Die folgenden Thesen sollen das Verhältnis von Arbeit und Bildung, von Kompetenzentwicklung und Berufsprinzip aufzeigen.
Sie beschäftigen sich nicht mit dem „ob“ des Lernens im Arbeitsprozess, sondern mit dem „wie“.
Folgende Fragen stehen im Mittelpunkt:
Welche Interessen der Beteiligten sind mit dieser Lernform verbunden?
Welche Anforderungen stellen zunehmend individuelle Lernprozesse wie das Lernen im Arbeitsprozess an Individuen, betriebliche Organisationen, an das Bildungssystem und die Gesellschaft als Ganzes?
Welche Perspektiven ergeben sich daraus für die Beteiligten?
Welche Perspektive ergibt sich für das Berufsprinzip und das System der beruflichen Aus- und Weiterbildung?
Insbesondere sollen Grenzen des Lernens im Arbeitsprozess im individuellen, organisationalen und gesellschaftlichen Kontext Beachtung finden.
Inhaltsverzeichnis
I. Einführung
II. Thesen zum Lernen im Arbeitsprozess
III. Resümee
IV. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Das Ziel der Arbeit ist eine kritische Auseinandersetzung mit dem Lernen im Arbeitsprozess in der heutigen Wissensgesellschaft, wobei insbesondere das Verhältnis von Arbeit, Bildung und Kompetenzentwicklung beleuchtet wird. Die Forschungsfragen untersuchen dabei nicht nur das "Wie" dieses Lernens, sondern auch die damit verbundenen Interessen, Anforderungen an verschiedene Akteure sowie die Grenzen dieser Lernform in individuellen und organisationalen Kontexten.
- Strukturwandel der Arbeit und neue Qualifikationsanforderungen
- Konstruktive und subjektorientierte Lernansätze im Arbeitsumfeld
- Herausforderungen betrieblicher Weiterbildung und Wissensmanagement
- Rolle von Beruflichkeit und Kompetenzentwicklung
- Bildungspolitische Perspektiven und Chancengleichheit
Auszug aus dem Buch
1.These:
Moderne Arbeitsprozesse erfordern von Individuen eine über die betrieblich funktionale Qualifikation hinausgehende umfassende berufliche Handlungskompetenz und reflexive Handlungsfähigkeit. Dieses Leitziel moderner Berufsbildung kann nur durch die Verknüpfung von informellem Lernen und formalem Lernen erreicht werden.
Die erste These beschäftigt sich mit dem Strukturwandel in der Arbeit und den damit zusammenhängenden veränderten Qualifikations- und Lernanforderungen. Arbeit in der postindustriellen Gesellschaft ist geprägt von ganzheitlichen Strukturen jenseits tayloristischer Arbeitsorganisation, von neuen Arbeits- und Organisationskonzepten die in erster Linie auf die Technisierung, den wachsenden Einfluss von Informations- und Kommunikationstechnologie, zurückzuführen sind (z.B. „lean production“ and „lean management“, Dezentralisierung). Dienstleistungs- und wissensbasierte Arbeit nehmen zu. Moderne Arbeitsprozesse sind gekennzeichnet von steigender Komplexität, hoher Veränderungsgeschwindigkeit und Lernorientiertheit (Dehnbostel, 2008, 24f.). Die Beschäftigen sind gefordert, ständig ihr Wissen zu aktualisieren und in der Suche nach Problemlösungen anzuwenden. Dies erfordert eine berufliche Handlungskompetenz, die über Fachkompetenz hinausgeht. Im Mittelpunkt stehen selbstgesteuerte und erfahrungsbezogene Lernprozesse, die die Fähigkeit zur Reflexion erfordern (Dehnbostel, 2008, 39f). Eine Ergänzung von Arbeits und Berufsprofilen durch Kompetenzentwicklung ist damit eine Zielsetzung in der betrieblichen Aus- und Weiterbildung. Berufliches Lernen erfordert die Bindung an reale Arbeitsprozesse; diese Authenzität kann auch einen negativen Einfluss auf eine umfassende Kompetenzentwicklung haben: Das Lernen kann je nach Lernkultur und Arbeitsbedingungen im Unternehmen zufällig und situativ sein, d.h. auf bestimmte Arbeitsinhalte beschränkt bleiben (Dehnbostel, 2008, 50). Es erfolgt keine (fremde) Definition von Lerninhalten, Lernzielen und Lernerfolgen wie es in formalen, organisierten Lernprozessen üblich ist. Informelles Lernen wie das reflexive und Erfahrungslernen müssen aus diesem Grund durch formale, organisierte Lern-Lehrarrangements verknüpft werden. In der 2. These wird näher auf Lernarten in der Arbeit und ihr eingegangen.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einführung: Die Einleitung verortet das Thema im Kontext der Wissensgesellschaft und stellt den Bedarf an lebenslangem Lernen im Arbeitsprozess sowie die leitenden Fragestellungen der Arbeit dar.
