Die Beobachtung der Lehrer:innenkonferenz innerhalb meines Praktikums begeisterte mich sehr, sodass sich mir die folgende Forschungsfrage stellte: Inwiefern und auf welche Art und Weise werden diskriminierende Handlungen im Schulalttag innerhalb einer Lehrer:innenkonferenz einer Sekundarschule kommuniziert?
Eine neue Erfahrung war für mich definitiv die Leher:innenkonferenz, die man als Schüler:in einst nur vom Hörensagen kannte. Jene hat mich noch Wochen nach der Teilnahme beschäftigt. Die Schulleiterin informierte das gesamte Kollegium über einen diskriminierenden Vorfall innerhalb der Schülerschaft, den ich im Hauptteil inhaltlich füllen werde. Die Art und Weise, wie die Schulleiterin die Informationen für das unwissende Kollegium darstellte, erinnerte mich stark an die „Vier Praktiken im Umgang mit Rassismus“ von Astrid Messerschmidt. Jene wissenschaftliche Ausarbeitung gewann schon während des OPSE-Begleitseminars mein Interesse und schärfte mein Sinn in Bezug auf verbale und schriftliche Interaktion über Vorkommen von Rassismus.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Vorstellung der Schule
2. Hauptteil
2.1 Beobachtete Praxis
2.2 Referierte Theorie
2.3 Theorie-Praxis-Reflexion
2.4 Inhaltliches Fazit
3. Persönliches Resümee
4. Literaturverzeichnis
5. Anhang
Schilder/Plakate von SOR-SMC, die die Schule aufgehangen hat.
Zielsetzung & Forschungsschwerpunkte
Die Arbeit untersucht im Kontext einer orientierenden Praxisstudie, wie rassistische Vorfälle innerhalb einer Lehrer:innenkonferenz an einer Sekundarschule kommuniziert und reflektiert werden, um ein tieferes Verständnis für die professionelle Auseinandersetzung mit Diskriminierung im Schulalltag zu erlangen.
- Analyse der Kommunikation über rassistische Vorfälle im Lehrerkollegium.
- Anwendung des Rassismus-Begriffs nach Rudolf Leiprecht.
- Reflexion der Beobachtungen durch die "Vier Praktiken im Umgang mit Rassismus" von Astrid Messerschmidt.
- Evaluierung der Wirksamkeit von schulischen Programmen wie "Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage".
- Eignungsreflexion des Autors im Hinblick auf den Lehrberuf.
Auszug aus dem Buch
2.1 Beobachtete Praxis
Die Grundlage der beobachteten Praxis ist eine Lehrer:innenkonferenz, die am 23.03.2022 ab 18 Uhr stattfand. In der knapp zwei stündigen Konferenz über Zoom ging es hauptsächlich um die Ergebnisse der durchgeführten Lernstandserhebungen, Schulorganisatorisches durch Personalmangel und Covid und die Neuanmeldungen für das kommende Schuljahr. Der für diese Arbeit wichtige Teil lässt sich in das letzte Drittel der Chronologie einordnen und sorgte für die größte Beteiligung innerhalb des Kollegiums. Dieser Abschnitt wird in der Darstellung am umfangreichsten berücksichtigt.
An der Konferenz nahmen alle Lehrkräfte, die dreiköpfige Schulleitung, die Sozialarbeiterinnen und jegliche Praktikanten teil.
Nachdem die Schulleiterin ihre Darstellung der Ergebnisse der Lernstandserhebung beendet hatte, geht sie in das neue Thema über. Als Übergang nutzt sie eine eher leere Folie in ihrer sonst sehr ausgestalteten PowerPoint-Präsentation. „Jetzt kommen wir zu den noch unangenehmeren Sachen…“ fährt sie fort und übergibt die Redemacht an einen anderen Lehrer, der innerhalb der Schule als Koordinator für das Programm SORSMC zuständig ist. Er fängt an und stellt den Vorfall sehr detailliert und neutral dar, um alle anderen Teilnehmenden auf den gleichen Wissensstand zu bringen. Er erzählt dem Kollegium, dass er mit seiner Arbeitsgemeinschaft anlässlich der kriegerischen Ereignisse im Osten Europas drei Regenbogenflaggen mit „Pasch“-Aufzug bestellt hatte und sie mit ein paar Schüler:innen in der ersten Pause am Montag der derzeitigen Woche aufgehangen hat.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung des Praktikumsrahmens und Darlegung der Forschungsfrage zur Kommunikation über rassistische Handlungen im Schulalltag.
2. Hauptteil: Detaillierte Schilderung eines konkreten Diskriminierungsvorfalls, theoretische Fundierung durch Leiprecht und Messerschmidt sowie deren Anwendung auf die Praxis.
3. Persönliches Resümee: Reflexion der eigenen berufsbezogenen Erfahrungen während des Praktikums und Identifikation zukünftiger Entwicklungswünsche.
4. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten wissenschaftlichen Quellen.
5. Anhang: Visuelle Dokumentation der SOR-SMC-Plakatierung an der Schule.
Schlüsselwörter
Rassismus, Schulkultur, Lehrer:innenkonferenz, Diskriminierung, Astrid Messerschmidt, Rudolf Leiprecht, Schulalltag, Kulturalisierung, Lehrerbildung, Praxisreflexion, SORSMC, Professionalisierung, Demokratieerziehung, Schulentwicklung, Distanzierungsmuster.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Analyse einer Lehrer:innenkonferenz an einer Sekundarschule, während der ein rassistischer Vorfall in der Schülerschaft thematisiert wurde.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen sind Rassismus im schulischen Kontext, der Umgang mit diskriminierenden Mustern im Kollegium und das staatlich geförderte Projekt „Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage“.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, die Art und Weise der Kommunikation über rassistische Vorfälle kritisch zu untersuchen und zu prüfen, inwieweit diese Kommunikation zu einer Sensibilisierung oder eher zu einer Distanzierung beiträgt.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?
Die Arbeit nutzt die qualitative Beobachtung und verbindet diese mit einer theoretischen Analyse basierend auf dem Rassismus-Begriff nach Rudolf Leiprecht sowie den vier Distanzierungspraktiken von Astrid Messerschmidt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Neben der Beschreibung des Vorfalls (das Zerschneiden von Regenbogenflaggen) analysiert der Autor die Reaktionen der Lehrkräfte, insbesondere die Skandalisierung und Kulturalisierung als Verteidigungsmechanismen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Publikation?
Die Arbeit ist insbesondere durch die Begriffe Distanzierungsmuster, rassistische Normalität, Kulturalisierung und reflektierte Lehrerprofessionalität geprägt.
Welche Rolle spielt das Projekt „Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage“ in der Analyse?
Das Projekt dient als Schullogo und Selbstverpflichtung der Schule, wird jedoch vom Autor kritisch hinterfragt, da es teilweise als Instrument genutzt wird, um strukturellen Rassismus als "Ausnahmeerscheinung" abzutun.
Wie reagierte das Lehrerkollegium auf den Vorfall?
Die Reaktionen waren gemischt: Einerseits gab es Versuche, den Vorfall zu skandalisieren, andererseits wurde durch Kulturalisierungsansätze eine Auseinandersetzung mit der Tiefe rassistischer Denkmuster teilweise blockiert.
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- Philipp Wandelt (Author), 2022, Praktikum an einer Realschule. Kommunikation von rassistischen Handlungen im Schulalltag innerhalb einer Lehrerkonferenz, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1350851