Der römische Osthandel


Seminararbeit, 1998

20 Seiten, Note: gut


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

2. Einleitung

3. Überblick (bis zum Ende der Römischen Republik)

4. Der antike Schiffsfund v. Mahdia- das Verhältnis der Römer zur fremden Kultur

5. Der römische Osthandel in der Kaiserzeit
5.1. Arabien
5.1.1. Die Weihrauchstraße
5.1.2. Wirtschaftliche Bedeutung Arabiens
5.2. Indien
5.3. China
5.3.1. Die Seidenstraße
5.3.2. Der Fernhandel zwischen Rom und dem Osten

6. Schlussbetrachtung

7. Literaturverzeichnis

2. Einleitung

Über den Osthandel kam das Römische Reich mit fremden Kulturen und Menschen in Berührung. Seinen Höhepunkt erreichte der wirtschaftlich- kulturelle Kontakt zwischen Rom und dem Osten im 2. Jahrhundert n. Chr..[1] Es herrschte freier Güterverkehr, vor allem von Osten nach Westen. Teure, doch handliche Ware wie Seide und Gewürze konnten per Karawane oder Schiff transportiert werden. Umgekehrt gelangten große Mengen Gold und Silber auf dem Land- und Seeweg nach Osten.[2] Zwischen den Grenzen der beiden klassischen Hochkulturen des Römischen Reiches und China begünstigten das Kuschan- und Partherreich[3] diesen Handel. Sie unterhielten und bewachten die Wege, beschützten die Karawanen und profitierten von den Zöllen.[4]

Diese Seminararbeit soll sich mit dem römischen Osthandel und das Verhältnis der Römer zur fremden Kultur expliziter auseinandersetzen. Zu Beginn der Arbeit soll ein Überblick über den Osthandel bis zum Ende der Römischen Republik gegeben werden, wobei hier auch schon kurz auf die wichtigen Handelspartner des Römi-

schen Reiches eingegangen werden soll. Dies erscheint mir aus dem Grund wichtig, da diese den Zwischenhandel von Kultur- und Luxusgütern betrieben. Des weiteren soll hier auch schon auf das Verhältnis der Römer zur fremden Kultur eingegangen werden. Dies soll hier exemplarisch anhand eines antiken Schiffsfunds erfolgen, der zwar insbesondere das Verhältnis zur griechischen Kultur widerspiegelt, aber wohl verallgemeinert werden kann.

Der Schwerpunkt der Arbeit soll in die Kaiserzeit fallen, da hier der Höhepunkt des wirtschaftlich- kulturellen Kontakts zwischen Rom und dem Osten lag. Von Interesse sind hier Arabien, Indien und China, denn aus diesen Ländern bezog das Römische Reich die begehrten Kultur- und Luxusgüter.[5] Im Vordergrund der Untersuchung stehen folgende zwei Aspekte:

1. Das Verhältnis des Römischen Reiches zu den Zwischenhandel betreibenden Ländern bzw. fremden Kulturen und die wirtschaftliche Bedeutung dieser Länder.
2. Die primär aus dem Römischen Reich in den Osten ex- und importierten Güter und in diesem Zusammenhang benutzten Handelsrouten.

Was die zitierte Literatur betrifft, so stützt sich diese Arbeit im wesentlichen auf die Werke von Raphaela Drexhage, Hans Wilhelm Haussig, Helmut Galsterer und Dieter Martinetz.

3. Überblick (bis zum Ende der Römischen Republik)

In der Mitte des 4. Jahrhunderts v. Chr. , begann Rom sein Interesse für die Schifffahrt und den Seehandel an den Tag zu legen. Der Handelsverkehr entwickelte sich aber besonders nach den siegreichen Kriegen über Karthago (264- 146. v. Chr.).[6] Dies wird auch im institutionellen Bereich spürbar, wie die Einrichtung einer neuen Magistratur zeigt: es ist der praetor peregrinus oder, genauer gesagt, „qui ius dicit inter cives et peregrinos“[7], also der Beamte, der die Rechtsprechung in Streitigkeiten zwischen Bürgern und Fremden wahrnahm.

