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Über die Relativierung der Moral

Die Unfähigkeit zu trauern - die Bewältigung des nationalsozialistischen Traumas in der deutschen Gesellschaft

Title: Über die Relativierung der Moral

Presentation (Elaboration) , 2003 , 16 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Dipl.-Psych. Lars Tischler (Author)

Psychology - Social Psychology
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Die deutsche Gesellschaft und der Nationalsozialismus: Entstehung und Bewältigung. Mitscherlich und Mitscherlich geben eine schonungslose Analyse des Nationalsozialismus und der deutschen Gesellschaft aus psychoanalytischer Perspektive. Haben wir das nationalsozialistische Trauma einer deutschen Massenpsychose überwunden? Haben wir es je versucht? Diese Ausarbeitung gibt dem Leser einen Einstieg ind Gedanken und Theorie dieser großen deutschen Psychoanalytiker und ihres Buches "Die Unfähigkeit zu trauern - Grundlagen kollektiven Verhaltens". Der Entwickelte Moralbegriff und die Mechanismen unbewusster, massenpsychologischer Phänomene haben auch 2009 nichts an ihrer Aktualität verloren.

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Inhaltsverzeichnis

1 Einführung

1.1 Was ist Moral?

1.2 Über die Entstehung gesellschaftlicher Moral

1.3 Ein metasozietärer Blickwinkel

1.4 Ein innersozitärer Blickwinkel

1.5 Über Grenzen einer Moral

2 Arbeit, Sublimierung, Ich-Stärke und Moral

3 Moral, Sadismus und Todestrieb

3.1 Moral und Sadismus

3.1.1 Sadismus und Todestrieb

3.2 Die moralische Rechtfertigung

4 Die Relativierung der Moral

4.1 Das Massenschicksal

4.2 Empathie und Distanzierung vom Ich

5 Zusammenfassung

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht den Begriff der Moral unter besonderer Berücksichtigung der von Alexander und Margarete Mitscherlich entwickelten Thesen zur Relativierung moralischer Wertvorstellungen. Ziel der Analyse ist es, den klassischen, oft starren Moralbegriff zu hinterfragen und im Kontext psychoanalytischer Theorien sowie moderner gesellschaftlicher Entwicklungen neu zu umreißen.

  • Die psychoanalytische Deutung von Moral im Zusammenhang mit dem Über-Ich und dem Todestrieb.
  • Die Auswirkungen von Technisierung und Individualisierung auf die Ich-Stärke.
  • Die Pervertierung moralischer Instanzen in autoritären Strukturen.
  • Der Übergang von einer starren, ausgrenzenden Moral hin zu einer empathischen und toleranten neuen Moral.

Auszug aus dem Buch

Die moralische Rechtfertigung

Wie ist es Menschen möglich, schlimmste Gräueltaten moralisch vor ihrem Gewissen zu vertreten und nach außen zu rechtfertigen? Um den folgenden Abschnitt verständlich zu machen, werde ich in groben Zügen das Konzept des primären Narzissmus und des Ich-Ideals umreißen.

Der primäre Narzissmus stellt eine Entwicklungsphase dar, „in der sich das Kind mit seiner Umwelt, mit der Mutter verbunden fühlt“ (Fischer, 1986, S. 548) (Symbiotische Phase nach Mahler). In dieser Phase wurzelt das Grössen-Selbst mit all seinen Omnipotenzgefühlen, die das Kind jedoch im Laufe der Entwicklung nach und nach zugunsten der Entstehung von konsolidierten Selbst- und Objektrepräsentanzen aufgeben muss. Insbesondere die anal-sadistische Ausprägung des Grössen-Selbst ist in Erleben und Phantasie „...auf Omnipotenz, Herrschaft und Macht ausgerichtet“ (Mertens & Waldvogel, 2002, S. 121).

