Wie das Konzept von Diversität im Bewegtbild an die Rezipient*innen vermittelt wird, ist weitgehend unerforscht. Im Mittelpunkt dieser Arbeit steht demnach die Frage, wo sich das Konzept von Diversität im Bewegtbild wiederfindet und mit welchen Elementen und Strategien Vielfalt performativ erzeugt wird. Da der Forschungsrahmen sehr begrenzt ist, liegt der Fokus dieser Arbeit darauf, die Bedeutung des Konzeptes von Diversität in den Dimensionen von Geschlecht und sexueller Orientierung, beziehungsweise Sexualität und Identität herauszustellen.
Die britische Serie "Sex Education" wurde 2019 von dem Streaming-Portal Netflix veröffentlicht und setzt ihren Fokus auf die Sexualentwicklung und Identitätsfindung junger Menschen. Sie dient in dieser Arbeit zur Durchführung der Analyse und Interpretation. Der Kern der Serie thematisiert die Diversität sexueller Beziehungen und Handlungen, sowie die Vermittlung von sexuellem Wissen. Dadurch erschafft sie einen Raum für die Entfaltung diverser Identitäten. Neben der visuellen, medialen Inszenierung dieser Aspekte werden zusätzlich Konversationen und Diskussionen über Themen und Problematiken, die sich auf Sexualität und Identität beziehen, analysiert. Darüber hinaus soll untersucht werden, wie sich das Wissen über Sexualität in der Serie verbreitet und mit welchen Gestaltungsmitteln dies erreicht wird.
Der erste Teil der Arbeit bildet den theoretischen Rahmen und dient zur Untersuchung relevanter Literatur. Darin wird zum einen das Konzept von Diversität und wie Diversität bereits im Bewegtbild vertreten ist, erforscht. Anschließend wird Literatur über die Entwicklung von Sexualität und Identität aufgeführt. Diese spielt eine wichtige Rolle für die Interpretation. Im nächsten Kapitel werden Elemente der medialen Inszenierung vorgestellt. Diese bieten in der Analyse eine Stütze für die, von den Produzent*innen genutzten, Stilmittel der Serie. Hierbei liegt der Fokus auf Mise-en-Scene, seriellem Erzählen und queeren Gestaltungsmitteln.
Darauf aufbauend wird im zweiten Teil der Arbeit die Serie mittels der aufgeführten Theorien analysiert und interpretiert. Es erfolgt eine Untersuchung der Ästhetik, sowie eine ausführliche Charakteranalyse von zwei Figuren der Serie. Ihre persönliche Entwicklung wird im Hinblick auf mediale Inszenierungsstrategien interpretiert. Zudem wird erforscht, ob sich hinter dem aufgeführten Diskurs in der Serie, eine tiefere Bedeutung verbirgt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theorie
2.1 Diversität
2.1.1 Das Konzept der Diversität
2.1.2 Diversität im Bewegtbild
2.2. Sexualität
2.2.1 Sexualität, Wissen und Macht
2.2.2 Macht
2.2.3 Diskurs
2.2.4 Sexualitätsdispositiv
2.2.5 Geschlecht und Identität
2.3 Mediale Inszenierung
2.3.1 Mise-en-Scene im Genre Coming-of-Age
2.3.2 Queere Gestaltungsmittel
2.3.4 Serielles Erzählen
3. Interpretation
3.1 Ästhetik
3.1.1 Kleidung
3.2 Charakteranalyse
3.2.1 Eric Effiong
3.2.2 Adam Groff
3.3 Serielles Erzählen
3.4 Verknüpfung zum Diskurs
3.5 Sex Education als queeres Medienprodukt
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die mediale Inszenierung von Sexualität und Identität in der britischen Serie Sex Education. Dabei liegt der Fokus darauf, wie diese Konzepte innerhalb des seriellen Erzählens und durch spezifische ästhetische Gestaltungsmittel performativ erzeugt werden, um Diversität für das Publikum erfahrbar und verständlich zu machen.
- Analyse des Konzepts der Diversität im Kontext audiovisueller Medien
- Untersuchung der sexualitätstheoretischen Grundlagen nach Michel Foucault
- Analyse von Inszenierungsstrategien wie Mise-en-Scene und serielles Erzählen
- Charakteranalyse von Eric Effiong und Adam Groff hinsichtlich ihrer Identitätsentwicklung
- Evaluation von Sex Education als queeres Medienprodukt
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Sexualität, Wissen und Macht
Sexualität, Wissen und Macht - Was bedeuten diese drei Begriffe und was verbindet sie miteinander? Wie entwickelt sich Sexualität und wie steht sie mit Identität in Verbindung? Um diese Fragen ausführlich erläutern zu können, bedarf es einen Blick in die Literatur von Michel Foucault zu werfen.
