Die Hausarbeit beschäftigt sich mit der Frage, ob das Bundesteilhabegesetz den Ansprüchen der UN-Behindertenrechtskonvention gerecht wird und ob sich in der Praxis für Menschen mit einer Behinderung etwas zum Positiven hin verbessert hat? Trägt das Bundesteilhabegesetz dazu bei, dass der Mensch selbstbestimmt wirken kann und mit seinen individuellen Bedürfnissen und Wünschen für sein eigenes Leben im Vordergrund steht? Nachfolgend werden diese Fragen beantwortet und herausgearbeitet, was sich seit der Einführung des Bundesteilhabegesetzes für die Menschen mit einer Behinderung verändert hat.
Mit der Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention im Jahr 2009 hätte sich in Deutschland einiges ändern müssen. Die Teilhabechancen von Menschen mit einer Behinderung verbesserten sich kaum bis gar nicht, obwohl Deutschland sich dazu verpflichtete den allgemeinen Arbeitsmarkt inklusiver zu gestalten. Infolgedessen prüfte der UN-Menschenrechtsausschuss 2015 die derzeitigen Zustände und forderte anschließend die Selbstbestimmung und Inklusion von Menschen mit einer Behinderung zu fördern und die entsprechenden Voraussetzungen dafür zu schaffen. Dazu gehörte auch ausreichend Dienstleistungen zur Verfügung zu stellen, um Menschen mit einer Behinderung dahingehend zu unterstützen ihre Persönlichkeit frei zu entfalten, Teilhabe an der Gesellschaft zu ermöglichen, inklusive Arbeitsbedingungen zu schaffen und Aufklärungsarbeiten zu leisten. Somit entstand 2016 das "Gesetz zur Stärkung der Teilhabe und Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderung", kurzgefasst das "Bundesteilhabegesetz" (BTHG).
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Von der UN-Behindertenrechtskonvention zum Bundesteilhabegesetz
2.1 Veränderung für Menschen mit einer Behinderung seit Einführung des BTHG
2.2 Herauslösung der Eingliederungshilfe aus der Sozialhilfe
3 Kritik am BTHG
4 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die praktische Umsetzung des Bundesteilhabegesetzes (BTHG) und analysiert, inwieweit es den Ansprüchen der UN-Behindertenrechtskonvention hinsichtlich einer echten Selbstbestimmung und gesellschaftlichen Teilhabe für Menschen mit Behinderungen gerecht wird.
- Paradigmenwechsel von der Fürsorge zur Selbstbestimmung
- Strukturelle Reformen der Eingliederungshilfe und Trennung von Leistungen
- Kritische Analyse der Umsetzungspraxis und verbleibende Barrieren
- Rolle der Sozialen Arbeit bei der Realisierung von Inklusion
Auszug aus dem Buch
2 Von der UN-Behindertenrechtskonvention zum Bundesteilhabegesetz
Im Jahr 2009 fand in Deutschland ein Paradigmenwechsel statt. Weg von der allgemeinen Fürsorge für Menschen mit einer Behinderung, hin zur Selbstbestimmung und gleichberechtigter Teilhabe am gesellschaftlichen Leben (vgl. Roseman/ Konrad 2020, S. 14). Im Artikel 1 der UN-Behindertenrechtskonvention heißt es: „Zweck dieses Übereinkommens ist es, den vollen und gleichberechtigten Genuss aller Menschenrechte und Grundfreiheiten durch alle Menschen mit Behinderung zu fördern, zu schützen und zu gewährleisten und die Achtung der ihnen innewohnenden Würde zu fördern.“ (Rosemann/ Konrad 2020, S. 14).
