Die Bewertung des Widerstandes in der Zeit des Nationalsozialismus wird bis in die heutige Zeit kontrovers diskutiert. So ist allein schon der Begriff WiderstandskämpferIn in Deutsch-land aus kaum begreiflichen Gründen nicht immer positiv konnotiert. Wenn dieses Thema in Deutschland überhaupt behandelt wird, dann meist begrenzt auf einige berühmte Männer und Gruppen. Frauen wird hierbei zumeist höchstens die Rolle der stillen Helferin zugestanden, andere Formen weiblichen Widerstands, wie zum Beispiel auch den an der Waffe, werden lieber verschwiegen. Auch einen Vergleich des Widerstandes der verschiedenen Nationen wird man nur schwerlich finden können. Die Autorin des vorliegenden Werkes, Florence Hervé, ist französische Germanistin und lebt seit vielen Jahren in Deutschland. Ihr kultureller Hintergrund veranlasste die Autorin zu die-sem erstmaligen Vergleich des Widerstands deutscher und französischer Frauen. Ihr Hauptau-genmerk legt Hervé dabei auf die Frage der Motive dieser couragierten Frauen wobei sie auch versucht herauszufinden „Hätte ich es geschafft den aufrechten Gang zu gehen?“ (S. 9) Des-weiteren konzentriert sich die Autorin vor allem auf genderspezifische Fragestellungen: „Gab es einen frauenspezifischen Widerstand gegen Faschismus und Krieg? Wie sahen die Alltags-formen des Frauenwiderstandes aus? Gab es nationalspezifische Varianten und wie war das Verhältnis zur eigenen Nation? Wie gestalteten sich die Geschlechterverhältnisse? Welche Auswirkungen hat der Widerstand auf das Bewusstsein der Frauen gehabt?“ (S.190). Zur Beantwortung dieser Fragen hat Hervé ihr Werk in sechs Unterabschnitte gegliedert. Nach einer recht persönlich konnotierten Einleitung, in der sie auch auf die aktuelle For-schungslage eingeht, widmet die Autorin jeweils ein Kapitel einem kurzen Abriss über den Frauenwiderstand in Deutschland und Frankreich. In diesen Kapiteln geht sie jeweils auf die politische und kulturelle Lage der Frauen unter dem Pétain- bzw. dem Hitler-Regime ein. Darauf folgt die Beschreibung des Widerstandes, der Geschlechterverhältnisse und der Aus-wirkungen des Widerstandes auf die Lage der Frauen in der Nachkriegszeit.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Frauenwiderstand in Deutschland
3. Frauenwiderstand in Frankreich
4. Forschungsliteratur und Rezeptionsgeschichte
5. Ergebnisse des deutsch-französischen Vergleichs
6. Einfluss der Geschichte, der gesellschaftlichen Verhältnisse, der patriarchalischen Strukturen und der Frauenbewegung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, den Frauenwiderstand gegen den Nationalsozialismus in Deutschland und den Faschismus in Frankreich erstmals systematisch miteinander zu vergleichen, um geschlechtsspezifische Motive, Alltagspraktiken und nationale Unterschiede in der Widerstandstätigkeit aufzudecken.
- Vergleich der Motive und Lebensrealitäten von Widerstandskämpferinnen
- Analyse der geschlechtsspezifischen Rolle im Widerstand
- Untersuchung der nationalen Unterschiede in der Widerstandskultur
- Aufarbeitung der geschichtswissenschaftlichen Rezeptionsgeschichte
- Bewertung des Einflusses gesellschaftlicher und patriarchaler Strukturen
Auszug aus dem Buch
Die Bewertung des Widerstandes
Die Bewertung des Widerstandes in der Zeit des Nationalsozialismus wird bis in die heutige Zeit kontrovers diskutiert. So ist allein schon der Begriff WiderstandskämpferIn in Deutschland aus kaum begreiflichen Gründen nicht immer positiv konnotiert. Wenn dieses Thema in Deutschland überhaupt behandelt wird, dann meist begrenzt auf einige berühmte Männer und Gruppen. Frauen wird hierbei zumeist höchstens die Rolle der stillen Helferin zugestanden, andere Formen weiblichen Widerstands, wie zum Beispiel auch den an der Waffe, werden lieber verschwiegen. Auch einen Vergleich des Widerstandes der verschiedenen Nationen wird man nur schwerlich finden können.
