Hagen von Tronje - Eine Einordnung in das "Drei-Instanzen-Modell"


Seminararbeit, 2006

14 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

A. Einleitung

B. Hauptteil
1. Das „Drei-Instanzen Modell“
1.1 Die mythische Instanz
1.2 Die gesellschaftliche Instanz
2. Hagen, der Ritter der Burgunden
2.1 Hagen, der Mörder Siegfrieds
2.2 Hagen, der Held der Burgunden
3. Die religiöse Instanz

C. Schlussteil

Literaturverzeichnis

A. Einleitung

Wer ist Hagen von Tronje? Warum beschäftigt sich die Forschung so intensiv mit dieser Figur? Warum unterscheidet sie sich so sehr von den anderen Figuren des Nibelungenliedes? Warum empfindet man Sympathie für Hagen obwohl er doch der „Bösewicht“ ist? Was war die Absicht des Autors? Dies sind Fragen die man sich als Leser des Nibelungenliedes automatisch stellt. Diese Arbeit soll einmal mehr den Charakter und die Funktion des Hagens von Tronje analysieren. Mithilfe ausführlicher Literatur habe ich den Versuch unternommen, ein Modell zu entwickeln, welches die Rolle und Funktion der Figur im damaligen Weltbild darstellen soll.

B. Hauptteil

1. Das Drei-Instanzen Modell

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Das Drei-Instanzen Modell basiert auf einer Überlegung, welche STECH in seiner Arbeit „Das Nibelungenlied. Appellstrukturen und Mythosthematik in der mittelhochdeutschen Dichtung“1 anstellt. STECH greift die Identitätsfrage der Figuren auf und beleuchtet damit einen wichtigen Aspekt der Nibelungenforschung. Er unternimmt den Versuch, die Figuren ihrem Ursprung nach zuzuordnen und dadurch diese zu definieren. Für diese Arbeit ist seine Überlegung deswegen wichtig, da sie klären soll, warum der Erzähler eine Figur wie Hagen von Tronje so entscheidend positioniert, warum es schwierig ist, dieser Figur eine feste Rolle zuzuordnen und warum seine „Einmaligkeit“2 fortwährend hervorgehoben wird. Das Modell besteht aus drei übereinander geordneten Instanzen. Die erste Instanz legt die mythologischen Figuren des Nibelungenliedes fest, die zweite die höfisch-sozialen Figuren, wobei Hagen von den anderen noch einmal differenziert betrachtet werden muss, und die dritte Instanz die des allmächtigen Gottes, welcher über den anderen beiden Instanzen steht. Die Ausbaufähigkeit und Präzisierung des Modells wäre eine Überlegung für weitere Forschungsansätze, soll hier aber nur oberflächlich erläutert werden, damit in den folgenden Kapiteln dieser Arbeit auf die Figur Hagens von Tronje eingegangen werden kann.

1.1 Die mythische Instanz

Die Figuren Siegfried und Brünhild befinden sich auf einer „mythischen Emanzipationsstufe des Menschen“3, und somit auf der ersten Ebene des Modells. Diese alten, mythischen Figuren transportieren die Idee einer Idealrealität. Schon lange vor dem Nibelungenlied haben sie in unzähligen Mythen existiert. Der Mensch hat sich in seiner Unmündigkeit und Schwäche gegenüber dem allmächtigen Gott einen Helden erschaffen müssen, einen der zwischen beiden Welten wandelt, einen überirdischen Führer auf Erden. Diese Idee kommt nicht von ungefähr. Im neuen Testament, schickt Gott seinen fleischgewordenen Sohn auf die Erde um die Menschheit zu leiten, eine menschliche Figur mit übermenschlichen Fähigkeiten. Jesus vollbringt Wunder und der Mensch folgt.4 So sagt auch Hagen über Siegfried: „ er hât mit sîner krefte sô menegiu wúndér getân “ (Av. 3, 102). Siegfried vollbringt durch seine übermenschliche Stärke wahre Wunder und niemand zweifelt seine Unbesiegbarkeit an. Was ändert sich nun im Nibelungenlied? Warum muss Siegfried sterben? Wie bereits erwähnt ist jedem zur damaligen Zeit der Mythos um Siegfried den Drachentöter bekannt. Jeder weiß um die verwundbare Stelle, die einzige Verbindung des Helden zum Menschsein. Für den Autor ist es also nicht mehr nötig zu beschreiben wie Siegfried mit dem Drachen kämpft oder Brünhild begegnet. Lediglich die Erwähnung dieser beiden Ereignisse, (Av. 3, 100) und (Av. 6, 330ff.) dienen als