1983 veröffentlicht der französische Philosoph Michel Foucault mit Sexualität und Wahrheit den ersten Band seiner vierteiligen Buchreihe über die Geschichte der Sexualität. Darin analysiert Foucault, wie Machtverhältnisse unserer Gesellschaft im Zusammenhang mit den Dingen, die wir für wahr oder falsch halten, stehen. Er untersucht, welche Position Sexualität in diesem Machtgefüge einnimmt und wie dies unser Wissen darüber bestimmt (Foucault 1983, 1ff).
Um eine pointierte Definition herauszuarbeiten, geht Foucault zuerst der Entstehungsfrage des Begriffs Sexualität nach. Dabei erforscht er, inwieweit sich Sexualität in diversen Bereichen entwickelt und formiert hat. Der Teil, der für diese Arbeit jedoch den größten Wert trägt, ist die Frage danach, wie Sexualität sich bei jedem Individuum gestaltet und manifestiert.
Für ihn definiert sich der Begriff von Sexualität als Name, den man einem geschichtlichen Dispositiv geben kann (Foucault 1983, 51). Für ihn ist Sexualität "keine zugrunde liegende Realität, die nur schwer zu erfassen ist, sondern ein großes Oberflächennetz, auf dem sich die Stimulierung der Körper, die Intensivierung der Lüste, der Anreiz zum Diskurs, die Formierung der Erkenntnisse, die Verstärkung der Kontrollen und der Widerstände in einigen großen Wissens- und Machtstrategien" (51) miteinander verketten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Relevanz des Themas Diversität in unserer global vernetzten Gesellschaft ein und definiert die Forschungsfrage bezüglich der Darstellung von Sexualität und Identität in Sex Education.
2. Theorie: Dieses Kapitel legt das wissenschaftliche Fundament durch die Erarbeitung der Konzepte von Diversität, Sexualität, Macht, Diskurs und gesellschaftlicher Identitätsbildung.
3. Interpretation: Im Hauptteil werden die theoretischen Ansätze auf die Serie angewandt, wobei Ästhetik, Charakterentwicklungen und die serielle Erzählstruktur detailliert analysiert werden.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt, dass Sex Education durch seine Inszenierung von Vielfalt einen wichtigen Beitrag zur Darstellung queerer Identitäten leistet.
Schlüsselwörter
Sex Education, Diversität, Sexualität, Identität, Machtverhältnisse, Michel Foucault, queere Ästhetik, Coming-of-Age, Serielles Erzählen, Mise-en-Scene, Queer Studies, Diskurs, Intersektionalität, Repräsentation, 4 Layers of Diversity
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie die Serie Sex Education Sexualität und Identität medial inszeniert, um Vielfalt und Diversität innerhalb der Gesellschaft und in den Medien darzustellen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Hauptthemen umfassen Diversitätskonzepte, machttheoretische Diskurse nach Michel Foucault, die Analyse von Inszenierungsstrategien in TV-Serien sowie die queere Identitätsfindung junger Menschen.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage konzentriert sich darauf, wie das Konzept der Diversität im Bewegtbild widergespiegelt wird und mit welchen Elementen und Strategien Vielfalt performativ erzeugt wird.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?
Es wird eine film- und serienwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die durch Literaturrecherche und die Anwendung diskursanalytischer Ansätze (insbesondere nach Foucault) gestützt wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Interpretation der ästhetischen Mittel (Kleidung, Setting), eine ausführliche Charakteranalyse (Eric Effiong, Adam Groff) und die Untersuchung der seriellen Erzählstruktur.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Diversität, Sexualität, Macht, Identität, queer, Coming-of-Age, Mise-en-Scene, serielles Erzählen und Diskurs.
Wie beeinflusst die 'Mise-en-Scene' die Wahrnehmung der Serie?
Die Ausstattung, wie Kleidung und das Setting, erzeugt einen spezifischen Realismus, der dem Publikum hilft, die Probleme und Entwicklungen der Charaktere in einen greifbaren sozialen Kontext einzuordnen.
Warum spielt Michel Foucault eine solch zentrale Rolle in der Arbeit?
Seine Theorien zu "Wissen und Macht" sowie zum "Sexualitätsdispositiv" bilden das theoretische Gerüst, um zu erklären, wie Sexualität nicht unterdrückt, sondern durch Diskurse geformt und steuerbar gemacht wird.
Welche Bedeutung kommt der Figur Eric Effiong zu?
Eric dient als zentrales Fallbeispiel für eine komplexe Identitätsentwicklung, die weit über das Stereotyp eines schwulen besten Freundes hinausgeht und seine Auseinandersetzung mit Religion und Kultur aufzeigt.
- Citation du texte
- Alexandra Ertan (Auteur), 2022, Wie in der Serie "Sex Education" Diversität veranschaulicht wird. Die mediale Inszenierung von Sexualität und Identität in Film und Fernsehen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1347802