Über den gesamten Globus werden jährlich Milliardenbeträge in Auf- und Ausrüstung von Truppen und in die Forschung investiert um das eigentliche Kriegsereignis, so es denn eintritt, so kostengünstig und präzise zu gestallten wie möglich. So ist gar von „Chirurgischer Kriegsführung“ die Rede, die es aufgrund des erreichten Technologiestandards möglich mache Kollateralschäden nahezu zu vermeiden. Klar ist, dass die Rüstungsfirmen, welche die Regierungen direkt beliefern und mit ihnen zusammenarbeiten mehr und mehr an Einfluss gewinnen und auch politischen Druck ausüben können. Immerhin schaffen ihre Aufträge Arbeitsplätze und sind somit mittelbar beteiligt am Wachstum der Volkswirtschaften.
Die Existenz und er Einfluss einer militärindustriellen Lobby kann in vielen westlichen Industrieländern festgestellt werden. Diese Einflussnahme der Industrie auf die Politik, die personelle Verflechtung zwischen Politik und Industrie und die daraus resultierenden Entscheidungen und Projekte werden gemeinhin als militärischindustrieller Komplex bezeichnet.
Diese Arbeit hat es sich nun zum Ziel gesetzt, den Einfluss des militärisch industriellen Komplexes auf die amerikanische Regierung in der Ära George Walker Bush herauszuarbeiten.
Hierzu wird in einem ersten Schritt in Form einer „Bestandsaufnahme“ ein Blick auf die Entwicklung der Rüstungsausgaben und die Verhältnismäßigkeit dieser geworfen sowie ein Überblick über Daten, Fakten und Zahlen geliefert. Als Grundlage dient hier der Bericht des Project on Government Oversight (POGO). In einem weiteren Schritt wird die Verflechtung von (Militär)industrie und Regierungsadministration mit Hilfe einiger populärer Namen verdeutlicht.
Schließlich wird am Beispiel der letztendlich gescheiterten Ausschreibung von 100 Tankflugzeugen durch die United States Air Force (USAF) die Problematik des Lobbyismus durch die Rüstungsindustrie verdeutlicht um dann abschließend, in Form eines Ausblicks ein paar Worte über die kommende Amtszeit Barack Obamas zu verlieren.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
3. Die Eckpfeiler des Rüstungsbooms im neuen Jahrtausend
4. Tank Wars: Das Ringen um neue Tanker für die United States Air Force
5. Ausblick
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Hausarbeit analysiert den Einfluss des militärisch-industriellen Komplexes auf die US-Regierung während der Amtszeit von George W. Bush, indem sie die Verflechtungen zwischen Politik, Militär und Rüstungskonzernen untersucht.
- Entwicklung und Dynamik der US-Rüstungsausgaben
- Strukturelle Verflechtungen durch das sogenannte "Drehtürprinzip"
- Fallstudie: Die Ausschreibung von Tankflugzeugen für die United States Air Force
- Die Rolle einflussreicher politischer Akteure wie Dick Cheney und Donald Rumsfeld
- Politische Auswirkungen des "Global War On Terrorism" (GWOT)
Auszug aus dem Buch
4. Tank Wars: Das Ringen um neue Tanker für die United States Air Force
Im Jahre 2002 schrieb die USAF einen Auftrag über 100 Tankflugzeuge zur Erneuerung der in die Jahre gekommen Tankerflotte aus.
Diese Ausschreibung und der weitere Verlauf der Verhandlungen sind ein Musterbeispiel für die Folgen von Lobbyarbeit seitens der Rüstungsindustrie und müssen daher hier genauer untersucht werden.
