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Selbstbild und Feindbild im "Rolandslied" des Pfaffen Konrad

Title: Selbstbild und Feindbild im "Rolandslied" des Pfaffen Konrad

Term Paper , 2006 , 20 Pages , Grade: 2

Autor:in: Magistra Angelika Zahn (Author)

German Studies - Older German Literature, Medieval Studies
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Gerade in Phasen akuter, kriegerischer Konflikte, wie der Zeit der Kreuzzüge, zu deren Zeit der Pfaffe Konrad die deutsche Fassung des Rolandslieds verfasste, ist die Bedeutung der negativen Identität im Vergleich zu Friedenszeiten erhöht. Die Wahrnehmung des Gegenüber wird dann zum reinen Feindbild reduziert. Man selbst grenzt sich ganz entschieden von diesem ab. Solche Auseinandersetzungen rufen also voneinander abhängige Selbst- und Feindbilder hervor.
Diese Bilder verfestigen sich so, dass sie über längere Zeit hinweg stabil bleiben und sich nur schwer ändern. Beim Feindbild handelt es sich um handlungsleitende Eigenschaften des Gegners, über dessen langfristige Absichten und Fähigkeiten, das Selbstbild hegt jede Seite von sich selbst, wobei das sowieso schon strahlende, ideale Bild oft verherrlicht wird. Diese Wahrnehmungsmuster sind hierbei jedoch nicht der Grund für den Konflikt, sondern eine logische Folge der Grundauseinandersetzung. Die Gegnerwahrnehmung wird im Laufe der Zeit sogar noch dauernd verstärkt und erneuert. Dadurch werden die Feindbilder noch verstärkt und nähren den Konflikt immer wieder aufs Neue.
Auch im Rolandslied ist das Selbst- und Feindbild klar definiert: Als Selbstbild beschreibt Konrad die unfehlbaren Christen, die todesmutig für Gott in den Kreuzzug gegen alle Gegner ihres Glauben ziehen, das Feindbild zeigt die frevelhaften, feigen Heiden, von deren Verhalten sich die Gottesritter deutlich abgrenzen. Die offensichtlichsten Unterschiede werden von Konrad also in Bezug der Heiden und Christen auf ihre Götter bzw. Gott aufgezeichnet. Darauf soll nun hier genauer eingegangen werden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

A Gegenseitige Abhängigkeit von Selbstbild und Feindbild

B Selbstbild und Feindbild im Rolandslied des Pfaffen Konrad

1. Grund des Einsatzes in der Schlacht Christen gegen Heiden

a) Gottesdienst als Gottes Auftrag: Die Christen als Werkzeug Gottes

b) Das verkehrte Verhältnis der Heiden zu ihren Göttern: vergeblicher Götterdienst

2. Motivation und Belohnung für den Einsatz im Kampf

a) Verbindung von „ûzen“ und „innen“, körperlichem und geistlichem Gottesdienst

b) Äußerer Prunk als Widerspruch zur Wirksamkeit der Heidengötter

3. Tod und Leid im Rolandslied

a) Tod im Kampf als Weg zum ewigen Seelenheil, Leid als Gefahr der Abweichung vom christlichen Weg

b) unwürdiges Sterben, völlige Hingabe an das Leid durch die Heiden

4. Die Rolle des Teufels

a) Der „innereTeufel“ als Gefahr für das ewige Seelenheil der Christen

b) Kein personales Verständnis des Teufels, formelhafte Wendungen als Ausdruck der teuflischen Taten der Heiden

C Resultat und Zweck der Selbstbild-Feindbild-Konstruktion Konrads

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit analysiert die Konstruktion von Selbst- und Feindbildern im „Rolandslied“ des Pfaffen Konrad vor dem Hintergrund der mittelalterlichen Kreuzzugsideologie. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Konrad durch die theozentrische Darstellung christlicher Gottesritter und die Abwertung der Heiden als gottlose Gegner ein kohärentes Weltbild erschafft, das den kriegerischen Einsatz als gottgewollten Weg zum ewigen Seelenheil legitimiert.

  • Die enge Verknüpfung von innerer Geistlichkeit und äußerem, körperlichem Einsatz im Gottesdienst.
  • Die Darstellung der Heiden als "Gegentypus" und funktionale Kontrastfiguren zur Stärkung des christlichen Selbstbildes.
  • Die Bedeutung des Heldentodes im Kampf als unmittelbarer Weg zur Erlösung und zum Himmelreich.
  • Die Interpretation des Teufels nicht als Person, sondern als innere Gefahr und Bedrohung des Seelenheils.

Auszug aus dem Buch

b) Gottesdienst als Gottes Auftrag: Die Christen als Werkzeug Gottes

Im „Rolandslied“ des Pfaffen Konrad muss der Gottesdienst als aktiver Dienst des christlichen Ritters an Gott gesehen werden. Konrad hat eine ganz besondere Vorstellung vom Auftrag Gottes: Der Engel Gabriel erscheint Karl mit einem Auftrag zur Heidenbekämpfung, wozu Roland wohl durch den Schluss der Chanson de Roland angeregt wurde:

„dô sach er mit flaisclîchen ougen/ den engel von himele./ er sprach zuo dem künige:/ Karl, gotes dienestman,/ île in Yspaniam!/ got hât dich erhœret, daz liut wirdet bekêret./ die dir aber wider sint,/ die heizent des tiuveles kint/ unt sint allesamt verlorn.“ (V.52-61)

Es handelt sich hier um ein traditionelles Schema, das sich in der geistigen Literatur zwischen 1050 und 1150 immer wieder findet. Hierbei wird das Zustandekommen des Auftrags in einem Dreierschritt dargestellt. Zunächst befindet sich der Held in Klage, Gebet oder in einer verzweifelten Lage, was von Gott erhört wird und weshalb er einen Engel vom Himmel schickt. Durch diesen erfährt der in Not geratene Trost durch Stärkung und das Gebot, mit Gottes Hilfe die Krise zu überwinden.

Im „Rolandslied“ wird diese Tradition um etwas grundsätzlich Neues ergänzt, wofür es in der Literatur bis zu diesem Zeitpunkt keine Entsprechung gab: Gott scheint sich selbst an die Spitze der Christen zu stellen, um für die Durchführung seines Auftrags zu sorgen. Dies zeigt sich dadurch, dass im Indikativ geredet wird, Gott ist Subjekt, er hat im Grunde den Auftrag bereits ausgeführt. Karl macht durch seinen Krieg das Werk Gottes nur noch sichtbar, er wird von Konrad nur als Werkzeug Gottes gesehen, wird „scalc“, „unter tan“ (vgl. V.6503 f.) oder „cnecht“ (vgl. V.7004) Gottes genannt. Im Gegensatz dazu kommt im „Chanson de Roland“ Gott Karl nur zur Hilfe. Es wird klar, dass es sich beim Gottesauftrag um einen durchgestalteten Grundgedanken des „Rolandlieds“ handelt, Gott gebietet hier nicht nur, sondern er schafft bereits selbst, was er gebietet.

Zusammenfassung der Kapitel

A Gegenseitige Abhängigkeit von Selbstbild und Feindbild: Einleitung in die theoretischen Grundlagen, wie in kriegerischen Konfliktphasen negative Identitäten durch voneinander abhängige Feindbilder verstärkt werden.

B Selbstbild und Feindbild im Rolandslied des Pfaffen Konrad: Analyse der zentralen christlichen Identität im Rolandslied, die sich durch den Kampf für Gott und den Gegensatz zu den heidnischen Feinden definiert.

1. Grund des Einsatzes in der Schlacht Christen gegen Heiden: Untersuchung des christlichen Krieges als direkte Erfüllung eines göttlichen Auftrags, wobei die Christen lediglich als Werkzeuge Gottes agieren.

2. Motivation und Belohnung für den Einsatz im Kampf: Darstellung der Einheit von körperlichem und geistlichem Handeln, wobei der Sieg und das ewige Leben als Lohn für den Dienst an Gott verstanden werden.