II. Thesen zum Lernen im Arbeitsprozess: Dieser Hauptteil analysiert fünf zentrale Thesen zum strukturellen Wandel, zu Lerntheorien, betrieblichen Rahmenbedingungen, zur Rolle der Beruflichkeit sowie zu bildungspolitischen Aspekten des Lernens im Arbeitsprozess.
III. Resümee: Das Resümee fasst die Erkenntnisse zusammen und betont die Notwendigkeit einer kritischen Betrachtung, die sowohl die Potenziale für die Beschäftigungsfähigkeit als auch die Risiken sozialer Desintegration berücksichtigt.
IV. Literaturverzeichnis: Hier werden sämtliche verwendeten Quellen, Studienbriefe und Fachliteratur zur Untermauerung der Argumentation aufgeführt.
Schlüsselwörter
Lernen im Arbeitsprozess, Wissensgesellschaft, Kompetenzentwicklung, informelles Lernen, betriebliche Weiterbildung, berufliche Handlungskompetenz, lebenslanges Lernen, Strukturwandel, Erfahrungswissen, Beschäftigungsfähigkeit, Bildungsbiografie, Beruflichkeit, betriebliche Organisation, Qualifizierungsbedarf, Wissensmanagement
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Bedeutung des Lernens im Arbeitsprozess innerhalb der modernen postindustriellen Gesellschaft und den damit verbundenen Anforderungen an Individuen und Unternehmen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind der Strukturwandel der Arbeit, die Verknüpfung von informellem und formalem Lernen, die betriebliche Kompetenzentwicklung und die bildungspolitische Aufwertung beruflichen Lernens.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist eine kritische Reflexion über die Möglichkeiten und Grenzen des Lernens im Arbeitsprozess, wobei die Auswirkungen auf das Individuum und die Organisation untersucht werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Auseinandersetzung mit der Fachliteratur zu den Themen Berufsbildung, Lerntheorien und Organisationsentwicklung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in fünf Thesen, die von den Qualifikationsanforderungen moderner Arbeit über die Risiken der Individualisierung bis hin zu betrieblichen Kosten-Nutzen-Aspekten und bildungspolitischen Perspektiven reichen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Wissensgesellschaft, Kompetenzentwicklung, informelles Lernen, Beschäftigungsfähigkeit und betriebliche Weiterbildung.
Warum wird das Lernen im Arbeitsprozess als kritisch für das Unternehmen bewertet?
Obwohl es für das Unternehmen wertvoll ist, stellt die Sicherung und Objektivierung des subjektiven Erfahrungswissens der Mitarbeiter eine große Herausforderung für das Wissensmanagement dar.
Welche Rolle spielt die "Beruflichkeit" in diesem Kontext?
Das Berufsprinzip bleibt ein identitätsstiftender Faktor, der auch in Zeiten des Kompetenzorientierung einen wichtigen institutionellen Rahmen für die bildungspolitische Gestaltung bietet.
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- Antje Pauer (Author), 2008, Lernen im Arbeitsprozess, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/134497