Public Choice and Economic Growth


Seminararbeit, 2002
17 Seiten, Note: 2,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Wirtschaftswachstum und Public Choice
2.1. Wirtschaftswachstum und Institutionen
2.1.1. Eigentumsrecht
2.1.2. Staatsquote
2.1.3. Politische Institutionen

3. Zusammenfassung und Bewertung

4. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Public Choice Ansichten zur Begründung von Wirtschaftswachstum wurden lange Zeit als nachrangiges Forschungsgebiet betrachtet, da moderne makroökonomische Wachstumstheorien den Prozess des Wirtschaftswachstums bis 1989 gut erklärt haben. Doch der Fall der Berliner Mauer und der Zerfall der Sowjetunion zeigten deutlich, dass politische Institutionen eine wesentlich bedeutendere Rolle in einem Wachstumsprozess spielen als vorher angenommen. Der Versuch, in den ex-kommunistischen Ländern durch die Implementierung demokratischer Systeme das Wirtschaftswachstum anzukurbeln, scheiterte, da gewisse Kriterien nicht erfüllt wurden. Diese Kriterien und empirischen Untersuchungen werde ich unter Punkt 2 vorstellen und erläutern.

Die klassischen Wachstumsmodelle wurden vorrangig als Analyseinstrument zur Betrachtung der wesentlichen Wirtschaftswachstumsfaktoren benutzt. Als Basis dieser Betrachtungen galt die Produktionsfunktion. Politische und wirtschaftliche Institutionen wurden als vernachlässigbar betrachtet. Wirtschaftswachstum wurde durch Steigerung des Inputs und / oder durch bessere Ausnutzung der vorhandenen Ressourcen generiert (Human und Physisches Kapital und Technologischer Fortschritt), wobei eine dem Wachstum dienliche institutionelle Struktur vorausgesetzt wurde.

Nach dem Zerfall der kommunistischen Systeme änderte sich der Schwerpunkt des Interessensgebietes von Public Choice. Der Fokus der Betrachtungen verschob sich vom Prozess politischer Willensbildung zu der institutionellen Betrachtung. Die Public Choice Betrachtung sieht in erster Linie Markt-Institutionen als wesentlichen Stimulierungsfaktor des Wirtschaftswachstums an. Sie betrachtet, im Gegensatz zu den modernen Wirtschaftsmodellen, institutionelle Rahmenbedingungen nicht als hinreichende Bedingung, sondern vielmehr als notwendige Bedingung. Um richtige politische Entscheidungen treffen zu können mit dem Ziel, Wirtschafts­wachstum zu fördern, muss man also sowohl den Public Choice Ansatz als auch die modernen Wachstumsmodelle nehmen.

Politische Entscheidungsträger müssen die richtige institutionelle Umgebung schaffen, damit Marktkräfte sich entfalten und Wirtschaftswachstum entstehen können. Die politischen Entscheider müssen sich in erster Linie also mit der Schaffung richtiger Strukturen beschäftigen, der Markt übernimmt dann die Steuerung der Ressourcen. Falls Politiker sich nur auf die Produktionsfunktion beschränken und nicht auf die institutionelle Struktur achten, wird Wirtschaftswachstum nicht generiert.

Wie wir im Transformationsprozess der ex-kommunistischen Länder sehen konnten[1], führt der alleinige Einsatz der Produktionsfunktion nicht zum Erfolg. Die Einengung der Sicht auf die Produktionsfunktion verführte sogar zu einer Wachstumspolitik, die zum Scheitern verurteilt war.

Als Einstieg werde ich kurz die Entwicklung der Wachstumstheorien zusammenfassen, um später auf die Bedeutung von Institutionen näher eingehen zu können.

