Ziel dieser Studienarbeit ist es, die charismatische Strategie des Mohammed VI. zu analysieren. Hierbei wird auf das Konzept der charismatischen Herrschaft nach Max Weber zurückgegriffen. Diese Arbeit möchte damit einen wesentlichen Punkt in der Strategie des Machterhalts, Machtausbau und der Legitimation der Monarchie in Marokko hervorheben: die Vermarktung der Person des Königs selbst. Dieser theoretische Zugang wird durch eine kurze Betrachtung des marokkanischen Regierungssystems und durch einen Vergleich mit den zwei Vorgängern des jetzigen Königs ergänzt. Diese Gegenüberstellung verdeutlicht zudem auch die historisch gewachsene Stellung der Königsdynastie nach der Unabhängigkeit Marokkos. Klar ist, dass die marokkanische Monarchie an sich auf einer soliden Machtbasis fundiert und nahezu unverletzlich ist, im Sinne der weberschen traditionalen Herrschaft. Außerdem werden mehrere direkte Beobachtungen geschildert, die die Argumentation unterstützen und die sich aus Presseartikeln, Interviews, Fernsehbeiträgen und nicht zuletzt einem langjährigen Aufenthalt des Autors in Marokko speisen. Es wird die These vertreten, dass Mohammed VI. seine Macht über mehrere Kanäle zu sichern versucht, in einer globalisierten, digitalisierten und vernetzten Welt, in der die Ausübung von Repressalien und Zensur nahezu unmöglich erscheint. Er versucht, den Kult um seine Person wieder aufleben zu lassen und zeigt sich gleichzeitig als Monarch des neuen Jahrtausends in einem technisierten und modernisierten Königshaus.
Wie hat sich die Monarchie in Marokko nach zehn Jahren Machtwechsel gewandelt? Wie hat sie auf die internationalen und nationalen Ereignisse reagiert? Und warum bedarf es einer charismatischen Strategie?
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Theoretische Erklärungsansätze
1.1. Die charismatische Herrschaft bei Max Weber
1.2. Die Legitimationsquellen der Monarchie in Marokko
2. Überblick: die Rolle der Monarchie und das Regierungssystem Marokkos
3. Die Herrschaft der Vorgänger:
3.1. Mohammed V: heiliger König
3.2. Hassan II.: Vater der Nation
4. Die charismatische Strategie des Mohammed VI.
Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit analysiert die charismatische Machtstrategie von König Mohammed VI. von Marokko unter Rückgriff auf das Konzept der charismatischen Herrschaft nach Max Weber. Ziel ist es, die spezifische Form des Machterhalts und der Legitimation durch die Vermarktung der Person des Königs sowie dessen Kommunikation im Vergleich zu seinen Vorgängern zu untersuchen.
- Analyse der charismatischen Herrschaftsform nach Max Weber
- Untersuchung der Legitimationsquellen der marokkanischen Monarchie
- Vergleich der Regierungsstile von Mohammed V., Hassan II. und Mohammed VI.
- Erforschung der modernen Kommunikationsstrategien zur Sicherung der königlichen Autorität
- Einfluss der globalisierten und digitalisierten Welt auf die Herrschaftspraxis
Auszug aus dem Buch
Die charismatische Strategie des Mohammed VI.
Weber schreibt unter anderem Propheten, Kriegshelden und Heilern ein charismatisches Potenzial zu. Im Folgenden soll aufgezeigt werden, wie sich der marokkanische König Mohammed VI. in diesen verschiedenen Rollen gezielt positioniert.
Als Prophet bzw. als direkter Nachfahre des Propheten und der damit verbundene Rolle des „Führers der Gläubigen“ betonte Mohammed VI. schon in seiner Antrittsrede: „ […] Dieu a voulu que nous accédons au Trône de nos Glorieux Ancêtres, conformément à la volonté de notre père, qui nous a fait Prince Héritier, aux dispositions de la constitution, et en application de la Beïa par laquelle les représentants de la Nation se sont engagés.“
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung führt in die Baya-Tradition ein und umreißt die zentrale Forschungsfrage nach der charismatischen Strategie von Mohammed VI.
1. Theoretische Erklärungsansätze: Hier werden die weberschen Typen der Herrschaft dargelegt und die historischen Legitimationsstränge der marokkanischen Monarchie analysiert.
2. Überblick: die Rolle der Monarchie und das Regierungssystem Marokkos: Das Kapitel erläutert die verfassungsrechtliche Stellung des Königs und die Funktionsweise des machtzentrierten Staatsapparates.
3. Die Herrschaft der Vorgänger:: Dieses Kapitel porträtiert die Regierungsstile von Mohammed V. und Hassan II. als historische Bezugspunkte für den amtierenden König.
4. Die charismatische Strategie des Mohammed VI.: Hier wird analysiert, wie Mohammed VI. durch moderne Inszenierung und den Rollentausch zwischen traditionellen und modernen Elementen seine Macht sichert.
Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Monarchie als sozialer Kitt in Marokko fungiert und Mohammed VI. durch seine Kommunikationsstrategie einen stabilen Mittelweg beschreitet.
Schlüsselwörter
Marokko, Mohammed VI., charismatische Herrschaft, Max Weber, Monarchie, Machtstrategie, politische Legitimation, Herrschaftssystem, Religion, Tradition, Moderne, Kommunikation, Machtausbau, Herrschaftsstil, Islam.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie König Mohammed VI. seine Herrschaft in Marokko sichert und legitimiert, indem er gezielt eine charismatische Strategie verfolgt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zu den zentralen Themen gehören das Konzept der charismatischen Herrschaft, die Bedeutung der religiösen Legitimation, der Vergleich mit den Vorgängerkönigen sowie moderne Medienstrategien des Palastes.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Mohammed VI. seine Person vermarktet und durch eine Mischung aus Tradition und Moderne seine Machtbasis in einer globalisierten Welt stabilisiert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin/der Autor greift auf das soziologische Konzept der charismatischen Herrschaft nach Max Weber zurück und ergänzt dies durch eine politikwissenschaftliche Analyse der Regierungsstrukturen und historischer Vergleiche.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die theoretischen Grundlagen erläutert, das marokkanische Regierungssystem analysiert, die Biografien der Vorgänger betrachtet und schließlich die moderne Strategie Mohammeds VI. detailliert untersucht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die wichtigsten Begriffe sind Marokko, charismatische Herrschaft, Mohammed VI., Legitimation, Monarchie, Machtstrategie und politische Transformation.
Warum spielt die Religion für die Herrschaft des Königs eine so große Rolle?
Als Nachfahre des Propheten und „Führer der Gläubigen“ (Amir Al Muminin) zieht der König seine wichtigste Legitimationsquelle aus der Religion, was ihm ermöglicht, politische Reformen mit traditioneller Autorität zu verbinden.
Wie unterscheidet sich der Regierungsstil von Mohammed VI. von seinem Vater Hassan II.?
Während Hassan II. als unnahbarer, autokratischer Herrscher regierte, setzt Mohammed VI. verstärkt auf eine Strategie der Kommunikation, Bürgernähe und eine gezielte Vermarktung seiner Person.
Welche Bedeutung hat das „Mezen“-System für die heutige Machtstruktur?
Das „Mezen“-System beschreibt ein zentralistisches Netzwerk von Behörden und Abhängigkeiten, das historisch zur Durchsetzung königlicher Befehle diente und die Macht des Königshauses in der Provinz festigt.
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- Mohamed Amjahid (Author), 2009, Alte Monarchie im neuen Format, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/134875