Entwicklung der Fach- und Sachprosa im Frühneuhochdeutschen


Hausarbeit, 2005
17 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Besonderheiten und Wert des Fachschrifttums
1.1. Die Sprache
1.2. Literarische Formen der Fachliteratur
1.2.1. Rezept
1.2.2. Büchlein
1.2.3. Consilium
1.2.4. Traktat
1.2.5. Weitere Formen
1.3. Literaturgeschichtliche Bedeutung
1.4. Quellenforschung
1.5. Wirkung
1.6. Forschung

2. Übersicht über die Sachgebiete
2.1. Die freien Künste (artes liberales)
2.1.1. Das Trivium
2.1.2. Quadrivium
2.2. Die Eigenkünste (artes mechanicae)
2.2.1. Das Handwerk
2.2.1.1. Bergbau
2.2.1.2. Georg Agricola
2.2.2. Das Kriegswesen
2.2.3. Seefahrt, Erdkunde Handel
2.2.4. Landbau und Haushalt
2.2.5. Tiere und Wald
2.2.6. Heilkunde
2.2.6.1. Entwicklung der medizinischen Fachsprache
2.2.6.2. Erforschung der medizinischen Fachsprache
2.2.7. Die Hofkünste
2.3. Die verbotenen Künste
2.3.1. Geheimwissenschaften
2.3.2. Magie und Mantik
2.3.3. Gaunertum und Betrug in ehrlichen Berufen
2.4. Rechtsliteratur

Fazit

Anhang 1

Anhang 2

Einleitung

Die frühneuhochdeutsche Literatur stammt aus dem 15./16.Jahrhundert. Die folgende Arbeit befasst sich mit der Entwicklung der Fachliteratur dieser Zeit. Das Fachschrifttum, im weitesten Sinne, ist alles nichtdichterische Schrifttum geistlichen und weltlichen Inhalts. Die Hausarbeit bezieht sich auf das weltliche Schrifttum. Hier soll die Bedeutung des Fachschrifttums, sowie die Literatur der Artes behandelt werden, wobei auf drei Bereiche konkreter eingegangen wird. Diese sind: Bergbau, Heilkunde und verbotene Künste.

1. Besonderheiten und Wert des Fachschrifttums

Die mittelalterliche Fachliteratur wurde lange von der Germanistik vernachlässigt. Zum ersten Mal hat Gerhard Eis im Wintersemester 1937/38 ein Kolleg darüber gehalten.

1.1. Die Sprache

Es wurde kein Anspruch auf ästhetische Bewertung und Wohlklang gelegt. Die Autoren bemühten sich um Klarheit, Eindeutigkeit und Genauigkeit der Aussagen. Die Fachliteratur war eine Voraussetzung dafür, dass die deutsche Sprache zu einer Sprache der Wissenschaft werden konnte. Sie bot eine Grundlage für die Geschichte der Syntax und des Prosastils. Der reiche Wortschatz ist nicht unbedingt in der Bergmannsliedern zu erkennen, sondern hauptsächlich in den Fachbüchern. Man bemühte sich um eine strenge Sachlichkeit. Dennoch waren schmückende Elemente nicht ganz aus-geschlossen. Man sagte zum Beispiel zum Aufreiben einer kranken Stelle in Rezepten: „reib bis es blute“.

Ab dem 13./14. Jahrhundert war das Fachschrifttum weit verbreitet und gelangte in fast alle Schichten des Volkes. Prag gilt als wichtiger Ausgangsort für die Fachsprache. 1348 wurde dort die Universität des Reiches gegründet. An dieser waren alle namhaften Fachautoren aus allen Wissenschaften vertreten. Von dort aus verbreitete sich unter anderem der „Schwabenspiegel“, der „Sachsenspiegel“ und das „Roßarzneibuch“.1

1.2. Literarische Formen der Fachliteratur

Verfasst wurde die Fachsprache überwiegend in Prosaform, aber auch in Versform, in bildlicher und tabellarischer Darstellung. In der Fachprosa gab es verschiedene Formen:

