Mit dem Sieg bei Aktium 31 v. Chr. gegen Antonius und Kleopatra beendete
Augustus die für Volk und Staat unheilvolle Zeit des Bürgerkriegs und führte Rom in ein neues Zeitalter, das Saeculum Augustum.
Die kriegsmüde Welt sah in Augustus die Verkörperung aller positiven menschlichen Eigenschaften, vor allem der “vier Kardinaltugenden eines Herrschers” virtus, clementia, iustitia und pietas. Die augusteische Herrschaft wird vom römischen Volk als eine Zeit des Friedens, der Sicherheit und des Wohlstands empfunden, wofür man sich dem Prinzeps dankbar zeigte. Als Zeichen des einkehrenden Friedens wurde der Janustempel geschlossen (29 v. Chr.), Säkularspiele zu Ehren des saeculum pacis abgehalten (17 v.Chr.) und der Ara Pacis erbaut (9 v. Chr. eingeweiht).
Die Pax Augusta wird von den römischen Bürgern als ein kostbarer Augenblick
wahrgenommen und der eingekehrte Frieden als Geschenk empfangen. Die unermüdliche Sorgfalt, mit der sich Kaiser Augustus um den Zustand des Staates
bemühte, fand ihre offizielle Anerkennung in der Verleihung der Titel des Pontifex
Maximus 12 v. Chr. und des Pater Patriae 2 v. Chr.
Caesar Divi filius Augustus war somit der Repräsentant aller Römer, Friedensstifter
und der Garant einer glücklichen Zukunft.
Diese Zeit, in der sich die Sehnsucht der Menschen nach Frieden und Wohlstand
endlich erfüllte, brachte Rom auch zu kultureller Blüte, vor allem in der Literatur.
Einer der bedeutendsten Lyriker des augusteischen Zeitalters war Q. Horatius Flaccus (65 - 8 v. Chr.), bekannt als Horaz, der als Zeitzeuge den Übergang der Republik zum Prinzipat selbst miterlebte. Da er die Verzweiflung kannte, die kurze Zeit vor dem Zusammenbruch der Republik herrschte, erhielt für ihn der Frieden einen so hohen Stellenwert, dass die neue Ordnung und der Prinzeps Augustus zu seinen Hauptthemen gehörten. Die Darstellung dieser Geschehnisse konnte er erst durch die Aufnahme in den Maecenaskreis 38 v. Chr. verwirklichen, was er seinem Freund Vergil zu verdanken hatte. Dadurch rückte er auch dem Augustus näher und zwar in dem Maße, dass man ihn geradezu als seinen “Hofdichter” bezeichnen konnte.
Anhand ausgewählter Oden und Epoden des Horaz soll Augustus und seine Zeit charakterisiert und eine Entwicklung in der horazischen Dichtung
aufgezeigt werden.
Inhaltsverzeichnis
Ausführung
A) Überblick über den Prinzipat des Augustus
B) Kaiser Augustus und seine Zeit im Spiegel horazischer Dichtung
I. 16. Epode: Flucht vor der Selbstzerstörung Roms durch die eigenen Bürger
1. Darstellung der trostlosen Gegenwart in Rom (V. 1-34)
2. Glorreiche Zukunft auf den Inseln der Seligen (V. 35-66)
3. Intention und Weltbild des “Visionärs” Horaz
II. 7. Epode: Herbe Verbitterung über den anhaltenden Bürgerkrieg
1. Anklagerede gegen die beiden Bürgerkriegsparteien (V. 1-14)
2. Fazit des Horaz: Der Brudermord an Remus als die Ursache allen Übels (V. 17-20)
III. 9. Epode: Oktavians Sieg bei der Schlacht von Aktium über Antonius und Kleopatra
1. Geschichtlicher Hintergrund und Ausgangssituation
2. Oktavian als der Hoffnungsträger und möglicher Retter Roms
3. Unsicherheit und Sorge aufgrund der ungewissen Zukunft
IV. Ode 1, 37: Einzug Oktavians in Alexandria und das engültige Ende des Bürgerkriegs
1. Oktavian als Bezwinger der bedrohlichsten Feinde von innen und außen
2. Euphorischer Siegesjubel des Horaz bzgl. des errungenen Triumphes
3. Legitimation des Prinzipats unter Augustus
4. Verständigungsfrieden mit den Parthern und die damit verbundene Wiedergewinnung der einst verlorenen röm. Feldzeichen
V. Carmen Saeculare: Preisung des augusteischen Zeitalters anlässlich der Säkularspiele
1. Verherrlichung und Apotheosierung des Augustus als Zentrum des Lobgesangs
2. Rückkehr der alten römischen Wertbegriffe
3. Reichsneuordnung und Bau des Ara Pacis
VI. Ode 4, 15: Lobgedicht auf Augustus und die Errungenschaften der Pax Augusta
1. Aufzählung der Leistungen und Friedenstaten des Prinzeps Augustus (V.1- 16)
2. Bezug zur augusteischen renovatio als Grundlage der Neuordnung
3. Darlegung der Konsequenzen und Ziele der Pax Augusta (V.17-32)
C) Abschließende Beurteilung unter Einbeziehung des Tellus-Reliefs als Symbol des eingekehrten Friedens
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Facharbeit untersucht die Darstellung von Kaiser Augustus und seiner Herrschaftszeit im lyrischen Werk des Horaz. Ziel ist es, anhand einer chronologischen Analyse ausgewählter Oden und Epoden aufzuzeigen, wie Horaz den Wandel Roms vom Bürgerkrieg zum Prinzipat reflektiert und Augustus als Garanten einer neuen, goldenen Friedensära stilisiert.
