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Gibt es Bezugspunkte zu dem Konzept der Menschenrechte im Mengzi?

Titre: Gibt es Bezugspunkte zu dem Konzept der Menschenrechte im Mengzi?

Dossier / Travail , 2005 , 14 Pages , Note: 1,0

Autor:in: Annette Balch (Auteur)

Orientalisme / Sinologie - Chinois / Chine
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Im Jahr 1948 wurde die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte (AEM) von der Generalversammlung der UN verabschiedet. Die enthaltenen Menschenrechte erhoben Anspruch auf allgemeine Gültigkeit und beschränkten sich nicht nur auf das Abendland. China war nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion zur einzigen sozialistischen Großmacht geworden und damit zum letzten bedeutsamen Vertreter der sozialistischen Menschenrechtsanschauung. Besonders während der Niederschlagung der Demokratiebewegung von 1989 wurde die Bereitschaft der chinesischen Regierung zur Beschränkung der Menschenrechte zum Erhalt des unbedingten Machtanspruchs der Kommunistischen Partei deutlich. In Folge gewann der Begriff 'Menschenrecht' zunehmend an Bedeutung und stand im Mittelpunkt der internationalen Diskussionen um China und die chinesische Kultur.
Die in den AEM verankerten Menschenrechte erwuchsen aus der Naturrechtstradition und dem geschichtlichen und kulturellen Kontext des Abendlandes. In der amerikanischen und französischen Revolution wurden die Menschenrechte zum ersten Mal als Prinzip der Legitimierung und Begrenzung staatlicher Macht eingesetzt. Seither dienen sie als ein Modell zur Gestaltung der Beziehungen zwischen Individuum und Staat. Ausgangspunkt für die Menschenrechte ist der europäische Kulturkreis. Sie beruhen daher auf abendländischen Voraussetzungen und Verständnissen, die in den anderen Kulturen oft nicht vorhanden sind.
Das chinesische Denken und die chinesische Geschichte wurde durch keine andere Lehre stärker geprägt als durch den Konfuzianismus. Diese Lehre war ein entscheidendes Instrument zur Legitimation der Herrschaft des Kaisers. Hauptvertreter der konfuzianischen Lehre waren Konfuzius, Menzius und Xun Zi. Die Lehren des Konfuzius und des Menzius wurden während der chinesischen Kaiserzeit offiziell als verbindlich angesehen und sind damit für die Tradition der chinesischen Herrschaftsauffassung und Weltsicht grundlegend. Für den späteren Konfuzianismus ist Menzius von großer Bedeutung. Diese Arbeit wird sich aus diesem Grund auf die Lehren des Menzius konzentrieren. Mittelpunkt soll die Frage nach Bezugspunkten zum Konzept der Menschenrechte im Menzius darstellen, wobei die Hauptgedanken seiner Lehre herausgearbeitet und später einige diese Gedanken mit den Ideen der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte verglichen werden.

Extrait


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Menzius

1. Das Leben des Menzius

2. Das Werk des Menzius

III. Kernbegriffe der menzianischen Philosophie

1. Die menzianischen ‚Vier Ansätze‘

2. Die Lehre der guten Veranlagung des Menschen

3. Die ‚gute‘ und die ‚schlechte Würde‘

IV. Bezugspunkte zur abendländischen Menschenrechtsidee

1. Die Frage nach der Menschenwürde, Artikel 1 der AEM

2. Die Menschenwürde, das Recht auf soziale Sicherheit und die gerechte internationale Ordnung, Artikel 3, 22, 28 der AEM

3. Das Verbot von Folter und die Freiheitsrechte, Artikel 5, 9 der AEM

4. Das Recht auf Bildung, Artikel 26 der AEM

V. Vergleich der abendländischen Rechte mit den Pflichten des alten China

VI. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht, ob und inwiefern sich in der Philosophie des konfuzianischen Denkers Menzius Bezugspunkte zum modernen Konzept der Menschenrechte finden lassen. Dabei wird analysiert, wie seine Vorstellungen von menschlicher Natur, Würde und der Verantwortung von Herrschern mit den Artikeln der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte (AEM) korrespondieren und wo die fundamentalen Unterschiede in der Interpretation von Rechten und Pflichten liegen.