Die Autorin des vorliegenden Werkes, Florence Hervé, ist französische Germanistin und lebt seit vielen Jahren in Deutschland. Ihr kultureller Hintergrund veranlasste die Autorin zu diesem erstmaligen Vergleich des Widerstands deutscher und französischer Frauen. Ihr Hauptaugenmerk legt Hervé dabei auf die Frage der Motive dieser couragierten Frauen wobei sie auch versucht herauszufinden „Hätte ich es geschafft den aufrechten Gang zu gehen?“ (S. 9) Desweiteren konzentriert sich die Autorin vor allem auf genderspezifische Fragestellungen: „Gab es einen frauenspezifischen Widerstand gegen Faschismus und Krieg? Wie sahen die Alltagsformen des Frauenwiderstandes aus? Gab es nationalspezifische Varianten und wie war das Verhältnis zur eigenen Nation? Wie gestalteten sich die Geschlechterverhältnisse? Welche Auswirkungen hat der Widerstand auf das Bewusstsein der Frauen gehabt?“ (S.190).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Autorin führt in die aktuelle Forschungslage ein und stellt die zentralen Fragestellungen des Vergleichs sowie ihre persönliche Motivation dar.
2. Frauenwiderstand in Deutschland: Dieses Kapitel bietet einen Abriss über die politische und kulturelle Lage der Frauen unter dem Hitler-Regime sowie den Widerstand in Deutschland.
3. Frauenwiderstand in Frankreich: Hier werden die Bedingungen für Frauen unter dem Pétain-Regime sowie die spezifischen Formen des französischen Frauenwiderstands analysiert.
4. Forschungsliteratur und Rezeptionsgeschichte: Die Autorin analysiert die Entwicklung der literarischen Aufarbeitung und wissenschaftlichen Forschung zum Frauenwiderstand über verschiedene Jahrzehnte hinweg.
5. Ergebnisse des deutsch-französischen Vergleichs: Das Kapitel fasst die Konvergenzen und Divergenzen zwischen dem Widerstand in beiden Ländern hinsichtlich Motivation, sozialer Herkunft und Art der Teilnahme zusammen.
6. Einfluss der Geschichte, der gesellschaftlichen Verhältnisse, der patriarchalischen Strukturen und der Frauenbewegung: Abschließend wird diskutiert, wie das soziokulturelle Umfeld und patriarchale Strukturen die Entscheidung für den Widerstand maßgeblich beeinflusst haben.
Schlüsselwörter
Frauenwiderstand, Nationalsozialismus, Résistance, Faschismus, Geschlechterforschung, Geschlechterverhältnisse, deutsch-französischer Vergleich, Widerstandskämpferin, Frauenbewegung, Rezeptionsgeschichte, politischer Widerstand, gesellschaftliche Strukturen, historische Aufarbeitung, Gender Studies, Memoiren.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dem Werk grundsätzlich?
Das Buch bietet eine vergleichende Analyse des Frauenwiderstands gegen den Nationalsozialismus in Deutschland und gegen den Faschismus in Frankreich.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die Motive der Frauen, ihre Alltagsformen des Widerstands, die Einflüsse nationaler politischer Systeme sowie die unterschiedliche Rezeptionsgeschichte in beiden Ländern.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist ein erstmals vorgenommener Vergleich der Widerstandserfahrungen von Frauen in Deutschland und Frankreich, um die Rolle weiblicher Akteurinnen sichtbar zu machen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt einen vergleichenden Ansatz, der sowohl historische Abrisse als auch eine systematische Analyse von Forschungsliteratur und (auto-)biografischen Berichten umfasst.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der nationalen Kontexte, die Besprechung der Forschungsliteratur sowie eine Synthese der Ergebnisse hinsichtlich der gesellschaftlichen und historischen Rahmenbedingungen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Frauenwiderstand, Geschlechterforschung, Résistance, Rezeptionsgeschichte und deutsch-französischer Vergleich.
Wie bewertet die Autorin die Rolle der Frau in der Literatur über den Widerstand?
Die Autorin kritisiert, dass Frauen in der Literatur lange Zeit kaum oder nur in der Rolle der stillen Helferin wahrgenommen wurden, während Männer als die eigentlichen Widerstandskämpfer heroisiert wurden.
Welche Rolle spielten die unterschiedlichen politischen Regime für die Widerstandsformen?
Die politische und kulturelle Situation unter dem Hitler-Regime in Deutschland sowie dem Pétain-Regime in Frankreich prägten die Möglichkeiten und Formen des Frauenwiderstands maßgeblich, wobei soziale Unterschiede bei der Herkunft der Frauen eine Rolle spielten.
Welche zwei Hauptdefizite sieht die Rezensentin im Buch?
Es wird kritisiert, dass der Einsatz deutscher Frauen in der französischen Résistance kaum gewürdigt wird und die Situation in der ehemaligen DDR zu wenig detailliert behandelt wurde.
- Quote paper
- Birgit Stubbe (Author), 2009, Rezension zu Florence Hervé: „Wir fühlten uns frei.“ Deutsche und französische Frauen im Widerstand., Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/134312