Das Selbstmanagement-Konzept von Kanfer et al.

Die Vorstellung des Ansatzes und die Überführung des Konzeptes in die Pflege am Beispiel chronisch Erkrankter


Hausarbeit, 2009

51 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

1. EINLEITUNG
1.1 Hinführung zur Thematik
1.2 Aufbau der Arbeit

2. DER SELBSTMANAGEMENT-ANSATZ VON KANFER ET AL.
2.1 Theoretische Grundlagen der Selbstmanagement-Therapie
2.1.1 Terminologie des Ansatzes
2.1.1.1 Definition des Ansatzes
2.1.1.2 Auffassungen, die nicht unter diesen Ansatz fallen
2.1.1.3 Grundannahmen des Ansatzes
2.1.1.4 Therapie: Wortverständnis und Funktion
2.1.2 Basisvariablen und -aspekte des Ansatzes
2.1.2.1 Selbstregulation und Selbstkontrolle
2.1.2.2 Rolle der Therapeut-Klient-Beziehung
2.1.2.3 Bedeutung von Therapiemotivation
2.1.2.4 Bedeutung von Verhaltensänderung
2.1.3 Makro-Perspektive: der Ansatz aus der übergeordneten Sicht
2.2 Das 7-Phasen-Modell der Selbstmanagement-Therapie
2.2.1 Phase 1: Schaffung günstiger Ausgangsbedingungen
2.2.2 Phase 2: Aufbau von Änderungsmotivation und vorläufige Auswahl von Änderungsbereichen
2.2.3 Phase 3: Verhaltensanalyse und funktionales Bedingungsmodell
2.2.4 Phase 4: Vereinbaren therapeutischer Ziele
2.2.5 Phase 5: Planung, Auswahl und Durchführung spezieller Methoden
2.2.6 Phase 6: Evaluation therapeutischer Fortschritte
2.2.7 Phase 7: Erfolgsoptimierung und Abschluss der Therapie

3. DIE ÜBERTRAGUNG DES SELBSTMANAGEMENT-ANSAT- ZES IN DIE PFLEGE AM BEISPIEL CHRONISCH KRANKER
3.1 Besonderheiten von chronischen Erkrankungen
3.2 Elemente einer bedarfsgerechten Pflege chronisch Kranker
3.3 Überführungsmodalitäten zwischen den Kernpunkten von Kanfer et al., den Merkmalen von chronischen Krankheiten und den Komponenten einer bedarfsgerechten Pflege

4. SCHLUSSBETRACHTUNG

5. LITERATURVERZEICHNIS

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

Abbildung 1: Die verschiedenen Funktionsniveaus im Kontext zum Pro- zess der Selbstmanagement-Therapie

Abbildung 2: Die einzelnen Abschnitte der Mikro-Perspektive eingebettet in die übergeordnete Makro-Perspektive

Abbildung 3: Das Ablaufschema von den einzelnen Phasen vor, wäh- rend und nach der Therapie

ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. EINLEITUNG

1.1 Hinführung zur Thematik

Die Einsicht ist unübersehbar gewachsen, dass qualifizierte Beratungen zum Aufgabenspektrum der Pflege gehören. Dies wird an Ergebnissen von Stu-dien sowie an der Fülle von Veröffentlichungen zur Thematik Beratung deut-lich. Die Publikationen signalisieren, dass das Thema in entfalteter und quali-fizierter Weise in der Pflege eingetroffen ist und ein Klärungs- und Gärungs-prozess durchlebt.[1] Koch-Straube bezeichnet daher die Beratung in der Pfle-ge als „Kind der Moderne“.[2] Trotz des öffentlichen Aufkommens des Themas agiert die Beratungspraxis in der Pflege noch zufällig und unsystematisch.[3]

Wenn man einen Blick in die Themenlandschaft der Pflege- und Patientenbe-ratung wagt, wird einem schnell klar, dass wir einer Vielzahl von Definitionen, Formen, Methoden, Theorien, Ansätzen, Konzepten, Aufgaben, Zielen, Inter-ventionsmöglichkeiten, Zielgruppen etc. gegenüberstehen. Eine entschei-dende Frage ist, mit welchen methodischen Prinzipien Patienten in der Pfle-ge beraten werden sollen und worauf es in der Beratung ankommt. Dabei nimmt ein bestimmter Aspekt, der als Ziel von Beratung im pflegerischen Kontext von vielen Experten ausgegeben wird, einen gewichtigen Teil ein: „Stärkung der Souveränität, Eigenverantwortung und Selbstbestimmung der Patienten im Sinne der Hilfe zur Selbsthilfe“.[4] Dieses Ziel steht im krassen Gegensatz zu den bisherigen Beratungsbemühungen der Pflege.[5]

