Nach der Steuerreform 2001 steht mit der Unternehmensteuerreform 2008 ein erneuter Systemwechsel bevor. Im Mittelpunkt der Reform steht die Absenkung des nominellen Unternehmensteuersatzes, ergänzt um Gegenfinanzierungsmaßnahmen und einer Abgeltungssteuer für private Kapitalanlagen. In Theorie und Praxis besteht Einigkeit darüber, dass sowohl unternehmensbezogene als auch persönliche Steuern die Konsummöglichkeiten eines Anteilseigners mindern. Somit haben beide Einfluss auf den Unternehmenswert und müssen daher in das Bewertungskalkül integriert werden. Im folgenden Beitrag werden kritisch die Auswirkungen der Reform
auf die Unternehmensbewertung nach IDW S 1 diskutiert. Dabei wird nicht nur auf die Reformmaßnahmen bei den persönlichen, sondern auch bei den Unternehmenssteuern eingegangen.
Der Beitrag ist wie folgt aufgebaut: In Kapitel 2 werden dem Leser Grundlagen für das weitere Verständnis vermittelt. Es werden die Vorgehensweise bei der Unternehmensbewertung nach dem IDW S 1 sowie die Eckpunkte der Unternehmensteuerreform 2008 kurz erläutert. In Kapitel 3 werden die Auswirkungen der steuerlichen
Maßnahmen auf den Unternehmenswert analysiert. Dabei werden zunächst die Auswirkungen auf die Höhe der Unternehmenscashflows, danach die Auswirkungen auf den Kapitalisierungszinsfuss diskutiert. Nach einer kurzen Würdigung der Auswirkungen in Kapitel 4 schließt der Beitrag mit zusammenfassenden Thesen (Kapitel 5).
Inhaltsverzeichnis
1. Problemstellung
2. Grundlagen
2.1 Unternehmensbewertung nach IDW S1
2.2 Eckpunkte der Steuerreform
3. Auswirkungen der Unternehmenssteuerreform auf die Unternehmensbewertung nach IDW S1
3.1 Auswirkungen auf die Unternehmenscashflows
3.1.1 Unternehmensebene
3.1.2 Anteilseignerebene
3.2 Auswirkungen auf den Kapitalisierungszinsfuss
4. Würdigung
5. Thesenförmige Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht kritisch die Auswirkungen der deutschen Unternehmensteuerreform 2008 auf die Unternehmensbewertung gemäß dem IDW S 1 Standard. Im Fokus steht dabei die Analyse, wie sich die nominelle Senkung der Unternehmensteuersätze einerseits und die Einführung der Abgeltungssteuer sowie diverser Gegenfinanzierungsmaßnahmen andererseits auf die Unternehmenscashflows und den Kapitalisierungszinsfuss auswirken.
- Systematik der Unternehmensbewertung nach IDW S 1
- Wesentliche Eckpunkte der Unternehmensteuerreform 2008
- Analyse der steuerlichen Effekte auf Ebene der Kapitalgesellschaft
- Auswirkungen der Abgeltungssteuer auf die Anteilseignerebene
- Veränderungen bei der Ermittlung des Kapitalisierungszinsfusses mittels Tax-CAPM
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Unternehmensebene
Bei der Analyse wird vereinfachend von einer voll ausschüttenden Kapitalgesellschaft ausgegangen. Der Grund liegt darin, dass bei der Analyse der Steuerbelastungen systematisch zwischen der Unternehmensebene auf der einen und der Anteilseignerebene auf der anderen Seite unterschieden werden kann. Zunächst werden die Auswirkungen auf die Unternehmensebene betrachtet. Nach derzeitigem Recht sind Kapitalgesellschaften verpflichtet Gewerbe- und Körperschaftssteuer zu entrichten. Im Jahr 2007 beläuft sich bei einem Hebesatz von 400 % die effektive Gesamtsteuerbelastung für Kapitalgesellschaften auf 38,65 %. Bei der Berechnung für das Jahr 2009 ergibt sich unter der Berücksichtigung der Änderungen durch die Unternehmensteuerreform für eine Kapitalgesellschaft eine effektive Steuerbelastung in Höhe von 29,83 %.
Die Werte zeigen deutlich die Auswirkungen der Unternehmensteuerreform. Für Kapitalgesellschaften stellt sich eine nominelle Entlastung von 8,83 % ein. Auf Ebene der Gesellschaft gilt daher zu konstatieren, dass durch die Senkung der Unternehmensteuerlast die ausschüttfähigen Zahlungsüberschüsse erhöht werden. Daraus resultiert bei isolierter Betrachtung der Unternehmensebene unzweifelhaft ein positiver Einfluss auf den Unternehmenswert. Dieser wird steigen.