Die tatsächliche Umsetzung der Anforderungen, welche die UN-Behindertenrechtskonvention fordert, ist nur schwer von heute auf morgen zu realisieren. Der Wechsel von Fremdbestimmung zur Selbstbestimmung erfordert eine massive Änderung der bisherigen Leistungen und Einrichtungsträgern. Insbesondere Menschen mit einer schweren geistigen oder seelischen Beeinträchtigung, lebten lange Zeit abgeschirmt von der Gesellschaft und ausgeschlossen von dem allgemeinen Arbeitsmarkt. Heutzutage teils immer noch in großen Einrichtungen, die wie ein eigenes „Dorf“ aufgebaut sind, in dem die Menschen in einem geschützten Rahmen ihr Leben verbringen. Von gesellschaftlicher Teilhabe und Inklusion ist jedoch nicht viel zu verzeichnen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den Kontext der UN-Behindertenrechtskonvention in Deutschland und stellt die Forschungsfrage, ob das Bundesteilhabegesetz die Ziele von Inklusion und Selbstbestimmung in der Praxis erreicht.
2 Von der UN-Behindertenrechtskonvention zum Bundesteilhabegesetz: Dieses Kapitel erläutert den politisch-rechtlichen Paradigmenwechsel und die Notwendigkeit der Reform der Eingliederungshilfe sowie die Neuausrichtung hin zur Personenzentrierung.
2.1 Veränderung für Menschen mit einer Behinderung seit Einführung des BTHG: Hier werden die Auswirkungen der Leistungs-Trennung und die Einführung des neuen Bedarfsermittlungsinstruments BEI_NRW auf die Betroffenen analysiert.
2.2 Herauslösung der Eingliederungshilfe aus der Sozialhilfe: Dieses Kapitel beschreibt die rechtliche Trennung der Fachleistungen von den existenzsichernden Leistungen und deren Bedeutung für die soziale Teilhabe.
3 Kritik am BTHG: Das Kapitel thematisiert die Diskrepanz zwischen den hohen Erwartungen an das Gesetz und der ernüchternden Realität vor Ort sowie die Probleme bei der uneinheitlichen Umsetzung in den Bundesländern.
4 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass das BTHG zwar einen wichtigen Schritt darstellt, jedoch bei weitem nicht ausreicht, um echte Teilhabe für Menschen mit Behinderungen zu garantieren und fordert eine stärkere Einbeziehung der Betroffenen unter dem Motto „nicht über uns ohne uns“.
Schlüsselwörter
Bundesteilhabegesetz, BTHG, Eingliederungshilfe, UN-Behindertenrechtskonvention, Selbstbestimmung, Inklusion, Teilhabe, Personenzentrierung, Sozialhilfe, Menschenrechte, BEI_NRW, Behindertenpolitik, Leistungstrennung, Soziale Arbeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Auswirkungen des Bundesteilhabegesetzes (BTHG) auf die Lebenssituation von Menschen mit Behinderungen in Deutschland.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind der Abbau von Fremdbestimmung, die Trennung von Fach- und existenzsichernden Leistungen sowie die Bedeutung von Inklusion und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist herauszuarbeiten, ob das Gesetz den Ansprüchen der UN-Behindertenrechtskonvention in der praktischen Anwendung tatsächlich gerecht wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und der Auswertung fachlicher Stellungnahmen zur Umsetzung des BTHG.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert den Prozess der Umsetzung, die strukturellen Veränderungen in der Eingliederungshilfe und die bestehende Kritik an der praktischen Wirksamkeit des Gesetzes.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe sind BTHG, Eingliederungshilfe, Inklusion, Selbstbestimmung, Teilhabe und Personenzentrierung.
Wird das BTHG in allen Bundesländern einheitlich umgesetzt?
Die Arbeit kritisiert explizit, dass kein einheitlicher Vollzug stattfindet und ein Interpretationsspielraum besteht, der zu unterschiedlichen Umsetzungsergebnissen führt.
Welches neue Instrument hat den individuellen Hilfeplan (IHP) abgelöst?
Das Instrument zur Ermittlung des individuellen Bedarfs wurde durch das sogenannte BEI_NRW ersetzt.
- Quote paper
- Mara Küpper (Author), 2022, Das Bundesteilhabegesetz. Soziale Arbeit in der öffentlichen Sozialverwaltung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1348458