Thema der folgenden Belegarbeit sind Massenbewegungen in den Alpen.
Zunächst sollen die verschiedenen Faktoren der Hangstabilität und deren Unterteilung vorgestellt
werden. Hierbei wird ein besonderes Augenmerk auf die Entstehung und Geologie der
Alpen gelegt, da hier spezifische Ursachen für Massenbewegungen in den Alpen liegen.
Daran anschließend werden verschiedene Formen von Massenbewegungen vorgestellt, wobei
Bergstürze anhand dreier Beispiele näher erläutert werden sollen.
Massenbewegungen gehören zu den naturgesetzlichen geomorphologischen Prozessen im
Hochgebirge (Fischer, 1999, S. 1). Sie sind integrale Bestandteile des Landschaftshaushaltes
natürlicher alpiner Ökosysteme und gehören zum Erscheinungsbild und Charakter der Alpen
(ebd.). Erst bei Kontakt mit anthropogenen Aktivitäten werden sie als Beeinträchtigung oder
gar als Naturgefahr bewertet (Becht, 1995, S. 1). Aus solchen Naturereignissen wird, wenn
die Vorgänge: „… die Selbsthilfefähigkeit der betroffenen Region deutlich übersteigen und
überregionale oder internationale Hilfe erforderlich machen.“ eine Naturkatastrophe (Dikau,
2001, S. 44). Gerade die Alpen als Lebens- und Transitraum im Zentrum (Barnickel, 2004, S.
17) Europas unterstreichen diesen Zusammenhang. Mittlerweile gehören manche Talregionen
der Alpen zu den am dichtesten besiedelten Gebieten Europas, obwohl hier seit alters her
zahlreiche Naturgefahren drohen (ebd.). Gleichzeitig zählen die alpinen Regionen, aufgrund
ihrer sensitiven geologischen Formationen und mittelsteilen bis steilen Hängen, zu den Gebieten
mit einer besonderen Disposition für gravitative Massenbewegungen (Dikau, Glade,
2003, S. 98). Durch eine Ausweitung der Nutzung und en Eindringen des Menschen in Gefahrenzonen
kommt es zu einer Gefahrenzunahme und erhöhten Anzahl von Schadensfällen
(Fischer, 1999, S. 2).
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Faktoren der Hangstabilität
2.1 Entstehung und Geologie der Alpen
3. Massenbewegungen
3.1 Fallen
3.2 Kippen
3.3 Gleiten
3.4 Driften
3.5 Fließen
3.6 Komplex
4. Bergstürze
4.1 Die Bergsturzbewegung
4.1.1 Der Bergsturz von Köfels
4.2 Das Abbruchgebiet
4.3 Die Bergsturzfahrbahn
4.4 Das Ablagerungsgebiet
4.4.1 Der Bergsturz vom Eibsee
4.5 Sekundäre Gefahren von Bergstürzen
4.5.1 Der Bergsturz von Vaiont
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die geomorphologischen Prozesse von Massenbewegungen im alpinen Raum. Ziel ist es, die stabilisierenden und destabilisierenden Faktoren sowie die verschiedenen Bewegungstypen zu klassifizieren und durch spezifische Fallbeispiele, insbesondere Bergstürze, zu veranschaulichen.
- Geologische Grundlagen und Faktoren der Hangstabilität
- Klassifizierung von Massenbewegungsformen wie Fallen, Kippen, Gleiten und Driften
- Analyse der Dynamik und Morphologie von Bergstürzen
- Detaillierte Fallstudien zu den Bergstürzen von Köfels, Eibsee und Vaiont
- Bewertung des Gefahrenpotenzials und sekundäre Folgen
Auszug aus dem Buch
4.1.1 Der Bergsturz von Köfels
Beim Bergsturz von Köfels handelt es sich um den größten kristallinen Bergsturz der Alpen (Abele, 1974, S. 23). Eine Datierung von alten, an der Basis der Trümmermassen gefunden Holzresten, ergab ein Alter von 8710 ± 150 Jahren (Abele, 1974, S. 85).