1.2.1. Rezept

Das Rezept war die Grundform und kam einzeln oder in Sammlung vor. Geordnet waren sie nach inhaltlichen Gesichtspunkten. Die „Basler Rezepte“ wurden erstmals um 800 in deutscher Sprache verfasst.2

1.2.2. Büchlein

Diese waren kleine oder mittelgroße Sammlungen von Rezepten. Ein Beispiel dafür ist das

„Aderlaß-Büchlein“, genannt „Aderlaß-Büchel“.3

1.2.3. Consilium

Die Blütezeit der Consilia war das 15. Jahrhundert, sie waren anspruchsvoller als Rezepte und wurden oft in Briefform abgefasst. Sie enthielten umfassende Ausarbeitungen über bestimmte Krankheiten, wie zum Beispiel die Pest, den Katarrh oder die Nierensteine. Consilia wurden meist von namhaften Leibärzten an ihre Herren gerichtet. Darin wurde die Zuverlässigkeit der empfohlenen Mittel beteuert, ebenso waren sie inhaltlich und formal gut ausgearbeitet. Überliefert wurden sie in Sammelbänden, oft zusammen mit Rezepten und Traktaten.4

1.2.4. Traktat

Traktate sind umfangreiche wissenschaftliche Arbeiten im grammatischen, mathematischen und astronomischen Bereich. Ebenso waren sie in großem Umfang bei den Rechtsbüchern und Chroniken vertreten. Als Vorbild gelten lateinische Lehrschriften. Sie enthielten Aufgaben- und Beispielsammlungen, sowie Tabellen.5

Als monumentalstes Werk der Fachprosa wurde das „Zwölfbändige Buch der Medizin“ bezeichnet. Es entstand Mitte des 16. Jahrhunderts für den Heidelberger Pfalzgrafen Ludwig VI. Es bestand aus Abschriften von Rezepten, Consilia und Traktaten.

Oftmals wurde konkret die Prosaform verlangt, da es ein gewisses Misstrauen gegenüber der Versform gab, welche als Darstellungsart des Erdichteten galt. Allerdings gab es oft Einleitungen und Nachworte, welche gereimt waren, wie zum Beispiel im „ Sachsenspiegel“ und im „Meißner Rechtsbuch“.

1.2.5. Weitere Formen

Neben Rezepten und Traktaten gab es noch andere Darstellungsformen. So zum Beispiel die Dialogform. Darin stellt ein Schüler Fragen an seinen Meister, welche dieser beantwortet. Das Gebet diente zur Abwehr vom Vorwurf der Gottlosigkeit und Irrgläubigkeit.

Eine weitere Form sind die Schreizettel. Dies waren Reklameblätter für eilige Nachrichten. Sie wurden oft in Latein und Deutsch verfasst, wobei das Lateinische an Kirchentüren und das Deutsche an Marktbuden angeschlagen wurde, damit es jeden im Volk erreichte.6

1.3. Literaturgeschichtliche Bedeutung

Zum Verständnis der Entwicklung der Literatur einer Epoche ist die Kenntnis des gesamten Schrifttums, d. h. der Dichtungen, wie auch der Fachprosa notwendig. Die Fachprosa zeigt einen stetigen Aufstieg vom 8. bis ins 16. Jahrhundert, während es in der Dichtung Lücken gibt. Viele fachliterarische Werke wurden im Gegensatz zu den Dichtungen auch in andere Sprachen übersetzt. Sie dienten oft zur Deutung von lyrischen Werken, da viele Autoren fachliche Ausdrücken nutzten, welche heute nur noch mit Hilfe des Fachschrifttums interpretierbar sind.