Den südarabischen Zwischenhandel beherrschten im 2. Jahrhundert v. Chr. die Sabäer.[8] Okelis[9], der Hafen am Südausgang des Roten Meeres, wurde sabäischer Besitz. Nach Raphaela Drexhage scheint den Sabäern in der Folge die Geheimhaltung der Herkunft indischer Waren weiterhin so gut gelungen zu sein, dass man noch in der römischen Antike viele indische Produkte für arabischen Ursprungs hielt.[10] Dies zeigt, dass der Handel mit den östlichen Ländern noch längst nicht so etabliert war und dass das Römische Reich nur ungenaue Informationen über diese Länder besaß. Mit Ptolemaios II. Philadelphos[11] beginnen die handelspolitischen Aktivitäten der Ptolemäer

im Roten Meer, in deren Folge viele Hafenplätze und Straßen an der afrikanischen Küste des Roten Meeres angelegt wurden. In der Spätzeit der ptolemäischen Herrschaft- um 120 v. Chr.- wurde die direkte Route von Ägypten, durch das Rote Meer und den Indischen Ozean zur Westküste Indiens entdeckt.[12] Allerdings ermöglichte erst die Entdeckung des Monsuns die direkte Seeroute nach Indien und damit einen intensiven Handelsverkehres des Westens mit Indien.

Plinius[13] beschreibt die Nutzung des Südwest- Monsuns für die Reise nach Westindien in der Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr.[14], worauf ich im späteren noch expliziter eingehen werde.

Der Transport der Handelsgüter von der arabischen Küste über die Weihrauchstraße[15] zu den Mittelmeerhäfen lag in der Hand der Nabatäer[16]. Sie waren ins Ostjordanland

eingedrungen und beherrschten seitdem den Karawanenhandel, der vom Jemen[17] aus die arabische Westküste heraufkam. Auch das Rote Meer wurde von ihren Schiffen befahren. Somit wurden die Nabatäer zu ernsten Konkurrenten der Ptolemäer. Zwar gelang es den Ptolemäern, die den Handel störenden Aktivitäten der Nabatäer im Roten Meer zu beseitigen, aber die Anstrengungen, in der

Zeit zwischen 278-274 v. Chr. die Weihrauchstraße unter ägyptische Kontrolle zu bringen, scheiterten.[18] Petra, die Hauptstadt der Nabatäer, war das Endziel der Transportroute, die auf dem Seeweg vom Indischen Ozean durch das Rote Meer zum Hafen Leuke Kome ging, wo die Waren neu verladen und auf dem Landweg nach Petra gebracht wurden. Die Blütezeit nabatäischer Handelstätigkeit wurde 106 n. Chr. mit der Eroberung ihres Königreiches durch Cornelius Palma[19] beendet. Dieser bildete daraus die römische Provinz Arabia.

In die Ära der römischen Republik fällt der Schiffsfund von Mahdia, der ein positives Verhältnis der Römer zur fremden Kultur und insbesondere zur Griechischen Kultur widerspiegelt:

4. Der antike Schiffsfund von Mahdia- das Verhältnis der Römer zur fremden Kultur

Bei diesem Schiffsfund handelt es sich um ein Schiff, das in das 1. Jahrhundert v. Chr. gehört. Mit griechischen Kunstgütern, auf dem Weg von Athen nach Rom, sank es vor der afrikanischen Küste. Die Hauptladung besteht aus mindestens 60 „fabrikfrischen“ Säulen aus attischen Marmor, Basen und Kapitellen[20]. Des weiteren aus Skulpturen und Dekorationstücken aus Bronze, die wahrscheinlich

aus einem Depot in Piräus[21], einem Umschlagplatz für Antiquitäten und Kunsthandwerk stammen.[22] Es ist anzunehmen, dass es sich hier um keine Beute handelte, sondern um eine Verschiffung von Kunstgegenständen nach Rom. Dies führt uns zu dem Verhältnis der Römer zur fremden Kunst:

