Jedes Unternehmen ist durch seine Betätigung am Markt vielfältigen Risiken ausgesetzt. Das Erwirtschaften risikoloser Gewinne ist über einen bestimmten Zeitraum hinweg praktisch unmöglich. Risiken sind Bestandteil der Geschäftstätigkeit eines jeden Unternehmers, und sich mit den Risiken des Unternehmertums auseinander zusetzen, gehört daher zu seinen wichtigsten Pflichten.1
Das Umfeld der Unternehmen ist heute dadurch gekennzeichnet, dass der Wettbewerb und die Unternehmenstätigkeit zunehmend globaler und internationaler werden. Steigende Komplexität und wachsende Unternehmensgrößen sind ebenso festzustellen wie eine verstärkte Dynamisierung der Märkte. Daraus resultieren neue Herausforderungen für die Unternehmensführung. Ein Unternehmen erfolgreich zu steuern stellt ein immer größeres Problem dar. Nahezu alle strategischen Entscheidungen der Unternehmensleitung und auch die daraus folgenden operativen Tätigkeiten sind mit Risiken behaftet, die in der Zukunft den Erfolg des Unternehmens bedrohen oder negativ beeinflussen können. Selbst die Erkennung von Risikopotentialen innerhalb des eigenen komplexen Unternehmensgefüges ist ohne ein systematische Vorgehen kaum noch durchführbar.
Die wachsende Gefahr zeigt sich auch in den spektakulären Unternehmenskrisen und sogar Zusammenbrüchen, die vor allem in den 90er Jahren durch die Tagespresse gingen, wie z.B. 1993 die Unternehmenskrise der Metallgesellschaft AG oder 1999 die Krise der Philipp Holzmann AG.2
Die hohe Zahl der Insolvenzen zeigt, dass in vielen Unternehmen Warnsignale versagten oder auf entsprechende Warnsignale nicht richtig oder nur unzureichend reagiert wurde. Nachfolgende Untersuchungen haben gezeigt, dass die Hauptgründe der Unternehmenskrisen und Insolvenzen ein fehlendes oder unzureichendes Risikomanagement, sowie das Versagen der Aufsichtsräte und Abschlussprüfer war.
1 Vgl. Braun/Gstach (2002: 43)
2 Vgl. Wolf/Runzenheimer (2001: 17)
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung
1.3 Vorgehensweise
1.4 Begriffsabgrenzung
1.4.1 Risiko
1.4.2 Risikomanagement
2. Das KonTraG
2.1 Intentionen des KonTraG
2.2 Inhalt des KonTraG
2.3 Sachlicher Anwendungsbereich des KonTraG
2.4 Risiko nach KonTraG
3. Risikomanagement nach KonTraG
3.1 Organisatorische Rahmenbedingungen
3.2 Prozess des Risikomanagements
3.2.1 Formulierung der Risikostrategie
3.2.2 Risikoidentifikation
3.2.3 Risikoanalyse und Bewertung
3.2.4 Risikosteuerung
3.2.4.1 Ursachenbezogene Maßnahmen
3.2.4.2 Wirkungsbezogene Maßnahmen
3.4 Bestandteile eines Risikomanagementsystems
3.4.1 Früherkennungssystem
3.4.2 Internes Überwachungssystem
3.4.3 Controlling
4. Schlussbetrachtung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit setzt sich zum Ziel, die theoretischen Grundlagen des Gesetzes zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich (KonTraG) aufzuarbeiten. Darauf aufbauend analysiert sie den Risikomanagementprozess und dessen Bestandteile, um deren praktische Bedeutung für die Anforderungen an eine moderne Unternehmensführung zu verdeutlichen.
- Bedeutung des Risikomanagements vor dem Hintergrund globaler Märkte und Unternehmenskrisen.
- Regelungsziele und Anwendungsbereich des KonTraG für Aktiengesellschaften.
- Prozessschritte des Risikomanagements: von der Strategiefestlegung bis zur Risikosteuerung.
- Instrumente zur Risikoidentifikation, Analyse, Bewertung und Überwachung.
- Integration eines Frühwarnsystems und interner Überwachungssysteme in die Unternehmensorganisation.
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Festlegung der Risikostrategie
Die Formulierung der Risikostrategie ist der Ausgangspunkt des Risikomanagementprozesses. Ziel der Risikostrategie ist die Festlegung von Höchstgrenzen für die eingegangenen Risiken. Darüber hinaus ist zu bestimmen ab welcher Höhe die Risiken an die Unternehmensleitung kommuniziert werden müssen. „Bestandsgefährdende Risiken müssen regelmäßig bis zum Vorstand und Aufsichtsrat kommuniziert werden.“
Im Hinblick auf §91 Abs.2 AktG hat die Unternehmensleitung bei der Formulierung der Risikostrategie festzulegen, ab welcher Höhe einzelne oder akkumulierte Risiken bestandsgefährdend sind. Hierin liegt in zweifacher Hinsicht eine besondere Schwierigkeit: Einerseits ist die Bewertung der Risiken nicht immer einfach. Andererseits stellt sich in diesem Zusammenhang die Frage, welche Größe zur Beurteilung der Bestandsgefährdung herangezogen wird. Füser, Gleißner und Meier weißen darauf hin, dass die Risiken sich in der Praxis oft dann als bestandsgefährdend erweisen, wenn sie dazu führten, dass mehr als die Hälfte des Grundkapitals aufgezehrt wird.
