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Tiefenpsychologie des Stotterns

Standortbestimmung und ätiologische Wirkungsmacht

Title: Tiefenpsychologie des Stotterns

Term Paper (Advanced seminar) , 2007 , 52 Pages

Autor:in: Dominic Hand (Author)

German Studies - Linguistics
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Summary Excerpt Details

„Ich sehe normal aus. Habe normale Freunde und ein normales Abitur. Ich wirke selbstbewusst. Nur eines ist anders: Ich habe Angst zu sprechen.“ (Leynie 23, Studentin) Es gibt Männer, die können auf öffentlichen Toiletten nicht urinieren. Es gibt Männer, die können auf öffentlichen WCs nur urinieren, wenn sie alleine sind, oder keiner neben ihnen steht. Und es gibt Männer, bei denen spielen diese Faktoren keinerlei Rolle. Allen gemeinsam ist, dass sie zu Hause ohne Probleme, wann sie wollen, Wasser lassen können. Dieses Problem wird in der Fachsprache Paruresis genannt. Von ihm sind ca. 7% der Weltbevölkerung (m:w = 9:1) betroffen.
Was glauben Sie, ist die Paruresis eher organisch-physiologischen oder psychologischen Verursachungsfaktoren zuzuschreiben?
Es gibt Menschen, die bereits rot werden wie eine Tomate, wenn sie beim Bäcker nach dem Kassenbon fragen. Andere hingegen scheinen auch in den peinlichsten Situationen entweder gar nicht rot zu werden, oder allenfalls sehr leicht. Manche werden schon allein vom Gedanken rot, dass sie erröten könnten. Das krankhafte Erröten wird in der Medizin Erythrophobie genannt – ca. 1,5 % der Bevölkerung ist davon betroffen. Könnten Sie sich vorstellen, dass psychologische Verursachungsfaktoren bei dieser Krankheit ein Rolle spielen, oder glauben Sie, dass die Erythrophobie rein physiologische Ursachen hat? Manche Menschen brauchen um einen Satz einem anderen mitzuteilen mehr als eine Minute, voller Silbenwiederholungen, Dehnungen, Blockierungen und muskulären Verkrampfungen, sofern sie ihn überhaupt zu Ende führen und nicht schon vorher entmutigt aufgeben. Die gleichen Menschen können diesen Satz, wenn sie flüstern, ihn zu einem Tier sagen, im Chorsprechen oder für sich alleine sind, nahezu ohne Probleme, zum Teil sogar völlig Beschwerde frei aussprechen. Diese Menschen sind Stotterer. Ihr Anteil an der Weltbevölkerung beträgt ca. 1 %.
Halten Sie es für möglich, dass psychologische Faktoren Stottern verursachen können, oder glauben sie, dass die Störung rein organische Gründe hat? Während sich die Wissenschaft darüber einig ist, dass bei der Paruresis soziale Phobien und keine organischen Gründe krankheitsauslösend sind und auch bei der Verursachung der Erythrophobie eine psychische Störung maßgeblich beteiligt ist, werden tiefenpsychologische Überlegungen in der ätiologischen Stotterforschung nahezu überhaupt nicht beachtet, oder sogar ausgeschlossen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Zur Vorgehensweise in dieser Arbeit

2. Änigma Stottern und die Auswirkungen

2.1. wissenschaftliches Rätselraten

2.2. therapeutisches Dilemma

3. Das ungeliebte Stiefkind – mögliche Gründe für das Ausblenden psychosozial-tiefenpsychologischer Ansätze innerhalb der Stotterforschung

