Secessionen in Berlin. Wegbereiter der Moderne


Seminararbeit, 2009
14 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Wegbereiter der Berliner Secession
2. 1 Die Gruppe der Elf
2. 2 Der Munch-Skandal und die Freie Künstlervereinigung

3. Die Secessionen
3.1 Die Berliner Secession
3.1.1 Die Gründung der Berliner Secession
3.1.2 Das Programm der Secession
3.1.3 Die Ausstellungen
3.2 Die Neue- und Freie Secession

4. Fazit

5. Bibliographie

Die Berliner Secession

1. Einleitung

Zehn Jahre nach der Gründung der Berliner Secession schrieb Julius Elias, ein Kunst- und Literaturhistoriker, in Kunst und Künstler: "Die Sezessionen mussten in dem psychologischen Augenblick entstehen, da die Tyrannenmacht der Mittelmäßigkeit in den großen Verbänden unerträglich wurde und die Kunst (...) mit Versumpfung bedrohte. Sezessionskunst war eine Kunst der Avantgarde (...).".[1]

Der Begriff der Sezession ist ein Begriff, abgeleitet aus dem Lateinischen "secessio": Trennung, Abspaltung, der in der bildenden Kunst eine Bewegung bezeichnet, in der sich eine Gruppe aufgrund divergierende Meinungen von einer anderen absetzt und eine neue bildet. Sezessionen im 19. Jahrhundert waren das taktische Vorgehen gegen die Kontrolle der offiziellen Ausstellungen, die eine bis dahin eine zukunftsweisende Rolle im Leben eines Künstlers spielten. Sie versuchen ein eigenes Forum zu schaffen und das Interesse für ihre Arbeit zu erwecken[2]. Zum ersten Mal wurde dies in München umgesetzt, als die Münchner Secession am 4. April 1982, sieben Jahre vor der Berliner Secession, ins Leben berufen wurde.

Doch der Umstand der Mittelmäßigkeit der vorherrschenden Kunst, so wie ihn Julius Elias beschreibt, führt nicht zwangsläufig zu der Bildung einer neuen Künstlervereinigung, tatsächlich spielen mehrere Faktoren eine Rolle. Es soll sowohl erläutert werden, welche Ereignisse stattgefunden haben, die wegbereitend für die Berliner Secession waren, als auch die Grundidee der Künstlervereinigung und die Folgeentwicklung, denn aus der Berliner Secession entwickelten sich später die Neue- und Freie Secession.

2. Wegbereiter der Berliner Secession

2. 1 Die Gruppe der Elf

Die Gruppe der Elf wird in der Literatur als direkter Vorläufer und Wegbereiter der Berliner Secession angesehen, nicht nur, weil einige dieser Gruppe später auch Gründungsmitglieder der Secession waren, sondern auch die gleiche Einstellung gegenüber moderner und zeitgenössischer Kunst hatten und die gleichen ausstellungspolitische Ziele verfolgten. Ziele, die vor allem dadurch evoziert wurden, dass das kaiserliche Regime unter Wilhelm II. trotz seiner ausgeprägten Leidenschaft zur Kunst diese stark einschränkte. Problematisch war, dass Wilhelm II. die Kunst vor allem für sich und seine Zwecke benutzte ohne Rücksicht auf die freie Entfaltung und Entwicklung derselben zu nehmen. Er legte Wert darauf das künstlerische Erbe der Vergangenheit und ihre großen Ideale im kulturellen Geist der Gegenwart zu verankern und zu festigen[3]. Und das tat er, indem er sich in die Hauptquelle aller neuen Kunst, der königlichen Akademie der Künste in Berlin, eingliederte und deren Schirmherr wurde. Ebenso war er maßgebend für die großen Ausstellungen, darunter auch die große Berliner Kunstausstellung[4], die eng mit der Akademie zusammenarbeitete[5] und gemeinsam die vorherrschenden Kunstinstitutionen in Berlin bildeten. Was die Akademie betrifft, so war sie nach dem Vorbild der Akademien in Rom und Paris erbaut, folglich schafften es vor allem die Künstler dahin, die sich nach den traditionell ästhetischen Begriffen orientierten und Werke produzierten, die dieser Anforderung entsprachen[6].

Die natürliche Folge war, dass die Berliner Kunstszene unter sich keineswegs harmonisch war. Zwischen den Vertretern der konservativen und traditionellen Malerei und denen, die eher fortschrittlich und modern gesinnt waren gab es zunehmend Spannungen, die zweifelsfrei darauf zurückzuführen sind, dass aus politischer Sicht der moderne, freidenkende Geist nicht mehr geduldet und sogar ausgeschlossen wird. Malerei sollte in erster Linie der Propaganda für das Bismarckreich und der ideologisch-patriotischen Erziehung dienen.[7]

Neben einer einseitigen Kunstpolitik durch Wilhelm II. machte sich aber auch der zunehmend schlechte Ruf der Berliner Kunstausstellung, bemerkbar. Dadurch, dass gegen Ende des 19. Jahrhundert immer mehr junge Menschen den Weg des Künstlers einschlagen wollten, ist dementsprechend auch der Andrang an den Akademien gewachsen. An diesem Punkt wurde aber keine gründliche Auslese vorgenommen, die verhindert hätte, dass die Kunstproduktion in Höhe schießen würde.[8] Tatsächlich machte sich dieses Versäumnis auch in den Ausstellungen spürbar und entgegen der Meinung von Friedrich Pecht, der der Ansicht war, dass "mit der Quantität auch die Qualität des Verzierungswesens gesteigert worden sei."[9], wurden diese überlagert mit Kunst, sodass man sich als Besucher kaum noch einen Überblick verschaffen konnte[10] und die Qualität aus mangelnder Auslese nachgelassen hat.

Aus diesen Gründen, der einflussreichen Kunstpolitik Wilhelms II., sowie die sich verschlechternde Voraussetzungen der offiziellen Ausstellungen entstand die Notwendigkeit, sowie das Verlangen nach einer oppositionellen Gruppierung, die in der Gruppe der Elf ihre erste derartige Formation gefunden hat.[11]

Am 5. Februar 1892 gründete Max Liebermann, der sich zu der Zeit seit acht Jahren in Berlin befand, zusammen mit Walter Leistikow die Gruppe der Elf. Zusammen versuchten sie einen Raum abseits des akademischen Massenbetrieb und der Unterdrückung der fortschrittlichen und modernen Kunst zu schaffen. Auf diese Weise realisierte Walter Leistikow ebenfalls eine jährliche Ausstellung, die parallel zur großen Kunstausstellung in der Galerie Schulte[12] stattfand, und in der der Künstler sich frei, ohne Einschränkungen und ohne Angst vor den offiziellen Richtlinien der Kunst, zu zeigen.

Wie zu erwarten lösten die Ausstellungen der neuen Künstlervereinigung, in der zum ersten Mal impressionistische Eindrücke gewonnen werden konnten, verschiedenste Reaktionen aus. Das Publikum reagierte zum Teil entrüstend und ablehnend, die Presse dagegen, die den Ausstellungen viel Beachtung zukommen ließ, lobte sie in hohem Maße.[13] Nach einigen Jahren konnte man sogar sagen, dass die Gruppe der Elf eine feste Größe im Berliner Kunstleben war. Doch so schnell sie sich durch ihre stürmerische Willenskraft eine solche Stellung erarbeiten konnte, so schnell verflog auch der Elan. Zahlreiche Mitglieder traten aus und wurden ersetzt und im Jahr 1899 fand schon die letzte Ausstellung statt, die jedoch sehr erfolgreich war. Im selben Jahre löste sich die Gruppe auf.[14] Wichtig ist es das Wegweisende, dass durch die Arbeit der Gruppe vermittelt wurde festzuhalten. Sie erreichten es, moderne Kunst in Berlin präsent zu machen und die Menschen für die neue Kunst zu öffnen, sodass sie ihr nicht mehr ganz so unaufgeschlossen gegenüber stehen.

2. 2 Der Munch-Skandal und die Freie Künstlervereinigung

Der Munch-Skandal von 1892 war der Auslöser für die Bildung der Freien Künstlervereinigung, die sich ebenfalls oppositionell gegen den Verein Berliner Künstler bewegte, die die jährliche Berliner Kunstausstellung organisierte.

1892 wurde der norwegische Künstler Edward Munch vom Ausstellungskommitee des Vereins Berliner Künstler eingeladen insgesamt 55 Werke im Ehrensaal des Künstlerhauses auszustellen. Dies war am 5. November. Nachdem sich aber herauskristallisierte, dass die Ausstellung viel negative Kritik heranzog, entschied sich der Maler Hermann Eschke, Mitglied des Vereins Berliner Künstler, zusammen mit 23 weiteren Mitgliedern dazu einen Antrag, der die sofortige Schließung der Ausstellung erwirken sollte. Dieser wurde abgelehnt, jedoch gab Eschke nicht auf und stellte einen zweiten Antrag, der schließlich genehmigt wurde, jedoch nicht ohne weitreichende Konsequenzen.

Dieser Vorfall zeigte beispielhaft das Grundproblem zwischen den Traditionalisten und den Vertretern der neuen Bewegungen auf deutlichste Weise. Die Traditionsbewussten wollten von vornherein alle neuen Kräfte im Keim ersticken und wussten ihre Macht, bedingt durch ihre Mehrheit, sowie ihrer Bevorzugung durch den Kaiser, demonstrativ einzusetzen. Das zeigt auch ihre Vorgehensweise, nachdem 70 Mitglieder aus Scham über den Verstoß gegen die Gastfreundschaft in den eigenen Reihen, sowie über eine nicht zu rechtfertigende Entscheidung einen Künstler im Nachhinein zu entlassen, den Verein verließen und ohne Verzug die "Freie Künstlervereinigung" gründeten.[15] Programmatisch verfolgten sie das Ziel "auf jede Art dafür zu wirken, dass die Beziehungen der Berliner Künstlerschaft zu den Künstlerschaften in- und außerhalb Deutschland in einer für das Berliner Kunstleben förderlichen Weise gewahrt und gekräftigt werden soll, und das jedes individuelle künstlerische Schaffen sein Recht finde.".[16] Gemeinsam wagten sie den Schritt ihre Enttäuschung über die Schließung der Ausstellung öffentlich in der Vossischen Zeitung bekannt zu geben und verurteilten diese Entscheidung, aber indirekt natürlich auch die Drahtzieher der Schließung. Daraufhin reagierte der Verein Berliner Künstler unter seinem Vorstandsvorsitzenden Anton Werner, ebenfalls in der Vossischen Zeitung und kritisierte das "unkollegiale" Verhalten der anderen. Doch dabei allein blieb es nicht, denn kurz darauf mussten drei der Protestierenden, Heyden, Skarbina und Vogel ihre bis dahin belegte Professur an der Hochschule für Bildende Künste niederlegen[17], was vermuten lässt, dass Werner seinen guten Draht zum Kaiser zu nutzte um seine Gegner auszustechen. Gegen diese Art der Reaktion konnte man natürlich erst einmal nichts unternehmen, die Freie Künstlervereinigung blieb zwar bis zur Gründung der Berliner Secession bestehen, aber schon nach wenigen Wochen war nicht mehr viel von ihnen zu hören.[18] Das bedeutete, dass der Verein Berliner Künstler, sowie die Akademie nach wie vor die Kunst in Berlin wortwörtlich beherrschten, doch der Skandal um die Munch Ausstellung konnte damit nicht einfach unter den Teppich gekehrt werden, er hat sich in die Köpfe der Unterdrückten eingebrannt, und den noch größeren Wunsch nach der Freiheit des Schaffens entfacht, welcher sich schließlich mit die Gründung einer noch größeren Vereinigung erfüllt werden konnte.

[...]


[1] Pfefferkorn, Rudolf: Die Berliner Secession. Eine Epoche deutscher Kunstgeschichte, Berlin 1972, S. 32.

[2] Paret, Peter: Die Berliner Secession. Moderne Kunst und ihre Feinde im kaiserlichen Deutschland, Berlin 1981, S. 57.

[3] Teeuwisse, Nicolaas: Vom Salon zur Secession. Berliner Kunstleben zwischen Tradition und Aufbruch zur Moderne 1871 - 1900, Berlin 1986, S. 158.

[4] auch bekannt als der Berliner Salon.

[5] vgl. Paret (wie Anm. 2), S. 21.

[6] Ebd., S. 19.

[7] vgl. Teeuwisse (wie Anm. 3), S. 156.

[8] Vgl. Pfefferkorn (wie Anm. 1), S. 10.

[9] vgl Pfefferkorn (wie Anm. 1), S. 10.

[10] vgl. Teeuwisse (wie Anm. 3), S. 161.

[11] Ebd., S. 165.

[12] Ebd., S. 168.

[13] Ebd., S. 175.

[14] Ebd., S. 183.

[15] Ebd., S. 184.

[16] Ebd., S, 185

[17] vgl. Paret (wie Anm. 2), S. 84.

[18] Ebd., S. 81.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Secessionen in Berlin. Wegbereiter der Moderne
Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
Note
2,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
14
Katalognummer
V134614
ISBN (eBook)
9783668793934
Sprache
Deutsch
Schlagworte
secessionen, berlin, wegbereiter, moderne
Arbeit zitieren
Karin Schwettmann (Autor), 2009, Secessionen in Berlin. Wegbereiter der Moderne, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/134614

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