Eine Antwort auf die oben gestellte Frage könnte das Selbstmanagement-Konzept von Kanfer et al. geben. Dieser Beratungsansatz ist ein Konzept der Psychotherapie. Obwohl Haslbeck und Schaeffer den Selbstmanagement-Ansatz von Kanfer et al. zur psychosozialen Versorgung und nicht prinzipiell zum Bereich der Pflege zählen[6], wagen wir dennoch den Untersuchungsver-such, anhand von chronischen Erkrankungen den Therapieansatz von Kan-fer et al. inhaltlich der Pflege zuzuordnen.

1.2 Aufbau der Arbeit

Nachdem wir anhand der Einleitung unsere Arbeit eröffnet haben, beginnen wir im zweiten Abschnitt, den Selbstmanagement-Ansatz von Kanfer et al. vorzustellen. Dabei gehen wir zunächst auf die theoretischen Grundlagen des Ansatzes ein. Wir befassen uns mit terminologischen Gesichtspunkten als auch mit Grundvariablen und -aspekten. Am Ende der theoretischen Aus-führungen zeigen wir, wie der Ansatz in die Makro-Perspektive zu integrieren ist. Zur Vervollständigung und zum Abschluss des Therapiekonzeptes geht es zuletzt um die Vorstellung des 7-Phasen-Prozessmodells, das den Haupt-teil der Veröffentlichung von Kanfer et al. darstellt.

Nach der Betrachtung des Selbstmanagement-Ansatzes von Kanfer et al. geht es im dritten Abschnitt um die Übertragung des Selbstmanagement-Prinzips in die Pflege am Beispiel von chronisch Erkrankten. Wir werden vor-ab die Merkmale einer chronischen Erkrankung und anschließend die Ele-mente einer bedarfsgerechten Pflege von chronisch Kranken herausarbei-ten. Am Ende werden wir versuchen, einen Beziehungsrahmen zwischen dem Selbstmanagement-Ansatz von Kanfer et al., den Besonderheiten von chronischen Krankheiten und den Elementen einer Bedarfspflege von chro-nisch Erkrankten zu konstruieren.

Abschließend reflektieren wir im vierten Abschnitt unsere Ausführungen in ei-ner Schlussbetrachtung, in dem wir ein Resümee und Ausblick wagen.

2. DER SELBSTMANAGEMENT-ANSATZ VON KANFER ET AL.

Die Selbstmanagement-Therapie wird als „humanistische Form der Verhal-tenstherapie“ bezeichnet.[7] Der Ansatz gehört zum Bereich der Psychothera-pie und legt sein Hauptaugenmerk auf Prozesse, die grundsätzlich für Verän-derungen stehen.[8] Der Selbstmanagement-Ansatz ist im Grundgedanken „das Ermöglichen von autonomer Weiterentwicklung (durch Anregungen, An-stöße und Anleitung zu Eigenständigkeit in Denken und Handeln)“ bzw. hat als zentrales Ziel „ein freieres Handeln“ ausgegeben.[9] Mit den kommenden Ausführungen sollen diese zwei Zitate mit Wissensgehalt gefüllt und erweitert werden. Zur besseren Übersichtlichkeit und des besseren Überblicks werden nicht alle Themenbereiche des Ansatzes behandelt. Der Therapieansatz wird abstrakt und theoretisch vorgestellt, ohne zu sehr in die praktische Umset-zung des Ansatzes hinein zu gehen. Somit haben die folgenden Thematiken eine Begrenztheit in ihrem Umfang und in ihrer Tiefe.

2.1 Theoretische Grundlagen der Selbstmanagement-Therapie

2.1.1 Terminologie des Ansatzes

2.1.1.1 Definition des Ansatzes

Im Terminus „Selbstmanagement-Therapie“ steckt der Begriff „Selbstma-nagement“. Dieser wird von Kanfer et al. als „umfassender Oberbegriff“ und „Sammelbegriff“ bezeichnet für Therapieansätze, „die alle gemeinsam haben, daß Klienten zu besserer Selbststeuerung angeleitet und möglichst aktiv zu einer eigenständigen Problembewältigung fähig werden“.[10] Beim Selbstma-nagement handelt es sich um einen systematischen Prozess, in dem es u.a. um Lernen und Veränderung geht. Bei einem erfolgreichen Prozessablauf können die Klienten ohne die Unterstützung außenstehender Professioneller ihr Leben unter der Berücksichtigung ihrer persönlichen Ziele selbstständig führen.[11]