- Historischer Kontext des Prinzipats unter Augustus
- Lyrische Verarbeitung der Bürgerkriegserfahrung bei Horaz
- Die Entwicklung des Augustus-Bildes in der horazischen Dichtung
- Idealisierung des Augustus als Friedensstifter und religiöser Bezugspunkt
- Bedeutung der augusteischen renovatio und der Pax Augusta
Auszug aus dem Buch
I. Flucht vor der Selbstzerstörung Roms durch die eigenen Bürger
Horaz spricht zweimal in seinen Epoden (7. und 16. Epode) über den Bürgerkrieg, beidemal nicht zu einer einzelnen Person, sondern zu dem röm. Volk.
So wendet er sich in der 7. Epode an die Römer, die gegen ihre eigenen Volksgenossen zu den Waffen gegriffen haben.
Die 16. Epode (vgl. Büchner, Karl: Die Römische Lyrik, S. 94-97) baut auf der Vorstellung dieses “unabwendbaren Verhängnisses”, womit der Bürgerkrieg gemeint ist, auf: Altera iam teritur bellis civilibus aetas, suis et ipsa Roma viribus ruit (V. 1-2). Horaz weist damit darauf hin, dass bereits die zweite Generation unter dem Bürgerkrieg leide. Die Vernichtung der Stadt Rom, die alle Feinde nicht erreicht hatten, auch nicht die Germanen und Hannibal (V. 3-8), werde nun in der jetzigen Generation durch die eigenen “verwünschten” Bürger durchgeführt (V. 9-10).
Horaz sieht als vates3 voraus, wie fremde “barbarische Reiter” die bereits zerstörte Stadt kampflos erobern und den endgültigen Untergang herbeiführen (V. 11-14). Er äußert seine tiefe Vezweiflung und Widerwillen gegen beide Bürgerkriegsparteien: nefas videre (V. 14).
Trotz der hoffnungslos scheinenden Situation gibt Horaz nicht auf und stellt einen möglichen Ausweg dar: Die Auswanderung Roms in ein glückseliges Land.
Nach dem Vorbild des Phokäischen Volkes4, das einst ihr Land verließ, soll man nun dorthin “gehen, wohin die Füße tragen” oder der Wind treibt (V. 17-22), d.h. das Ziel erscheint zunächst gleichgültig. Wenn niemand einen besseren Vorschlag aufweisen kann, dann am besten gleich die Reise antreten: An melius quis habet suadere? secunda ratem occupare quid moramur alite? (V. 23-24)
Zusammenfassung der Kapitel
A) Überblick über den Prinzipat des Augustus: Einführung in die politische Etablierung des Augustus nach dem Sieg bei Aktium und die Entwicklung der neuen Herrschaftsform unter dem Vorzeichen von Frieden und Konsens.
B) Kaiser Augustus und seine Zeit im Spiegel horazischer Dichtung: Untersuchung verschiedener Werke des Horaz, die den Wandel von der pessimistischen Sicht auf den Bürgerkrieg bis zur hymnischen Verherrlichung der Pax Augusta dokumentieren.
I. 16. Epode: Flucht vor der Selbstzerstörung Roms durch die eigenen Bürger: Horaz reflektiert die Verzweiflung über den Bürgerkrieg und entwirft das utopische Bild einer Flucht auf die Inseln der Seligen.