Das Ich-Ideal entsteht wie das Über-Ich beim Untergang des Ödipuskomplexes. „Die Objektbesetzungen werden aufgegeben und durch Identifizierung ersetzt“ (Freud, 1989, S. 154). Die unfehlbaren und allmächtigen „...Anteile der Elternautorität verinnerlichen wir im Über-Ich, die dazugehörenden idealen Maßstäbe im Ich-Ideal“ (Henseler, 1985, S. 199). So wird das Ich-Ideal zum sublimierten Ersatz für den verlorenen Narzissmus der Kindheit, in der die Libido ich- und nicht objektbezogen war.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einführung: Diese Einleitung führt in den Begriff der Moral ein und kontextualisiert die Fragestellung unter Einbeziehung der psychoanalytischen Theorien der Mitscherlichs.

2 Arbeit, Sublimierung, Ich-Stärke und Moral: Das Kapitel beleuchtet den Zusammenhang zwischen modernen Arbeitsformen, der Stärkung der Ich-Funktionen und der Fähigkeit zur Sublimierung von Triebzielen.

3 Moral, Sadismus und Todestrieb: Hier wird die psychoanalytische Sicht auf die Verbindung von autoritärer Moral, unbewusstem Sadismus und der Destruktivität des Todestriebs analysiert.

4 Die Relativierung der Moral: Dieser Abschnitt erarbeitet ein neues Verständnis von Moral, das auf Empathie und der Akzeptanz von Andersartigkeit anstatt auf starrer Ausgrenzung basiert.

5 Zusammenfassung: Das abschließende Kapitel resümiert die Notwendigkeit, Moral als wandlungsfähiges Konzept in einer konsumorientierten Gesellschaft neu zu definieren.

Schlüsselwörter

Moral, Psychoanalyse, Todestrieb, Über-Ich, Narzissmus, Sublimierung, Relativierung, Gesellschaftskritik, Ethik, Individualisierung, Sadismus, Empathie, Psychologie, Wertesystem, Ich-Ideal.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit thematisiert die kritische Hinterfragung des traditionellen Moralbegriffs und zeigt auf, wie Moral gesellschaftlich konstruiert, oft jedoch auch pervertiert wird.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zu den Kernpunkten gehören die Psychoanalyse der Moralentwicklung, der Einfluss von Triebstrukturen wie Sadismus und Todestrieb sowie die Auswirkungen soziokultureller Veränderungen auf das menschliche Handeln.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist die Dekonstruktion eines absoluten Moralverständnisses, um Raum für eine „neue“ Moral zu schaffen, die auf individueller Reflexion und empathischem Verständnis basiert.

Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse psychoanalytischer Literatur, primär unter Rückgriff auf die Werke von Alexander und Margarete Mitscherlich sowie Sigmund Freud.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden die psychodynamischen Hintergründe moralischen Handelns sowie die Zusammenhänge zwischen Arbeit, Machtstrukturen und der Unterdrückung kritischen Denkens erörtert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Moral, Psychoanalyse, Relativierung, Todestrieb und Ich-Ideal definiert.

Inwiefern beeinflusst das „Ich-Ideal“ das moralische Verhalten?

Das Ich-Ideal fungiert als innerer Maßstab, der, wenn er durch äußere Instanzen wie Führerfiguren besetzt wird, zu blinder Identifizierung und der Abwertung anderer führen kann.

Welche Rolle spielt die „Atempause des Denkens“ im Konzept der neuen Moral?

Sie ermöglicht eine distanzierte Betrachtung von Entscheidungssituationen, wodurch der Mensch aus automatisierten, angstgetriebenen Reaktionen ausbrechen und empathisch agieren kann.

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Details

Title
Über die Relativierung der Moral
Subtitle
Die Unfähigkeit zu trauern - die Bewältigung des nationalsozialistischen Traumas in der deutschen Gesellschaft
College
University of Bremen  (Fachbereich 11)
Course
Psychoanalytische Kulturpsychologie
Grade
1,0
Author
Dipl.-Psych. Lars Tischler (Author)
Publication Year
2003
Pages
16
Catalog Number
V135062
ISBN (eBook)
9783640429912
ISBN (Book)
9783640430116
Language
German
Tags
Mitscherlich Nationalsozialismus Psychoanalyse Massenpsychologie Führer
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Dipl.-Psych. Lars Tischler (Author), 2003, Über die Relativierung der Moral, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/135062
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