Wer kennt sie nicht: furchtlose Heldinnen und Helden der Weltliteratur und Menschheitsgeschichte: angefangen bei Noah mit seiner Arche oder dem kleinen David, der den Philister Goliath mit seiner Steinschleuder besiegt, hinüber zu Jeanne D’Arc und ihrem tragischen Schicksal. Oder vielleicht weiter zu Frodo Baggins und seinen Gefährten, denen ihr Mut und ihre unbesiegbare Freundschaft zueinander den Sieg bescheren oder dem Kleinen Prinzen, der seine Feinde mit Weisheit zu besiegen weiß bis hin zu neuzeitlichen Heldinnen wie Hermione Granger, ohne deren Wissen, Mut und Hilfsbereitschaft die eigentlichen Helden gar keine wären. Wir alle bewundern, verehren, respektieren unsere Heldinnen und Helden, weil sie mit uns (und wenn auch nur scheinbar) eine zutiefst menschliche Schwäche nicht teilen: die Angst. Und selbst wenn sie diese zeigen, sind sie stets imstande, sie zu überwinden und zu einem größeren Zwecke einzusetzen, zum Wohle anderer, auf jeden Fall zum Wohle eines hehren Ziels, das sie ständig vor Augen haben.
Die Überwindung dieser elementaren menschlichen Gefühlsregung der Angst bereitet vielen Menschen große, zum Teil sogar existenzielle Schwierigkeiten. Doch eigentlich ist die Angst eine ständige Begleiterin des Menschen durch seine Geschichte hindurch. Ihre Erscheinungsform und ihre Auslöser liegen an verschiedenen Orten und immer wieder kommt es vor, dass aus machtpolitischen und/oder religiösen Motiven die Angst absichtlich als Werkzeug zur Kontrolle missbraucht wird.
In dieser kurzen Arbeit soll ein Überblick über die Angst und ihre Schwester, die Furcht, mit der sie im Alltagssprachgebrauch oft verwechselt wird, gegeben werden, anschließend folgt ein Kapitel über ein grausames Ventil der Angst, zum Großteil gegenüber Frauen: die Hexenverfolgung.
Inhaltsverzeichnis
1.0 Einleitung
1.1 Die Angst und ihre Schwester, die Furcht
1.2 Angst als alltägliche Begleiterin im Mittelalter
1.3 Religiöse Angst
1.3.1 Frühmittelalter:
1.3.2 Hoch- und Spätmittelalter – Zeitalter des Teufels
2.0 Grausames Ventil der irrationalen Ängste – Die Hexenverfolgung
3.0 Resümee
4.0 Literaturliste
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Phänomen der Angst und Furcht als elementare menschliche Regungen und analysiert deren Rolle und Instrumentalisierung im Mittelalter, wobei sie insbesondere die Hexenverfolgung als ein grausames Ventil irrationaler Ängste beleuchtet.
- Unterscheidung zwischen Angst und Furcht
- Die Angst als täglicher Begleiter im mittelalterlichen Leben
- Religiöse Konzeptionen von Angst und der Umgang mit dem Dämonischen
- Entwicklung des Teufelsbildes vom Frühmittelalter bis zur Spätzeit
- Die Hexenverfolgung als machtpolitisches und religiöses Ventil
Auszug aus dem Buch
1.1 Die Angst und ihre Schwester, die Furcht
Schon der Apostel Paulus schreibt im 1. Korintherbrief u.a. davon, dass die Liebe so stark ist, dass sie alles aushält. (1 Kor 13). Bei allen unterschiedlichen Erfahrungen, die wir auf dem Gebiet der Liebe machen, steht doch mit Gewissheit fest, dass sie zu den stärksten Empfindungen gehört, zu denen ein Mensch fähig ist. Eine Empfindung, die sich weder mit irgendwelchen Mitteln herstellen noch mit irgendwelchen anderen Mitteln wieder vertreiben ließe oder für die es eine wirklich rationale Begründung gäbe.
Auf der anderen Seite der Gefühlsskala gibt es wohl nur eine andere Empfindung, für die man Ähnliches sagen könnte, nämlich die Angst. Sie entsteht auf eine nicht selten diffuse Art und Weise, in Verbindung mit bestimmten Tageszeiten, Lichtverhältnissen, Orten. Nicht selten kann es passieren, dass wir vor etwas oder vor jemandem Angst haben, ohne genau begründen zu können, warum. Und selbst wenn uns jemand versucht, diese Angst zu nehmen, indem er uns z.B. mehr über etwas oder jemanden erzählt, verschwindet sie nicht einfach, sondern lässt erst allmählich nach. Wie ihre Verwandte, die Liebe, braucht sie viel Zeit, um wieder das Weite zu suchen, aber nur einen Augenblick, um von uns Besitz zu ergreifen. Vertrauen, wohl das Grundelement von Liebe, baut sich genauso langsam auf wie sich Misstrauen und Vorbehalte, zwei Elemente von Angst, wieder abbauen lassen.