  • Analyse der zentralen philosophischen Begriffe bei Menzius
  • Vergleich menzianischer Tugendethik mit der AEM
  • Untersuchung der moralischen Legitimität von Herrschaft
  • Gegenüberstellung des westlichen Rechteverständnisses mit der chinesischen Pflichtentradition

Auszug aus dem Buch

Die Lehre der guten Veranlagung des Menschen

Die ‚Vier Ansätze‘ basieren auf der guten Veranlagung des Menschen. Menzius ist in China für seine Lehre berühmt geworden, dass der ‚Himmel‘ (tian) dem Menschen eine ‚Natur‘ (xin) verliehen hat, die ihn zu einem moralischen Wesen macht und ihn damit von den Tieren unterscheidet. Er behauptet also, dass der Mensch von Natur aus gut ist. Er stellt weiterhin die Theorie auf, dass der Beweis für die Güte des Menschen das spontane Mitgefühl sei, das ohne jedes Nachdenken sofort zu Tage tritt, wenn jemand ein anderes Wesen leiden oder in Gefahr sieht. Menzius schildert eine Situation, in der jeder Mensch Schrecken empfindet, nämlich wenn er ein Kind erblickt, das im nächsten Augenblick in einen Brunnen fallen könnte. Er erläutert, dass dieses Erschrecken nicht aus irgendwelchen eigennützigen Hintergedanken entspringt, weil in einem solchen Augenblick niemand an Belohnung oder Anerkennung denken wird, sondern nur an die Rettung des Kindes. Es gibt einfach keinen Menschen, der sich einem solchen Gefühl entziehen könnte. Er beendet die Schilderung damit, dass ein solches spontanes Mitgefühl bereits die Basis aller Moralität darstelle.(2A6)

Alle fundamentalen Tugenden des Menschen beruhen also auf der von Natur aus angeborenen Veranlagung des Menschen. Xun Zi (Bedeutender Konfuzianer und Zeitgenosse von Menzius) liefert eine klare Definition dieser Veranlagung: „Das, was nicht erlernt und nicht beeinflusst werden kann, sondern von Natur aus so ist, nennt man ‚Veranlagung‘.“ Menzius sagt: „Die menschliche Natur neigt zum Guten, wie Wasser, das nach unten fließt. Unter den Menschen gibt es keinen, der nicht gut wäre, ebenso wie es kein Wasser gibt, das nicht nach unten fließt. Man kann nun auf das Wasser schlagen und es so aufspritzen lassen, dass es höher als die Stirn reicht. Man kann es dämmen und so leiten, dass es einen Berg hoch fließt. Aber ist das etwa die (ursprüngliche) Natur des Wassers? Das ist durch äußeren Einfluss bewirkt. Der Mensch kann also zum Schlechten gebracht werden, weil seine Natur ebenso beschaffen ist.“(6A2)

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Die Arbeit führt in die historische Relevanz der Menschenrechtsdiskussion im Kontext von China ein und definiert die Konzentration auf die Lehren des Menzius als Grundlage für den Vergleich mit der AEM.

II. Menzius: Dieses Kapitel gibt einen biografischen Überblick über Menzius und erläutert die Bedeutung sowie die Struktur seines Werkes als zentrales konfuzianisches Schrifttum.

III. Kernbegriffe der menzianischen Philosophie: Es werden die zentralen Konzepte wie die „Vier Ansätze“ und die Lehre von der guten Veranlagung des Menschen detailliert analysiert, die als philosophisches Fundament dienen.

IV. Bezugspunkte zur abendländischen Menschenrechtsidee: Hier werden konkrete Artikel der AEM mit den Gedanken des Menzius verglichen, insbesondere in Bezug auf Menschenwürde, Recht auf Leben, Freiheit und Bildung.

V. Vergleich der abendländischen Rechte mit den Pflichten des alten China: Dieses Kapitel beleuchtet die systemischen Unterschiede zwischen dem westlichen Verständnis individueller Abwehrrechte und dem chinesischen, pflichtenorientierten Gesellschaftsmodell.