1.4. Quellenforschung

Es wurden verschiedene Vorlagen verwendet, so zum Beispiel aus alt-germanischer Zeit. Es kam zur Eindeutschung von Lehrschriften anderer Völker. Unter anderem hatte das medizinische Fachschrifttum seine Vorbilder in Italien. Auch französische und englische Autoren hatten Einfluss auf das deutsche Geistesleben. Der Einfluss aus dem Osten war eher seltener. Vermittler des lateinischen Schrifttums waren die Klöster, seit dem 14. Jahrhundert auch die Universitäten.7

1.5. Wirkung

Deutschsprachige Literatur wurde viel in andere Länder verbreitet, vor allem nach Norden und Osten. Die mittelalterliche Fachliteratur gebrauchte man bis in die Neuzeit, so zum Beispiel Gottfrieds „Pelzhandbuch“ noch im 19. Jahrhundert in Innerböhmen. Manches Schrifttum diente nur bestimmten Berufen, anderes gelangte in alle Stände. Die Literatur der handwerklichen Wundärzte erlangte auch bei gelehrten Ärzten Ansehen.

Es ist schwer herauszufinden, ob die Bücher zur praktischen Berufsarbeit genutzt wurden, oder nur in Bibliotheken standen. Manchmal findet man in den Büchern Säure- oder Rußspuren, die auf die Benutzung am Werktisch hindeuten.8

1.6. Forschung

Es gibt viele Fachhistoriker, welche sich nur mit fachsprachlichen Schriften beschäftigen. Am meisten geforscht wird in der Rechts- und Medizingeschichte. Einige Professuren befassen sich auch mit der Technik, der Naturwissenschaft und der Pharmazie. Im Bereich der Astronomiegeschichte, der Jagd und Magie arbeiten nur einzelne Forscher.

2. Übersicht über die Sachgebiete

Der Hauptteil der weltlichen Literatur ist die Literatur der Artes. Dies ist das Schrifttum im engeren Sinne. Es besteht aus den drei Artesreihen: den freien, den Eigen- und den verbotenen Künsten. Jede der drei Reihen kann in sieben Teilgebiete unterteilt werden. Dies könnte ein symbolischer Bezug auf die sieben Hauptsünden sein.9 Alle haben ein umfassendes Schrifttum hervor-gebracht.

2.1. Die freien Künste (artes liberales)

Diese bilden die Elementarfächer der Dom- und Klosterschulen, später auch der Stadtschulen und Universitäten.

2.1.1. Das Trivium

Dieses besteht aus drei formal- sprachlichen Künsten, der Grammatik, Rhetorik und der Dialektik. Sehr früh gab es Wörterbücher, dann Grammatiken und rhetorische Lehrschriften. Die erste systematisch angelegte deutsche Rhetorik schrieb Friedrich von Nürnberg um 1450/60. Es folgten weitere Rhetoriken, welche Unterricht im richtigen Gerbrauch von Titeln und Floskeln gaben, sowie Vorlagen für juristische Schriftstücke und Geschäftsbriefe enthielten. Ebenso wurden Schriften, die Hilfen zur Erhaltung, Schulung und Stärkung des Gedächtnisses geben, verfasst. Die Dialektik und Logik lehrte die Kunst des Definierens, Beweisens und Widerlegens.10

2.1.2. Quadrivium

Arithmetik, Musik, Geometrie und Astronomie sind die vier mathematischen Künste, welche das Quadrivium bilden. Arithmetische Traktate entstanden zahlreich im 15. Jahrhundert, so zum Beispiel die deutsche Einführung in die Bruchrechnung von 1447. Für Kaufleute gab es gedruckte Rechenbücher.

Im Bereich der Musik kamen Bücher über Tonlagen und Notenlehre auf.

Auf die Bedürfnisse der städtischen Handwerker zugeschnitten war die „Geometria deutsch“, die gegen Ende des 15. Jahrhunderts gedruckt wurde.11

2.2. Die Eigenkünste (artes mechanicae)

Diese waren anfangs den artes liberales untergeordnet, erlangten später aber höheres Ansehen. Mehr als die freien Künste waren sie auf die Muttersprache eingestellt, es wurden aber auch hier viele lateinische Werke genutzt.