Anknüpfstelle an die vorangegangenen Mythen. Weitere Ausführungen sind nicht nötig, denn hier soll eine andere Frage geklärt werden: Kann ein mythischer Held, eine geschaffene, fast unsterbliche Figur in der heutigen Zeit und unter dem neuen, selbstbewussten Menschen leben oder ihn sogar überleben? Um diese Frage beantworten zu können, muss Siegfried mit der Realität konfrontiert werden, er muss mit Hagen konfrontiert werden. Hierbei zeigt sich: „Siegfried muss sterben, weil es ihm nicht gelingt, sein mythisches Ich abzustreifen und zum höfischen Ritter zu werden, sich der neuen Zeit anzupassen.“5

Müsste dann auf Brünhild als weitere mythische Figur nicht das gleiche Schicksal warten? Wie kann Brünhild als Figur welche ihre „Ich-Identität ausschließlich aus ihrem Sexus“6 gewinnt, im Nibelungenlied weiter existieren?

Siegfried, der einzige, der die übermächtige Brünhild besiegen kann, verliebt sich in Kriemhild und ist bereit dem Burgundischen König Gunther zu helfen, durch eine List Brünhild für ihn zu gewinnen (Av. 7, 389ff.). In der ersten gemeinsamen Nacht mit ihrem Bräutigam, verliert diese all ihre übermenschliche Kraft und wird eine gewöhnliche Frau, was sie wiederum vor ihrem Schicksal bewahrt:

Er pflac ir minneclîchen, als im daz gezam,

dô muoste si verkiesen ir zorn unt ouch ir scham.

von sîner heîmliche si wart ein lützel bleich.

hey waz ir von der minne ir grôzen kréfté entweich!7

1.2 Die gesellschaftliche Instanz

Kriemhild und Gunter bilden zusammen mit Rüdiger und Etzel die Gruppe der höfischen Gestalten des Nibelungenliedes. Ihre eigentliche Rolle ist die Repräsentation der höfischen und sozialen Zivilisation.8 Nach Siegfrieds Tod im ersten Teil wird lediglich die Erinnerung an ihn durch Kriemhild transportiert und kann somit in der Realität weiterleben. Warum Hagen zwar ebenso wie die anderen Figuren zur höfischen Zivilisation gehört aber noch einmal alleine betrachtet werden muss, soll in den folgenden Kapiteln erörtert werden.

[...]


1 Stech, Julian: S. 177ff.

2 Wahl Armstrong, Marianne: S. 148

3 Stech, Julian: S. 177

4 Die Bibel: Das Evangelium nach Matthäus

5 Stech, Julian: S. 177

6 Ebd.: S. 177

7 Bartsch/ de Boor: S. 208 (Av. 10, 681)

8 Vgl. Stech, Julian: S. 177

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Hagen von Tronje - Eine Einordnung in das "Drei-Instanzen-Modell"
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Veranstaltung
Das Nibelungenlied
Note
1,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
14
Katalognummer
V134966
ISBN (eBook)
9783640427529
ISBN (Buch)
9783640424269
Dateigröße
419 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Hagen von Tronje, Nibelungenlied, Siegfried, Kriemhild, Brünhild, Mittelalter, Mediävistik, Xanten, Burgund, Sagen
Arbeit zitieren
Ursula Breckner (Autor), 2006, Hagen von Tronje - Eine Einordnung in das "Drei-Instanzen-Modell", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/134966

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