2. Wirtschaftswachstum und Public Choice

Bis Anfang des 20. Jahrhunderts wurde Wirtschaftswachstum aus politischer und ökonomischer Sicht betrachtet. Dies kann man aus Adam Smiths[2] und Henry Georgs[3] Werken erkennen. Der Bruch zwischen diesen Disziplinen entstand mit der Spezialisierung der Sozialwissenschaften. Die Politikwissenschaftler konzentrierten sich mehr auf die politischen Prozesse, die Wirtschaftswissenschaftler befassten sich mehr mit Gleichgewichtsbedingungen als mit Wachstumsfragen. Gefördert wurde dieser Trend durch die anhaltende Quantifizierung der Wirtschaftswissenschaften durch die Erfolge der Mathematik in der Physik. In der Makro- und Mikroökonomie wurde schwerpunktmäßig die Erreichung stabiler Gleichgewichtszustände untersucht, was durch Keynes[4] induziert wurde. Die Wirtschaftswachstumstheorie wurde durch Robert Solow[5] 1956 mit den Gleichgewichtsmodellen näher gebracht, was Romer[6] (1986), Lucas[7] (1988) und Jones und Manuelli[8] (1990) zu einer neuen makroökonomischen Theorie mit endogenem Wachstum modellierten. In dieser neuen Theorie wird über mehr Input oder verbesserte Ressourcenausnutzung das Output gesteigert, institutionelle Strukturen werden aber immer noch außer acht gelassen. Die Formel Q = f (K,L) zeigt, dass das Output Q nur gesteigert werden kann, wenn K (Kapital) oder L (Arbeitsmarkt) erhöht werden oder die Funktion f , mit gleichem K und L, verbessert wird. Wirtschaftswachstum wird nach dieser Formel also durch die Quantität und Qualität des Inputs oder durch den Technologiefortschritt induziert. Diese Annahmen sind natürlich richtig, sie verleiten jedoch Politiker dazu, ihre Wachstumspolitik nur nach Gesichtspunkten auszurichten, in denen Input generiert wird und technologischer Fortschritt und - Einsatz gefördert werden. Wie wir sehen werden, ist dieser Ansatz zur Analyse von Wirtschaftswachstum nicht vollständig, da institutionelle Rahmenbedingungen vernachlässigt werden.

2.1. Wirtschaftswachstum und Institutionen

Um diese Beziehung empirisch analysieren zu können, muss man zuerst die Institutionellen Differenzen der Länder bewerten. Einer der ersten war Raymond Gastils[9], der politische und ökonomische Freiheit weltweit indexiert hat. Seine Arbeit wird von Freedom House regelmäßig erneuert und veröffentlicht. Auf seine Arbeit aufbauend konnte Gerald W. Scully[10] eine Korrelation zwischen politischer- ökonomischer Freiheit und Wirtschaftswachstum nachweisen. Gastils Freedom House Index hat einen starken Schwerpunkt auf politische und zivile Freiheit gelegt. Basierend auf Gastils Index wurden viele weitere Indizes für wirtschaftliche Freiheit entwickelt. Zwei der geläufigsten sind James Gwartney für das Fraser Institute und Johnson für die Heritage Foundation. Diese beiden Messungen konzentrieren sich darauf, wie stark Eigentumsrechte geschützt und Wechselfreiheiten gegeben sind. Sie lassen politische Freiheit und bürgerliche Liberalität aus. Johnson verlässt sich auf subjektive Kriterien, wohingegen Gwartney seinen Index anhand objektiv messbarer Kriterien entwickelt. Beide Indizes bestehen aus 17 unterschiedlichen Komponenten, unterteilt in vier Kategorien: Geld und Inflation, Regierungsentscheidungen und Regulation, Steuerdiskriminierung und Eigentumsrechte sowie Unterdrückung von internationalen Wechseln. Hanke und Walters[11] haben 1997 festgestellt, dass beide Indizes, obwohl sie unterschiedlich aufgebaut sind, doch sehr stark zueinander korreliert sind. Diese beiden Indizes wurden ausschließlich entwickelt, um die Beziehung von Wirtschaftswachstum mit wirtschaftlicher Freiheit zu zeigen. Damit ist eine deutlich präzisere Messung der Beziehung und Adam Smiths These wird zudem bestärkt, dass Produktivität mit Markt-Institutionen zusammenhängt. Easton und Walker[12] (1997) zeigten anhand des Gwartney Indexes von 1996 eine starke Korrelation zwischen der Messung der ökonomischen Freiheit und der des Wirtschaftswachstums. James Gwartney und Robert Lawson[13] wiesen eine starke Korrelation zwischen ökonomischer Freiheit und Wirtschaftswachstum nach. Die Frage, wie stark die einzelnen 17 Komponenten im Einzelnen mit dem Wirtschaftswachstum korreliert und wie sie gewichtet sind, ist leider eine immer noch offen. Da Gwartneys Index ebenso wie Johnsons Index nur die ökonomische Freiheit indexieren und Gastils Index eher die politische Freiheit, konnte Gwartney 1999 die Effekte beider Indizes mit Wirtschaftswachstum analysieren. Er zeigte, dass Markt-Institutionen eine stärkere Rolle im Prozess des Wirtschaftswachstums spielen als politische Institutionen. Anders ausgedrückt sind Marktinstitutionen für das Wirtschaftswachstum entscheidend, politische nicht. Diese Schlussfolgerung werden wir uns unter Punkt 2.1.3. näher anschauen und zeigen, dass sie so einfach nicht ist.

