewalt, die Förderung von Empathie bei Schülern und die Verknüpfung von Fiktion und historischer Realität.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit geht der Frage nach, inwiefern der Comic „Die Suche“ inhaltlich und methodisch für den Geschichtsunterricht geeignet ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Analyse der didaktischen Konzeption des Begleitmaterials sowie auf eine Diskussion sowohl positiver als auch negativer fachwissenschaftlicher Argumentationslinien.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die didaktischen Ziele, die Kritikpunkte (Trivialisierungsgefahr) und die besonderen Vorteile für den Zugang zu geschichtlichen Rollen wie Täter, Opfer und Helfer.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe sind Holocaust, Geschichtsunterricht, didaktische Eignung, Empathie, Quellenarbeit und mediale Aufarbeitung.
Warum wird der Comic kritisch betrachtet?
Die Kritik fokussiert sich auf die Gefahr der Trivialisierung des Holocaust, das Risiko einer zu simplifizierten Darstellung und die Notwendigkeit einer aufwendigen Einführung durch die Lehrkraft.
Welchen Mehrwert bietet das Medium laut der Autorin?
Der Comic bietet einen empathischen Zugang, der besonders leseschwache Schüler erreichen kann und historische Ereignisse durch das Leben fiktiver Charaktere greifbarer macht als klassische Geschichtsbücher.
Spielt der Kontext der „Familie Hecht“ eine besondere Rolle?
Ja, die Geschichte der Familie Hecht dient als roter Faden, der den Schülern ermöglicht, sich mit den Schicksalen der Juden zu identifizieren und die historischen Geschehnisse auf einer persönlichen Ebene zu reflektieren.
- Arbeit zitieren
- Christina Minich (Autor:in), 2015, Inwiefern ist der Comic "die Suche" für den Geschichtsunterricht geeignet?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1341743