2.2.1. Das Handwerk

In diesem Bereich entstand Textilien- Literatur, wie deutsche Fachschriften für Weber, Färber und Schneider. Für Schneiderknechte wurden Prüfungsaufgaben mit Lösungen abgedruckt Ebenso gab es Zunftordnungen, Kleidervorschriften, Modelbücher mit Webvorlagen und Trachtenbücher. Abgedruckt wurden aber auch direkte Anweisungen zum Herstellen von Farben und zum Einfärben von Leinen, Wolle, Leder und Glas.

Die Baukunst war eher gering vertreten, es gibt nur etwas Innungsliteratur und einige „Baumeister-Bücher“.

Christoph Sesselschreiber legte 1524 eine technische Sammelschrift über Kriegsmaschinen, Glockenguss und den Bau von Schöpfwerken an.12

2.2.1.1. Bergbau

Der Bergbau wurde recht spät behandelt. Um 1500 erschien das „Bergbüchlein“, welches die Erze behandelt. Ein weiteres Bergbuch aus dieser Zeit ist „De re metallica“ von Georgius Agricola, welches 1556 in Druck ging.

2.2.1.2. Georg Agricola

Er lebte von 1494 bis 1555. Agricola forschte als Universalgelehrter im Bereich der Medizin,

Pharmazie, Alchimie, Philologie und Pädagogik, Politik und Geschichte, Metrologie,Geowissenschaften und Bergbau. Er fasste den Entschluss dem Bergbau mit seinem schlechten Ruf zu einem besseren Ansehen in der Gesellschaft zu verhelfen und beschäftigte sich mit Bergbautechniken, Metallgewinnung und Vermessungswesen. 1530 erschien sein erstes bergbaukundliches Werk „Bermannus sive de re metallica“.

[...]


1 Eis, Gerhard (1962): Mittelalterliche Fachliteratur. Stuttgart. S. 56 ff.

2 Eis, Gerhard (1962): Mittelalterliche Fachliteratur. Stuttgart. S. 61 f.

3 Eis, Gerhard (1962): Mittelalterliche Fachliteratur. Stuttgart. S. 62.

4 Eis, Gerhard (1962): Mittelalterliche Fachliteratur. Stuttgart. S. 62 f.

5 Eis, Gerhard (1962): Mittelalterliche Fachliteratur. Stuttgart. S. 63.

6 Eis, Gerhard (1962): Mittelalterliche Fachliteratur. Stuttgart. S. 63 ff.

7 Eis, Gerhard (1962): Mittelalterliche Fachliteratur. Stuttgart. S. 77 ff.

8 Eis, Gerhard (1962): Mittelalterliche Fachliteratur. Stuttgart. S. 80 f.

9 Schmitt, Wolfram: Zur Literatur der Geheimwissenschaften im später Mittelalter. In: Keil, Gundolf/ Assion, Peter (Hrsg.) (1974): Fachprosaforschung. Acht Vorträge zur mittelalterlichen Artesliteratur. Berlin. S. 170.

10 Eis, Gerhard (1962): Mittelalterliche Fachliteratur. Stuttgart. S. 7 ff.

11 Eis, Gerhard (1962): Mittelalterliche Fachliteratur. Stuttgart. S. 10 ff.

12 Eis, Gerhard (1962): Mittelalterliche Fachliteratur. Stuttgart. S. 14 ff.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Entwicklung der Fach- und Sachprosa im Frühneuhochdeutschen
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Lehrstuhl für Germanistische Linguistik und Sprachgeschichte)
Veranstaltung
Seminar III: Frühneuhochdeutsch
Note
2,3
Autor
Jahr
2005
Seiten
17
Katalognummer
V134999
ISBN (eBook)
9783640427680
ISBN (Buch)
9783640425259
Dateigröße
657 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Entwicklung, Fach-, Sachprosa, Frühneuhochdeutschen
Arbeit zitieren
Daniela Kirchert (Autor), 2005, Entwicklung der Fach- und Sachprosa im Frühneuhochdeutschen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/134999

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