Kreditinstitute sind in besonderem Ausmaß von der aktuellen Finanzkrise betroffen. Zentralbanken mussten Liquidität zur Verfügung stellen und einige Institute sind bereits in Schieflage geraten. Mitverantwortlich für diese Krise sind insbesondere mangelnde Kreditvergabekriterien und die intransparente Gestaltung von Verbriefungen. In dieser Hausarbeit werden die Konstruktionsmerkmale von Verbriefungen sowie deren Einfluss auf die Entstehung der Krise analysiert. Konsequenz der derzeitigen Situation an den internationalen Finanzmärkten werden steigende Anforderungen von Investoren und Ratingagenturen an die transparente Gestaltung von Verbriefungen sein. Ob diese Anforderung eine neu zu schaffende gesetzliche Grundlage in Form eines Verbriefungsgesetzes bekommen, bleibt abzuwarten. Der Verbriefungsmarkt wird höchstwahrscheinlich wieder an Attraktivität gewinnen und die Institute sollten den aufgezeigten Anforderungen nachkommen, um die Vorteile der Einsatzmöglichkeiten solcher Produkte auch zukünftig wieder nutzen zu können.
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung
2 Konstruktion und Einsatzmöglichkeiten von ABS
2.1 Abgrenzung und Grundstruktur von Verbriefungen
2.2 Kategorisierung und Analyse der Konstruktionsmerkmale von ABS
2.2.1 Zu Grunde liegende Forderungsarten und Laufzeiten
2.2.2 Art des Risikotransfers
2.2.3 Strukturelemente von Verbriefungen
2.3 Einsatz von ABS in der Kreditrisikosteuerung
3 Anforderungen für den Einsatz in der Kreditrisikosteuerung
3.1 Analyse der aktuellen Situation an den internationalen Finanzmärkten
3.2 Regulatorische Anforderungen an ABS-Strukturen und mögliche Neuerungen
3.3 Innerbetriebliche Anforderungen für den Einsatz von ABS
4 Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit analysiert die Konstruktionsmerkmale von Verbriefungen (ABS) und ihren maßgeblichen Einfluss auf die Entstehung der Subprime-Krise. Dabei wird untersucht, wie mangelnde Transparenz und Kreditvergabestandards zur Krise beitrugen und welche regulatorischen sowie betrieblichen Anforderungen für eine zukünftige, effiziente Nutzung dieser Instrumente in der Kreditrisikosteuerung notwendig sind.
- Grundlagen und Strukturen von Verbriefungstransaktionen
- Kategorisierung von ABS-Produkten nach Forderungsarten und Risikotransfer
- Analyse der Ursachen der Subprime-Krise im Kontext von Verbriefungen
- Regulatorische Rahmenbedingungen und Offenlegungspflichten (SolvV/Basel II)
- Innerbetriebliche Anforderungen an das Risikomanagement und IT-Prozesse
Auszug aus dem Buch
2.2.2 Art des Risikotransfers
Der Risikotransfer kann prinzipiell in zwei Ausgestaltungen erfolgen. Es wird zwischen dem tatsächlichen Forderungsverkauf (True-Sale) und dem reinen Risikotransfer auf das SPV in Form von Kreditderivaten (synthetische Verbriefung) unterschieden. True-Sale-Transaktionen gleichen der o.g. Grundstruktur von Verbriefungen. Durch den tatsächlichen Verkauf verlassen die Forderungen inkl. der inhärenten Risiken die Bilanz des Originators. Im Gegensatz dazu erfolgt bei synthetischen Verbriefungen nur ein Risikotransfer mittels geeigneter Instrumente wie bspw. Credit Default Swaps (CDS) mit gleichzeitigem Verbleib der Forderungen beim Originator.
Die Finanzierung der durch das SPV übernommenen Risiken kann über die Ausgabe von ABS-Tranchen (fully funded), den Abschluss eines weiteren CDS mit Dritten (unfunded) oder einer Kombination von beiden (partially funded) erfolgen. Bei der Emission von ABS, die in diesem Kontext als Credit Linked Notes (CLN) bezeichnet werden, wird der Emissionserlös im Gegensatz zur True-Sale-Struktur nicht an den Originator weitergeleitet, da kein Forderungsverkauf zu Grunde liegt. Stattdessen werden die Erlöse in Wertpapieren bester Bonität angelegt, den sog. Collaterals. Diese dienen zur Absicherung der Zahlungsansprüche des Originators bei Eintritt der vereinbarten Kreditereignisse des CDS (bspw. Insolvenz der Forderungsschuldner).