Die Wortpaarung „Selbstmanagement-Therapie“ ist dagegen spezifischer zu fassen als der Begriff „Selbstmanagement“. Mit dem Terminus Selbstma-nagement-Therapie ist der gesamte diagnostisch-therapeutische Prozess zu verstehen, der nicht nur die bloße Anwendung von Selbstregulationsmetho-den, sondern ein 7-Phasen-Prozessmodell (Abschnitt 2.2) beinhaltet. Durch diesen Prozess kann eine gezielte Umsetzung von Veränderungen in den praktischen Alltag initiiert werden.[12]

2.1.1.2 Auffassungen, die nicht unter diesen Ansatz fallen

Um noch eine bessere Erklärung der Selbstmanagement-Therapie geben zu können und Missverständnissen entgegenzuwirken, haben Kanfer et al. neun verschiedene Differenzierungssachverhalte aufgelistet.[13] Selbstmanagement-Therapie…

ist keine Unterweisung zum egoistischem Denken und Handeln und propagiert kein Individualismus. Da in der Zielvereinbarung zwischen The-rapeut und Klient die soziale Verantwortung betont wird, kann es durchaus akzeptiert werden, dass eine Person altruistisch leben möchte.

ist keine autoritäre Modifikation des Verhaltens und keine unmittelbare Verhaltenstherapie in einem humanistischen Gewand. Es ist eine The-rapie ohne widerwilliges Überstülpen von Anweisungen und erkennt die Selbstbestimmung des Klienten an.

hat keine Affinität zum Begriff „Management“ bspw. in Bezug auf das Wirtschafts- und Geschäftsleben. Sie hat nur Bedeutung im o.g. Verständ-nis und Anwendungsbereich der Klinischen Psychologie und Psychotherapie.

hat keine Allheilmittelfunktion für alles. Auch die Selbstmanagement-The-rapie hat einen begrenzten Geltungsrahmen für die Anwendung bestimmter Problemdarstellungen. Ziele utopischer Art sind mit ihr nicht erreichbar.

ist kein neu erfundenes Rad und keine Ideologie. Trotz der Besonderhei-ten und der Unterscheidung zu anderen Konzepten hat sie keinen innovati-ven Charakter als eine von vielen Psychotherapie-Schulen.

ist nicht die vollkommene Autonomie für Klienten sowie keine Loslö-sung des Therapeuten von der Verantwortlichkeit. Die Therapie beinhal-tet gemeinsame kooperative Entscheidungen in verschiedensten Bereichen mit großer Transparenz und Offenheit.

bedeutet nicht die Überschreitung von Grenzen. Die Therapie und der Therapeut haben feste Grenzen, an denen sie sich orientieren müssen. Akti-onen, Ziele oder Methoden sind ausgeschlossen, wenn sie anderen Perso-nen schaden oder gegen die Ethik des Berufes bzw. Gesetze verstoßen.

ist nicht für alles offen. Sie bekundet zwar im Prinzip eine Offenheit in Me-thoden, Konzepten und Vorgehensweisen anderer Therapien, trotz allem ist die Offenheit begrenzt.

ist nicht frei von Werturteilen. Obwohl sie eine Multiplizität an Weltan-schauungen und Lebensformen bevorzugt, ist sie nicht völlig wertfrei und willkürlich. Es bestehen im Konzept festgelegte Grundannahmen und Wer-te.[14]

2.1.1.3 Grundannahmen des Ansatzes

Die Selbstmanagement-Therapie beruht wie auch andere wissenschaftliche und therapeutische Richtungen auf konkrete Basisannahmen. Bei dem Selbstmanagement-Ansatz unterscheidet man philosophische und praktische Grundannahmen. Erst mit diesen Grundvorstellungen und -gedanken wird diesem Ansatz, sei es das theoretische Modell selbst oder deren praktische Umsetzung, Sinn und Verständnis gegeben.[15]

Zu den philosophischen Vorstellungen gehören das Ziel der Selbstregulation und Autonomie des Klienten, die aktive Rolle des Klienten bei der Strukturie-rung seines eigenen Lebens, die Maximierung der persönlichen Freiheit des Klienten, die Betonung eines Pluralismus der Anschauungen, Werte und Le-bensstile, die Bevorzugung eines holistischen Person-Modells, die Berück-sichtigung der Dynamik des menschlichen Lebensprozesses, die Propagie-rung des Erlernens der Selbstregulationsfähigkeit, die Haltung eines realisti-schen Optimismus sowie die Ansicht einer großen Nähe zu wissenschaftlich-empirischen Grundhaltungen.[16]