II. 7. Epode: Herbe Verbitterung über den anhaltenden Bürgerkrieg: Eine Anklagerede gegen die am Bürgerkrieg beteiligten Parteien, wobei Horaz das historische Erbe des Brudermordes als Ursache für das gegenwärtige Übel identifiziert.
III. 9. Epode: Oktavians Sieg bei der Schlacht von Aktium über Antonius und Kleopatra: Analyse der Stimmung unmittelbar nach der Schlacht, die zwischen Erleichterung und Sorge um die noch ungewisse Zukunft schwankt.
IV. Ode 1, 37: Einzug Oktavians in Alexandria und das engültige Ende des Bürgerkriegs: Horaz feiert das Ende der bürgerkriegsähnlichen Zustände und die endgültige Etablierung des Prinzipats durch Oktavian.
V. Carmen Saeculare: Preisung des augusteischen Zeitalters anlässlich der Säkularspiele: Betrachtung der Apotheosierung des Augustus im Kontext der religiösen Jahrhundertfeiern und der Wiederbelebung alter römischer Werte.
VI. Ode 4, 15: Lobgedicht auf Augustus und die Errungenschaften der Pax Augusta: Zusammenfassende Würdigung der Leistungen des Augustus, insbesondere im Hinblick auf den wirtschaftlichen Aufschwung und die Sicherung der römischen Grenzen.
C) Abschließende Beurteilung unter Einbeziehung des Tellus-Reliefs als Symbol des eingekehrten Friedens: Reflexion über die Rolle des Horaz als "Hofdichter" und die visuelle Entsprechung der pax-Ideologie im Tellus-Relief des Ara Pacis.
Schlüsselwörter
Augustus, Horaz, Prinzipat, Pax Augusta, Bürgerkrieg, Rom, Dichtung, Oden, Epoden, Saeculum Augustum, Ara Pacis, renovatio, Macht, Friedensstifter, vates
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Facharbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie der Dichter Horaz den Aufstieg des Augustus und die damit verbundene Wandlung Roms von einer von Bürgerkriegen erschütterten Republik zu einem befriedeten Prinzipat in seinen Werken lyrisch verarbeitet.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentral sind die historische Rolle des Augustus, das Konzept der "Pax Augusta", die Bedeutung der "renovatio" (Erneuerung) des römischen Staates sowie die literarische Selbstdarstellung des Horaz als Visionär und Dichter.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist es, die Entwicklung in der Dichtung des Horaz aufzuzeigen – von einer pessimistischen Grundstimmung während der Bürgerkriege bis hin zur Verherrlichung des Augustus als Retter und Heiland Roms.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literatur- und geschichtswissenschaftliche Analyse. Dabei werden spezifische Oden und Epoden des Horaz im historischen Kontext interpretiert und durch Bezüge zu zeitgenössischen Monumenten wie dem Ara Pacis untermauert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich chronologisch anhand der Oden und Epoden. Er beleuchtet die Epoden 7 und 16, die Schlacht von Aktium (9. Epode), die Ode 1, 37, das Carmen Saeculare und schließlich die Ode 4, 15 als Lobgedicht auf die Pax Augusta.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich am besten durch Begriffe wie Augustus, Horaz, Pax Augusta, Bürgerkrieg, Prinzipat und die Idee der moralischen und politischen Erneuerung Roms (renovatio) beschreiben.
Warum spielt die 16. Epode eine besondere Rolle für das Weltbild des Horaz?
Die 16. Epode offenbart Horaz' tiefen Widerwillen gegen die Selbstzerstörung Roms. Sie markiert seinen Standpunkt als "vates", der sich von der unheilvollen Gegenwart distanziert, um im Geiste eine neue, friedliche Welt zu konzipieren.
Welche Bedeutung kommt dem Tellus-Relief am Ende der Arbeit zu?
Das Tellus-Relief dient als visuelle Bestätigung für die poetischen Aussagen des Horaz. Es symbolisiert den durch Augustus geschaffenen Frieden und die Fruchtbarkeit, die das neue Zeitalter auszeichnen.
Inwiefern ändert sich Horaz' Einstellung zu Oktavian/Augustus über die Zeit?
Anfangs ist Horaz geprägt von Sorge und Verzweiflung über den anhaltenden Krieg. Nach den Siegen Oktavians, insbesondere nach Aktium, wandelt sich seine Haltung zu einem euphorischen Siegesjubel, der in einer fast religiösen Apotheosierung des Augustus gipfelt.
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- Dipl.-Kfm. (Univ.), B.A. Christian Kneer (Autor), 2000, Kaiser Augustus und seine Zeit im Spiegel horazischer Dichtung, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/134361