Die berechnete Steuerentlastung ist allerdings dahingehend kritisch zu sehen, dass die Höhe der Steuerentlastung und damit auch der Einfluss auf den Unternehmenswert nicht für alle Unternehmen gleich hoch ist. Die Steuerentlastung ist ganz entscheidend von der Höhe des Hebesatzes abhängig und somit auch vom Verhalten der Gemeinden, die den Hebesatz selbst bestimmen können. Berechnet man die Unternehmensteuerlast mit verschiedenen Gewerbesteuerhebesätzen so zeigt sich, dass die Höhe der Steuerentlastung sehr unterschiedlich ausfallen kann.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Problemstellung: Einleitung in den Themenkomplex der Unternehmenssteuerreform 2008 und deren Relevanz für die Unternehmensbewertung, inklusive der Zielsetzung der Arbeit.
2. Grundlagen: Erläuterung der Bewertungsmethodik nach IDW S 1 sowie Darstellung der zentralen steuerlichen Änderungen durch die Reform 2008.
3. Auswirkungen der Unternehmenssteuerreform auf die Unternehmensbewertung nach IDW S1: Detaillierte Analyse der Auswirkungen auf Unternehmenscashflows (Unternehmens- und Anteilseignerebene) sowie auf den Kapitalisierungszinsfuss.
4. Würdigung: Kritische Reflexion der Ergebnisse und Diskussion der Kompensationseffekte zwischen den verschiedenen steuerlichen Maßnahmen.
5. Thesenförmige Zusammenfassung: Kompakte Darstellung der wesentlichen Erkenntnisse und Schlussfolgerungen der Arbeit in sechs Thesen.
Schlüsselwörter
Unternehmensbewertung, Unternehmensteuerreform 2008, IDW S 1, Körperschaftsteuer, Gewerbesteuer, Abgeltungssteuer, Cashflows, Kapitalisierungszinsfuss, Tax-CAPM, Anteilseignerebene, Steuerbelastung, Zinsschranke, Thesaurierungsrücklage, Unternehmenswert, Gegenfinanzierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Auswirkungen der umfassenden Unternehmensteuerreform 2008 in Deutschland auf die gängige Praxis der Unternehmensbewertung nach dem IDW S 1 Standard.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zu den Kernbereichen zählen die Veränderung der Steuerlast auf Unternehmensebene, die Einführung der Abgeltungssteuer für Anteilseigner sowie die Auswirkungen dieser steuerlichen Rahmenbedingungen auf den Kapitalisierungszinsfuss und die bewertungsrelevanten Cashflows.
Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage?
Ziel ist es, kritisch zu beleuchten, inwiefern die nominellen Steuersatzsenkungen durch die Reform 2008 durch begleitende Gegenfinanzierungsmaßnahmen und die neue Besteuerung auf Anteilseignerebene kompensiert werden und wie sich dies schlussendlich auf den Unternehmenswert auswirkt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine deduktive Analyse, bei der auf Basis der theoretischen Vorgaben des IDW S 1 Standards und der steuerlichen Änderungen Beispielrechnungen und Auswirkungen auf das Bewertungskalkül (insbesondere Tax-CAPM) diskutiert werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Cashflows auf Unternehmensebene, der Belastungssituation auf der Ebene der Anteilseigner sowie die Analyse der Veränderungen des Kapitalisierungszinsfusses unter Berücksichtigung neuer Steuersätze.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Unternehmensbewertung, Unternehmensteuerreform 2008, Abgeltungssteuer, IDW S 1, Kapitalisierungszinsfuss und steuerliche Belastung geprägt.
Wie wirkt sich die neue Gewerbesteuerregelung auf die Unternehmensbewertung aus?
Die Arbeit zeigt, dass die Gewerbesteuer durch die Reform an Bedeutung gewinnt. Ihre Nichtabzugsfähigkeit bei der Bemessungsgrundlage führt dazu, dass sie in der Steuerplanung einen höheren Stellenwert einnimmt, was bei der Bewertung die Steuerbelastung und damit die Cashflows direkt beeinflusst.
Warum ist die Haltedauer von Kapitalanlagen für die Bewertung kritisch?
Die Haltedauer beeinflusst den Zeitpunkt der Steuerrealisation bei Kursgewinnen. Da die Abgeltungssteuer auch auf Kursgewinne erhoben wird, führt eine längere Haltedauer durch den Barwerteffekt zu einer geringeren effektiven Belastung, was die Komplexität der Bewertung erhöht.
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- Christian Weidinger (Author), 2007, Kritische Analyse der Auswirkungen der Unternehmenssteuer-Reform 2008 auf die Unternehmensbewertung gemäß IDW S1, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/134925