Die folgende Arbeit beschäftigt sich mit Laudine, welche neben Iwein ebenfalls eine wichtige Rolle im Werk Hartmanns von Aue spielt. Was für eine Person ist sie? Entwickelt sie sich im Laufe der Handlung ebenso wie der Protagonist? Bewirkt Laudine sogar den Wandel ihres Ehemanns? Bei der Übertragung der französischen Vorlage Chretiens de Troyes hat Hartmann einige Veränderungen vorgenommen, so auch in Bezug auf die Laudine-Figur. Warum tat er das und welche Auswirkungen hat dies auf das Verständnis der Person Laudines? Der Kniefall am Ende des Iwein, welcher bei Chretien nicht existiert, spielt dabei eine bedeutende Rolle, denn er liefert viel Stoff zur Interpretation der Laudine-Figur und es ist nach wie vor strittig, ob dieser Schluss überhaupt von Hartmann stammt.
An ausgewählten Textstellen soll Laudine nun näher betrachtet werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Zeitliche Einordnung
3 Die Frau im Mittelalter
4 Ist Laudines Trauer echt?
5 Die Eheabsicht Laudines
6 Ringübergabe und Herztausch
7 Ringrückforderung
8 Wiederbegegnung
9 Kniefall Laudines
10 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Charakterzeichnung der Laudine in Hartmanns von Aue Werk "Iwein" im Vergleich zur altfranzösischen Vorlage von Chrétien de Troyes. Im Zentrum steht dabei die Forschungsfrage, ob Laudine als berechnende Königin oder als liebende Ehefrau zu verstehen ist und welche Rolle ihr Wandel im Kontext der höfischen Dichtung spielt.
- Analyse der Laudine-Figur bei Hartmann von Aue
- Vergleich der mittelalterlichen Frauenrolle mit der literarischen Darstellung
- Untersuchung der Motive für Eheschließung und Handlungsentscheidungen
- Bewertung des umstrittenen "Kniefalls" und dessen Bedeutung für den Schluss des Romans
- Gegenüberstellung von Hartmanns Interpretation mit der Vorlage von Chrétien de Troyes
Auszug aus dem Buch
4 Ist Laudines Trauer echt?
Hartmann betont hier, wie auch in den Versen 1312-1323, dass Laudines Trauer um ihren ersten Ehemann ehrlich ist. Ihr Kummer fehlt bei Chrétien, welcher in einer ironischen Art und Weise schildert, wie sie sich in kürzester Zeit entschließt den Mörder ihres Mannes zu heiraten. Er stellt Laudine als berechnende Königin dar, während ihr bei Hartmann eine Zweckehe fremd ist. Dort ist sie ihrem getöteten Mann Ascalon emotional verbunden. Allerdings ergibt sich aufgrund seines Todes ein Problem, da das Königreich Laudines schutzlos ist.
Nun hat sie die Pflicht einen neuen Verteidiger für das Land zu finden. In politischer Hinsicht war die Stellung der adeligen Frau problematisch, denn im Allgemeinen war sie nicht lebensfähig. Die Definition des Lehens beinhaltet die Verpflichtung zum Waffendienst, welchen die Frau nicht leisten konnte. Damit hat Laudine keine andere Wahl, als sich erneut zu verheiraten, um die Sicherheit ihres Königreiches zu wahren, wobei sie ihre persönlichen Interessen zurückstellen muss. Lunete rät ihr Iwein zu ehelichen, da dieser Ascalon besiegt hat und somit noch stärker als dieser sein muss.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Fragestellung ein, wie Hartmann von Aue die Figur der Laudine gegenüber seiner Vorlage verändert hat und welche Rolle der Kniefall am Ende spielt.
2 Zeitliche Einordnung: Dieses Kapitel verortet das Werk "Iwein" im zeitlichen Kontext um 1200 und benennt Hartmann von Aue sowie seine altfranzösische Vorlage.
3 Die Frau im Mittelalter: Es wird die soziale und rechtliche Unterordnung der Frau im Mittelalter beleuchtet und dem in der höfischen Dichtung idealisierten Frauenbild gegenübergestellt.