3. Tod und Leid im Rolandslied: Erörterung der positiven Deutung des Heldentodes als Weg zur Erlösung, während das Leid als eine Begleiterscheinung betrachtet wird, die den Blick von Gott ablenken könnte.

4. Die Rolle des Teufels: Erklärung des Teufels als inneres Konzept der Versuchung, das durch bedingungslose Aufopferung im Gottesdienst besiegt werden muss.

C Resultat und Zweck der Selbstbild-Feindbild-Konstruktion Konrads: Fazit über Konrads Absicht, den schmerzlichen historischen Kontext der Kreuzzüge in ein positives, biblisch legitimiertes Weltbild umzudeuten.

Schlüsselwörter

Rolandslied, Pfaffe Konrad, Selbstbild, Feindbild, Kreuzzüge, Gotteskrieg, Gottesdienst, Heldentod, Seelenheil, Heiden, Theozentrik, Mittelalter, Literaturbetrachtung, Identitätsbildung, Konfrontation.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht die Konstruktion und Funktion von Selbst- und Feindbildern im „Rolandslied“ des Pfaffen Konrad und analysiert, wie diese den kriegerischen Konflikt zwischen Christen und Heiden geistlich legitimieren.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die Schwerpunkte liegen auf der göttlichen Beauftragung der Christen, der Bedeutung des Heldentodes als Erlösung, der Verurteilung heidnischer Götterbilder und der Funktion des Teufels als innerer Versuchungsfigur.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?

Die Arbeit hinterfragt, wie Pfaffe Konrad durch ein spezifisches, theozentrisches Gefüge den historischen Schock von Kreuzzugsniederlagen in einen positiven, moralisch unanfechtbaren Sinnzusammenhang übersetzt.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Untersuchung verwendet?

Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Text des „Rolandsliedes“ anhand von Verszitaten und unter Einbeziehung relevanter Sekundärliteratur auf ihre geistigen Grundgedanken hin untersucht.

Welche Kerninhalte werden im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des göttlichen Auftrags, der Motivation der Kämpfer, der Bedeutung von Tod und Leid sowie der Rolle des Teufels, wobei stets die Dichotomie zwischen christlicher Weltzugewandtheit und heidnischer Gottlosigkeit im Fokus steht.

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?

Die zentralen Begriffe sind Rolandslied, Selbstbild, Feindbild, Gottesdienst, Seelenheil, Kreuzzug und Theozentrik.

Wie wird das Konzept des Teufels im Rolandslied laut der Arbeit verstanden?

Die Autorin stellt klar, dass der Teufel im Werk nicht als personales Gegenüber zu Gott auftritt, sondern als eine „innere“ Gefahr für das Seelenheil, die sich innerhalb des Menschen manifestiert.

Warum ist der Heldentod für Konrads Christen so erstrebenswert?

Der Tod im Kampf gilt nicht als tragisches Ende, sondern als konsequenter Dienst an Gott, der den direkten Übergang ins Himmelreich und den ewigen Lohn garantiert.

Wie geht der Autor mit der historischen Realität der Kreuzzugsniederlagen um?

Konrad blendet die Niederlagen geschickt aus, indem er das Sterben der Kämpfer als notwendigen und sinnvollen Akt für Gott umdeutet, um das Gedächtnis an glorreiche Zeiten zu bewahren.

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Details

Title
Selbstbild und Feindbild im "Rolandslied" des Pfaffen Konrad
College
University of Regensburg
Grade
2
Author
Magistra Angelika Zahn (Author)
Publication Year
2006
Pages
20
Catalog Number
V134578
ISBN (eBook)
9783640426607
ISBN (Book)
9783640423248
Language
German
Tags
Selbstbild Feindbild Rolandslied Pfaffen Konrad
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Magistra Angelika Zahn (Author), 2006, Selbstbild und Feindbild im "Rolandslied" des Pfaffen Konrad, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/134578
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