In der vorliegenden Arbeit wird die These von der Verbürgerlichung der politischen Elite Deutschlands untersucht. Ist eine solche Tendenz empirisch tatsächlich auffindbar? Und welche Schlüsse lassen sich daraus für Politik, Wählerschaft und Gesellschaft ziehen? Dabei orientiert sich die Arbeit in ihrem Vorgehen insbesondere an den Arbeiten des in Deutschland durch seine Veröffentlichungen auf dem Gebiet der Elitesoziologie bekannt gewordenen Eliteforschers Michael Hartmann. Zur empirischen Überprüfung seiner These werden die Lebensläufe der Mitglieder des Kabinetts sowie einer Zufallsauswahl der Mitglieder des Deutschen Bundestages (MdBs) über fünf Wahlperioden hinweg untersucht.
Die vorliegende Arbeit gliedert sich in drei Teile. Nach der Einleitung wird der theoretische Hintergrund der Arbeit vorgestellt. Dazu erfolgt zunächst eine kurze Einführung in die Elitesoziologie und daran anschließend ein Überblick über den bisherigen Forschungsstand zum untersuchten Thema in der BRD gegeben, mit einem Schwerpunkt auf den Studien Hartmanns. Im Verlauf dieser Erläuterungen werden auch die für die vorliegende Arbeit zentralen Begriffe – Elite, Funktionselite und Verbürgerlichung – entwickelt. Im nächsten Schritt wird die These der Verbürgerlichung der politischen Elite Deutschlands empirisch überprüft, die Ergebnisse dargestellt und interpretiert. Schließlich werden die Ergebnisse zusammengefasst und ein Fazit gezogen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretischer Hintergrund
2.1 Kurze Einführung in die Elitesoziologie
2.2. Elitestudien in der BRD
2.3. Verbürgerlichung der politischen Elite bei Michael Hartmann
3. Verbürgerlichung der politischen Elite in Deutschland?
3.1. Methodisches Vorgehen
3.2. Soziale Herkunft der politischen Elite im Zeitverlauf
3.3. Zusammenfassung und Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die von dem Eliteforscher Michael Hartmann aufgestellte These einer zunehmenden "Verbürgerlichung" der politischen Elite in Deutschland. Ziel ist es, durch die Analyse der sozialen Herkunft und des sozialen Status von Kabinetts- und Bundestagsmitgliedern über fünf Wahlperioden hinweg zu prüfen, ob sich dieser Trend empirisch bestätigen lässt und welche Rolle dabei die Parteizugehörigkeit spielt.
- Elitesoziologische Grundlagen und Definition von Funktionseliten
- Kritische Auseinandersetzung mit der Theorie der "Verbürgerlichung"
- Empirische Untersuchung der sozialen Zusammensetzung der politischen Elite
- Analyse eines potenziellen "Parteieneffektes" bei der Rekrutierung
- Vergleich der Ergebnisse zwischen Kabinetts- und Bundestagsmitgliedern
Auszug aus dem Buch
3.1. Methodisches Vorgehen
Zur Identifizierung von Eliten wird in der sozialwissenschaftlichen Literatur zwischen drei Hauptansätzen unterschieden: dem Reputations-, dem Entscheidungs- und dem Positionsansatz (Wasner 2004: 119). Für die vorliegende Arbeit ist die letztgenannte die geeignetste Methode. Sie „bezeichnet diejenigen als Elitemitglieder, die Positionen innehaben, die mit weitgehenden Einflussmöglichkeiten ausgestattet sind“ (Wasner 2004: 122; Drewe 1974: 167). Das Vorgehen dieser Methode gestaltet sich wie folgt: Zunächst wählt man einen gesellschaftlichen Sektor – im vorliegenden Fall den politischen Sektor – und bestimmt innerhalb dieses Sektors die Organisationen bzw. Organe, die einflussreich sind, d. h., die in der Lage sind, die gesellschaftliche Entwicklung aktiv zu beeinflussen. Im vorliegenden Fall wurden dafür zwei Organe gewählt: zum einem das Kabinett als „enge Definition“ von Elite und zum zweiten das Parlament, als „weitere Definition“ von Elite. Als dritter Schritt der Positionsmethode werden nun die Spitzenpositionen innerhalb dieser Organisationen samt ihrer Inhaber ermittelt (Wasner 2004: 123).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel stellt die These von der Verbürgerlichung der politischen Elite vor, die Michael Hartmann aufgestellt hat, und führt in die Fragestellung der Arbeit ein.
2. Theoretischer Hintergrund: Hier werden die Grundlagen der Elitesoziologie erörtert, bestehende Elitestudien in der BRD diskutiert und das Konzept der Verbürgerlichung bei Michael Hartmann detailliert dargelegt.
3. Verbürgerlichung der politischen Elite in Deutschland?: Das Hauptkapitel beschreibt das methodische Vorgehen, analysiert die empirischen Daten zur sozialen Herkunft und zum sozialen Status der politischen Elite im Zeitverlauf und zieht in einem Fazit die Ergebnisse zusammen.
Schlüsselwörter
Verbürgerlichung, Politische Elite, Elitesoziologie, Michael Hartmann, Soziale Herkunft, Sozialer Status, Bundestag, Kabinett, Volksparteien, CDU, SPD, Parteieneffekt, Funktionseliten, Bildungsexpansion, Meritokratie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht kritisch die Behauptung des Eliteforschers Michael Hartmann, dass sich die politische Elite in Deutschland in Richtung eines gehobenen Bürgertums "verbürgerlicht" und von der breiten Mittelschicht entfernt.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen die Elitesoziologie, die soziale Zusammensetzung von Regierungen und Parlamenten sowie die Bedeutung von Bildungsabschluss und sozialer Herkunft für den Zugang zu politischen Spitzenpositionen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die These der "Verbürgerlichung" anhand einer eigenen empirischen Datenbasis über fünf Wahlperioden hinweg zu überprüfen, um zu sehen, ob eine solche Tendenz in den Parteien CDU und SPD tatsächlich nachweisbar ist.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Autorin nutzt den Positionsansatz zur Identifizierung der Elite, wobei das Kabinett als "enge" und der Bundestag als "weitere" Definition der politischen Elite herangezogen werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der methodischen Erfassung von Variablen wie Beruf und Bildung, der Analyse von Tabellen zur sozialen Zusammensetzung über verschiedene Wahlperioden und der Diskussion von Ergebnissen in Bezug auf Parteizugehörigkeit und Geschlechterverteilung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Neben dem Kernbegriff der Verbürgerlichung sind die soziale Herkunft, der soziale Status, die politische Elite und die Rolle der Volksparteien entscheidende Schlagworte.
Gibt es einen deutlichen Unterschied zwischen den untersuchten Parteien?
Ja, die Arbeit weist auf einen signifikanten "Parteieneffekt" hin, bei dem die SPD im Vergleich zur CDU den Aufstieg von Personen aus der Arbeiterklasse bzw. breiten Mittelschicht in politische Ämter stärker begünstigt.
Was schlussfolgert die Autorin hinsichtlich Hartmanns These?
Die Autorin kann Hartmanns Behauptung einer linearen Verbürgerlichungstendenz durch ihre Daten nicht direkt bestätigen; sie stellt stattdessen fest, dass politische Prozesse stärker von parteispezifischen Rekrutierungsmustern überlagert werden.
- Quote paper
- Nora Müller (Author), 2009, Verbürgerlichung der politischen Elite in Deutschland?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/134489