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Verteidigungsfremdes Verhalten? Die Anwälte der RAF der 1. Generation

Title: Verteidigungsfremdes Verhalten? Die Anwälte der RAF der 1. Generation

Term Paper , 2001 , 21 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Thomas Hoffmann (Author)

History of Europe - Newer History, European Unification
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„ Die verdächtigen Verteidiger haben bei der B/M [Baader/Meinhof - T.H.]- Bande aus der
Haft heraus eine ‘Schlüsselfunktion’ inne. Nur mit ihrer Hilfe kann die Kontinuität der RAF
und der organisatorische Zusammenhalt ihrer Mitglieder aufrecht erhalten werden (...). die
verdächtigen Verteidiger, von denen einige als noch legale arbeitende RAF-Mitglieder
angesehen werden müssen, sind zur Zeit das größte Sicherheitsrisiko im Hinblick auf die
Befreiung der B/M - Häftlinge.“ Mit diesen Worten zitiert der Spiegel 19741 das
Bundeskriminalamt.
Die Geschichte der RAF in der BRD ist auch die Geschichte ihrer Anwälte. Viele Anwälte
gerieten in den Verdacht, zu kassibern oder die RAF-Häftlinge auf andere Art und Weise zu
unterstützen. Manche schlossen sich dem Kampf im Untergrund an, andere wurden mit dem
Vorwurf der Unterstützung einer kriminellen Vereinigung angeklagt und verurteilt oder von
Prozessen gegen RAF - Mitglieder ausgeschlossen.
In dieser Arbeit soll an ausgesuchten Beispielen die Rolle der Anwälte und ihr Bezug zur
RAF gezeigt werden. Dabei wird auf Anwälte eingegangen, welche sich der RAF
anschlossen, welche als Unterstützer verurteilt wurden und welche ihren anwaltlichen
Aufgaben nach dem Gesetz nachkamen.
Gleichzeitig soll auch ein Eindruck von der damaligen Stimmung in Gerichts- und
Anwaltskreisen vermittelt werden.

1 Der Spiegel 48 / 1974

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die erste Generation der RAF - ein einleitender Überblick

3. Horst Mahler (Berlin)

4. Klaus Croissant (Frankfurt)

5. Kurt Groenewold (Hamburg)

6. Otto Schily (Berlin)

7. Zusammenfassung

8. Literaturliste

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht das komplexe Verhältnis zwischen der ersten Generation der Rote Armee Fraktion (RAF) und ihren Verteidigern. Ziel ist es, anhand ausgewählter Biografien und Fallbeispiele zu analysieren, inwieweit Anwälte über ihre gesetzliche Verteidigungsaufgabe hinaus agierten, sich der RAF anschlossen oder als Unterstützer fungierten, und dabei die Stimmung in der damaligen Justiz sowie Anwaltskreisen abzubilden.

  • Analyse der Rolle von Anwälten als Bindeglieder der RAF-Strukturen.
  • Untersuchung des "Info-Systems" als Instrument zur Aufrechterhaltung der RAF-Kontinuität.
  • Differenzierung zwischen aktiven Unterstützern und Anwälten, die primär ihre Verteidigerrolle wahrnahmen.
  • Dokumentation des Spannungsfeldes zwischen juristischer Verteidigung und politischer Instrumentalisierung.
  • Einordnung der Biografien prominenter Verteidiger wie Mahler, Croissant, Groenewold und Schily.

Auszug aus dem Buch

5. Kurt Groenewold (Hamburg)

Das Kommunikationssystem „Info“ entstand Anfang 1973. Es diente zum einen dem Austausch von Informationen und Meinungen der Gefangenen untereinander und damit, den Zusammenhalt der Gruppe zu sichern, zum anderen dem Austausch mit der Außenwelt. Im Haus des Rechtsanwalts Groenewold wurde die „Info-Zentrale“, die „zentrale Kontakt -und Schaltstelle“ eingerichtet. Es wurden zahlreiche Publikationen über die RAF, den Bundesgrenzschutz oder auch Geheimdienste ausgewertet, vervielfältigt und archiviert.

Die technischen Geräte (Photokopierer, Druckmaschinen) stellte Groenewold, der diese ausreichend in seiner Anwaltspraxis hatte. Das System des Infos lief folgerndermaßen: Texte oder andere Information der Einsitzenden erhielt die Zentrale durch die Anwälte, die diese persönlich transportierten oder mit der Verteidigerpost verschickten. Die Materialien wurden dann in der Zentrale als „Infopaket“ zusammengestellt und kopiert, den Verteidigern wieder übergeben, damit diese dann die Unterlagen als „Verteidigungsmaterial“ den Gefangenen zukommen ließen.

Das Material, was bis zu 60 Blätter enthielt, wurde in drei Kategorien gegliedert. Kategorie I für die Spitze, Kategorie II, was der Kommunikation und Unterrichtung diente, für die RAF-Mitglieder, Kategorie III Schulungsmaterial und Presseausschnitte für die Mitläufer. Die Staffelung erfolgte nach dem folgenden Prinzip: Wer „Info I“ erhielt, bekam auch niedriger Kategorie, d.h. Info II und III, wer Info II erhielt, erhielt auch Info III. Durch die vielfältigen Infos gelangten die Inhaftierten vielfach zu Spezialwissen über Terror-Technik, es wurden Abtrünnige diszipliniert und eine Absprache von Taktik und Strategie konnte erfolgen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in die Thematik der RAF-Anwälte und deren Bedeutung als Sicherheitsrisiko sowie als Akteure in der Geschichte des Terrorismus in der BRD.

2. Die erste Generation der RAF - ein einleitender Überblick: Darstellung der Entstehungsgeschichte der RAF ab 1970, inklusive der Befreiung von Andreas Baader und der darauffolgenden militanten Aktivitäten.

3. Horst Mahler (Berlin): Analyse der Entwicklung Mahlers vom prominenten APO-Anwalt zum Mitbegründer der RAF und späteren Distanzierung vom Terrorismus nach seiner Inhaftierung.

4. Klaus Croissant (Frankfurt): Untersuchung der Aktivitäten Croissants, der durch sein Büro und den Aufbau eines Informationssystems massiv zur Unterstützung der RAF beitrug.

5. Kurt Groenewold (Hamburg): Beschreibung der Rolle Groenewolds als Betreiber der "Info-Zentrale", die den Zusammenhalt und die Kommunikation innerhalb der RAF-Strukturen sicherstellte.

6. Otto Schily (Berlin): Betrachtung der Verteidigerrolle Schilys, der zwar konsequent legalistische Mittel nutzte, aber im Gegensatz zu anderen Anwälten keine ideologische Komplizenschaft mit den Mandanten einging.

7. Zusammenfassung: Synthese der Einzelergebnisse und Differenzierung zwischen den unterschiedlichen Typen von RAF-Anwälten.

8. Literaturliste: Auflistung der verwendeten Quellen und Literatur.

Schlüsselwörter

RAF, Rote Armee Fraktion, Terrorismus, Verteidiger, Rechtsanwälte, Stammheim-Verfahren, Info-System, Horst Mahler, Klaus Croissant, Kurt Groenewold, Otto Schily, politische Verteidigung, APO, Rechtsgeschichte, Bundesrepublik Deutschland.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Rolle und dem Verhalten von Rechtsanwälten, die Mitglieder der ersten Generation der RAF verteidigten, und beleuchtet die Grenzen zwischen legitimer Verteidigung und illegaler Unterstützung.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Zentrum stehen die biografische Entwicklung der Anwälte, die Organisation des "Info-Systems" zur Kommunikation der Gefangenen sowie die politische Dimension der Verteidigung im Stammheim-Prozess.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie unterschiedlich die Anwälte agierten – von der vollständigen Integration in die RAF bis hin zur strikten Wahrung des anwaltlichen Mandats ohne Identifikation mit den Zielen der Terroristen.

Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?

Der Autor stützt sich auf eine Literaturanalyse sowie die Auswertung von zeitgenössischen Presseberichten (insb. Der Spiegel) und einschlägigen Fachpublikationen zur Geschichte der RAF.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert detailliert die Lebenswege und das Wirken von Horst Mahler, Klaus Croissant, Kurt Groenewold und Otto Schily.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie RAF, Terrorismus, Verteidiger, Info-System und politische Verteidigung charakterisiert.

Welche Rolle spielte das "Info-System" konkret?

Das Info-System ermöglichte die Kodierung und den Austausch von Informationen zwischen den inhaftierten RAF-Mitgliedern und der Außenwelt, was zur Aufrechterhaltung der Organisationsstruktur der RAF beitrug.

Was unterscheidet Otto Schily von den anderen untersuchten Anwälten?

Im Gegensatz zu Croissant oder Groenewold, die sich mit den Zielen der RAF identifizierten und ihre Kanzleien als Knotenpunkte nutzten, wahrte Schily stets eine professionelle Distanz zu den Inhalten seiner Mandanten.

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Details

Title
Verteidigungsfremdes Verhalten? Die Anwälte der RAF der 1. Generation
College
Martin Luther University  (Geschichte)
Grade
2,0
Author
Thomas Hoffmann (Author)
Publication Year
2001
Pages
21
Catalog Number
V13460
ISBN (eBook)
9783638191210
Language
German
Tags
Verteidigungsfremdes Verhalten Anwälte Generation
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Thomas Hoffmann (Author), 2001, Verteidigungsfremdes Verhalten? Die Anwälte der RAF der 1. Generation, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/13460
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