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Budgethilfe zur Armutsbekämpfung. Eine kritische Analyse

Title: Budgethilfe zur Armutsbekämpfung. Eine kritische Analyse

Seminar Paper , 2009 , 13 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Diplom-Verwaltungswirt (FH) Matthias Will (Author)

Business economics - Miscellaneous
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Budgethilfe ist vom Ansatz ein gut durchdachtes Instrument, das theoretisch darauf abzielt die komplexen Ursachen der Armut zu bekämpfen. Die ersten kritischen Erfahrungsberichte legen jedoch dar, dass dieser theoretische Ansatz erstens nur schwer umsetzbar ist und zweitens bestenfalls wirkungslos ist, oft aber sogar negative Konsequenzen hat. Zentrale Armutsursache in den Entwicklungsländern ist nicht das Fehlen von Finanzmitteln, wie es viele neoklassische Modelle analysieren. Ursache der Armut sind mangelhafte gesellschaftliche/ staatliche Institutionen. Gerade die Eliten in den Entwicklungsländern profitieren aber aus diesen unzureichenden Institutionen (z. B. durch Korruption, staatliche Monopole). Hier entsteht ein unlösbarer Zielkonflikt zwischen Ownership und Verbesserung des institutionellen Rahmenfeldes.
Neben der Armutsbekämpfung haben sowohl die Geber- als auch die Nehmerländer vielfältige Interessen. Für die Nehmerländer ist vor allem der Bestandserhalt der Eliten aufzuführen. Auf anderer Seite sind politische wie wirtschaftliche Absichten zu nennen, aber auch Medienwirksamkeit und die Einhaltung haushaltsrechtlicher Bestimmungen. Es werden sich also Hilfsmaßnahmen herausbilden, bei denen sowohl eine faktische Konditionalisierung weiterhin besteht als auch Ownership dazu dient, die Interessen der Eliten zu wahren. Bezüglich der Armutsbekämpfung sind beide Ausprägungen als äußerst kritisch anzusehen.

Der implizierte Managementansatz der Budgethilfe ist wegen fehlender Strukturen ineffektiv und ineffizient. So fehlen in der Planungsphase Kapazitäten in den Behörden der Nehmerländer, was auch nicht durch die Geber kompensiert werden kann. Die Umsetzung der Hilfsmaßnahmen wird erschwert durch fehlende Kooperation unter den Gebern und durch unzureichende Verantwortungszuweisungen in den Bürokratien der Nehmer. Darüber hinaus fehlt es an einer objektiven Evaluierung, wenn diese wegen fehlender Daten überhaupt möglich ist.

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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung: Armut als ein komplexes Problem

2. Ziele der Entwicklungshilfe

3. Budgethilfe als Weiterentwicklung klassischer Entwicklungshilfe

4. Grenzen der Budgethilfe

4.1 Schlechte Regierungsführung als Armutsursache

4.2 Grenzen des ownership-Gedankens

4.3 Eingeschränkte Steuerungsmöglichkeiten der Zielgruppenorientierung

4.3.1 Ex ante: Kapazitätsengpässe, Fehlanreize und kulturelle Verständigungsschwierigkeiten in der Planungsphase

4.3.2 Ex tunc: Schwierige Abstimmung unter Geberländern und fehlende Verantwortlichkeit

4.3.3 Ex post: Schranken der Evaluierung

4.4 Fehlanreize durch eine Erhöhung der Entwicklungshilfe

5. Resümee: Differenzierende Lösungen für komplexe Probleme erforderlich

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht kritisch den Ansatz der Budgethilfe als Instrument der Entwicklungspolitik. Das primäre Ziel ist es, die systemimmanenten Probleme dieses Ansatzes aufzuzeigen, die eine zielorientierte Armutsbekämpfung erschweren, und alternative Ansätze zur Förderung lokaler Entwicklung zu diskutieren.

  • Multidimensionalität der Armut als Herausforderung für Entwicklungshilfe
  • Die Rolle der Regierungsführung und institutioneller Rahmenbedingungen
  • Prinzipal-Agent-Probleme im Kontext der Geber-Nehmer-Beziehungen
  • Effektivität der Budgethilfe und ihre Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum
  • Kritische Analyse von Steuerungsinstrumenten und Evaluierungsmethoden

Auszug aus dem Buch

4.1 Schlechte Regierungsführung als Armutsursache

Eine breite Literatur kommt zu dem Ergebnis, dass die primäre Armutsursache schlechte Regierungsführung ist. Unter schlechter Regierungsführung wird allgemein ein Demokratiedefizit, Korruption, staatliche Willkür, fehlender Eigentumsschutz und dergleichen verstanden. Klassische Entwicklungshilfe hat erfolglos versucht, unter diesen widrigen Umständen zu wirken. So waren im Jahr 2002 die 15 am stärksten unterstützten Länder, unter den 25% der Länder mit der schlechtesten Regierungsführung. Auch konnte kein Nachweis erbracht werden, dass korrupte Staaten weniger unterstützt werden. Tatsächlich wurden diese in der Vergangenheit sogar stärker unterstützt. Eine Trendwende war bis 2002 nicht ersichtlich. Besonders korrupte und demokratiedefizitäre Länder zeichnen sich darüber hinaus noch mit sehr geringen Wachstumsraten aus. Für Entwicklungshilfe bedeutet dies, dass Transfers in Länder mit schlechter Regierungsführung nur einen sehr geringen Einfluss auf das Wachstum haben. Darüber hinaus lässt sich empirisch nachweisen, dass Entwicklungshilfe, wenn sie 8 % des BIP des Nehmerlandes übersteigt, sogar eher nachteilig auf das Wachstum wirkt und bis zu dieser Schwelle der Grenznutzen der Hilfe abnehmend ist.

