Laut Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend wird jede dritte Frau in Deutschland im Jahr 2021 mindestens einmal im Leben Opfer von physischer und/oder sexualisierter Gewalt. Dies verdeutlicht, wie viele Frauen in Deutschland sich mindestens einmal im Leben mit der Thematik der sexualisierten Gewalt konfrontiert fühlen. Es verdeutlicht zudem, dass sexualisierte Gewalt in einem Land der Aufklärung und Förderung von Frauen in zahlreichen Bereichen immer noch ein gesellschaftliches Problem darstellt. Es verdeutlicht: Sexualisierte Gewalt ist kein Bagatelldelikt. Doch wie wird sich in Deutschland mit dieser Thematik auseinandergesetzt? Wie viel Aufklärung findet darüber statt? Um diesen Fragen nachzugehen, wird in dieser Arbeit die Berichterstattung über das Thema sexualisierte Gewalt in der deutschen Medienlandschaft näher betrachtet. Hierzu wird der Fall Luke Mockridge herangezogen und mit Hilfe einer kritischen Diskursanalyse untersucht, wie drei unterschiedliche Medienhäuser über die Vorwürfe in diesem Zusammenhang berichteten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Sexualisierte Gewalt in Deutschland
2.2. 2.1. Definition von sexualisierter Gewalt
2.3. Häufigkeit
2.3. Tätertypen
2.4. Folgen von sexualisierter Gewalt
2.5. Umgang mit sexualisierter Gewalt im polizeilichen Kontext
2.6. Rechtliche Frage
3. Der Fall Luke Mockridge (Einbettung)
4. Die Theorie der kritischen Diskursanalyse
4.1. Was ist ein Diskurs?
4.2. Der Ansatz der Diskursanalyse
4.3. Die kritische Diskursanalyse
4.4. Kritik an der kritischen Diskursanalyse
5. Methodik
5.1. Material- und Datenauswahl
5.2. Hypothesen
5.3. Strukturanalyse
6. Die Ergebnisse
6.1. Die Ergebnisse der Strukturanalyse (Die taz)
6.2. Die Ergebnisse der Feinanalyse (taz)
6.3. Die Ergebnisse der Strukturanalyse (Die Bild-Zeitung)
6.4. Die Ergebnisse der Feinanalyse (Die Bild-Zeitung)
6.5. Die Ergebnisse der Strukturanalyse (Die SZ)
6.6. Die Ergebnisse der Feinanalyse (Die SZ)
7. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht mittels einer kritischen Diskursanalyse die Berichterstattung deutscher Qualitätsmedien über den Fall Luke Mockridge, um aufzuzeigen, inwiefern die medialen Diskurse zu einer Bagatellisierung sexualisierter Gewalt beitragen können.
- Kritische Diskursanalyse nach Siegfried Jäger
- Mediale Darstellung sexualisierter Gewalt in der taz, der Bild-Zeitung und der Süddeutschen Zeitung
- Analyse von Fallbeispielen und Akteurspositionen
- Überprüfung von Hypothesen zu medialen Narrativen
Auszug aus dem Buch
4.3. Die kritische Diskursanalyse
In der kritischen Diskursanalyse (kurz: KDA) wird sprachwissenschaftlich vorgegangen, wobei sich diese Art der Diskursanalyse deutlich als ideologiekritisch ansieht (vgl. Traue et al. 2014, S. 496). Dabei geht es primär um die Verbindung von Sprache und Macht (vgl. ebd.). In Deutschland können als VertreterInnen der kritischen Diskursanalyse Siegfried Jäger, Ruth Wodack und Marianne Bublitz genannt werden (vgl. ebd.). Dabei orientiert sich diese Arbeit an Siegfried Jägers vorgeschlagenem Vorgehen der kritischen Diskursanalyse.
Bei einer kritischen Diskursanalyse geht es vor allem darum, das Wissen eines Diskurses zu hinterfragen und darzustellen, wie es innerhalb dessen seine Legitimation gefunden hat (vgl. Jäger 2021, S. 3). Somit stellt die kritische Diskursanalyse eine Möglichkeit dar, wie Diskurse untersucht, interpretiert und konferiert werden können (vgl. ebd., S. 4). Vor allem bei der Anwendung einer kritischen Diskursanalyse werden umstrittene und kontroverse Themen betrachtet (vgl. ebd.). Dies bedeutet, dass Themen und deren Genealogie Anlass geben, diese kritisch zu hinterfragen (vgl. ebd.). Somit steht bei einer kritischen Diskursanalyse die Kritik an einem ausgewähltem Untersuchungsgegenstand im Zentrum (vgl. Keller 2011, S. 27). Dabei soll vorrangig eine Aufklärung mit eingehenden Umgestaltungsmöglichkeiten aufgezeigt werden (vgl. ebd.). Die kritische Diskursanalyse untersucht folglich brisante Themen, da sie sich „[…] als politisches, gesellschaftskritisches Projekt versteht […]“ (Jäger 2012, S. 87).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik sexualisierter Gewalt ein und formuliert das Forschungsziel, die Medienberichterstattung über den Fall Luke Mockridge kritisch zu analysieren.
