Ich werde mich in meiner Hausarbeit mit Kindern in Heimen und Kindern in Pflegefamilien beschäftigen und ihre Erziehung miteinander vergleichen. Auch werde ich versuchen, auf die Frage, welches der beiden Möglichkeiten die bessere ist, zu antworten.
Ich denke, das allgemeine Ziel der Erziehung im Heim und der Erziehung in einer Pflegefamilie ist die Erziehung selbst. Deshalb muss zuerst geklärt werden, was Erziehung eigentlich bedeutet. Erziehung kann wie folgt definiert werden: „Erziehung ist ein soziales Handeln, welches bestimmte Lernprozesse bewusst und absichtlich herbeiführen und unterstützen will, um relativ dauerhafte Veränderungen des Verhaltens und Erlebens, die bestimmten Erziehungszielen entsprechen, zu erreichen.“ […] „Erziehungsziele sind bewusst gesetzte Wert- und Normvorstellungen über das Ergebnis der Erziehung, die Auskunft darüber geben, wie sich der Erziehende gegenwärtig und zukünftig verhalten soll und die Eltern und anderer Erzieher in der Erziehung handeln sollen.“ (Hobmair, S.83, 195).
Jedoch können nicht immer die leiblichen Eltern diese Aufgabe übernehmen. Dann greift das Hilfesystem des Staates und das Jugendamt übernimmt die Verantwortung für das Kind. Gründe für die Inpflegegabe sind meist eine schwierige, konflikthaltige und problematische Familiensituationen. Die Ursachen hierfür sind sehr vielfältig. Es treten psychische Krankheiten bei der erziehenden Person auf, es gibt Alkohol- oder Drogenprobleme, es entstehen konflikthafte Trennungssituationen oder junge Mütter sind überfordert. Seltener bilden der Tod der Eltern oder auch die Inhaftierung der Hauptbezugsperson die Grundlage. Ein weiterer Anlass ist die Vernachlässigung des Kindes (physisch wie emotional) oder auch die Ablehnung der Bezugsperson durch das Kind wegen Misshandlungen oder Missbrauch. (vgl. Blandow, 2004)
Inhaltsverzeichnis
0. Einleitung
1. Heimerziehung
1.1. Heimformen
1.2. Soziale Integration von Heimkindern
1.3. Sozialisationsbedingungen im Heim
2. Pflegefamilien
2.1. Aufgabe und Funktion der (Pflege-) Familienerziehung
2.2. Pflegeformen
2.2.1. Vollzeit-/ Dauerpflege
2.2.2. Kurzzeitpflege
2.2.3. Milieunahe Pflege
2.2.4. Teilzeitpflege
2.3. Integration des Pflegekindes in die Pflegefamilie
2.4. Sozialisationsbedingungen von Pflegekindern
2.5. Beendigung des Pflegeverhältnisses
3. Vergleich der Integrations- und Sozialisationsbedingungen von Heim- und Pflegekindern
4. Resümee
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit setzt sich kritisch mit den beiden Betreuungsformen Heimerziehung und Pflegefamilie auseinander, um deren spezifische Bedingungen für die kindliche Entwicklung zu vergleichen und zu prüfen, welche der beiden Möglichkeiten die bessere Erziehungsoption darstellt.
- Vergleich der Erziehungs- und Integrationsbedingungen in Heimen und Pflegefamilien.
- Analyse der verschiedenen Formen der Heimerziehung und Pflegeverhältnisse.
- Untersuchung der Sozialisationsprozesse und der Bindungsentwicklung von Kindern in Fremdunterbringung.
- Diskussion über die Bedeutung von Kontinuität und stabilem Lebensumfeld für die kindliche Identitätsbildung.
- Kritische Reflexion der Rolle des Jugendamtes und der Bedeutung des Kindeswohls bei Trennungssituationen.