4 Ist Laudines Trauer echt?: Die Analyse untersucht Laudines Gefühle nach Ascalons Tod und stellt die politische Notwendigkeit einer Neuverheiratung der emotionalen Bindung gegenüber.
5 Die Eheabsicht Laudines: Hier wird Laudines strategische Entscheidung, Iwein als neuen Verteidiger ihres Reiches zu akzeptieren, vor dem Hintergrund ihrer politischen Pflichten als Landesherrin dargelegt.
6 Ringübergabe und Herztausch: Das Kapitel vergleicht die Episode der Ringübergabe und den symbolischen Herztausch bei Hartmann und Chrétien hinsichtlich der unterschiedlichen Motivationen Laudines.
7 Ringrückforderung: Es wird erläutert, wie Iweins Versäumnis, pünktlich an den Hof zurückzukehren, als Rechtsbruch gewertet wird und wie Laudine daraufhin politisch motiviert reagiert.
8 Wiederbegegnung: Das Kapitel thematisiert den erneuten Kontakt zwischen den Eheleuten, bei dem Laudine in ihrer Notlage erneut den Rat von Lunete sucht.
9 Kniefall Laudines: Dieser Abschnitt analysiert die umstrittene Schlussszene des Kniefalls und diskutiert, ob sie eine tatsächliche Charakterentwicklung Laudines oder eine spätere Bearbeitung darstellt.
10 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass sich Laudine im Laufe der Erzählung von einer berechnenden Königin hin zu einer komplexeren Figur entwickelt, wenngleich diese Deutung Interpretationsspielräume lässt.
Schlüsselwörter
Laudine, Iwein, Hartmann von Aue, Chrétien de Troyes, Höfische Literatur, Mittelalter, Minneregeln, Eheabsicht, Literaturanalyse, Landesherrin, Kniefall, Schuld, Liebesideal, politische Vernunftehe, Aventiure
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Charakterdarstellung der Laudine in Hartmanns von Aue Roman "Iwein" und untersucht ihre Motivationen zwischen politischer Pflicht und emotionaler Bindung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen umfassen die Rolle der Frau im Mittelalter, die Abgrenzung zwischen Liebes- und Vernunftehe sowie den Vergleich der Laudine-Figur bei Hartmann von Aue mit der Vorlage von Chrétien de Troyes.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es zu klären, ob Laudine als berechnende Königin oder als liebende Ehefrau gezeichnet wird und inwieweit Hartmann durch inhaltliche Änderungen ein positiveres oder menschlicheres Frauenbild schafft.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine textnahe Analyse ausgewählter Stellen aus Hartmanns "Iwein" sowie einen komparatistischen Vergleich mit der französischen Vorlage "Yvain".
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in chronologische Analyseschritte, von Laudines Trauer nach dem Tod Ascalons über ihre Eheabsichten und die Ringübergabe bis hin zur Interpretation des umstrittenen Kniefalls am Ende.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Laudine, Iwein, Hartmann von Aue, höfische Literatur, Vernunftehe, Ritterideal und Literaturinterpretation beschreiben.
Warum ist die Unterscheidung zwischen dem "harten" und "weichen" Schluss wichtig?
Diese Unterscheidung ist entscheidend, da der "weiche" Schluss mit dem Kniefall Laudines eine tiefgreifende Charakterwandlung impliziert, während der "harte" Schluss sie bis zum Ende in ihrer Rolle als kühle, berechnende Herrscherin belässt.
Wie unterscheidet sich Hartmanns Laudine von der Vorlage bei Chrétien?
Während Chrétiens Laudine fast ausschließlich als kühle, strategische Figur dargestellt wird, verleiht Hartmann seiner Laudine durch die Darstellung ihrer Trauer und die Kniefall-Szene menschlichere, empathischere Züge.
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- Daniela Kirchert (Autor), 2006, Laudine - berechnende Königin oder liebende Ehefrau?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/135000