Mit einem Volumen von über 2 km³ Augengneis (ebd., S. 62) und einem geschätzten Gewicht von 5 Mrd. t (Pinter, 1998) ist er fast so groß wie die übrigen von Abele untersuchten kristallinen Bergstürze zusammen (Abele, 1974, S. 62). Auffallend ist zudem die Abgleitböschung des Bergsturzes mit einem Winkel von 39°, andere Massenbewegungen vergleichbaren Volumens weisen einen geringeren Abgleitwinkel auf (ebd., S. 20). Im Ablagerungsgebiet hat er eine Flächenbedeckung von 12 km², auch dieses ist umso bemerkenswerter, als dass kristalline Bergstürze sonst kaum 2 km² überschreiten (ebd., S. 30). Die durchschnittliche Mächtigkeit der Trümmermassen beträgt 180 m, damit überragt er die kalkalpinen Bergstürze bis auf einen (ebd., S. 32). Zugleich zeigt sich hieran der Einfluss des Ausgangsgesteins auf den Schuttkörper (ebd., S. 33). Dieses bestimmt entscheidend, ob die Trümmer als mächtige Schuttkörper zurückbleiben oder sich als flache Schuttdecken ausbreiten (ebd.). Wegen des kristallinen Ausgangsgesteins finden sich im Ötztal besonders große zusammenhängende Gesteinspakete (ebd., S. 51).
Der Bergsturzkörper ist nach dem Zerrüttungsgrad sortiert und weist folgende vertikale Sonderung auf, große und stark zerrüttet, aber im Verband gebliebene Schollen bilden den Kern des Trümmerkörpers, darüber findet sich eine Bedeckung weniger stark zerrütteten Lockerschuttes, welcher stellenweise Grobblockbeschaffenheit aufweist (ebd., S. 56). Das seinerzeit auf dem Bergsturzrücken transportierte Material ist noch gut erkennbar, da durch die weitestgehend im Verband gebliebene Trümmermasse, aufliegendes Moränenmaterial bei der Talfahrt mittransportiert wurde (ebd., S. 57).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema der alpinen Massenbewegungen ein und skizziert die wissenschaftliche Relevanz sowie den Aufbau der Arbeit.
2. Faktoren der Hangstabilität: Hier werden die geologischen, hydrologischen und meteorologischen Parameter erläutert, die die Stabilität alpiner Hänge maßgeblich beeinflussen.
3. Massenbewegungen: Dieses Kapitel definiert verschiedene Bewegungstypen wie Fallen, Kippen, Gleiten, Driften und Fließen sowie deren Klassifizierung.
4. Bergstürze: Dieses umfangreiche Kapitel widmet sich der detaillierten Morphologie von Bergstürzen und analysiert beispielhaft die Ereignisse von Köfels, dem Eibsee und Vaiont.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont die Notwendigkeit kontinuierlicher Überwachung zur Gefahrenprävention.
Schlüsselwörter
Massenbewegungen, Alpen, Hangstabilität, Bergsturz, Steinschlag, Geologie, Erosion, Köfels, Eibsee, Vaiont, Naturgefahr, Sedimenttransport, Permafrost, Geomorphologie, Risikomanagement
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die naturwissenschaftlichen Grundlagen und die morphologischen Erscheinungsformen von Massenbewegungen in den Alpen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Geologie der Alpen, Faktoren der Hanginstabilität, verschiedene Bewegungsprozesse des Gesteins und spezifische Analysen von Bergstürzen.
Was ist das primäre Ziel dieser Untersuchung?
Ziel ist es, die Ursachen und Wirkungsweisen von Massenbewegungen zu klassifizieren und anhand von Fallstudien das Gefahrenpotenzial dieser geomorphologischen Prozesse aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und der Auswertung geomorphologischer sowie geologischer Fachliteratur, ergänzt durch die Untersuchung dokumentierter Bergsturzereignisse.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Faktoren der Hangstabilität, eine detaillierte Systematik der Massenbewegungen und eine tiefgehende morphologische Analyse von Bergstürzen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Massenbewegungen, Hangstabilität, Bergsturz, Geomorphologie und Naturgefahren definiert.
Warum ist der Bergsturz von Köfels für die Forschung besonders relevant?
Er gilt als der größte kristalline Bergsturz der Alpen und liefert durch seine Beschaffenheit, wie das Vorkommen von Köfelsit, wichtige Erkenntnisse über physikalische Prozesse während großer Massenabgänge.
Welche Rolle spielt der Mensch bei der Katastrophe von Vaiont?
Der Mensch wirkte als Verstärker der Katastrophe, da die Anlage eines Stausees die Hanghydrologie negativ veränderte und durch die instabile Schichtung zum großflächigen Versagen der Talflanke führte.
Inwiefern beeinflusst das Ausgangsgestein das Bild der Trümmermassen?
Das Ausgangsgestein bestimmt maßgeblich, ob Trümmer als mächtige Blockmassen (bei kristallinem Gestein) oder als weitflächige, feinkörnige Sturzdecken (bei Sedimentgestein) abgelagert werden.
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- Thomas Kramp (Autor), 2009, Massenbewegungen in den Alpen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/134781