Budgethilfe kann Armut nur dann bekämpfen, wenn sie dazu beiträgt, die nationalen Institutionen zu verbessern. Dieser Gedanke wurde auch in der Pariser Erklärung aufgenommen, denn die Geberländer sollen unterstützend dazu beitragen, dass die Institutionen der Entwicklungsländer sich verbessern. Die Unterstützung soll aber ohne Konditionalität erfolgen. Hierin liegt aber ein Zielkonflikt, was als prinzipielles Problem der Budgethilfe verstanden werden kann. Besonders die Eliten in Entwicklungsländern haben kein Eigeninteresse die vorhandenen Institutionen zu verbessern, denn sie profitieren von den für die Gesellschaft mangelhaften Institutionen. Eine Vergabe von Geldern in einem institutionell mangelhaften Umfeld führt aber dazu, dass die eigentliche Armutsursache nicht bekämpft wird.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Armut als ein komplexes Problem: Die Einleitung definiert Armut als multidimensionales Phänomen und führt den Ansatz der Budgethilfe als neuen, jedoch problematischen Mechanismus der Entwicklungshilfe ein.

2. Ziele der Entwicklungshilfe: Dieses Kapitel erläutert die im Rahmen der Millenniumsziele formulierten Strategien und die Anforderungen der Paris Declaration an die Effizienz von Hilfszahlungen.

3. Budgethilfe als Weiterentwicklung klassischer Entwicklungshilfe: Es wird diskutiert, wie Budgethilfe den Wachstumsprozess unterstützen soll, wobei auf die empirisch schwer belegbare Wirkung auf Investitionen und Wachstum eingegangen wird.

4. Grenzen der Budgethilfe: Dieser Hauptteil analysiert detailliert systemische Hindernisse wie schlechte Regierungsführung, Interessenkonflikte (Prinzipal-Agent), Steuerungsprobleme und methodische Schwächen bei der Evaluierung.

5. Resümee: Differenzierende Lösungen für komplexe Probleme erforderlich: Das Fazit stellt fest, dass Budgethilfe kein Allheilmittel ist und plädiert für dezentralere Ansätze, die besser an die lokalen Anforderungen angepasst sind.

Schlüsselwörter

Budgethilfe, Entwicklungspolitik, Armutsbekämpfung, Regierungsführung, Ownership, Millenniumsziele, Paris Declaration, Prinzipal-Agent-Analyse, Institutionen, Korruption, Evaluierung, Wirtschaftswachstum, Entwicklungsländer, Konditionalität, Zivilgesellschaft

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert kritisch das Konzept der Budgethilfe als ein Instrument zur Armutsbekämpfung in Entwicklungsländern und beleuchtet die damit verbundenen strukturellen Schwierigkeiten.

Welche sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die zentralen Themen umfassen die Effektivität von Entwicklungshilfegeldern, die Qualität staatlicher Institutionen in Nehmerländern sowie die Dynamik der Geber-Nehmer-Beziehungen.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Ziel ist es aufzuzeigen, warum eine zielorientierte Armutslinderung durch Budgethilfe aufgrund systemimmanenter Probleme, wie etwa Anreizstrukturen bei den beteiligten Akteuren, oft nur schwer zu erreichen ist.

Welche wissenschaftliche Methode liegt der Analyse zugrunde?

Die Arbeit nutzt eine kritische Literaturanalyse und wendet unter anderem die Prinzipal-Agent-Theorie an, um die Interessenkonflikte zwischen Geberländern, deren Regierungen und den Empfängereliten zu modellieren.

Welche inhaltlichen Aspekte werden im Hauptteil vertieft?

Der Hauptteil behandelt die Auswirkungen schlechter Regierungsführung, die Grenzen des Ownership-Gedankens sowie die Schwierigkeiten bei der zielgruppenorientierten Planung und anschließenden Evaluierung von Hilfsmaßnahmen.

Welche Schlagworte charakterisieren diese Analyse am besten?

Besonders prägend sind Begriffe wie Budgethilfe, Institutionenqualität, Prinzipal-Agent-Problematik, Ownership und die methodischen Herausforderungen der Evaluierung in instabilen Umfeldern.

Warum wird die Rolle der Eliten in den Empfängerländern besonders kritisch betrachtet?

Der Autor argumentiert, dass Eliten in Ländern mit schwachen Institutionen oft kein Interesse an Reformen haben, da sie von den bestehenden, mangelhaften Strukturen profitieren, was die Zielsetzung der Budgethilfe konterkariert.

Welche Alternativen zur zentralistischen Budgethilfe werden im Resümee angedeutet?

Es werden dezentrale Ansätze wie die Ausgabe von Gutscheinen an die Armen oder die Nutzung spezialisierter Plattformen diskutiert, um Wissen effizienter zu nutzen und die Abhängigkeit von bürokratischen Staatsstrukturen zu verringern.

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Details

Title
Budgethilfe zur Armutsbekämpfung. Eine kritische Analyse
College
Martin Luther University  (Internationale Wirtschaftsbeziehungen)
Grade
1,3
Author
Diplom-Verwaltungswirt (FH) Matthias Will (Author)
Publication Year
2009
Pages
13
Catalog Number
V135102
ISBN (eBook)
9783640431298
ISBN (Book)
9783640431441
Language
German
Tags
Budgethilfe Eine Analyse
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Diplom-Verwaltungswirt (FH) Matthias Will (Author), 2009, Budgethilfe zur Armutsbekämpfung. Eine kritische Analyse, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/135102
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