Bei Eintritt des Kreditereignisses erfolgt ein Teilverkauf des Collaterals und der erzielte Erlös fließt dem Originator zu. Das Kreditrisiko tragen somit die Investoren, da die Rückzahlung der CLN vom Bestand der Collateral-Anlage am Ende der Laufzeit abhängt. Die Zinszahlungen an die Investoren werden im Gegensatz zu True-Sale-Strukturen nicht direkt aus den Cash-Flows des Forderungspools sondern aus den CDS-Prämien des Originators und den Erträgen aus der Collateral-Anlage geleistet. Die Vorteile der synthetischen Struktur liegen in der Nutzung von Standardverträgen der International Swaps and Derivatives Association (ISDA), während bei True-Sale-Strukturen meist eine individuelle und aufwändige Dokumentation erfolgen muss. Die True-Sale-Struktur bietet dem Originator die Vorteile des Liquiditätszuflusses und der Bilanzverkürzung auf Grund des Forderungsverkaufs.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einführung: Hinführung zum Thema Verbriefungen als Instrument für Risikotransfer und Refinanzierung sowie Darstellung des Kontextes der Subprime-Krise.
2 Konstruktion und Einsatzmöglichkeiten von ABS: Erläuterung der technischen Grundstrukturen, der Kategorisierung nach Forderungsarten und Risikotransfer sowie der Bedeutung für die Banksteuerung.
3 Anforderungen für den Einsatz in der Kreditrisikosteuerung: Analyse der Marktsituation während der Krise und Ableitung regulatorischer sowie interner Anforderungen an Verbriefungsstrukturen.
4 Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Ursachen der Krise und Ausblick auf die zukünftige Bedeutung transparenterer Verbriefungsinstrumente.
Schlüsselwörter
Verbriefung, ABS, Subprime-Krise, Risikotransfer, Kreditrisikosteuerung, SPV, True-Sale, Synthetische Verbriefung, Solvabilitätsverordnung, Transparenz, Forderungspool, Bonität, Ratingagenturen, Risikomanagement, Portfoliotheorie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die Konstruktion und Anwendung von Verbriefungen (ABS) im Bankensektor und deren Rolle bei der Entstehung der Subprime-Krise.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Fokus stehen die Strukturmerkmale von Verbriefungen, die regulatorische Einordnung und die Anforderungen an eine sachgerechte Integration dieser Produkte in das Risikomanagement.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Hintergründe der Krise zu beleuchten, die im Zusammenhang mit intransparenten Verbriefungen stehen, und notwendige Konsequenzen für Banken abzuleiten.
Welche wissenschaftliche Methode wurde gewählt?
Es handelt sich um eine analytische Hausarbeit, die auf der Auswertung aktueller Fachliteratur, regulatorischer Vorschriften (Basel II/SolvV) und Marktanalysen basiert.
Was wird im Hauptteil detailliert behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die technische Funktionsweise von ABS-Transaktionen und die kritische Analyse der Marktsituation in der Subprime-Krise unter Berücksichtigung regulatorischer und interner Anforderungen.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Verbriefung, ABS, Risikotransfer, Transparenz, Subprime-Krise und regulatorische Anforderungen.
Warum spielt die Transparenz laut Autor eine so große Rolle für die aktuelle Krise?
Die Intransparenz, insbesondere bei komplexen Kreditketten und der Zwischenschaltung mehrerer SPVs, führte dazu, dass Marktteilnehmer die tatsächlichen Risiken nicht mehr bewerten konnten.
Welche Rolle spielen Ratingagenturen in dieser Analyse?
Der Autor kritisiert die Stellung der Ratingagenturen, da diese im Auftrag der Originatoren handelten und die Krise aufzeigte, dass ein AAA-Rating bei ABS-Transaktionen nicht das gleiche Sicherheitsniveau bietet wie bei Staatsanleihen.
Was fordert der Autor in Bezug auf IT-Prozesse in Banken?
Er fordert die Etablierung IT-gestützter Prozesse und spezialisierter Software, um Dateninkonsistenzen zu vermeiden und die für Investoren notwendige Reportingqualität sicherzustellen.
Welche Auswirkung hat die Tranchierung auf das Risikoprofil?
Die Tranchierung ermöglicht eine differenzierte Risikoverteilung, wobei die unterste Tranche (First Loss Piece) als Verlustpuffer dient, während die Senior-Tranche ein besseres Rating erhält.
- Quote paper
- Jörg Jandzinsky (Author), 2008, Verbriefungen von Kreditrisiken, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/134390