VI. Fazit: Die Schlussbetrachtung resümiert, dass trotz grundlegender kultureller Unterschiede in der Tradition, die Lehren des Menzius in ihrem Kern wesentliche Parallelen zum modernen Menschenrechtsverständnis aufweisen.

Schlüsselwörter

Menzius, Konfuzianismus, Menschenrechte, Menschenwürde, Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, AEM, Tugendethik, Moralische Natur, Politische Philosophie, Pflichten, Herrschaftslegitimation, Menschlichkeit, Rechtschaffenheit, Individuum und Staat

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Kompatibilität und theoretischen Berührungspunkte zwischen der klassischen konfuzianischen Philosophie des Menzius und dem modernen, universellen Konzept der Menschenrechte.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die menschliche Natur, das Konzept der angeborenen Menschenwürde, die moralische Legitimation von politischer Herrschaft und der Vergleich zwischen westlichem Rechte- und chinesischem Pflichtendenken.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das primäre Ziel ist es, zu analysieren, ob sich in den Lehren des Menzius Ansätze finden lassen, die eine Brücke zum modernen Verständnis der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte (AEM) schlagen können.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit verwendet eine philosophisch-vergleichende Methode, indem sie Primärtexte des Menzius den Artikeln der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte gegenüberstellt und vor dem jeweiligen kulturellen Hintergrund interpretiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Kernbegriffe der Philosophie des Menzius, vergleicht diese mit spezifischen Artikeln der AEM (z.B. Artikel 1, 3, 5, 26) und diskutiert die Differenzen zwischen dem abendländischen Individuenschutz und der chinesischen Tradition.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Menzius, Konfuzianismus, Menschenwürde, moralische Autonomie, Herrschaftslegitimation und die Unterscheidung zwischen Rechten und Pflichten.

Wie definiert Menzius die menschliche Natur?

Menzius vertritt die Lehre, dass der Mensch von Natur aus gut ist und über angeborene moralische Anlagen verfügt, die jedoch durch eine schlechte Umwelt oder mangelnde Kultivierung beeinträchtigt werden können.

Warum gibt es laut Autor Schwierigkeiten beim Vergleich der Rechtssysteme?

Die Schwierigkeit liegt darin, dass westliche Menschenrechte primär als individuelle Abwehrrechte gegen den Staat konzipiert sind, während die chinesische Tradition auf einem System basiert, in dem Rechte untrennbar mit Pflichten gegenüber der Gemeinschaft verknüpft sind.

Welche Rolle spielt die Bildung in der Philosophie des Menzius?

Menzius betrachtet Bildung als unerlässlich für die Entfaltung der moralischen Natur; ohne Bildung und soziale Sicherheit droht der Mensch nach seiner Auffassung, seine menschliche Qualität zu verlieren.

Was ist die Schlussfolgerung bezüglich der Vergleichbarkeit?

Der Autor kommt zu dem Schluss, dass es zwar kein eigenständiges "Menschenrechtskonzept" im westlichen Sinne im alten China gab, die philosophischen Grundgedanken des Menzius jedoch in vielen Aspekten dem heutigen Verständnis der Menschenwürde nahekommen.

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Résumé des informations

Titre
Gibt es Bezugspunkte zu dem Konzept der Menschenrechte im Mengzi?
Université
University of Cologne  (Ostasiatisches Sreminar)
Cours
Proseminar: Weltkulturen und Menschenrechte
Note
1,0
Auteur
Annette Balch (Auteur)
Année de publication
2005
Pages
14
N° de catalogue
V134957
ISBN (ebook)
9783640427451
ISBN (Livre)
9783640423835
Langue
allemand
mots-clé
China Mengzi Menzius Menschenrechte Recht Pflicht Allgemeine Erklährung der Menschenrechte Verfassung Konfuzius Xun Zi
Sécurité des produits
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Citation du texte
Annette Balch (Auteur), 2005, Gibt es Bezugspunkte zu dem Konzept der Menschenrechte im Mengzi?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/134957
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Extrait de  14  pages
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