4. Psychologische Dynamik– mehr als lediglich ein aufrechterhaltender Faktor ?

4.1. Erste Indizien

4.1.1. Kulturanthropologie des Stotterns

4.1.2. Stottern und situative Abhängigkeit

4.2. Ein psychodynamisches Ursachentheorie des Stotterns

4.2.1. Die Großeltern

4.2.2. Die Eltern

4.2.2.1. Die Mutter

4.2.2.2. Der Vater

4.2.3. Die Familiensituation

4.2.3.1. Die Beziehung zwischen den Eltern

4.2.3.2. Die Familienatmosphäre

4.2.3.3. Die Eltern-Kind Beziehung

4.2.3.4. Die Kommunikation zwischen Eltern und Kind

4.2.4. Das Kind

4.2.4.1. Narzissmus, Selbst und Angst

4.2.4.2. Die Auswirkungen

5. Was kann eine tiefenpsychologische Theorie wirklich leisten?

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht kritisch, warum tiefenpsychologische Ansätze in der ätiologischen Erforschung des Stotterns weitgehend ignoriert oder ausgeschlossen werden. Das primäre Ziel ist es, den Stand der wissenschaftlichen Stotterforschung zu analysieren, Barrieren für tiefenpsychologische Erklärungsmodelle aufzuzeigen und eine aktuelle psychodynamische Ursachentheorie des Stotterns zu entwickeln, die das Potenzial dieses Forschungsfeldes verdeutlicht.

  • Aktueller Stand der Ursachenforschung und therapeutischen Praxis beim Stottern
  • Kritische Analyse der Gründe für die wissenschaftliche Vernachlässigung der Tiefenpsychologie
  • Entwicklung einer psychodynamischen Theorie unter Einbeziehung von Familien- und Entwicklungspsychologie
  • Untersuchung der Bedeutung von Familiendynamiken (Großeltern, Eltern-Kind-Beziehung) für die Entstehung von Stottern
  • Evaluierung des Potenzials tiefenpsychologischer Ansätze zur Erklärung situativer Abhängigkeiten und hoher Rückfallquoten

Auszug aus dem Buch

Die Familiensituation

Die eben beschriebene Pathologie der Eltern wirkt sich selbstverständlich auch auf das Familienklima aus. Die Angst und die daraus entstehende leichte Reizbarkeit und Aggressivität der Eltern lässt in der Familie eine Atmosphäre „[…] ständiger, manchmal nur unterschwellig spürbarer Bedrohung […]“ und Spannung entstehen, „[…] die irgendwie in Schach gehalten werden muss […]“. Es ist spürbar, dass die oberflächliche Harmonie nicht der eigentlichen Realität entspricht, sondern lediglich aufgesetztes Wunschdenken ist. Hierzu bemerkt Kollbrunner: „Die offensichtlichen Familiendramen hinter dem kindlichen Stottern [haben sich vielmehr] […] in den Herkunftsfamilien der Eltern stotternder Kinder […] [abgespielt]. Die Familienkonflikte in den Stotterfamilien sind zwar nicht weniger belastend, aber meist wesentlich subtiler >>gestrickt<< (mit Andeutungen statt Drohungen und Gefühlsunterdrückung statt Gefühlsausbrüchen). Dies macht sie unter einer Decke familiärer Normalität auch schwerer erkennbar.“ Ein offener Dialog, ein klärender, heftiger Streit ist in diesen Familien in der Regel nicht möglich. Entweder, weil die Vormachtstellung eines Familienmitgliedes so groß ist, dass ein Konflikt schnell „niedergeschlagen“ wird, oder aber, weil die Eltern aus ihren narzisstischen Motiven heraus versuchen, jeder emotionalen Konfrontation aus dem Weg zu gehen, die dieses sensible Konstrukt einer heilen, liebenden Familie gefährden könnte. Das Stotterkind wird in eine familiäre Umgebung hineingeboren, in der ein übermäßige expressives sowie affektives Verhalten wenig geschätzt wird. Statt auf den spontanen Ausdrucks von Gefühlen wird auf Sauberkeit und Leistung Wert gelegt, um das in Unordnung oder Müßigkeit befürchtete emotionale Chaos zu vermeiden.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Zur Vorgehensweise in dieser Arbeit: Einführung in die Thematik des Stotterns anhand von Vergleichen zu anderen Störungsbildern und Darlegung der zentralen Forschungsfragen der Arbeit.

2. Änigma Stottern und die Auswirkungen: Überblick über historische und aktuelle Ursachentheorien (breakdown, psycholinguistisch, psychologisch) sowie kritische Betrachtung des therapeutischen Dilemmas bei der Behandlung von Stottern.

3. Das ungeliebte Stiefkind – mögliche Gründe für das Ausblenden psychosozial-tiefenpsychologischer Ansätze innerhalb der Stotterforschung: Analyse der methodischen und ideologischen Gründe, warum tiefenpsychologische Ansätze in der aktuellen Stotterforschung an den Rand gedrängt werden.

4. Psychologische Dynamik– mehr als lediglich ein aufrechterhaltender Faktor ?: Detaillierte Entwicklung einer psychodynamischen Theorie, die Einflüsse von Großeltern, die elterliche Persönlichkeitsstruktur und die spezifische Familiendynamik (inklusive Kommunikation) auf die Kindesentwicklung untersucht.

5. Was kann eine tiefenpsychologische Theorie wirklich leisten?: Abschlussbetrachtung über das Potenzial einer tiefenpsychologischen Perspektive als Ergänzung zu anderen Modellen und kritische Einordnung der Ergebnisse.

Schlüsselwörter

Stottern, Tiefenpsychologie, Psychodynamik, Narzissmus, Familienforschung, Ätiologie, Stottertherapie, Psychosomatik, Eltern-Kind-Beziehung, Doppelbindung, Übertragung, Persönlichkeitsstörung, Sprechflüssigkeit, Erziehungsstil, psychische Entwicklung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beschäftigt sich mit der Rolle der Tiefenpsychologie bei der Entstehung und Aufrechterhaltung von Stottern. Sie hinterfragt kritisch, warum dieser Ansatz in der modernen Stotterforschung vernachlässigt wird, und versucht, dessen Relevanz erneut zu begründen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Arbeit fokussiert auf die psychodynamische Familiendynamik, die Rolle von narzisstischen Persönlichkeitsstrukturen bei den Eltern, die Auswirkungen dieser Dynamik auf die kindliche Entwicklung und die Bedeutung von Kommunikation und Affektregulation.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das primäre Ziel ist es, eine psychodynamische Ursachentheorie des Stotterns zu entwickeln, um zu zeigen, dass tiefenpsychologische Faktoren nicht nur begleitend, sondern ätiologisch wesentlich am Stottergeschehen beteiligt sein können.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine theoretisch-analytische Arbeit, die metaanalytische Ergebnisse aus Familienforschungen nutzt, um diese in einen tiefenpsychologischen Kontext (unter Anwendung des idiografischen Weges der Geisteswissenschaften) zu stellen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Rolle der Großeltern- und Elterngeneration, die familiäre Atmosphäre sowie die spezifischen Interaktionsmuster und Kommunikationsstörungen, die die Entwicklung des Kindes prägen und letztlich in das Stottern als Symptom münden können.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Stottern, Tiefenpsychologie, Psychodynamik, Narzissmus, Familienforschung und Ätiologie charakterisiert.

Welche Rolle spielen die Großeltern in der Entstehung von Stottern?

Laut der Arbeit wirken Großeltern oft als „Impulsträger“, die durch tyrannisches Verhalten oder unbewusste narzisstische Kränkungen die psychische Entwicklung der Elterngeneration beeinflussen, was wiederum die pathologischen Interaktionsmuster gegenüber dem stotternden Kind begünstigt.

Wie wird das Stottern aus tiefenpsychologischer Sicht definiert?

Das Stottern wird als ein Symptom eines unbewussten chronischen Angst-Konfliktes verstanden, das als Abwehrmechanismus dient, um mit widersprüchlichen Bedürfnissen und dem enormen emotionalen Druck in einer durch narzisstische Pathologien geprägten Familiendynamik umzugehen.

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Details

Title
Tiefenpsychologie des Stotterns
Subtitle
Standortbestimmung und ätiologische Wirkungsmacht
College
University of Tubingen  (Deutsches Seminar)
Course
Sprachund Sprechstörungen
Author
Dominic Hand (Author)
Publication Year
2007
Pages
52
Catalog Number
V134674
ISBN (eBook)
9783640426942
ISBN (Book)
9783640425174
Language
German
Tags
Stottern Tiefenpsychologie Stotterätiologie
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Dominic Hand (Author), 2007, Tiefenpsychologie des Stotterns , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/134674
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