2. Sexualisierte Gewalt in Deutschland: Das Kapitel definiert den Begriff der sexualisierten Gewalt, beleuchtet Statistiken zur Häufigkeit, Tätertypen sowie psychologische Folgen und stellt den Kontext der rechtlichen Problematik dar.
3. Der Fall Luke Mockridge (Einbettung): Dieses Kapitel bettet den Fall um Luke Mockridge in den öffentlichen Diskurs ein und beschreibt chronologisch die Vorwürfe und die Reaktionen darauf.
4. Die Theorie der kritischen Diskursanalyse: Hier werden der theoretische Rahmen und die Grundbegriffe der kritischen Diskursanalyse erläutert und kritisch diskutiert.
5. Methodik: Dieses Kapitel begründet die Auswahl der Medien (taz, Bild, SZ), stellt die Hypothesen auf und erläutert das Vorgehen der Struktur- und Feinanalyse.
6. Die Ergebnisse: Die Kapitel stellen die Ergebnisse der empirischen Analyse dar und beleuchten die unterschiedlichen Berichterstattungsmuster und Sprachbilder der untersuchten Zeitungen.
7. Fazit und Ausblick: Das Fazit bestätigt die Hypothesen anhand der Analyseergebnisse und diskutiert die Rolle der Medien bei der Aufklärung sowie Bagatellisierung sexualisierter Gewalt.
Schlüsselwörter
Sexualisierte Gewalt, Kritische Diskursanalyse, Medienberichterstattung, Luke Mockridge, Ines Anioli, Täter-Opfer-Umkehr, Medienethik, Diskursforschung, Geschlechterrollen, Machtstrukturen, Bagatellisierung, Journalistische Objektivität, MeToo
Häufig gestellte Fragen
Was ist das grundsätzliche Anliegen dieser Bachelorarbeit?
Die Arbeit untersucht, wie deutsche überregionale Online-Printmedien über den Fall Luke Mockridge berichten und inwiefern diese Berichterstattung zur Bagatellisierung sexualisierter Gewalt beitragen kann.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum?
Im Zentrum steht die Verknüpfung von Sprache, Macht und Geschlechterbildern innerhalb der Medienberichterstattung über sexualisierte Gewalt und konkret über den Fall Luke Mockridge.
Welche Forschungsfragen werden verfolgt?
Die Arbeit fragt: Inwiefern trägt die Berichterstattung zur Bagatellisierung von sexualisierter Gewalt bei und wie unterschieden sich die Zeitungen in ihrer medialen Aufbereitung des Falls?
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird die Methode der kritischen Diskursanalyse nach Siegfried Jäger genutzt, kombiniert mit einer Struktur- und Feinanalyse der ausgewählten Artikel.
Was behandelt der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung, eine methodische Herleitung und die empirische Darstellung der Ergebnisse für die Zeitungen taz, Bild und SZ.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit maßgeblich?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Täter-Opfer-Umkehr, Normalismen, Machtstrukturen und diskursive Ereignisse im Kontext des MeToo-Diskurses.
Wie unterscheidet sich die Berichterstattung der taz von der Bild-Zeitung?
Die taz zeigt laut Analyse eine Solidarisierung mit den Betroffenen und eine kritische Haltung gegenüber Mockridge, während die Bild-Zeitung eher unkritisch über den Fall berichtet und den Fokus stärker auf die Folgen für Mockridge legt.
Welches Fazit zieht die Autorin bezüglich der SZ?
Die Süddeutsche Zeitung berichtet in der Analyse neutral-sachlich, ordnet den Fall jedoch kritisch ein, wobei ihr Tenor im Zeitverlauf in einem Artikel leicht kritisch gegenüber den Betroffenen kippte.
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- Sophie Decker (Author), 2022, Sexualisierte Gewalt gegen Frauen in den Medien, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1344226