Von den zuvor aufgeführten philosophischen Grundannahmen sind prak-tische Basisannahmen abgeleitet. Dazu zählen die Maximierung der Eigen-verantwortung und Entscheidungsfreiheit des Klienten, das Prinzip der ge-ringsten Intervention des Therapeuten, die gemeinsame Suche und Festle-gung der Probleme und Ziele von Therapeut und Klient, die holistische Be-trachtungsweise von Systemen, Klienten und des gesamten Problemhinter-grunds aus einer systembezogenen Perspektive für die jeweiligen Interven-tionen, die Beachtung der Dynamik des menschlichen Lebensprozesses und die Flexibilität der therapeutischen Maßnahmen, die Professionalität der The-rapie zwischen Therapeut und Klient sowie die Propagierung eines Prag-matismus einer Verbindung zwischen evaluierten Theorien und der Praxis.[17]

2.1.1.4 Therapie: Wortverständnis und Funktion

Ein Therapeut erfüllt zwar viele Aufgaben, diese können aber nicht alle ohne weiteres unter den Deckmantel „Therapie“ gesetzt werden. Das Wort Thera-pie unterscheidet sich von anderen psychosozialen Tätigkeiten wie u.a. Kri-seninterventionen, Langzeitbetreuungen, Beratungen, Selbsterfahrungen, Verhaltensmodifikationen etc. und folgt daher anderen Spielregeln.[18]

Das Wort Therapie wird von Kanfer et al. folgendermaßen verstanden: es ist „die Umsetzung eines systematischen Veränderungsprozesses, der an den Problemen von Klienten ansetzt, deren jeweilige Bedingungen analysiert, auf […] Therapieziele gerichtet ist und sich anhand der jeweils eintretenden Er-gebnisse kontinuierlich selbst steuert, bis ein Optimum erreicht ist“.[19]

Therapie ist demnach an Zielen und Problemen orientiert sowie begrenzt in der Zeit. Sie sollte sich, um sich als wissenschaftlich bezeichnen zu wollen, bestimmte Kriterien erfüllen. Dazu gehört, dass ihre praktischen Vorgehens-weisen und Grundannahmen mit den gegenwärtigen Resultaten der Grundla-genforschung nicht gegensätzlich, zumindest kongruent sind. Transparenz und Nachprüfbarkeit in der Vorgehensweise und in den Resultaten sowie die Bereitschaft zur Evaluierung sollten ebenfalls vorhanden sein.[20]

Im Falle der Therapie des Selbstmanagements von Kanfer et al. wird vor al-lem die immense Selbstverantwortung des Klienten für seine Entscheidun-gen, Motivations- und Zielklärung, fortlaufende Prozessorientierung sowie die strukturierte Unterweisung zur Selbststeuerung mit dem Oberziel der autono-men Steuerung aller Lebensprozesse ohne die Hilfe Professioneller betont.[21] Im Kern „[…] geht es um eine professionelle Unterstützung von Klienten bei der Lösung von alltagsbezogenen Problemen, Konflikten und Lebensaufga-ben, was meist erforderlich macht, situative Anforderungen und persönliche Ziele/Bedürfnisse in Einklang zu bringen“.[22]

2.1.2 Basisvariablen und -aspekte des Ansatzes

2.1.2.1 Selbstregulation und Selbstkontrolle

Unter Selbstregulation und Selbstkontrolle versteht man interne psychische Prozesse. Diese dienen dazu, dass Personen eigene Ziele anstreben und Verhalten selbst steuern und beeinflussen können.[23]

Voraussetzungen für den Ansatz der Selbstmanagement-Therapie sind die Prozesse der Selbstregulation. Selbstregulation befähigt Personen, wie oben schon angedeutet, individuelles Verhalten mit Blick auf selbstgesetzte Ziele zu steuern. Regulationen erfolgen durch Verhaltensmodifikation selbst oder durch Einflussnahme auf die Verhaltensbedingungen.[24] Selbstregulatorische Systeme sollten Miller zufolge zwei Kriterien folgen: (a) das System ist in sei-nem Verhalten zielgerichtet und (b) es entwickelt eine Präferenzenhierarchie, womit Entscheidungsregeln festgelegt werden.[25]