Im 1. Jahrhundert v. Chr. ist ein Anstieg des privaten Luxus in Rom festzustellen. So war, nach Helmut Galsterer, in öffentlichen Gebäuden Importmarmor schon seit einigen Jahrzehnten verbreitet und üblich und ein Kunsthandel durchaus etabliert. So kaufte z. B. Cicero (106 - 43 v. Chr.) Anfang 67. v. Chr. über seine Freund Atticus, der in Athen lebte, eine Statue und bat um die Übersendung nach Syrakus.[23] Von dort aus transportierten die Römer die Kunstgegenstände nach Rom, und schmückten damit ihre Privathäuser, öffentlichen Gebäude und Plätze. So schätzten die reichen römischen Bürger also durchaus die griechischen Kunstwerke und es ist anzunehmen, dass die Konkurrenz der Senatoren untereinander sich nun auch dem Kunstgebiet ausdehnte und „es waren nicht zufällig die hellenistischen Herrscher, die - bis in die Innenausstattung der Wohnungen - als Vorbilder dienten.“[24]

Kunstwerke kamen allerdings nicht nur als begehrtes Handelsgut nach Rom, sondern waren auch eine beliebte Kriegsbeute. An dieser Stelle sei noch erwähnt, dass zwischen der privaten und öffentlichen Meinung im Hinblick auf fremde Kunst unterschieden werden muss. Der Besitz von Kunstgegenständen wurde in der Öffentlichkeit nur solange als positiv angesehen, als er der Allgemeinheit, der Macht und dem Ansehen der römischen Staatsgewalt diente. Verpönt waren der private Besitz und eine persönliche Beschäftigung damit, die den Römer von den wesentlichen Dingen der Politik abhalten konnte.[25]

[...]


[1] Dies läßt sich aus der Tatsache begründen, daß die römischen Handelsbestrebungen im 2. Jahrhundert n. Chr. in den östlichen Raum stark zunehmen. Raphaela Drexhage belegt zudem, daß der Handelverkehr, zumindest zwischen Rom und Parthien, zur Zeit Hadrians (76- 138 n. Chr., seit 117 Kaiser der römischen Reiches) und Antonius Pius (Nachfolger Hadrians) seinen Höhepunkt erreichte.

Vgl. Raphaela Drexhage: 1988, S. 134- 137.

[2] Vgl. Francesco De Martino: 1985, S. 358.

[3] Iranisches Reitervolk südöstlich des Kaspischen Meeres. Ihr Transithandel mit China über die Seidenstraße war bedeutend. Im 1. Jahrhundert v. Chr. stießen die Parther mit den römischen Interessen in Kleinasien zusammen. 53. v. Chr. vernichteten sie das Heer des Crassus bei Karrhai in Mesopotamien. In der Folgezeit fanden wiederholt wechselvolle Kämpfe statt. Trajan eroberte 116 n. Chr. sogar die Hauptstadt Ktesephon, konnte ihren Besitz aber nicht behaupten.

Hans Volkmann: Parthia, in: Der kleine Pauly, Lexikon der Antike, hrsg. v. Konrat Ziegler und Walther Sontheimer, Bd. 4, München 1972, Sp. 532- 537.

[4] Vgl. Raphaela Drexhage: 1988, S. 126- 143.

[5] Nach Plinius seien die östlichen Handelspartner der Römer die Araber, Serer (Seidenleute in China) und Inder. Vgl. ebda., S. 4.

[6] Vgl. Francesco De Martino: 1985, S. 146.

[7] Vgl. ebda..

[8] Sabaioi: Hierbei handelt es sich um das größte von vier Hauptvölkern des alten Südarabiens.