Auszug aus dem Buch
2.3 Integration des Pflegekindes in die Pflegefamilie
Für ein Pflegekind bedeutet jede Fremdunterbringung einen tiefen Einschnitt in sein Leben. Das bedeutet, dass alle Beteiligten die Lebensumstände des Kindes genau kennen müssen (z.B.: Wo hat das Kind wann gelebt? oder: Welche Umstände waren für die Fremdplatzierung verantwortlich?). Aus diesen Erkenntnissen können Rückschlüsse darüber gezogen werden, mit welchen Konflikten die Pflegefamilie rechnen muss. Weiterhin sind diese Erkenntnisse notwendig, um eine geeignete Pflegefamilie zu finden. Es ist auch wichtig, dass das Kind nach der Kennenlernphase gerne in diese Familie geht. Also muss die "Chemie" zwischen Pflegekind und Pflegeeltern stimmen. Wenn es möglich ist, müssen auch die Herkunftseltern bei der Suche nach einer geeigneten Pflegefamilie beteiligt sein. Um eine neue Bindungsbereitschaft beim Kind zu wecken, müssen zunächst Ohnmachts- und Überwältigungsgefühle sowie Desorientierung des Kindes gemildert werden. Dies wird vom Kind leichter bewältigt, wenn es die neuen Bezugspersonen schon vor der Trennung kennen lernt.
Die Integration des Kindes in die Pflegefamilie ist nicht als ein reiner Eingewöhnungsprozess zu verstehen. Es besteht die Gefahr einer äußerlichen Anpassung an die neue Umgebung, das Kind jedoch bleibt in seinen entwickelten Strukturen und Selbstdefinitionen "hängen". Ziel einer gelungenen Integration in die Pflegefamilie ist die Entwicklung neuer Beziehungen, die die Grundlage für die Korrektur dieser Selbstwertstörungen sind.
Zusammenfassung der Kapitel
0. Einleitung: Die Arbeit führt in die Thematik der Fremdunterbringung von Kindern ein und stellt die zentrale Forschungsfrage nach dem Vergleich und der Qualität von Erziehung in Heimen versus Pflegefamilien.
1. Heimerziehung: Dieses Kapitel definiert Heimerziehung, stellt verschiedene moderne Heimformen vor und beleuchtet die Herausforderungen der sozialen Integration sowie die Sozialisationsbedingungen im Heim.
2. Pflegefamilien: Hier werden die Struktur und Funktion der Familienerziehung, diverse Pflegeformen von Dauer- bis Teilzeitpflege sowie die komplexen Prozesse der Integration und Sozialisation in einer Pflegefamilie analysiert.
3. Vergleich der Integrations- und Sozialisationsbedingungen von Heim- und Pflegekindern: Es findet eine direkte Gegenüberstellung der beiden Systeme statt, wobei insbesondere die Bindungsstabilität, die Rolle des Standortes und die soziale Einbindung bewertet werden.
4. Resümee: Die Autorin fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass Pflegefamilien aufgrund des stabileren Umfelds für das Kind in der Regel der Heimerziehung vorzuziehen sind.
Schlüsselwörter
Heimerziehung, Pflegefamilie, Sozialisation, Integration, Kinder- und Jugendhilfe, Bindung, Fremdunterbringung, Pflegeeltern, pädagogische Diagnosen, Erziehung, Kindeswohl, Lebensperspektive, Jugendamt, Sozialpädagogik, Erziehungsbedingungen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit einem Vergleich zwischen Heimerziehung und der Unterbringung in Pflegefamilien als zwei Formen der staatlichen Hilfe zur Erziehung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die verschiedenen Betreuungsformen, die sozialen Integrationsbedingungen für die Kinder und die Auswirkungen auf deren Sozialisation.
Welches Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist ein Vergleich der Vor- und Nachteile beider Systeme, um zu erörtern, welche Form der Unterbringung dem Kindeswohl und einer positiven Entwicklung eher dient.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung auf Basis erziehungswissenschaftlicher Fachliteratur zur Analyse von Sozialisations- und Erziehungsbedingungen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Darstellung der Heimerziehung und ihrer Formen sowie die Analyse von Pflegefamilien, gefolgt von einem direkten Vergleich beider Ansätze.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Integration, Sozialisation, Bindungsentwicklung, Pflegeformen, Heimalltag und die Rolle der Bezugspersonen.
Warum bewertet die Autorin Pflegefamilien als überlegen?
Die Autorin argumentiert, dass das familiäre Umfeld eine höhere Stabilität bietet und es dem Kind ermöglicht, verlässliche Bindungen aufzubauen, was den Alltag individueller und "normaler" gestaltet als in einer Heimgruppe.
Welche Kritik übt die Autorin am Jugendamt?
Sie kritisiert, dass Gerichte und das Jugendamt mitunter zu sehr im Interesse leiblicher Eltern handeln und dabei die gewachsenen emotionalen Bindungen zwischen Pflegekind und Pflegeeltern bei abrupten Rückführungen vernachlässigen.
- Quote paper
- Sandra Schubert (Author), 2009, Pflegefamilien und Heimerziehung - ein Vergleich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/134446