Von besonderer Bedeutung ist das Selbstregulations-Modell von Kanfer. Dieses lineare und recht komplexe Modell schließt die Selbstbeobachtung, Selbstbewertung und Selbstkonsequenz mit ein. In kurzer und prägnanter Erklärungsform besagt es, dass im ersten Schritt Informationen über jetziges und laufendes Verhalten eingeholt wird, im zweiten Schritt wird das Verhalten mit bestimmten Standards verglichen und im dritten Schritt werden anhand einer Bewertung negative oder positive Konsequenzen für das Verhalten ge-zogen.[26]

Selbstregulationsprozesse gehören im Gegensatz zur automatisierten zum Bereich der kontrollierten Informationsverarbeitung. In der Selbstmanage-ment-Therapie sind sowohl automatisierte als auch kontrollierte Verarbei-tungsprozesse von Bedeutung. Die folgende Abbildung (s. Abb. 1) soll dies veranschaulichen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Die verschiedenen Funktionsniveaus im Kontext zum Prozess der Selbstmanagement-Therapie[27]

Vor einer Selbstmanagement-Therapie ist beim Klienten häufig automati-siertes Verhalten zu beobachten, das pathologischen Charakter aufweist, In-effektivität zeigt oder Schwierigkeiten nach sich zieht. Diese pathologischen Automatismen sollen in der Therapie mit Hilfe der Stimulation von kon-trollierten Verarbeitungsmechanismen im Sinne des Selbstregulations-Sys-tems beseitigt werden. Der Klient ist angehalten, von seinen automatisierten Reaktions- und Denkmustern abzugehen und sein Interesse auf kontrollierte Verarbeitungsmechanismen zu lenken. Daraufhin ist es wichtig, dass die in der Therapie erlernten kontrollierten Mechanismen in ein entsprechendes Maß an Automatismus überführt werden. Zusammengefasst bedeutet dies, dass alte Gewohnheiten des Klienten mittels Lernphase (= Therapie) in neue Gewohnheiten transferiert werden.[28]

Das Wort Selbstregulation ist ein allgemeiner Begriff, der Terminus Selbst-kontrolle ist ein Spezialfall der Selbstregulation. Von Selbstkontrolle spricht man, wenn der Klient nur unter konflikthaften Verhaltensalternativen auswäh-len kann. Die Selbstkontrolle hat zwei Grundmuster: entweder das Widerste-hen einer Versuchung oder das Ertragen einer abneigenden Situation. Dabei müssen zwei Verhaltenstendenzen im Konflikt stehen.[29] Eine weitere Unter-scheidung von Selbstkontroll-Situationen ist die nach dem zeitlichen Aspekt: es ist möglich, dass es einen bestimmten Entscheidungspunkt gibt oder eine Bedingung muss über einen Zeitraum ertragen und widerstanden werden.[30]

2.1.2.2 Rolle der Therapeut-Klient-Beziehung

Beziehungsfaktoren und Beziehungsaspekte, sprich die Beziehung zwischen Therapeut und Klient, spielen im Selbstmanagement-Ansatz eine wichtige Rolle. Diese Einflussgrößen werden in der Therapie einer großen Bedeutung beigemessen und erhalten eine hohe Akzentuierung und Relevanz. Eine tragfähige Beziehung ist der Schlüssel und eine notwendige Bedingung zu einer erfolgreichen Therapie.[31]

Obwohl aufgrund des Wissensvorsprungs und der -überlegenheit des Thera-peuten ein Informationsgefälle vorhanden ist, ist eine gleichberechtigte Be-ziehung anzustreben, dennoch ist eine nahezu vollständige Gleichberechti-gung utopisch, weder sinnvoll noch notwendig. Der Kompetenzvorsprung des Therapeuten muss von ihm verantwortungsvoll und zum Wohle des Klienten eingesetzt werden. Der Klient hat im Gegenzug auch einen Informationsvor-sprung, da er Experte über sein eigenes Selbst ist. Der Therapeut ist auf In-formationen des Klienten angewiesen, weil der Therapeut diese Kenntnisse braucht, um den Klienten zu helfen. So könnte der Klient dem Therapeuten Informationen vorenthalten durch Widerstände oder Therapieabbruch.[32]

Idealerweise ergibt sich aus den Ressourcen der Beteiligten, der Therapeut mit seinem professionellen Wissen und Können sowie der Klient mit Informa-tionen über sich selbst, ein Kooperationsbündnis. Diese kooperierende Ein-heit aus Therapeut und Klient wird als therapeutische Allianz bezeichnet. Der gemeinsame Zweck in dem Bündnis liegt in der Verbesserung der Lebenssi-tuation des Klienten.[33]

[...]


