„What makes Britain laugh? It's not an easy question to answer. [...] Of course, the British have changed a great deal in time. But many of the things which amused our parents, grandparents and even great-grandparents can still make us smile, chuckle, titter, chortle, splutter or guffaw today [...]. Some of the subjects may have changed [...] but others are much the same: we're still fascinated and infuriated by our mysterious class system, our politicians, our celebrities. Perhaps most of all, we're endlessly amused by ourselves and our bizarre habits.“
Das Zitat entstammt einem Artikel zum britischen Humor von Mark Duguid, Autor des Onlineportals des British Film Institute. So eigen und vielfältig der britische Humor ist, so scheint es Konstanten zu geben, die sich über Jahrzehnte halten und generationenübergreifend für schmunzelnde Mundwinkel sorgen. Insbesondere Absurdität, groteske Momente und sogenannte sozio-heikle Themen, wie sie auch Duguid nennt, scheinen einen Basispfeiler der britischen Komödie auszumachen. So finden sich die beiden britischen Serien Fawlty Towers und Extras – um die es im folgenden Text geht – im obigen Zitat wieder. Über verschrobene Angewohnheiten verfügen die Protagonisten allemal und während bei Fawlty Towers das zitierte Klassensystem thematisch an der Tagesordnung steht, bewegt sich bei Extras die britische und amerikanische Medienprominenz über das Serienparkett.
Um dem britischen Humor mit seiner Vorliebe für das Groteske auf den Zahn zu fühlen, strebt die folgende Arbeit eine Analyse der 70er Jahre Serie Fawlty Towers und dem 2005 erstmals ausgestrahlten Format Extras an, über das sich John Cleese, Gründer von Fawlty Towers, folgendermaßen äußerte: „The finest sitcom ever crafted since the cosmos was created. Except for mine“. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. FORMELLE ANALYSE
2.1 Extras
2.1.1 Rahmendaten
2.1.2 Das Figurenensemble – der Anti-Helden-Squad
2.2 Fawlty Towers
2.2.1 Rahmendaten
2.2.2 Das Figurenensemble
2.3 Direkter Vergleich – Rahmendaten
3. ENTSTEHUNG DER KOMIK
3.1 Eine Typologie der Groteske
3.2 Wurzeln der Komik
4. FAZIT
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen des britischen Humors anhand der Serien Fawlty Towers und Extras, mit einem besonderen Fokus auf die Darstellung der Groteske, peinlicher Situationen und den Umgang mit sozio-heiklen Themen.
- Analyse der formellen Rahmendaten und Figurenensembles beider Serien.
- Entwicklung einer Typologie der Groteske zur Einordnung komischer Situationen.
- Untersuchung der Bedeutung von Peinlichkeit und Fremdschämen als humoristisches Element.
- Gegenüberstellung des Umgangs mit gesellschaftlichen Tabuthemen in beiden Formaten.
- Dekonstruktion der Protagonisten als zentrales humoristisches Stilmittel.
Auszug aus dem Buch
3.1 Eine Typologie der Groteske
„grotesk: a) durch eine Übersteigerung oder Verzerrung absonderlich, fantastisch wirkend; b) absurd; lächerlich; Komik erregend. Groteske, die: [...] 2) Erzählform, die Widersprüchliches, z.B. Komisches u. Grauen erregendes verbindet.“
Die Definition zu den Begriffen grotesk beziehungsweise Groteske entstammt dem deutschen Dudenlexikon. Erstaunlich treffsicher lassen sich die Definitionen sowohl auf Extras als auch auf Fawlty Towers und die besondere Art des Humors beider Serien anwenden.
Die Überspitzung und Verzerrung alltäglicher Situationen zur Generierung absurd lustiger Situationen findet sich in beiden Serien als Basiselement. Die Verzerrung der Wirklichkeit (zumindest der wahrgenommenen Wirklichkeit) findet sich bei Extras insbesondere in den Gastauftritten. Bei Fawlty Towers entsteht die Übersteigerung durch die hyperventilierenden Wutanfälle von Basil. Darüber hinaus finden sich zahlreiche Situationen, die anhand der obigen Definition als grotesk bezeichnet werden können, sich allerdings in ihrer Beschaffenheit und Wirkung grundlegend unterscheiden. Insbesondere die Verbindung von „Widersprüchliche[m], z.B. Komische[m] und Grauen erregende[m]“, wie sie im obigem Zitat genannt ist, beherrschen beide Formate in Perfektion. Die größten Momente der Komik zeichnen sich durch den Zwiespalt zwischen schmerzlichem Mitleiden (Grauen erregendem) mit den Protagonisten in deren Momenten der größten Erniedrigung und der gleichzeitigen Komik der jeweiligen Situation aus. Man möchte die Augen vor Scham schließen, kann sich aber ob der grotesken Situation kaum das Lachen verkneifen. Je nach Schmerzgrenze und Empathieempfinden des Rezipienten mag dies durchaus variieren, das Grundkonzept der zwiegespaltenen Komik dürfte jedoch universell funktionieren.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Einführung in die Thematik des britischen Humors und Begründung für die Auswahl der beiden Serien Fawlty Towers und Extras zur Analyse.
2. FORMELLE ANALYSE: Detaillierte Betrachtung der Rahmendaten und der Figurenkonstellationen beider Serien sowie ein direkter Vergleich ihrer Merkmale.
3. ENTSTEHUNG DER KOMIK: Ableitung einer Typologie der Groteske und Analyse der verschiedenen Ursprünge für die Komik in beiden Formaten.
4. FAZIT: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse unter Berücksichtigung der Forschungsfragen zum Umgang mit sozio-heiklen Themen und Peinlichkeit.
Schlüsselwörter
Britischer Humor, Groteske, Peinlichkeit, Fremdschämen, Fawlty Towers, Extras, Ricky Gervais, John Cleese, sozio-heikle Themen, Sitcom, Dekonstruktion, Soziale Faux pas, Comedy.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Mechanismen des britischen Humors in den Serien Fawlty Towers und Extras, wobei der Schwerpunkt auf dem Einsatz der Groteske und peinlicher Situationen liegt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind der Umgang mit sozio-heiklen Inhalten, die Bedeutung von Fremdschämen, das Klassensystem und die Dekonstruktion der Protagonisten.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht, wie sich der Umgang mit Peinlichkeit, politischer Korrektheit und dem Überschreiten von Grenzen im britischen Humor über die Jahrzehnte entwickelt hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es erfolgt eine deskriptive Analyse sowie ein direkter Vergleich von Formaten und inhaltlichen Themen, unterstützt durch eine entwickelte Typologie der Groteske.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil umfasst eine formelle Analyse der Rahmendaten und Figuren sowie eine detaillierte Auseinandersetzung mit der Entstehung der Komik und den typischen humoristischen Mustern.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Schlagworte sind Britischer Humor, Groteske, Peinlichkeit, Fremdschämen, Soziale Faux pas und Dekonstruktion.
Wie unterscheidet sich die Groteske bei Extras von der bei Fawlty Towers?
Während Extras die Groteske oft durch Gaststars und öffentliche Demütigung erzeugt, beruht sie bei Fawlty Towers stärker auf der situativen Slapstick-Komik rund um Basil Fawlty im Hotel.
Was versteht die Arbeit unter sozio-heiklen Themen?
Damit sind Themen gemeint, die ein hohes Potenzial für soziale Faux pas bieten, wie etwa Religion, Rassismus oder Sexualität, und die die Protagonisten oft in verfängliche Situationen bringen.
- Quote paper
- Marlies Bayha (Author), 2008, Extras und Co - Die Faszination der Groteske, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/134872