Die genaue Kausalität zwischen ökonomischer Freiheit und Wirtschaftswachstum, so Gwartney, ist, dass ökonomische Freiheit die Voraussetzung für Wirtschaftswachstum ist, umgekehrt, also dass Wirtschaftswachstum die Voraussetzung für ökonomische Freiheit ist, hat er widerlegt. Die Kausalität gilt demnach nur in eine Richtung.

[...]


[1] vgl. A. Brunetti „Institutions in Transition“

[2] Adam Smith „Inquiry the Nature and Causes of the Wealth of Nations“ 1776

[3] Henry Georg „Progress and Poverty“ 1889

[4] Keynes, John Maynard „The General Theory of Employment, Interest and Money“ (1935–36)

[5] Roberts Solow „A Contribution to the Theory of Economic Growth“, Quarterly Journal of Economics

[6] Romer, Paul M. (1986). Increasing Returns and Long-Run Growth. Journal of Political Economy 94: 1002-37

[7] Lucas, Robert E. Jr. (1988). On the Mechanics of Economic Development. Journal of Monetary Economics 22: 3-42

[8] Jones L. und Manuelli R.E. "A Convex Model of Equilibrium Growth: Theory and Policy Implications," Journal of Political Economy, 1990, 98, 1008-1038

[9] Raymond D. Gastil „Freedom in the World: Political Rights and civil liberties“, Greenwood Press 1986

[10] Gerald W. Scully “Institutions, policy, and economic growth” The Elgar Companion to Public Choice by W.F.Shugart and L. Razzolini, Cheltenham UK 2001

[11] Hanke, Steve H. and Walters, Stephen J.K. „Economic Freedom, Property, and Equality“, The Calto Journal Vol. 17 No 2

[12] Easton, Stephen T., and Michael A. Walker (1997). Income, Growth, and Economic Freedom. American Economic Review 87: 328-32

[13] James Gwartney, Robert Lawson, Walter Block „Economic Freedom of the World: 1975-1995“, Fraserinstitut 1996

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Public Choice and Economic Growth
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin  (Öffentliche Finanzwischenschaft)
Veranstaltung
Public Choice
Note
2,7
Autor
Jahr
2002
Seiten
17
Katalognummer
V13494
ISBN (eBook)
9783638191449
Dateigröße
476 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Wirtschaftswachstum, Freiheit und Staatsausgaben. Eine Analyse der Nachhaltigkeit.
Schlagworte
Public, Choice, Economic, Growth
Arbeit zitieren
Francisco Baraona (Autor), 2002, Public Choice and Economic Growth, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/13494

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Public Choice and Economic Growth


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden