Diese Arbeit hat sich zum Ziel gesetzt, den Preisfindungsprozess im Zuge eines Börsengangs von der Unternehmensbewertung bis zum finalen Emissionspreis zu betrachten. In dieser Arbeit wird zunächst der Unterschied zwischen Wert und Preis definiert und es wird auf die Due Diligence im Vorfeld einer Unternehmensbewertung eingegangen. Des Weiteren werden die Methoden zur Ermittlung des Emissionspreises vorgestellt. Es werden verschiedene Unternehmensbewertungsverfahren vorgestellt und erforscht, wie viel vom Bewertungsverfahren im Emissionspreis enthalten ist.
Im Jahr 2019 wagten weltweit mehr als 1.200 Unternehmen den Gang an die Börse. Mit einem Börsengang wird das Ziel verfolgt u.a. das weitere Wachstum zu finanzieren, doch auch der gestiegene Attraktivitätswert für Arbeitnehmer und größere Unabhängigkeit von Banken sind Beweggründe für den Gang an die Börse. Jedoch ist dieser mit zusätzlichen Kosten verbunden, da zahlreiche Voraussetzungen für einen Börsengang zu erfüllen sind. Sollte die gegenwärtige Rechtsform es nicht zulassen, ist die Umwandlung des Unternehmens in eine AG notwendig. Die gestiegenen Publizitätsanforderungen binden Personal und gewähren darüber hinaus dem Wettbewerbern einen Einblick in das eigene Unternehmen. Weltweit können Anleger von derzeit über 51.000 Unternehmen Aktien an den verschiedensten Börsenplätzen der Welt erwerben. Der zunehmende Wettbewerb erfordert eine systematische Vorbereitung des Börsengangs, um diesen erfolgreich zu gestalten. Die Börsenaspiranten greifen hierzu auf die Expertise von zahlreichen Banken, Unternehmensberatern und Wirtschaftsprüfern zurück.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Unterschied zwischen Wert und Preis
2.1 Wert
2.2 Preis
3 Due Diligence
3.1 Ziel und Ablauf der Due Diligence
3.2 Teilbereiche der Due Diligence
4 Methoden der Unternehmensbewertung
4.1 Multiplikatorverfahren
4.2 Ertragswertverfahren
5 Methoden zur Ermittlung des Emissionspreises
5.1 Festpreisverfahren
5.2 Auktionsverfahren
5.3 Bookbuilding
6 Fallbeispiele zur Ermittlung des Emissionspreises
6.1. IPO von Alibaba
6.2 IPO von der Hess AG
7 Analyse der Börsengänge
8 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Preisfindungsprozess bei Börsengängen (IPOs), ausgehend von der Unternehmensbewertung bis hin zur Festlegung des finalen Emissionspreises. Das primäre Ziel besteht darin zu analysieren, inwieweit der theoretisch ermittelte Unternehmenswert den tatsächlich am Markt erzielten Börsenpreis beeinflusst oder widerspiegelt.
- Unterscheidung zwischen Unternehmenswert und Marktpreis
- Bedeutung und Ablauf einer Due Diligence
- Vergleich gängiger Methoden der Unternehmensbewertung
- Detaillierte Analyse der Preisfindungsverfahren (Festpreis, Auktion, Bookbuilding)
- Fallstudien zu erfolgreichen und erfolglosen Börsenemissionen
Auszug aus dem Buch
5.3 Bookbuilding
Mit dem 1995 erfolgten Börsengang der SGL Carbon AG wurde das aus Amerika stammende Bookbuilding zum ersten Mal für einen IPO in Deutschland genutzt. Im Bookbuilding wird der aus einer Unternehmensbewertung ermittelte Aktienpreis als erster Anhaltspunkt genutzt, um mit Hilfe von Gesprächen mit Investoren den Emissionspreis zu bestimmen. Der Prozess der Emissionspreisfindung läuft in mehreren Etappen ab. Der auf der Unternehmensbewertung fußende Aktienpreis wird in der ersten Analysephase ermittelt, welche in die Pre-Marketing-Phase übergeht. In dieser Phase werden in Gesprächen von der Bank und dem Emittenten mit ausgewählten Anlegern die ermittelten Preise vorgestellt und die Rückmeldungen der Investoren zur Preisgestaltung des Emittenten werden zur Festsetzung einer Preisspanne genutzt. In der anschließenden Marketing-Phase kommt es zur Offenlegung der Preisspanne und dem Aufruf Offerten innerhalb der vorgegebenen Spanne zu hinterlegen. Das Management stellt das Unternehmen sowie den geplanten Börsengang in Road-Shows weiteren Investoren vor und es werden weitere Kommunikationsmittel genutzt, um auch private Anleger auf den Börsengang aufmerksam zu machen. Kurz nach der Marketing-Phase reiht sich die Zeichnungsphase ein. Die institutionellen und privaten Anleger hinterlegen ihre Gebote, die beim Bookrunner in einem Orderbuch zusammengefasst werden. Im Orderbuch sind umfassende Informationen zum Preis, Aktienmenge, Zeitpunkt des Gebots und der Name des institutionellen Investors aufgeführt. Nach etwa zwei Wochen wird das Orderbuch geschlossen und aus den vorliegenden Informationen leiten der Emittent und die Emissionsbank den Emissionspreis ab und nehmen eine Verteilung der Aktienmengen vor. Im Kontrast zum Auktions- und Festpreisverfahren wird der Emissionspreis anhand der Rückmeldungen der Investoren gebildet und durch die detaillierte Nachfrage ein einheitlicher Emissionspreis gefunden, der die Vorstellungen des Marktes abbildet. Die Zuteilung der Aktien kann durch den Emittenten erfolgen. Dieser wird in der Regel jedoch auf die Expertise vom Emissionsführer zurückgreifen, da dieser über einen größeren Erfahrungsschatz verfügt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung erläutert die Relevanz von Börsengängen und steckt den Untersuchungsrahmen von der theoretischen Unternehmensbewertung bis zur konkreten Preisfindung ab.