In der Literatur wird meist die Auffassung vertreten, dass im Hinblick auf das KonTraG bei der Festlegung der Risikostrategie nur die oben erwähnten Höchst- und Berichtsgrenzen der Risken festgelegt werden müssen. Betrachtet man jedoch die Entwicklungsgeschichte und die Ziele des KonTraG (historisch-subjektive bzw. teleologische Auslegung des Gesetzestextes) so ist davon auszugehen, dass anstatt der Festlegung der maximalen Risikohöhe die Bestimmung des Chancen-Risiken Verhältnisses gemeint ist. Dieses Vorgehen ist auch aus betriebswirtschaftlicher Sicht sinnvoller, denn bei einem allein auf Risiken ausgerichteten Konzept besteht die Gefahr dass Chancen vernachlässigt werden und dadurch die langfristige Unternehmensentwicklung beeinträchtigt werden kann.
Da sich die Chancen-Risikostrategie von der Unternehmensstrategie ableitet, muss zuerst die Unternehmensstrategie festgelegt werden. Durch die Chancen-Risikostrategie muss insbesondere bestimmt werden, welches Verhältnis zwischen Chancen und Risiken in den einzelnen Geschäftsbereichen mindestens einzuhalten ist und ab welcher Schadenshöhe Maßnahmen zur Risikobewältigung eingeleitet werden müssen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die steigenden Marktrisiken und das Versagen von Kontrollmechanismen, die zur Verabschiedung des KonTraG führten.
2. Das KonTraG: Dieses Kapitel erläutert die gesetzlichen Intentionen zur Stärkung der Unternehmensüberwachung und definiert den Risikobegriff im Kontext der Gesetzgebung.
3. Risikomanagement nach KonTraG: Hier werden die organisatorischen Rahmenbedingungen und der systematische Prozess des Risikomanagements inklusive der Bestandteile wie Früherkennung und Controlling detailliert analysiert.
4. Schlussbetrachtung: Das abschließende Kapitel bewertet die Auswirkungen des KonTraG und betont die Notwendigkeit einer individuellen, unternehmensspezifischen Ausgestaltung des Risikomanagements.
Schlüsselwörter
KonTraG, Risikomanagement, Risikomanagementprozess, Bestandsgefährdung, Risikoidentifikation, Risikobewertung, Risikosteuerung, Frühwarnsystem, Internes Überwachungssystem, Controlling, Unternehmensführung, Aktienrecht, Corporate Governance, Risikostrategie, Risikokultur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Studienarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Anforderungen an ein Risikomanagementsystem in Unternehmen, die durch das Gesetz zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich (KonTraG) induziert wurden.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Im Fokus stehen die gesetzlichen Rahmenbedingungen des KonTraG, die methodische Ausgestaltung eines Risikomanagementprozesses sowie die notwendigen organisatorischen Strukturen zur Risikoüberwachung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Ziel ist es, die theoretischen Grundlagen des KonTraG darzustellen und zu analysieren, wie ein Risikomanagementprozess systematisch aufgebaut und im Unternehmen implementiert werden kann, um den gesetzlichen Anforderungen zu entsprechen.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse bestehender betriebswirtschaftlicher Standards, Gesetzeskommentare und Prüfungsstandards, die in den Prozess des Risikomanagements eingeordnet werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit schwerpunktmäßig behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der gesetzlichen Anforderungen durch das KonTraG und die detaillierte Beschreibung der vier Phasen des Risikomanagementprozesses sowie der zentralen Bestandteile wie internes Kontrollsystem und Controlling.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind KonTraG, Risikomanagement, Risikostrategie, Bestandsgefährdung, Frühwarnsystem, internes Überwachungssystem und Controlling.
Wie bewertet der Autor die fehlende Konkretisierung der gesetzlichen Anforderungen?
Der Autor sieht die fehlende Konkretisierung des KonTraG als positiv an, da dies Unternehmen ermöglicht, ein individuell passendes und effizientes System zu entwickeln, statt einer starren Bürokratisierung zu folgen.
Warum ist die Unterscheidung zwischen "reinen" und "spekulativen" Risiken wichtig?
Diese Unterscheidung ist relevant, da sie definiert, welche Risiken versicherbar sind (reine Schadensrisiken) und bei welchen Risiken (spekulatives unternehmerisches Handeln) eine aktive unternehmerische Steuerung erforderlich ist.
- Arbeit zitieren
- Andreas Müller (Autor:in), 2003, Risikomanagement und KonTraG, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/13424