Dietrich Albert: Sabaioi, in: Der kleine Pauly, Lexikon der Antike, hrsg. v. Konrat Ziegler, Bd. 4, München 1972, Sp. 1476- 1477.

[9] Zur Orientierung vgl. a. 1. Karte im Anhang: in der Nähe von Kane.

[10] Vgl. Raphaela Drexhage: 1988, S. 6.

[11] 283- 246 v. Chr. Alleinherrscher Ägyptens bzw. König der Ptolomäer. (Letzte und bekannteste Repräsentantin der Ptolomäer war Kleoprata.)

Hans Volkmann: Ptolemaios II. Philadelphos, in: Der kleine Pauly, Lexikon der Antike, hrsg. v. Konrat Ziegler und Walther Sontheimer, Bd. 4, München 1972, Sp. 1218- 1219.

[12] Vgl. Raphaela Drexhage: 1988, S. 6- 7.

[13] Plinius stammte aus Comum und lebte von 23- 79 n. Chr.. Er war römischer Autor und seine Studien fanden ihren Niederschlag in zahlreichen Schriften grammatischen, militärischen, rhetorischen und histotischen Inhalts. Von diesen Werken ist nur seine Naturgeschichte „Naturalis historia“ in 37 Büchern erhalten.

Klaus Sallmann: Plinius Secundus, in: Der kleine Pauly, Lexikon der Antike, hrsg. v. Konrad Ziegler und Walther Sontheimer, Bd. 4, München 1972, Sp. 928- 930.

[14] Vgl. Raphaela Drexhage: 1988, S. 8

[15] Hierbei handelt es sich um die älteste Handelsstraße in Südarabien. Auf Verlauf und Bedeutung wird im späteren noch expliziter eingegangen.

[16] Nabataioi: Arabisches Volk in Nordwest- Arabien, im heutigen Jordanien, mit der Hauptstadt Petra.

Dietrich Albert: Nabataioi, in: Der kleine Pauly, Lexikon der Antike, hrsg. v. Konrat Ziegler und Walther Sontheimer, Bd. 3, Stuttgart 1969, Sp. 1549- 1550.

[17] Vgl. a. Dieter Martinetz: 1989, S. 239.

[18] Vgl. Raphaela Drexhage: 1988, S. 10.

[19] Cornelius Palma stammte aus Volsinii. Als Statthalter von Syrien eroberte er 106 n. Chr. das Königreich der Nabatäer. Hadrian ließ in 118 n. Chr. töten.

Andreas Rumpf: Cornelius Palma, in: Der kleine Pauly, Lexikon der Antike, hrsg. v. Konrad Ziegler und Walther Sontheimer, Bd. 1, Stuttgart 1964, Sp. 1318- 1319.

[20] Oberer Säulen- Pfeilerabschluß

[21] Peiraieus ist die Hafenstadt von Athen, von wo Kunstgegenstände nach Rom verschifft wurden. Ernst Meyer: Peiraieus, in: Der Kleine Pauly, Lexikon der Antike, hrsg. v. Konrat Ziegler und Walther Sontheimer, Bd. 4, München 1972, Sp. 583- 584.

[22] Vgl. Helmut Galsterer: 1994, S. 860- 861.

[23] Vgl. ebda., S. 862- 863.

[24] Vgl. ebda., S. 863 ff.

[25] Vgl. ebda., S. 868.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Der römische Osthandel
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum  (Historisches Institut)
Veranstaltung
Antike Vorstellungen vom Fremden und Eigenen
Note
gut
Autor
Jahr
1998
Seiten
20
Katalognummer
V13419
ISBN (eBook)
9783638190862
ISBN (Buch)
9783640767489
Dateigröße
498 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Osthandel, Antike, Vorstellungen, Fremden, Eigenen
Arbeit zitieren
Michael Fischer (Autor), 1998, Der römische Osthandel, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/13419

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