2 Unterschied zwischen Wert und Preis: Dieses Kapitel arbeitet die grundlegende Differenz zwischen dem subjektiven Unternehmenswert und dem tatsächlichen Marktpreis heraus.
3 Due Diligence: Der Abschnitt beschreibt die vorbereitende Rolle der Due Diligence bei der Identifikation von Risiken und der Schaffung einer Entscheidungsgrundlage vor dem Börsengang.
4 Methoden der Unternehmensbewertung: Hier werden die wesentlichen Verfahren wie das Multiplikator- und das Ertragswertverfahren vorgestellt, die zur Wertermittlung vor dem Gang an die Börse dienen.
5 Methoden zur Ermittlung des Emissionspreises: Es erfolgt eine detaillierte Gegenüberstellung der Verfahren Festpreis, Auktion und Bookbuilding als technische Ansätze der Preisgestaltung.
6 Fallbeispiele zur Ermittlung des Emissionspreises: Anhand von Alibaba und der Hess AG wird die Anwendung des Bookbuilding-Verfahrens in der Praxis illustriert.
7 Analyse der Börsengänge: Das Kapitel reflektiert die Einflussfaktoren auf die Preisfindung und die Rolle von Interessenskonflikten zwischen den beteiligten Akteuren.
8 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass der ermittelte Unternehmenswert weniger den finalen Preis bestimmt, sondern eher als Indikator in Verhandlungen dient.
Schlüsselwörter
Börsengang, IPO, Unternehmensbewertung, Emissionspreis, Due Diligence, Bookbuilding, Multiplikatorverfahren, Ertragswertverfahren, Festpreisverfahren, Auktionsverfahren, Preisfindung, Finanzierung, Investition, Marktpreis, Emissionsbank.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Seminararbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit dem komplexen Prozess der Preisfindung bei Börsengängen, wobei der Fokus auf dem Übergang von der theoretischen Unternehmensbewertung zur praktischen Preisgestaltung am Kapitalmarkt liegt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die Abgrenzung von Wert und Preis, der vorbereitende Prozess der Due Diligence, gängige Bewertungsverfahren sowie die technischen Methoden zur Festlegung des Emissionspreises.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel ist herauszufinden, in welchem Maße der theoretisch ermittelte Unternehmenswert tatsächlich im finalen Emissionspreis enthalten ist und welche Faktoren diesen Prozess maßgeblich beeinflussen.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Erarbeitung verwendet?
Es handelt sich um eine theoretisch-analytische Arbeit, die durch eine Literaturanalyse und die Betrachtung von zwei Fallbeispielen methodisch untermauert wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen zu Due Diligence und Unternehmensbewertung sowie eine detaillierte technische Erläuterung der Preisfindungsverfahren, ergänzt durch die Analyse konkreter Praxisbeispiele.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Emissionspreisfindung, Bookbuilding, Unternehmensbewertung und Initial Public Offering (IPO) charakterisieren.
Warum ist das Bookbuilding-Verfahren laut der Arbeit heute das bevorzugte Instrument?
Das Bookbuilding wird bevorzugt, da es durch die Interaktion mit Investoren während der Zeichnungsphase ein realistischeres Bild der Marktnachfrage liefert als starre Festpreisverfahren.
Welche Rolle spielen Interessenkonflikte bei der Festlegung des Emissionspreises?
Interessenkonflikte entstehen zwischen dem Emittenten, der einen hohen Erlös anstrebt, und institutionellen Investoren, die auf ein Kurssteigerungspotenzial am ersten Börsentag hoffen, während Emissionsbanken zwischen diesen Ansprüchen vermitteln müssen.
Was lässt sich aus dem Fallbeispiel der Hess AG für die Praxis lernen?
Der Fall der Hess AG zeigt eindrucksvoll, wie mangelnde Marktnachfrage zur Senkung der Preisspanne und zur zeitlichen Verschiebung eines IPOs zwingen kann, was letztlich das Vertrauen und den Erfolg des Börsengangs beeinträchtigen kann.
Welche Bedeutung kommt dem Zeitpunkt eines Börsengangs zu?
Der Zeitpunkt ist essenziell, da überoptimistische Investitionsphasen einer Branche zu einer höheren Risikobereitschaft und damit potenziell zu einer verzerrten Preisbildung führen können.
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- Anonym (Autor), 2020, Finanzierung und Investition. Methoden zur Ermittlung des Emissionspreises in einem Börsengang, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1348366