[1] vgl. Schaeffer/Schmidt-Kaehler 2006, S. 7, Schaeffer/Dierks 2006, S. 845ff, Haslbeck/ Schaeffer 2007, S. 82, Sciborski 2007, S. 171, Koch-Straube 2008, S. 7f

[2] Koch-Straube 2008, S. 14; ähnlich sehen dies auch Hüper/Hellige 2007, S. 51

[3] vgl. Hüper/Hellige 2007, S. 9

[4] Reibnitz 2001, S. 19; auch in: Petermann 1997, S. 3f, Mohr 2002, S. 809f, Mahrer Imhof 2005, S. 343, Ewers et al. 2006, S. 156ff, Schaeffer/Dierks 2006, S. 845ff, Sciborski 2007, S. 169ff, Haslbeck/Schaeffer 2007, S. 82ff, Hüper/Hellige 2007, S. 51, Koch-Straube 2008, S. 7

[5] vgl. Koch-Straube 2008, S. 7f

[6] vgl. Haslbeck/Schaeffer 2007, S. 83f; Es ist de facto, dass auch die Pflege psychosoziale Aufgaben wahrnimmt. Der Ansatz von Kanfer et al. „könnte“ in die Pflege integriert werden. Ein entsprechenden Hinweis liefern Kanfer et al. schon vorab selber, da sie Krankenschwes-tern als Zielgruppe für den Ansatz ansehen. (vgl. Kanfer et al. 1996, S. XVI)

[7] Kanfer et al. 1996, S. XI

[8] vgl. Kanfer et al. 1996, S. VIIIff

[9] Kanfer et al. 1996, S. VIII und S. 6

[10] Kanfer et al. 1996, S. 6

[11] vgl. Kanfer et al. 1996, S. 6

[12] vgl. Kanfer et al. 1996, S. 6f

[13] vgl. Kanfer et al. 1996, S. 7

[14] vgl. Kanfer et al. 1996, S. 7f

[15] vgl. Kanfer et al. 1996, S. 15

[16] vgl. Kanfer et al. 1996, S. 15f

[17] vgl. Kanfer et al. 1996, S. 16f

[18] vgl. Kanfer et al. 1996, S. 9ff

[19] Kanfer et al. 1996, S. 9

[20] vgl. Kanfer et al. 1996, S. 9

[21] vgl. Kanfer et al. 1996, S. 9

[22] Kanfer et al. 1996, S. 9

[23] vgl. Kanfer et al. 1996, S. 33

[24] vgl. Hecht 1984 zit. in: Kanfer et al. 1996, S. 33

[25] vgl. Miller 1978 zit. in: Kanfer et al. 1996, S. 33

[26] vgl. Kanfer 1970, 1971, 1987 zit. in: Kanfer et al. 1996, S. 37f und S. 40f

[27] vgl. Kanfer et al. 1996, S. 36

[28] vgl. Kanfer et al. 1996, S. 35f

[29] vgl. Kanfer et al. 1996, S. 41

[30] vgl. Kanfer 1977, Kanfer/Gaelick 1986 zit. in: Kanfer et al. 1996, S. 42

[31] vgl. Kanfer et al. 1996, S. 61f

[32] vgl. Kanfer et al. 1996, S. 62f

[33] vgl. Kanfer et al. 1996, S. 63

Ende der Leseprobe aus 51 Seiten

Details

Titel
Das Selbstmanagement-Konzept von Kanfer et al.
Untertitel
Die Vorstellung des Ansatzes und die Überführung des Konzeptes in die Pflege am Beispiel chronisch Erkrankter
Hochschule
Hochschule Neubrandenburg
Veranstaltung
Pflegeberatung
Note
2,3
Autoren
Jahr
2009
Seiten
51
Katalognummer
V134811
ISBN (eBook)
9783640427253
ISBN (Buch)
9783640423583
Dateigröße
661 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
57 Quellen
Schlagworte
Selbstmanagement, Kanfer, Psychotherapie, Selbstregulierung, Selbstständigkeit, Selbststeuerung
Arbeit zitieren
Christian Kunow (Autor)Michael Kieper (Autor)Antje Borrasch (Autor), 2009, Das Selbstmanagement-Konzept von Kanfer et al., München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/134811

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