Am 28. März 2002 fällte man bei der USAF die Entscheidung in einem Stufenplan 100 der ältesten Tanker, die im Schnitt 47 Jahre alt waren, durch neue Boeing KC-767 zu ersetzen. Boeing setzte sich als amerikanischer Rüstungskonzern gegen den Europäischen Mitbewerber EADS durch, auch wenn dieser eigentlich ein weitaus günstigeres Angebot für seine Tanker Typ KC-330 vorlegte. Zwar ist eine Förderung der eigenen Wirtschaft als Beweggrund sicherlich ein Argument an dem zunächst nichts Verwerfliches ist, jedoch muss auch angemerkt werden, dass Richard Perle, seineszeichens Mitbegründer des PNAC, mit dem Abschluss des Projekts betraut war. Dieser Umstand allein ist zwar kein Grund zum Argwohn, der Rüstungskonzern Boeing hatte aber zudem etwa ein Jahr vor dem ersten Vertragsabschluss eine Zahlung in Höhe von 20 Mio. US-Dollar in Perles Risikokapitalversicherung „Trireme Partners“ eingezahlt. So bekommt die Bevorzugung Boeings vor EADS trotz des weitaus schlechteren Angebots zumindest einen bitteren Beigeschmack.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in das Thema des militärisch-industriellen Komplexes und Darlegung der Zielsetzung, den Einfluss dieser Strukturen auf die Regierung Bush zu untersuchen.
3. Die Eckpfeiler des Rüstungsbooms im neuen Jahrtausend: Untersuchung der politischen Akteure sowie der Personalverflechtungen zwischen Regierung und Rüstungsindustrie, insbesondere im Kontext des GWOT.
4. Tank Wars: Das Ringen um neue Tanker für die United States Air Force: Analyse des Lobbyismus anhand des konkreten Beispiels einer milliardenschweren Ausschreibung für Tankflugzeuge.
5. Ausblick: Diskussion der Haltung von Barack Obama gegenüber dem Lobbyismus und erste politische Reformschritte zu Beginn seiner Amtszeit.
6. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der nachgewiesenen Verflechtungen zwischen Wirtschaft, Militär und Politik sowie deren Auswirkungen auf den demokratischen Entscheidungsprozess.
Schlüsselwörter
Militärisch-industrieller Komplex, George W. Bush, Rüstungsindustrie, Lobbyismus, Pentagon, USAF, Boeing, Drehtürprinzip, GWOT, Verteidigungshaushalt, Politische Verflechtungen, Halliburton, Donald Rumsfeld, Dick Cheney, PNAC
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Einfluss des militärisch-industriellen Komplexes auf die US-Regierung in der Ära George W. Bush.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die Rüstungsausgaben, Lobbyarbeit, Personalverflechtungen zwischen Politik und Rüstungsunternehmen sowie der Einfluss auf militärische Beschaffungsprozesse.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Verflechtung von Industrie, Militär und Politik sowie die daraus resultierenden Entscheidungen für die Rüstungsbranche aufzuarbeiten.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt eine Bestandsaufnahme von Daten und Fakten sowie die Analyse von Fallbeispielen, gestützt auf Berichte wie den des "Project on Government Oversight" (POGO).
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Akteure wie Rumsfeld und Cheney, die Rolle des PNAC sowie den detaillierten Ablauf der Ausschreibung von Tankflugzeugen für die USAF.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Zu den Kernbegriffen gehören Militärisch-industrieller Komplex, Lobbyismus, Rüstungskonzerne, Drehtürprinzip und US-Sicherheitspolitik.
Welche Rolle spielt das "Drehtürprinzip" im Text?
Es dient als Erklärungsmodell für den stetigen Wechsel von Führungspersonal zwischen hohen Regierungsämtern und Spitzenpositionen in der Rüstungsindustrie.
Wie bewertet der Autor den Einfluss der Rüstungslobby auf die Regierung Bush?
Der Autor zeigt auf, dass die Regierung Bush durch intensive Lobbyarbeit und personelle Verbindungen massiv in die Interessen der Rüstungskonzerne eingebunden war, was teilweise zu wirtschaftlich ineffizienten Entscheidungen führte.
Was verdeutlicht das Fallbeispiel der "Tank Wars"?
Das Beispiel zeigt exemplarisch, wie Wettbewerbsverzerrungen und Lobbyismus bei milliardenschweren Staatsaufträgen zugunsten spezifischer Konzerne wie Boeing auftreten.
Wie schätzt der Autor die Aussicht unter Barack Obama ein?
Der Autor blickt vorsichtig optimistisch auf Obamas Bestreben, den Lobbyismus einzudämmen, merkt jedoch an, dass der tief verwurzelte Einfluss des industriellen Komplexes eine große Herausforderung darstellt.
- Citation du texte
- Patrick Gälweiler (Auteur), 2009, Der Militärisch-Industrielle Komplex in Amerika und sein Einfluss in der Regierungszeit George W. Bushs , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/135072