Aber ist es immer Angst, die wir empfinden? Was ist der Unterschied zwischen Angst und Furcht?
Würde man versuchen, die Erklärung für den Unterschied zwischen „Angst“ und „Furcht“ in einen einzigen Satz zu verpacken, so würde dieser wohl ungefähr so lauten: Man kann sich vor dem Mathelehrer fürchten, braucht deshalb aber vor der Mathematik keine Angst zu haben.
Zusammenfassung der Kapitel
1.0 Einleitung: Diese Einleitung führt in die anthropologische Bedeutung von Angst und Furcht ein und erläutert deren instrumentellen Missbrauch durch Machtstrukturen, bevor der thematische Schwerpunkt der Hexenverfolgung skizziert wird.
1.1 Die Angst und ihre Schwester, die Furcht: Das Kapitel differenziert auf psychologischer und philosophischer Ebene zwischen der diffusen Angst und der objektbezogenen Furcht und stellt deren Einfluss auf das menschliche Erleben dar.
1.2 Angst als alltägliche Begleiterin im Mittelalter: Hier werden die existentiellen Lebensbedingungen im Mittelalter beschrieben, die durch Mangel, Krankheiten und die Abwesenheit von Sicherheit geprägt waren und somit einen Nährboden für ständige Angst bildeten.
1.3 Religiöse Angst: Dieses Kapitel erörtert die theologische Auseinandersetzung mit der Angst, insbesondere die Augustinsche Unterscheidung zwischen serviler und kindlicher Gottesfurcht.
1.3.1 Frühmittelalter:: Es wird die Verschmelzung heidnischer Vorstellungen mit dem Christentum untersucht, wobei die Angst vor Toten und Dämonen den Schwerpunkt bildet.
1.3.2 Hoch- und Spätmittelalter – Zeitalter des Teufels: Die Transformation des Bösen zu einer zentralen Teufelsfigur im Hochmittelalter und deren theologische Begründung werden hier dargelegt.
2.0 Grausames Ventil der irrationalen Ängste – Die Hexenverfolgung: Dieses Kapitel zeigt auf, wie die Zuspitzung des Teufelsglaubens und die Verbindung von Ketzerei und Hexerei zur systemischen Verfolgung durch Kirche und Inquisition führten.
3.0 Resümee: Die Schlussbetrachtung fasst die historischen Erkenntnisse zusammen und schlägt eine Brücke zur heutigen Zeit, in der Angst weiterhin gesellschaftliche Prozesse und politische Konflikte steuert.
4.0 Literaturliste: Die Literaturliste führt die verwendeten Quellen zur Mentalitätsgeschichte, zur Theologie des Teufelsbildes und zur historischen Forschung der Hexenverfolgung auf.
Schlüsselwörter
Angst, Furcht, Mittelalter, Hexenverfolgung, Teufelsglaube, Religiöse Angst, Inquisition, Mentalitätsgeschichte, Dämonologie, Malleus Maleficarum, Machtpolitik, Realangst, Binnenangst, Aberglaube, Christliche Theologie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Bedeutung von Angst und Furcht als menschliche Grundgefühle und deren spezifische Ausprägung und gesellschaftliche Funktion im Mittelalter.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen umfassen die psychologische Differenzierung von Angst, die Lebensrealität im Mittelalter, religiöse Angstkonzepte und die historische Entwicklung der Hexenverfolgung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie irrationale Furcht instrumentalisiert werden kann und wie die Verbindung von Macht und religiösem Aberglauben zur Hexenverfolgung führte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer mentalitätsgeschichtlichen und theologiehistorischen Analyse sowie der Auswertung einschlägiger Fachliteratur.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Angstphänomenen im Mittelalter, die theologische Entwicklung des Teufelsbildes und eine detaillierte Betrachtung der Hexenverfolgung als Ventil dieser Ängste.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Publikation?
Wichtige Begriffe sind Angst, Furcht, Hexenverfolgung, Teufelsglaube, Inquisition und der Malleus Maleficarum.
Wie unterscheidet der Autor zwischen Angst und Furcht?
Der Autor definiert Angst als ein diffuses, ungerichtetes Gefühl (Real- oder Binnenangst), während Furcht sich immer auf ein konkretes Objekt bezieht.
Welche Rolle spielte die Kirche bei der Hexenverfolgung?
Die Kirche legitimierte die Verfolgung durch theologische Schriften wie den "Hexenhammer" und nutzte die Angst vor dem Teufel, um ihre eigene Machtstellung und gesellschaftliche Ordnung zu sichern.
Warum wird das Mittelalter als "finstere Epoche" in Bezug auf Angst beschrieben?
Aufgrund von extremen Lebensbedingungen wie Hungersnöten, Pestepidemien und einem weit verbreiteten Aberglauben war das Leben der Menschen im Mittelalter von einer permanenten, existentiellen Angst geprägt.
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- Mag. Markus Löhnert (Autor), 2006, (Religiöse) Angst und ihre Schwester, die Furcht sowie eines ihrer grausamen Ventile: die Hexenverfolgung, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/134269