Die folgende Hauptseminarsarbeit wird sich mit der unheimlichen Nachtlandschaft Eichendorffs beschäftigen. Dafür soll zunächst auf die verschiedenen Nachtformen in seiner lyrischen Dichtung eingegangen werden, um aufzuzeigen, wie und mit welcher Wirkung diese in Eichendorffs Texten vorkommen. Im weiteren Verlauf der Arbeit soll dann heraus gearbeitet werden, welche Elemente grundlegend für seine unheimliche Nacht sind. Dafür sollen eine Reihe ausgewählter Gedichte, von denen ein Großteil selten oder gar nicht in der Eichendorff- Forschung behandelt wurde, herangezogen werden. Diese sollen eingehend beobachtet, dabei bereits auf sprachliche Auffälligkeiten hingewiesen werden, um diese in einem weiteren Schritt näher charakterisieren zu können. Im Schlußteil soll dann geklärt sein, wie Eichendorff es erreicht, seiner Nacht den unheimlichen Charakter zu verleihen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Nacht bei Eichendorff
3. Nachtformen bei Eichendorff
3.1 Die Mondnacht
3.2 Die sternklare Nacht
3.3 Das Traummotiv und die Verzauberung der Nacht
4. „Unheimlichkeit“
4.1 Definition von „Unheimlichkeit“
4.2 Die unheimliche (finstere) Nacht
5 „Unheimlichkeit“ in ausgewählten Gedichten Eichendorffs
5.1 „Nachts“
5.2 „Abschied“
5.3 „Im Abendroth“
5.4 „Liebe in der Fremde“
5.5 „Nachtgebet“
6. Eichendorffs Sprache
7. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Konstruktion der unheimlichen Nachtlandschaft in der Lyrik von Joseph von Eichendorff. Das primäre Ziel ist es, die spezifischen Elemente und sprachlichen Strategien herauszuarbeiten, die Eichendorff nutzt, um seiner Darstellung der Nacht einen unheimlichen, bedrohlichen Charakter zu verleihen, wobei insbesondere selten betrachtete Gedichte analysiert werden.
- Analyse verschiedener Nachtformen (Mondnacht, sternklare Nacht, finstere Nacht)
- Untersuchung des "Unheimlichen" als psychologisches und ästhetisches Phänomen
- Interpretation ausgewählter Gedichte hinsichtlich ihrer unheimlichen Elemente
- Die Rolle von Klang, Bewegung und Stille in der Nachtdarstellung
- Eichendorffs spezifische Verfahrensweise mit Sprache und Motivik
Auszug aus dem Buch
3.1 Die Mondnacht
Der Mond und das von ihm ausgehende mehlig weiße oder gelblich schimmernde Licht, welches vermag, Gegenstände bzw. Objekte auf vielerlei Art und Weise zu bestrahlen, ist ein in Eichendorffs lyrischen Werken immer wieder kehrendes, ja man darf behaupten, grundlegendes Element.
In dem Gedicht „Nachts“ drückt der personifizierte Mond eine rätselhaft unbestimmte Schauderhaftigkeit aus, die in der „stillen Nacht“ (12,1) verankert ist. Stille ist es auch, die stets im Zusammenhang mit dem Mond und dem Mondschein auftritt.
Auch wird der Mond oftmals als für sich stehend, als allein und mit der Einsamkeit verbunden bezeichnet. Dies wird u. a. in dem Gedicht „Liebe in der Fremde“ (40) deutlich. Darüber hinaus aber spielt auch das Motiv der Liebe eine Rolle. Das lyrische ICH findet sich als Alleingänger wie der Mond am Himmel durch die nächtliche Landschaft wandelnd wieder, in sehnsuchtsvollen Gedanken an seine Liebste, die nicht bei ihm weilt. Hier nun ist es keine Unheimlichkeit, die in der Mondnacht hervorgerufen wird, sondern gesteigerte emotionale Empfindsamkeit. Die im Innern brennende Liebe hebt sich über die furchteinflößenden Eindrücke der präsentischen Dunkelheit weit empor und verwandelt diese gleichsam lieblich anmutend (40).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Definition des Forschungsinteresses an Eichendorffs Nachtlandschaften und der unheimlichen Elemente in seiner Lyrik.
2. Die Nacht bei Eichendorff: Einordnung der Nacht in den Tageszeiten-Rhythmus Eichendorffs und deren ambivalente Funktion als Ort der Sehnsucht und des Bedrohlichen.
3. Nachtformen bei Eichendorff: Analyse unterschiedlicher Ausprägungen der Nacht, darunter die Mondnacht, die sternklare Nacht und das Traummotiv.
4. „Unheimlichkeit“: Theoretische Grundlegung des Begriffs „Unheimlichkeit“ sowie Untersuchung der unheimlichen, finsteren Nacht.
5 „Unheimlichkeit“ in ausgewählten Gedichten Eichendorffs: Detaillierte Untersuchung spezifischer Gedichte zur Analyse der sprachlichen Realisierung des Unheimlichen.
6. Eichendorffs Sprache: Betrachtung von Eichendorffs spezifischem sprachlichen Verfahren, bekannte Motive neu zu kombinieren und damit Atmosphäre zu schaffen.
7. Schlussbetrachtung: Zusammenfassende Beantwortung der Forschungsfrage über die Mittel, mit denen Eichendorff seiner Nacht den unheimlichen Charakter verleiht.
Schlüsselwörter
Eichendorff, Lyrik, Nachtlandschaft, Unheimlichkeit, Romantik, Nachtsymbolik, Naturdarstellung, Dämonie, Traum, Stille, Sprachanalyse, Mondnacht, Einsamkeit, Sehnsucht, literarische Analyse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie Joseph von Eichendorff in seiner Lyrik die Nacht darstellt und welche Elemente dazu führen, dass diese Landschaften als unheimlich wahrgenommen werden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Analyse der verschiedenen Erscheinungsformen der Nacht, der Definition von "Unheimlichkeit" und der Untersuchung der spezifischen sprachlichen Gestaltungsmittel Eichendorffs.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Eichendorff mittels bestimmter sprachlicher Verfahren und Motive, wie Licht, Klang und Bewegung, gezielt eine "unheimliche" Stimmung in seinen Nachtgedichten erzeugt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine detaillierte textanalytische Untersuchung ausgewählter Gedichte unter Einbeziehung und kritischer Auseinandersetzung mit der einschlägigen Eichendorff-Forschung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung verschiedener Nachtformen, eine theoretische Begriffsbestimmung des Unheimlichen sowie eine ausführliche Analyse spezifischer Gedichte wie „Nachts“, „Abschied“ und „Nachtgebet“.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Eichendorff, Nachtlandschaft, Unheimlichkeit, Romantik, Naturdarstellung und Sprachanalyse.
Welche Rolle spielt der Mond in der Lyrik Eichendorffs?
Der Mond wird als ambivalentes Element beschrieben, das sowohl eine "schöne Traumlandschaft" ermöglichen kann als auch, besonders durch sein Licht, zu unbestimmter Schauderhaftigkeit beiträgt.
Was bedeutet der "Innen-Außen-Komplex" in Bezug auf das Gedicht "Nachtgebet"?
Es bezeichnet die räumliche Trennung des lyrischen Ichs, das sich in einer "Halle" befindet und von dort aus die unheimliche Natur im "Außen" wahrnimmt, was die Angst vor der Nacht weiter verstärkt.
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- MA Ariane Jäger (Author), 2005, Unheimliches Nachterleben in Eichendorffs lyrischer Dichtung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/134275